John McCain"Die Amerikaner sind kriegsmüde"

Israel und Palästina schießen aufeinander, Syrien versinkt im Bürgerkrieg. Die USA dürfen sich jetzt auf keinen Fall zurückhalten, sagt der Republikaner John McCain. von 

US-Senator John McCain

US-Senator John McCain  |  © EPA/Khaled Elfiqi/dpa

Präsident Barack Obama wurde wiedergewählt. Israelis und Palästinenser schießen aufeinander. Syrien versinkt im Bürgerkrieg. Und den Vereinigten Staaten droht eine gewaltige Haushaltskrise. Was sollte Präsident Barack Obama jetzt tun? Wird die republikanische Opposition einlenken? Welche Konsequenzen sollte sie aus ihrer Niederlage bei den Wahlen ziehen? All das war am Wochenende Thema auf dem jährlichen Internationalen Sicherheitsforum in Halifax, Kanada . Der ZEIT-Korrespondent Martin Klingst sprach auf dem Gipfel darüber mit John McCain . Vor vier Jahren unterlag der republikanische Senator aus Arizona bei der Präsidentschaftswahl Obama.

ZEIT ONLINE: Die Welt fürchtet, die Kämpfe zwischen Israelis und der palästinensischen Hamas-Bewegung im Gazastreifen könnten sich zu einem Krieg ausweiten. Tut Präsident Obama genug, um die Krise einzudämmen?

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John McCain: Auf keinen Fall darf sich Amerika in diesem Augenblick zurückhalten. Im Gegenteil, es muss Führung zeigen und mit ganzer Kraft versuchen, diese brandgefährliche Situation so gut wie irgendwie möglich zu entkrampfen. Dazu gehört es auch, Ägyptens neuen Präsidenten Mohammed Mursi einzubinden. Alle in der Region hoffen auf Amerika.

ZEIT ONLINE: Diese Erwartungen wurden in letzter Zeit enttäuscht.

McCain: Vielleicht waren sie zu hochgesteckt. Das ist ja nicht der erste Konflikt mit Hamas . Nur gibt es jetzt eine völlig veränderte Lage: Wir haben eine andere Regierung in Kairo . Ägyptens Machthaber waren in vergangenen Zeiten immer ein verlässlicher Anker der Stabilität und hatten großen Einfluss auf alle Fraktionen der Palästinenser. Doch Präsident Mursi? Er übt sich in einem Drahtseilakt. Denn er hat einerseits versprochen, den alten Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel einzuhalten. Andererseits muss er Rücksicht nehmen auf seine Basis, die Muslimbrüder, die keine Sympathien für Israel hegt.
In diesem Konflikt können wir außerdem heilfroh über den technologischen militärischen Fortschritt sein. Dank Iron Dome, des mit amerikanischer Hilfe gebauten Raketenabwehrsystems , können Israelis palästinensische Geschosse in der Luft zerstören. Das ist bereits in 90 Prozent der Fälle gelungen. Sonst wäre die israelische Armee schon längst wieder in den Gazastreifen einmarschiert.

ZEIT ONLINE: Und nebenan brennt Syrien. Die Welt erscheint ohnmächtig, während das Assad-Regime sein eigenes Volk mordet.

McCain: Dagegen müssen wir mehr tun. Es darf nicht länger so weiter gehen. Die Iraner unterstützen Präsident Assad mit eigenen Kämpfern, und außerdem strömen russische Waffen nach Syrien. Alle Horrorszenarien, vor denen die Gegner jeglicher Einmischung des Westens uns gewarnt haben, sind inzwischen eingetreten: Die Nachbarländer werden instabil, islamistische Gotteskrieger aus Arabien streben nach Syrien, und die Zivilbevölkerung wird massakriert. 37.000 Menschen sind dem Regime zum Opfer gefallen. Ich schäme mich dafür, dies ist ein schändliches Kapitel amerikanischer Geschichte. Wir hätten mehr unternehmen müssen.

ZEIT ONLINE: Was also schlagen Sie vor?

McCain: Die USA sollten die Opposition endlich bewaffnen und militärisch unterstützen. Ich hoffe sehr, dass die Obama-Regierung alle Optionen prüft.

ZEIT ONLINE: Also auch den Kampfeinsatz von US-Truppen?

McCain: Nein, das amerikanische Volk würde den Einsatz von US-Bodentruppen nicht mittragen. Die Amerikaner sind kriegsmüde. Aber eine Flugverbotszone und Waffenhilfe könnten das Patt im Bürgerkrieg brechen. Assad setzt mehr und mehr Hubschrauber und Kampfjets ein, weil die Armee ausgelaugt ist. Wir müssen nicht gleich die ganze Luftabwehr um die Hauptstadt Damaskus lahmlegen. Es würde reichen, eine Flugverbotszone nahe der türkischen Grenze zu errichten und sie mit Abwehrraketen vom Typ Patriot zu schützen. Sobald wir einen Jet erwischt haben, fliegt kein zweiter mehr. Das wäre also keine dramatische Eskalation.

