Gaza-KonfliktHamas beschießt erneut Tel Aviv

Wieder hat die Hamas eine Rakete auf Tel Aviv gefeuert, eine erst am Samstag installierte Abwehr fing das Geschoss ab. An der Grenze zu Gaza versammelt Israel Truppen. von dpa

Israelische Soldaten am Abwehrsystem "Iron Dome" in Tel Aviv

Israelische Soldaten am Abwehrsystem "Iron Dome" in Tel Aviv  |  © Uriel Sinai/Getty Images

Die israelische Metropole Tel Aviv ist am Samstag erneut zum Ziel eines palästinensischen Raketenangriffs geworden. Den dritten Tag in Folge wurde am Samstag in der Stadt Luftalarm ausgelöst . Die israelische Raketenabwehr zerstörte das Geschoss in der Luft, sie war erst wenige Stunden zuvor zum Schutz der Mittelmeermetropole aufgebaut worden. Über Opfer wurde nichts bekannt.

Noch während die Luftschutzsirenen heulten, war ein lauter Knall zu hören. Augenzeugen sprachen von einer großen Rauchwolke. Die Überreste der Rakete, bei der es sich um ein Geschoss vom iranischen Typ Fadschr 5 handeln soll, seien nach dem Abschuss vor dem südlichen Vorort Bat Jam etwa vier Kilometer vom Stadtzentrum entfernt ins Meer gestürzt.

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Die neue Raketenabwehr bei Tel Aviv gehört nach Armeeangaben zum Typ Iron Dome und schützt vor Kurzstreckenraketen mit einer Reichweite bis 70 Kilometer. Das System habe eigentlich erst im Januar aufgebaut werden sollen. Angesichts der palästinensischen Raketenangriffe sei der Termin aber vorgezogen worden. Vier Systeme sind bereits um den Gaza-Streifen herum stationiert.

Die Hamas feuerte bis zum Nachmittag 76 Raketen Richtung Israel ab. Zuvor hatte der Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri in einer Mitteilung mit Vergeltung gedroht: "Wir schwören Rache für Tod und Schrecken, die die Besatzer über unsere Menschen bringen." Israel werde einen hohen Preis für seine "Verbrechen" zu zahlen haben.

Israel bombardiert seit Mittwoch den Gazastreifen und zieht in der Grenzregion weitere Truppen zusammen, was auf eine bevorstehende Bodenoffensive hindeutete. Das israelische Sicherheitskabinett hatte am Freitagabend die Mobilisierung von 75.000 Reservisten gebilligt . 16.000 Reservisten seien bereits einberufen worden, sagte die Militärsprecherin Avital Leibovich. Weitere würden bald folgen. Über eine Bodenoffensive sei noch nicht entschieden worden, aber "alle Optionen lägen auf dem Tisch", sagte sie.

Israel vertraut auf seinen Verbündeten USA . "Die USA haben uns volle Rückendeckung dafür gegeben, alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um unsere Staatsbürger vor dem Terror der Hamas zu schützen", sagte Israels Botschafter in Washington , Michael Oren, in amerikanischen Medien.

Nach Angaben von Augenzeugen flohen im Gazastreifen Tausende Menschen aus Furcht vor einer israelischen Bodenoffensive aus ihren Häusern und suchten im Zentrum Zuflucht. Am frühen Morgen hatten israelische Kampfjets die Hamas-Regierungszentrale , den Sitz des Ministerpräsidenten der Hamas, Ismail Hanijeh, und andere wichtige Verwaltungsgebäude in Gaza-Stadt zerstört. Wieder gab es Tote und Verletzte. Die Zahl der Toten auf palästinensischer Seite stieg auf 40, darunter mindestens 14 Zivilisten. Mehr als 300 Menschen sollen verletzt worden sein. In Israel starben bislang drei Menschen, 24 wurden verletzt.

