Gaza-Konflikt : Netanjahu, der getriebene Akteur

Verstärkter Raketenhagel der Hamas, die nahende Wahl, das Recht auf Selbstverteidigung – die Militäraktionen Israels am Gazastreifen haben viele Gründe.
Israels Premier Benjamin Netanjahu bei einer Pressekonferenz zu dem Waffenkonflikt am Gazastreifen © Reuters/Stringer

Die Berichterstattung über Israels Operation Säulen der Verteidigung mutet wie die langweilige Wiederholung einer schlechten Nachrichtensendung an. Die Einsätze wirken wie eine Reprise der Operation Gegossenes Blei von 2008, als Israel schon einmal gegen die Hamas Krieg führte und Teile des Gazastreifens eroberte. Oder des zweiten Libanonkriegs 2006, als Israel gegen die Hisbollah-Miliz kämpfte; oder unzählige anderen Militäraktionen, die stets mit demselben Resultat endeten: mehr Hass auf beiden Seiten, und dem Gefühl, dass ein weiterer Schlagabtausch unvermeidlich ist.

Etwa 65 Tage vor Israels Parlamentswahlen gab Premier Benjamin Netanjahu den Befehl zum Angriff in Gaza . Angesichts dieser langen Liste der Fehlschläge seiner Vorgänger schenken nur wenige seinen Begründungen Glauben. Palästinensische Kommentatoren wähnen in Netanjahus Offensive nicht das Bestreben, die Abschreckung gegenüber der Hamas wiederherzustellen und im Süden Israels für Ruhe zu sorgen: Sie wittern einen heimtückischen Versuch, die Absicht ihres Präsidenten Mahmud Abbas , Ende November für die Palästinenser bei den Vereinten Nationen Beobachterstatus zu beantragen, mit einem blutigen Krieg zu untergraben.

Linke israelische Oppositionelle glauben, Netanjahu wolle mitten im Wahlkampf die Diskussion auf Sicherheitsfragen konzentrieren, um von innenpolitischen Problemen abzulenken. Arabische Beobachter vermuten zynisch, Netanjahu wolle mit dem Blut toter Palästinenser in Gaza patriotische Gefühle wecken, um so Ende Januar den Wahlsieg zu erringen.

Eine Kriegserklärung

Dabei ignorieren sie den simplen Umstand, dass Israels Bewohner seit mehr als zehn Jahren unter dem Raketenhagel palästinensischer Terrororganisationen leben. Die feuern ihre Geschosse nach eigenem Gutdünken völkerrechtswidrig auf israelische Ballungszentren ab. Mal schießen sie als Reaktion auf israelische Aggression, mal präventiv, mal ohne Erklärung. Vorzugsweise um viertel vor acht morgens: Dann befinden sich nämlich die meisten Kinder mit ihren Eltern auf dem Schulweg und weit weg von den Schutzräumen.

Nicht nur, dass dieser stete Beschuss in den vergangenen Wochen massiv zunahm. Palästinensische Terrororganisationen griffen in der vergangenen Woche wiederholt Soldaten jenseits des Grenzzauns zum Gazastreifen auf souveränem israelischem Staatsgebiet an. Laut internationalem Recht eine Kriegserklärung. Die Bewohner in Israels Süden fühlten sich wie Schießbudenfiguren, verlassen von ihrer Regierung. Sie fühlen sich vergessen von einer Welt, die von den regelmäßig niederregnenden zehn Raketen pro Woche nichts hören will. Doch auch diese wenigen Geschosse treiben stets Tausende Zivilisten in ihre Bunker.

Selten nur eine Ursache

Dem wollte Netanjahu ein Ende setzen. Auch die Operation Säulen der Verteidigung wird keine neuen Realitäten schaffen, bestenfalls kurzfristig für Ruhe sorgen. Die Hamas wird Israel weiter hassen, die arabische Welt Israel als Aggressor verunglimpfen. Warum beantwortete Netanjahu also die inoffizielle Kriegserklärung der Hamas dennoch jetzt mit Israels gewaltiger Kriegsmaschine?