Leserkommentare
  1. Welche Lehren sollte ihre Republikaner aus der Niederlage ziehen?

    Beim sollte(n) fehlt ein "n".

    Und vor "Sehen Sie die Gefahr, dass Ihre Partei zu weit nach rechts abdriftet?" fehlt "ZEIT ONLINE".

    Nur so nebenbei. :D

    Ansonsten kann man nur hoffen, dass Politiker wie er wieder die Mehrheit bei den Reps kriegen.
    Über die Sache mit der Flugverbotszone kann man natürlich streiten.

  2. Wenn die Amerikaner jedoch etwas tun, was der/den Gegenseite/nicht zusagt, werden wieder Botschaften gestürmt, Fahnen verbrannt. Besetzt Amerika die Rolle des "Weltgendarmen" nicht, gibt's Bashing von den Neutralen...

  3. ...zum neuen Secretary of State. Wenn jetzt Susan nur aufhören würde... Go Johnny, go, go.

    • SonDing
    • 18. November 2012 18:58 Uhr

    "Es würde reichen, eine Flugverbotszone nahe der türkischen Grenze zu errichten und sie mit Abwehrraketen vom Typ Patriot zu schützen."

    Wir erinnern uns:
    http://www.zeit.de/politi...

    "Thomas de Maizière (CDU) ... ein solcher Einsatz würde nur dem Schutz der Türkei dienen und wäre "keinerlei Einmischung in den syrischen Bürgerkrieg"."

    Ich schätze, sollten in Den Haag, tatsächlich Kriegsverbrecher abgeurteilt werden, wird es demnäcsht einiges zu tun geben - ich rede hier nicht unbedingt von Assad.

    Mc Cain - dieses Individum [...] ruft ganz offen und ungeniert zum Bruch des Völkerrechts auf. Ich hoffe man nimmt solche hetzerischen Aufrufe, nicht mehr allzu ernst.

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/au.

  4. Konflikten reden die Kontrahenten meist über die Anderen - und was sie alles falsch machen und was man von ihnen erwarten würde.

    Aber McCain spricht kein Wort darüber, was die die Amerikaner von ihren Freunden, den Israelis erwarten und fordern, immerhin ist das wohl die einzige Partei in dem Konflikt, auf die die USA wirklich hätten Einfluss nehmen können?

  5. "Die USA dürfen sich jetzt auf keinen Fall zurückhalten"
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    Natürlich nicht, wo kämen wir denn da hin wenn es irgendwo auf der Welt Krieg gäbe und die Amis nicht vor Ort wären?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Natürlich nicht, wo kämen wir denn da hin wenn es irgendwo auf der Welt Krieg gäbe und die Amis nicht vor Ort wären?"

    - ins Chaos

    Es ist Krieg und der Ami geht nicht hin.
    Man hat den Eindruck das der New World Order den USA langsam aber sicher die letzten finanziellen und humanen Ressourcen kostet.
    Ob ein Kollaps der USA genauso friedlich verläuft wie damals bei den Sowjets wage ich zu bezweifeln.

  6. sind ja ein feiner Schachzug und stellt dessen Schutz sicher aber das sollte genügen.
    Anderweitig würde ich die Waffenlieferungen an die Opposition eher beenden damit diese an den Verhandlungstisch mit Assad gehen!
    Beide Seiten der Bevölkerung ob Anhänger oder nicht wünschen sich Demokratie, Assad hat es versprochen und die Opposition will selbiges, hier liegt schoneinmal nicht das Problem.
    Das Konfliktpotential liegt letztendlich in der Zukunft der Opposition die von Assad als Terroristen bezeichnet wird und was aus den Anhängern der bewaffneten Opposition und in den Gefängnissen wird natürlich auch bei den rechten die einer späteren Regierung die aus Oppositionsmittglieder besteht und auch ein Christ sollte Präsident werden dürfen. Auch das Assad jemals zurücktritt kann durch Verhandlungen geklärt werden.
    Darüber sollte man verhandlen bevor man einen Krieg losbricht den man nicht bändigen kann.
    Ganz verkehrt ist Assad nicht da er sich der Demokratie nicht verschließt und sich zu Verhandlungen bereit zeigt. Die Opposition hingegen Verschließt sich momentan zu einen Dialog hier sollte man an den Verantwortlichen ansetzen damit dies möglich wird.
    Ein Krieg trift immer auch Unschuldige und der kann durch einen Dialog was wirklich nicht so schwer sein sollte Verhindert werden.

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  • Schlagworte Barack Obama | John McCain | Mohammed Mursi | Hamas | Nato | Syrien
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