Leserkommentare
  1. Möglicherweise erübrigt sich der Einmarsch israelischer Bodentruppen, sollte sich herausstellen, dass die militärischen Kapazitäten der Hamas durch die Luftangriffe Israels ausgeschaltet wurden. Ein besseres Ergebnis könnte die Offensive kaum haben: Israel könnte den Erfolg für sich reklamieren, der Beschuss aus dem Gaza-Streifen wäre zumindest zeitweise geschwächt (und hat sich sowieso als extrem ineffektiv erwiesen), und eine Bodenoperation, die viele Verluste auf beiden Seiten zur Folge hätte, wäre vermieden. Israel sollte den Bewohnern des Gazastreifens diesen Gnadenakt erweisen. Und für die zivilen Verluste dürfen sich die Palästinenser bei der Hamas bedanken. Wer aus Wohngebieten heraus militärisch operiert, nimmt zivile Verluste vorsätzlich (und gewünscht?) in Kauf.

    15 Leserempfehlungen
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    Sie unterstellen Israel ja, dass es mit guter Absicht nur Islamisten treffen will. Israel hat in der Vergangenheit jedoch schon Krankenhäuser/Krankenwagen und Moscheen beschossen, wo angeblich Raketen (nach israelischer Aussage) vermutet wurden. Dies stellte sich jedoch als Trugschluss (Vorwand, Lüge) heraus.

  2. Die Angriffe auf Tel Aviv lassen nur den Schluss zu, dass die arabischen Terroristen offenbar den Einmarsch und damit einen Krieg in Gaza wollen.

    Die Rote Linie - eine Bedrohung des Bevoelkerungszentrums Tel Aviv- ist ueberschritten und das kann von Israel nicht akzeptiert werden.

    Hamas setzt seine Zivilbevoelkerung als Schutzschild ein - einem offenen Kampf stellen sie sich nicht - ihre Waffen verstecken Sie zwischen den Menschen in Gaza.

    Alle kommenden Opfer gehen auf das Konto der Hamas - das ist wahre Menschenverachtung

    21 Leserempfehlungen
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    wenn sie bei Israel zumindest keine Teilschuld an der Eskalation der bisherigen Situation erkennen können.

    nicht zu realisieren, daß Gaza auch ein 'Bevölkerungszentrum' ist (über 2000Menschen/qkm).

    'Gaza, after all, is a very small place. Pick a point, any point, along its 25-mile coastline, and you’re seven or so miles — never more — from the other side. The other side is where my grandparents were born, in a village that has since become someone else’s country, off limits to me. You call it Israel. I call it the place where the bombs come from. One thundered to earth just now, as I was writing this.' http://www.nytimes.com/20...

    'Wahre Menschenverachtung' ist, jemanden extra-legal hinzurichten, der Einfluß in Gaza hatte und zu Verhandlungen bereit war.

    'Gestern Morgen, einige Stunden, bevor Ahmed Jaabari ermordet wurde, legte mein Ansprechpartner in der Hamas den Entwurf Jaabari und anderen Hamas-Führern vor. Ranghohe Hamas-Führer hatten ihn schon gesehen und Jaabari beauftragt, die Reaktionen darauf in Gaza zu ermitteln. Ich sollte den Entwurf gestern Abend bekommen, um ihn den israelischen Beamten vorzulegen, die schon darauf warteten, dass ich ihn ihnen schicken würde.
    Diese Möglichkeit ist nun zerstört. Jaabari ist tot und mit ihm die Chance für eine für beide Seiten vorteilhafte Verständigung auf einen lange anhaltenden Waffenstillstand. Warum hat Benjamin Netanyahu das getan? Die zynische Antwort, die Aluf Benn schon in Haaretz angeboten hat, ist: aus Wahlrücksichten.' http://www.aixpaix.de/aut...

    > Hamas setzt seine Zivilbevoelkerung als Schutzschild ein -
    > einem offenen Kampf stellen sie sich nicht - ihre Waffen
    > verstecken Sie zwischen den Menschen in Gaza.

    Ihre Aussage ist einseitig und sieht nicht, wie das israelische Militär sogar vor Kindern nicht zurückschreckt.