Komplexe Entscheidungen haben selten nur eine Ursache. Weil die Angriffe gewagter wurden. Weil er der Hamas klarmachen will, dass sie nicht unantastbar ist, selbst wenn sie sich auf ein von Muslimbrüdern regiertes Ägypten berufen. Weil er der Gefahren im Süden Herr werden will, bevor sich an der Grenze zu Syrien neue auftun. Weil die Zahl der Hamas-Raketen, die auch Tel Aviv treffen konnten, einen kritischen Punkt erreichte. Und weil bald eine Wahl ist, und weil Abbas sich an die UN wendet, und weil ein Premier, der einen erfolgreichen Krieg vorweisen kann, mit einem Stimmenzuwachs rechnen kann. Und weil Israelis genau wie jedes andere Volk überzeugt sind das Recht zu haben, sich gegen den Beschuss ihrer Städte zur Wehr setzen zu dürfen.

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Kommentare

208 Kommentare Seite 1 von 23 Kommentieren

Ich denke auch, dass Frieden immer nur vom Stärkeren ausgehen...

...kann.

Israel kann nur unter den unsicheren und feindlichen Bedingungen, wie sie seit Jahren bestehen, seine Siedlungspolitik auf palästinensischem Gebiet weiter betreiben.

Wenn der Artikelschreiber leidvoll klagt, das pro Woche 10 Raketen auf israelisches Gebiet "niederregnen" - das sind 1,4 Raketen pro Tag, die meist auf unbewohntem Gebiet auftreffen - wird klar, wie gering die reale Gefahr und wie groß die Chancen für Israel im "unsicheren" Status Quo sind.

Aktionen wie Gegossenes Blei oder die regelmäßigen verhandlungsfreien Exekutionen führender Palästinenser per Lenk-/Präzisionswaffen zeigen, wie haushoch überlegen, gut sortiert und Herr der Lage die Israelis heute sind.

Erst wenn die Israelis fürchten müssen, tatsächlich etwas verlieren zu können, werden sie einlenken. So lange die USA das ägyptische Militär mit Geld zuschüttet und den Iran mit ausgesprochenen und unausgesprochenen Drohung in außenpolitischer Isolation und Passivität hält, wird das nicht passieren.

Machtstreben ist der falsche Weg!!!

Herr Netanjahu will den Krieg. Das hat nichts mit dem Recht auf Selbstverteidigung zu tun. Seine Siedlungspolitik ist einer der Hauptauslöser seiner Politik. Kriegslust und Blindheit haben noch nie zu einem friedlichen Zusammenleben geführt. Machtdenken in dieser Region ist der falsche Weg in diesem Viel - Völker Land.Er sollte die Bibel als Vorbild nehmen. aber diese Kraft besitzt Herr Netanjahu nicht!!

So einfach ist das nicht..

Die Masse der arabischen Staaten möchte Israel noch immer nicht anerkennen und ist ganz allgemein zu keinerlei Kompromiss bereit. Sie beharren auf einer Lösung, die einem Zustand vor der Gründung des israelischen Staates entspricht.

Neben den inzwischen instutionalisierten Terrorstrukturen innerhalb Palästinas, liegt für mich darin die Hauptursache für diesen endlosen Konflikt.

Fragen des Friedens sollten bitteschön auch an den palästinensischen Terror gerichtet werden, der seine Raketen und Bomben vorwiegend auf zivile Ziele richtet, während von Israel vorallem "militärische" Ziele angegriffen werden.

