Präsident Barack Obama wurde wiedergewählt. Israelis und Palästinenser schießen aufeinander. Syrien versinkt im Bürgerkrieg. Und den Vereinigten Staaten droht eine gewaltige Haushaltskrise. Was sollte Präsident Barack Obama jetzt tun? Wird die republikanische Opposition einlenken? Welche Konsequenzen sollte sie aus ihrer Niederlage bei den Wahlen ziehen? All das war am Wochenende Thema auf dem jährlichen Internationalen Sicherheitsforum in Halifax, Kanada . Der ZEIT-Korrespondent Martin Klingst sprach auf dem Gipfel darüber mit John McCain . Vor vier Jahren unterlag der republikanische Senator aus Arizona bei der Präsidentschaftswahl Obama.

ZEIT ONLINE: Die Welt fürchtet, die Kämpfe zwischen Israelis und der palästinensischen Hamas-Bewegung im Gazastreifen könnten sich zu einem Krieg ausweiten. Tut Präsident Obama genug, um die Krise einzudämmen?

John McCain: Auf keinen Fall darf sich Amerika in diesem Augenblick zurückhalten. Im Gegenteil, es muss Führung zeigen und mit ganzer Kraft versuchen, diese brandgefährliche Situation so gut wie irgendwie möglich zu entkrampfen. Dazu gehört es auch, Ägyptens neuen Präsidenten Mohammed Mursi einzubinden. Alle in der Region hoffen auf Amerika.

ZEIT ONLINE: Diese Erwartungen wurden in letzter Zeit enttäuscht.

McCain: Vielleicht waren sie zu hochgesteckt. Das ist ja nicht der erste Konflikt mit Hamas . Nur gibt es jetzt eine völlig veränderte Lage: Wir haben eine andere Regierung in Kairo . Ägyptens Machthaber waren in vergangenen Zeiten immer ein verlässlicher Anker der Stabilität und hatten großen Einfluss auf alle Fraktionen der Palästinenser. Doch Präsident Mursi? Er übt sich in einem Drahtseilakt. Denn er hat einerseits versprochen, den alten Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel einzuhalten. Andererseits muss er Rücksicht nehmen auf seine Basis, die Muslimbrüder, die keine Sympathien für Israel hegt.
In diesem Konflikt können wir außerdem heilfroh über den technologischen militärischen Fortschritt sein. Dank Iron Dome, des mit amerikanischer Hilfe gebauten Raketenabwehrsystems , können Israelis palästinensische Geschosse in der Luft zerstören. Das ist bereits in 90 Prozent der Fälle gelungen. Sonst wäre die israelische Armee schon längst wieder in den Gazastreifen einmarschiert.

ZEIT ONLINE: Und nebenan brennt Syrien. Die Welt erscheint ohnmächtig, während das Assad-Regime sein eigenes Volk mordet.

McCain: Dagegen müssen wir mehr tun. Es darf nicht länger so weiter gehen. Die Iraner unterstützen Präsident Assad mit eigenen Kämpfern, und außerdem strömen russische Waffen nach Syrien. Alle Horrorszenarien, vor denen die Gegner jeglicher Einmischung des Westens uns gewarnt haben, sind inzwischen eingetreten: Die Nachbarländer werden instabil, islamistische Gotteskrieger aus Arabien streben nach Syrien, und die Zivilbevölkerung wird massakriert. 37.000 Menschen sind dem Regime zum Opfer gefallen. Ich schäme mich dafür, dies ist ein schändliches Kapitel amerikanischer Geschichte. Wir hätten mehr unternehmen müssen.

ZEIT ONLINE: Was also schlagen Sie vor?

McCain: Die USA sollten die Opposition endlich bewaffnen und militärisch unterstützen. Ich hoffe sehr, dass die Obama-Regierung alle Optionen prüft.

ZEIT ONLINE: Also auch den Kampfeinsatz von US-Truppen?

McCain: Nein, das amerikanische Volk würde den Einsatz von US-Bodentruppen nicht mittragen. Die Amerikaner sind kriegsmüde. Aber eine Flugverbotszone und Waffenhilfe könnten das Patt im Bürgerkrieg brechen. Assad setzt mehr und mehr Hubschrauber und Kampfjets ein, weil die Armee ausgelaugt ist. Wir müssen nicht gleich die ganze Luftabwehr um die Hauptstadt Damaskus lahmlegen. Es würde reichen, eine Flugverbotszone nahe der türkischen Grenze zu errichten und sie mit Abwehrraketen vom Typ Patriot zu schützen. Sobald wir einen Jet erwischt haben, fliegt kein zweiter mehr. Das wäre also keine dramatische Eskalation.