    > During the 2008-2009 Gaza War known as Operation Cast
    > Lead, Israeli military forces were accused of continuing
    > to use civilians as human shields by Amnesty
    > International and former Israeli soldiers (see Breaking
    > the Silence). According to testimonies, Israeli forces
    > used unarmed Palestinians including children to protect
    > military positions, walk in front of armed soldiers; go
    > into buildings to check for booby traps or gunmen; and
    > inspect suspicious objects for explosives.

    wikipedia: http://en.wikipedia.org/w...

    • ST_T
    • 17. November 2012 23:12 Uhr

    Für jedes getötete Kind in Gaza gibt es eine Familie, die sich wohl gegen Israel stellen wird. Für jedes zerstörte Haus gibt es ein zerstörtes Familienleben, und die Familie wird Israel gegenüber sicherlich nicht positiv eingestellt sein.

    In Israel?
    Für jeden weiteren Tag des Krieges und des Terrors gibt es weitere Freiwillige, die gegen die Terroristen kämpfen wollen. Für jede Kritik am vermeintlich "einseitigen Vorgehen" einer Seite gibt es jemanden auf der anderen Seite dem diese Kritik nicht gefallen wird.
    Israel schafft sich seine Terroristen selbst ebenso wie die Hamas sich seine Feinde selbst schafft.

    Krieg ist kein Gewinnen oder Verlieren und ein asymmetrischer Krieg ist schon lange keine Frage der Schuld. Jeder hat Schuld und jeder trägt Blut an den Händen.

  3. Sie unterstellen Israel ja, dass es mit guter Absicht nur Islamisten treffen will. Israel hat in der Vergangenheit jedoch schon Krankenhäuser/Krankenwagen und Moscheen beschossen, wo angeblich Raketen (nach israelischer Aussage) vermutet wurden. Dies stellte sich jedoch als Trugschluss (Vorwand, Lüge) heraus.

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    Antwort auf "Ziele erreicht?"
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    • R. Rat
    • 17. November 2012 20:19 Uhr

    Könnten Sie eine Quellenangabe nachreichen? Danke.

    die israelische Luftwaffe hunderte Angriffe und das Ergebnis sind zweistellige Opferzahlen.

    Auch wenn jedes Opfer bedauerlich ist wird es doch mehr als deutlich, dass das Ziel dieser Operationen eben nicht die Zivilisten sind wie das hier so gerne behauptet wird.

    • R. Rat
    • 17. November 2012 20:19 Uhr

    Könnten Sie eine Quellenangabe nachreichen? Danke.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "@Mehrdimensional"
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    Kann mein Vorgänger die Quelle zu seiner Aussage nennen? "Wer aus Wohngebieten heraus militärisch operiert, nimmt zivile Verluste vorsätzlich (und gewünscht?) in Kauf."

    http://www.amnesty.org/en...

    > Amnesty International Report 2010
    > Israeli forces committed war crimes
    > [...]
    > Hundreds of civilians were killed by Israeli attacks
    > using long-range high-precision munitions fired from
    > combat aircraft, helicopters and drones, or from tanks
    > stationed several kilometres from their target. Victims
    > were not caught in the crossfire or when shielding
    > militants, but killed in their homes while sleeping,
    > carrying out daily tasks or playing. Some civilians,
    > including children, were shot at close range when posing
    > no threat to the lives of Israeli soldiers. Paramedics
    > and ambulances were repeatedly attacked while rescuing
    > the wounded, leading to several deaths.

    Ich will nicht so wir gehen und behaupten, dass dieser Bericht bzw die darin enthaltenen Einzelheiten nicht stimmen, insbesondere AI irgendetwas unterstellen.

    Aber ich habe grundsätzlich ein Problem mir vorzustellen bzw zu glauben wie ein Soldat eines demokratischen Landes (sagt etwas über die Kultur und ROE des Militärs aus) ein unbewaffnetes Kind erschießt.
    Ich bin nicht so naiv, dass ich das vollständig ausschließe, wie die Fälle m Irak und AFG mit US Soldaten leider gezeigt haben, dennoch in dem Bericht wird das m.E. ins Verhaeltnis gesetzt, zu oft erwähnt.
    Diesbzgl wuerde mich interessieren, wie und ob man den jeweiligen Schützen identifiziert hat, um dies den israelsichen Soldaten zuzuordnen. Grundsaetlich, Schüsse können aus mehr als einer Richtung abgefeuert worden sein.