Man wollte nicht teilen

und man will nicht teilen.
Den zwischenzeitlich geschaffenene Mehrwert müsste man gezwungenermaßen mit schlucken.
Eigene Werte bisher? Wurde etwas geschaffen?
Im Westjordanland sind Hilfsorganisationen gerade dabei, etwas aufzubauen - dort wird es langsam ruhiger.
Irgendwann setzt dann hoffentlich auch das selbst Schaffen ein, sonst grassiert auch dort bald wieder die gefährliche Saat die aus zuviel Untätigkeit genährt wird.
Hilfsorganisationen leben davon, dass sie gebraucht werden; besser für die eigentlich betroffenen wäre es, selber tätig zu werden und selber zu schaffen - was bedeuten würde: Hilfsorganisationen adieu; die schaffen sich aber lieber abhängige Hilfsbedürftige.
Bis hierher nach Europa ....

Genau das ist doch auch der Grund

warum Israel, und auch die USA, verlangen, dass ein Friedensvertrag zwischen den beiden Beteiligten ausgehandelt werden muss.
Und dazu bedarf es allemal zu allererst, dass man darauf verzichtet, dem Anderen ein Lebensrecht/Existenzrecht von vorneherein abzusprechen (zumindest Hamas als Gaza- Führung und Steller des Ministerpräsidenten tun genau dies nicht).
Und dieses Absprechen des Lbensrechtes auch noch durch permanente Dauerbombardements gegen israelische Zivilbevölkerung auch schon seit Jahren in steter Beständigkeit unterstreicht.
Der Frieden muss von innen kommen - nicht vorgeschrieben von hinten.
Und es müssen verlässliche Verhandlungen mit legitimierten Verhandlungsführern sein: Nicht, dass in dem Moment, wo der eine Führer als Präsident sagt "peace", und der zweite zu Hause Israelis ermordet und der Welt verkündet "peace with Israel -never!".
Solange dies nicht gewährleistet ist, kann es auch keine verlässlichen Verhandlungen geben.
Eine Verhandlung bezweckt eine Vereinbarung - und die muss sichergestellt sein.
Daran genau hapert es bei den Palästinensern -
und genau das gibt der israelischen Seite des Recht des Handelns in die Hand.
Denn wenn ein Seite nicht will, und sich damit die Zukunft immer wieder aufs Neue verbaut, ist die andere Seite nicht gezwungenermaßen auch zum Nichtstun verurteilt.
Wie sagte Gorbi "Wer zu spät kommt, den bestraft die Geschichte" - die Palästinenser wollen es einfach nicht wahrhaben und müssen mit den Konsequenzen schmerzlich leben.

Die Masse der arabischen Staaten möchte Israel nicht anerkennen?

Doch, möchte sie.

57 arabische/muslimische Länder auf Initiative der Saudis !!

Und hat dazu sogar einen ganz konkreten Vorschlag
an Israel unterbreitet.

Der ignoriert wird.

""Die arabische Friedensinitiative ist ein Brückenschlag. Und sie hat eine enorme Bedeutung. Dahinter stehen 57 Staaten - es sind nicht nur arabische sondern moslemische Staaten. Die Lösung ist es, nicht nur Frieden mit einer Seite, sondern mit allen 57 Ländern zu schließen. Das ist das bedeutende." (Y. Erikkson)
Vor zehn Jahren hat der damalige saudische Kronprinz Abdallah vorgeschlagen, das alle Staaten der arabischen Liga ihre Beziehungen zu Israel normalisieren. Dafür soll Israel die gewaltsame Besatzung der palästinensischen Gebiete beenden. Außerdem geht es um einen Rückzug aus Ost-Jerusalem und ein Rückkehrrecht für palästinensische Flüchtlinge."

http://www.dradio.de/dkul...

Der oft zitierte Plan...

"Doch, möchte sie.

57 arabische/muslimische Länder auf Initiative der Saudis !!

Und hat dazu sogar einen ganz konkreten Vorschlag
an Israel unterbreitet.

Der ignoriert wird."

Ja, vor allem von den Palästinensern selbst. Und damit das auch jeder mitbekommt, verübte Hamas am Tag der Verabschiedung das "Passover-Massaker". Auch bei der Wiederauflage des Planes 2007 machte Hamas unmissverständlich klar, dass sie die Initiative ablehnen. Für Hamas gibt es nur den "Kampf bis zum Endsieg", das war immer die Position dieser Organisation.

Für Israel ist das in die Initiative eingebackene Rückkehrrecht unannehmbar. Und das ist auch durchaus verständlich, wenn man sich die Dimensionen ansieht, um die es hier geht...

Niemand verlangt von Israel...

Niemand verlangt von Israel, sich auf die Forderungen der Hamas einzulassen. Aber Israel verhandelt ja auch nicht mit den gemäßigten Gruppen wie der fatah.

Also wenn man sich so verweigert eine längerfristige Lösung zu finden, muss man sich nicht wundern, wenn sich die Palästinenser immer weiter radikalisieren.

Was genau hat Israel getan? Sie haben die Verhandlungen eingestellt. Und die palästinensischen oder israelischen Politiker, die wirklich eine Lösung anstreben, versterben immer auf wundersame Weise. Schon ein wenig seltsam, oder?

Netanjahus "Groß-Israel" -Bestrebungen

"Das Arsenal gefährlicher Raketen radikaler Palästinensergruppen im Gaza-Streifen sei so gut wie zerstört", zitierte gestern SPON den stellvertr. israel. Ministerpräsidenten Mosche Jaalon, der das bereits am Freitag verkündete, noch BEVOR israelische Luftangriffe Regierungsgebäude im Gaza-Streifen zerstörten.
Die dennoch heute glaubhaft angedrohte Bodenoffensive ist demnach nicht nur Netanjahus angestrebten Wahlsieg am 22.Januar geschuldet - sondern er will auch die jüdischen Siedlungen der Westbank anektieren,
sollte Abbas seinen neuen Antrag auf staatliche Anerkennung bei der UN vorbringen.

Netanjahu will jetzt mit aller Macht und ALLEN (!) Mitteln die Etablierung eines unabhängigen Palästina-Staates verhindern, welcher den Palästinensern völkerrechtlich zustünde, weil dieser Plan dem nationalistischen Ziel seiner LIKUD- Partei total zuwiderläuft, die einen "Staat" Palästina westlich des Jordans AUSSCHLIESST. Das Gebiet der Westbank ist nach den Statuten des LIKUD-Blocks für "Groß-Israel" vorgesehen.

Geradezu anrührend wirkt der damals noch hoffnungsvolle Kommentar von Amos Oz, 1996
http://www.zeit.de/1996/2...

Ernüchternd und warnend dagegen die aktuelle Analyse von MOSHÉ MACHOVER vom 15. Nov. 2012
http://www.hintergrund.de...

Wem und was also wollen Obama und Merkel eigentlich wirklich "den Rücken stärken"?
Die Großmacht-Phantasien eines Eroberers?

Bibi steht mit dem Rücken zur Wand

Er braucht diesen Konflikt, um von seinem Versagen auf fast allen politischen Feldern abzulenken, und er will diesen Krieg - er hat oft genug deutlich gemacht, daß er nicht an Kompromissen und einem friedlichen Zusammenleben interessiert ist.

Netanjahu ist ein Hardliner.

Vergessen wir nicht, was mit dem einzigen israelischen Politiker passierte, der ernsthaft am Frieden interessiert war.

Er wurde - nicht von einem Palästinenser - ermordet!

Aber vergessen wir auch nicht, daß er demokratisch gewählt ist. Anscheinend gibt es in der Bevölkerung doch nur eine Minderheit, die ernsthaft am Frieden interessiert ist...

So einfach ist es nicht, mit der Mehrheit. Wir können das hier nicht nachempfinden, aber Rakten und Tote, das sind für Israelis keine Zeitungsmeldungen aus fernen Ländern, sondern Dinge die in ihren Verwandten und Freunden widerfahren.

Ganz unabhängig der Ursachen, ganz unabhängig von Schuld oder Unschuld - wenn man in einer Welt lebt, in der die Gefahr durch eine Rakete zu sterben real ist - dann denkt man anders, dann fühlt man anders - und dann WÄHLT man auch anders.

Vergessen sie auch nicht: JEDER Israeli der kein Orthodoxer ist, war/ist Soldat. Es gibt keinen Zivildienst, keine Verweigerung. Das Militär ist keine anonyme Veranstaltung von anderen Leuten - sie waren selbst da. Ihre Eltern auch, ihre Kinder sind vielleicht gerade da.

All das führ zu einem anderen Denken als es bei uns der Fall ist, daher hat auch ein vergleichsweise linker und moderater Israeli andere Einschätzungen und Einstellungen als sein deutsches Pendant.

Ich habe nicht behauptet

daß es "ganz einfach" ist.

Aber jeder Israeli, der alt genug zum wählen ist hat mindestens 18 Jahre Erfahrung mit der Tatsache, daß die Hardlinerpolitik ihn dem Frieden kein bischen näher gebracht hat.
Niemand erwartet, daß Israel alle Forderungen der Palästinenser vorbehaltlos akzeptiert, aber jeder Trottel sollte doch inzwischen bemerkt haben, daß es ohne ein wenig Kompromissbereitschaft niemals Frieden geben wird!

Und mit der derzeitigen Regierung sind Kompromisse so wahrscheinlich wie Schnee in der Sahara...

Re: so einfach ist es nicht

Volle Zustimmung, wenn man selbst betroffen ist, sieht und handelt man anders als als bloßer Zuschauer.

Es bleibt allerdings die Frage, was soll das Ganze? Ich habe mal gelernt, Dummheit heißt, von einer immer gleichen Handlung unterschiedliche Ergebnisse zu erwarten.

Solche Militärschläge wie jetzt wurden doch schon so häufig geführt, dass auch der Dümmste einsehen muss, dass sie für die Sicherheit Israels nichts bringen. Trotzdem sind sie die einzige Antwort dieses Staates, ein ernsthafter Friedensprozess, wie er mit der Fatah möglich wäre, wird hintertrieben.

Was also sagt diese Reaktion, zumindest solange sie die einzige Reaktion Israels bleibt, über die Regierung und die Wähler dieses Landes aus?

@namenloser kritiker

"Aber jeder Israeli, der alt genug zum wählen ist hat mindestens 18 Jahre Erfahrung mit der Tatsache, daß die Hardlinerpolitik ihn dem Frieden kein bischen näher gebracht hat."

jeder israeli, der alt genug zum waehlen ist weisst auch dass die linken KEINEN frieden gebracht haben. der linke rabin hat die terroristen in die besetzten gebieten eingeladen hat ihnen autonomie gegeben. und dann haben diese terroristen in der form von arafats plo oder hamas die eigene bevoelkerung in die geiselhaft genommen und sie radikalisiert.

jeder israeli weiss, dass vor dem gaza abzug hoechstens eine rakete im monat gefallen ist. nach dem abzug sind bereits 12000 gefallen.

wieso sollte jemand noch mal links waehlen? wenn dich jemand angreift und vernichten will, dann ist linke loesung keine loesung.

"Es bleibt allerdings die Frage, was soll das Ganze? Ich habe

mal gelernt, Dummheit heißt, von einer immer gleichen Handlung unterschiedliche Ergebnisse zu erwarten."

Da sind Sie sehr nahe am Kern. Gehen Sie einfach davon aus, dass die Israelis nicht dumm sind, und dass sie die Ergebnisse ihres Tuns durchaus zu schätzen wissen.

Wie meinen Sie denn, wäre es um die israelische Siedlungspolitik unter echten Friedensbedingungen bestellt?

Das nicht Vorhandensein von Frieden ist nur dann inakzeptabel, wenn die Verluste die Gewinne übertreffen.

Demokratie vs. Autokratie

Ich formuliere hierzu mal eine gewagte These:

1. Es ist auffällig, dass demokratische Staaten seltener Kriege führen, bzw. beginnen. Historisch liegt das aber auch daran dass die Nicht-Demokratischen Staaten 2000 Jahre mehr Zeit hatten Kriege zu führen.

2. Um als demokratischer Staat Krieg zu führen, müssen sie ihre Bürger überzeugen dass sie Krieg führen müssen. Dazu braucht es Hass auf den Feind.

3. Als Autokrat können sie mit der Kriegsführung aufhören sobald es Ihnen gefällt. Ihre Bevölkerung hat den Krieg eh nur ungerne geführt, schließlich war es ja angeordnet.

4. Als Demokratie müssen sie auch den Ausstieg aus dem Krieg ihrem Volk wieder vermitteln. Wenn sie den Einstieg aber zu gut vermittelt haben, dann ist das gar nicht mehr so einfach, dann haben sie plötzlich eine kriegslüsterne Beväkerung, die denjenigen zum Anführer wählt, der Kriege führt und gewinnt - da gucken wir uns mal die USA und halt auch Israel an.

Mein Fazit: Der demokratische Staat, mit seiner Notwendigkeit Entscheidungen seinen Bürgern zu vermitteln, reagiert träger als ein Autokratischer Staat. Sobald eine gewisse Stimmung im Volk aufgebaut ist, wird man die nur schwer wieder los. Auch wenns keine Demokratie war - das trifft natürlich auch auf Deutschland im Dritten Reich zu.

Obwohl Demokratie meines Erachtens die wünschenswertere Staatsform ist, denke ich dass es Demokratischen Staaten schwerer fällt einen Krieg zu beenden und sich tatsächlich auch auszusöhnen mit dem einstigen Feind.

Auch Sie

sehen in diesem Konflikt nur schwarz und weis.

Glauben Sie ernsthaft, daß das eine realistische Einschätzung der Situation ist?

Ihre Aussage "auch die Linke hat keinen Frieden gebracht" möchte ich ergänzen mit:
Richtig! Das könnte evtl. auch mit der Tatsache zusammenhängen, daß die "Rechte" den linken Friedenswilligen ermordet hat...

Und eine Frage noch: Ist Israel unter Bibi dem Frieden irgendwie näher gekommen?

Einspruch!

Sicher sind Ihre Thesen nicht von der Hand zu weisen, aber Ihrer Schlussfolgerung muss ich entschieden widersprechen!

Da Sie ohnehin schon das 3. Reich erwähnt haben - ist nicht gerade Deutschland (und speziell Frankreich, aber natürlich auch Gesamteuropa) ein sehr gutes Beispiel, daß auch jahrzehntelanger Hass recht schnell zu einem stabilen Frieden führen kann? Und wenn dieser Friede andauert, wird aus Hass auch Freundschaft.

Natürlich findet Völkerverständigung nicht durch eine Unterschrift auf einem Friedensvertrag statt - aber der ist die Bedingung für den Anfang!

Natürlich gab es 1946 zwischen Deutschland und Frankreich noch Hass und Vorurteile, aber der Frieden hatte Bestand, und Hass wurde zu Misstrauen wurde zu vorsichtiger Annäherung wurde zu Freundschaft.

Freundschaft, die mittlerweile so tief geht, daß sie auch eine Merkel und einen Sarkozy übersteht...

okay, es sagt etwas aus.

Da wir es hier aber mit zwei Parteien zu tun haben, sollte der Blick auf die andere Seite nicht unterbleiben.
Die Hamas-Mitglieder, die die Raketen auf Israel abfeuern, die wissen doch auch genau, was da hinterher kommt. Ihrer Definition von Dummheit folgend, bleibt über deren Intelligenzquotient wenig Raum für Spekulation. Außer man setzte voraus, dass sie WOLLEN, dass Israel eine MIlitäroperation in gang setzt, bei der viele Zivilisten sterben. Dann wären sie aber nicht dumm, sondern A...cher.
Ich finde auch, dass es nicht schlau ist, einen Krieg zu beginnen, kann aber verstehen, dass Netanjahu so reagiert (verstehen heisst nicht billigen, okay?)
NAtürlich giesst ISrael allenthalben Öl ins Feuer und es gibt zahllose Betonköpfigkeiten in Israel, die einen Frieden dauerhaft verhindern. Dadurch wird die Hamas aber nicht automatisch zum Kämpfer für die gerechte Sache, sondern sie bleibt vor allem - nicht nur aber auch - ein Terrorverein.

Das kann ich alles nachvollziehen,

aber - Israel war schon einmal deutlich weiter als heute. Einer meiner Mitforisten hat Rabin erwähnt.

Auf Eskalation zu setzen, bringt beide Kriegsparteien nicht weiter. Es verlängert nur die Dauer des Tötens und Sterbens.

Israel als stärkerer Kriegspartei stünde es gut an, den Friedensprozeß wieder aufzunehmen und fortzusetzen - leider ist davon wenig zu sehen. Es macht im Gegenteil den Eindruck, als sei genau das nicht gewünscht, vor allem, wenn man erfährt, daß Friedensgespräche geführt wurden - und mit der Ermordung von Jaabari, dem arabischen Gesprächspartner, natürlich zum Ende kamen.
Zudem stehen bald Wahlen an - und es ist nichts Neues, daß Kriege nicht immer zur Durchsetzung von Zielen geführt wurden, sondern auch, damit eine der Kriegsparteien sich 'profilieren' konnte. Das wird von Teilen der israelischen Bevölkerung selbst vermutet.
http://972mag.com/watch-i...

Krieg

mit Krieg zu beantworten, ist sehr sehr dumm. Was denkt dieser Herr Netanjhu? Denkt er, Hamas wird sich für die Raketen entschuldigen?
Ich glaube, das dieser Herr Netanjahu andere miese Gedanken im Kopf hat. Leider müssen die normale Isrelis dafür zahlen.
Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ist verdammt altmodisch geworden liebe Leute.

Was wäre denn intelligent?

Die Hamas gewinnt durch solche Aktionen und die Israelis müssen irgendwie den "Raketenhagel" stoppen.

Knapp 8000 Raketen, knapp 5000 Selbstmordattentate: Es ist nicht nur eine Kriegserklärung es ist ein von den Palestinänsergebieten gestarteter Krieg.
Wer, wie einige Foristen glaubt, dass dies nur spielzeuge wären, die die Israelis nicht wirklich verletzen könnte, die aktuell verschossenen Raketen, welche im Iran entwickelt wurden ca. 13 tonnen und haben einen ca 90kg (TNT) Gefechtskopf.

Aus der Zeit

Gestern wurde erwähnt, dass Fadschr-5 (englisch Fajr-5) Raketen aus iranischer Entwicklung verwendet werden.
In der Wikipedia finden Sie die technischen Daten:
http://en.wikipedia.org/w...

Weight 15,000 kg (System)
90 kg (HE Content)
175 kg (Warhead)
915 kg (Rocket)[3]
Length 10.45 m (Launcher)
6.485 m (Rocket)[3]
Width 2.54 m (Launcher)[3]
Height 3.34 m (Launcher)[3]

Ich habe das Systemgewicht angegeben und die Nutzlast.
Einen Gefechtskopf kann man scheinbar sogar bis 175 kg anbringen. D.h. die Rakete wiegt einsatzbereit ca. eine Tonne.

Jetzt darf ich natürlich im gegenzug fragen, woher Sie ihre völlig untertriebenen Vorstellungen haben.

Zum Sprengkopf...

"Einen Gefechtskopf kann man scheinbar sogar bis 175 kg anbringen."

Ich vermute mal, dass 90kg das reine Sprengstoffgewicht beschreibt, und die 175 Kilo sich auf den ganzen Sprengkopf, also inklusive Zündmechanismus, Splittermantel und Aussenhülle, beziehen.

Und die 15 Tonnen für ein System sind in diesem Zusammenhang irrelevant, da man in Gaza die Raketen vorwiegend einzeln und von Behelfslafetten verschiesst. Eine 6.5 Meter lange und fast eine Tonne schwere Rakete ist allerdings ein ganz schönes Monstrum. Vermutlich nutzen die Palästinenser hier ein anderes System (ein in die Erde gegrabenes Rohr, eine Erdrampe, o.ä.).

Gehen wir davon aus...

...das es so ist wie sie sagen, ir lassen die Abschussbasis mal außen vor:
Es ist immer noch eine riesige Waffe (ca 1 Tonne, 90kg Sprengstoff). Weit weg von dem "Feuerwerkskörper" was hier in den Foren immer wieder daraus gemacht wird. Und sie haben recht - es ist schwierig vorzustellen, wie man dieses Zeug über Ägypten in's Land bekommt.
Daher gehe ich davon aus, dass Teile (Rohstoffe) für die Rakten und die Behelfslafetten aus Hilfslieferungen "herausextrahiert" werden.

Von Systemgewicht hatten Sie nicht geschrieben

An anderer Stelle hatte ich schon über die Fajr-3 und 5 berichtet und dass diese meist als Grad-Raketen bezeichnet werden, nach der Grundversion des Abschusssystems BM-21 benannt.
http://de.wikipedia.org/w...

Dass aber keine 15t schwere Raketenwerferbatterien durch Gaza rollen, dürfte jedem klar sein.
Den Rest hat Forist eras schon passend erklärt.

Die Schmuggelroute

"Daher gehe ich davon aus, dass Teile (Rohstoffe) für die Rakten und die Behelfslafetten aus Hilfslieferungen "herausextrahiert" werden."

Nein, soweit ich weiß kamen die iranischen Fajr-5 über den Sudan und Ägypten in den Gazastreifen. Böse Zungen mögen behaupten, dass dies auch der Grund ist, warum im Sudan Autos mit Hamas-Einkäufern und Container nahe einer Waffenfabrik in die Luft fliegen...

Von Ägypten aus gehen die Raketen dann durch die Schmuggeltunnel nach Gaza. Sie werden natürlich nicht als Einheit durch die Tunnel gebracht, sondern in Segmenten, die man nachher wieder zusammensetzt.

eine Überprüfung der Finanzen der "Hamasianer."

In Ihrem Fall ist ein komplettes Zitat angesagt.
Also ich zitiere „Krieg mit Krieg zu beantworten, ist sehr sehr dumm. Was denkt dieser Herr Netanjhu? Denkt er, Hamas wird sich für die Raketen entschuldigen?
Ich glaube, das dieser Herr Netanjahu andere miese Gedanken im Kopf hat. Leider müssen die normale Israelis dafür zahlen.
Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ist verdammt altmodisch geworden liebe Leute.“
Und wieder verendet ein Zitat.
Setzen wir voraus dass uns Luxemburg mit Raketen eindeckt (die haben weniger Einwohner als Gaza) halten wir ob der Lächerlichkeit still. Die wollen doch nur spielen und der Herr Junker hat andere miese Gedanken im Kopf.
Z.B. den Palästinensern die horrenden EU-Fördergelder zu streichen. Und leider müssen die normalen europäischen Steuerzahler dafür zahlen.
Auge um Auge und Zahn um Zahn ist tatsächlich nicht mehr, lieber Forist.
Angesagt ist eine Überprüfung der Finanzen der "Hamasianer."
Wer (bislang) 800 Raketen auf Israel abgefeuert hat benötigt keine EU-Fördergelder, der hat genug arabische Knete in der Hinterhand. In diesem Fall ist nichts mehr altmodisch sondern höchst aktuell...
bei 600 Milionären in Gaza...
lieber Schreiber.