    In diesem Zusammenhang, ich frage mich auch wie denn eine objektive Berichterstattung der Fallschilderung erfolgt ist, wenn wie am Anfang des Berichts erwähnt, die israel. SK Vertretern neutraler Org. keinen Zutritt zum Gazastreifen gewährten.

    Als Soldat ist es fuer mich absolut unglaubwürdig dass israelische Soldaten, weil Soldaten nicht Terroristen, Zivilisten als Schutzschilde genommen haben sollen oder unbewaffnete Kinder erschossen haben sollen.
    Wie in einem Vorfall Ende 2000 der die Tötung eines unbew. Mannes und seines Sohnes ganz zufaellig vor laufender Kamera zeigte und sofort in Schuldzuweisungen gegen die israel. Soldaten mündete, die es aber nicht gewesen sein konnten.

    • R. Rat
    • 17. November 2012 20:21 Uhr

    Das wäre auch ziemlich unsinnig - militärisch gesehen.

    4 Leserempfehlungen
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    • R. Rat
    • 17. November 2012 20:22 Uhr

    mein Kommentar bezieht sich auf #2

    • R. Rat
    • 17. November 2012 20:22 Uhr
    6. Oops,

    mein Kommentar bezieht sich auf #2

  4. "Wer aus Wohngebieten heraus militärisch operiert, nimmt zivile Verluste vorsätzlich (und gewünscht?) in Kauf."

    Dieselben Stimmen höre ich auch immer im Syrien-Krieg. Da kann man nur noch mit dem Kopf schütteln, offenbart es doch eine große Naivität in Militärsfragen. Ein militärisch weit unterlegener Gegner wird sich nicht auf offenem Gelände einfach plattmachen lassen. Schliesslich handelt es sich hier um einen assymmetrischen Krieg und oder wie es im altdeutschen hiess um einen Guerilla-Krieg.
    Doch sind diese unterlegenen Kriegspartei auch nicht gerade ein Ausbund an Menschenliebe, wird doch der Beschuss und der Tod von Zivilisten in Kauf genommen, was sich darüberhinaus noch propagandistisch ausschlachten lässt. Wahrscheinlich sind beide ,Angreifer und Verteidiger, schuldig.
    Was man allerdings fragen kann: Welchen Sinn hat jetzt noch die israelische Boykottierung des Gaza-Streifens, wo doch klar ist, dass diese die Radikalen nicht schadet, sondern im Gegenteil sogar Zulauf verschafft?

    9 Leserempfehlungen
  5. Das ist nicht die einzige martialische Drohung durch israelische Politiker (von den Drohungen der Hamas gar nicht erst zu reden), auch der Innenminister Eli Yishai findet den 'richtigen' Ton: 'The goal of the operation is to send Gaza back to the Middle Ages.' So tat er auch bereits während Cast Lead 'It [should be] possible to destroy Gaza, so they will understand not to mess with us.' Eine sehr lesenswerte Zusammenfassung des 4. Tags des israelischen Angriffs auf Gaza http://mondoweiss.net/201...

    Sehr interessant zu lesen ist auch eine Untersuchung über die aus Gaza auf Israel abgefeuerten Raketen und die davon Getöteten und Verwundeten, deren jeweilige Anzahl von israelischen Quellen stets unterschiedlich, stets überhöht verlautbart wird http://mondoweiss.net/201...

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    Zitat: "8.8. 'keiner dort sei unantastbar'. Das ist nicht die einzige martialische Drohung durch israelische Politiker (von den Drohungen der Hamas gar nicht erst zu reden), auch der Innenminister Eli Yishai findet den 'richtigen' Ton: 'The goal of the operation is to send Gaza back to the Middle Ages.' So tat er auch bereits während Cast Lead 'It [should be] possible to destroy Gaza, so they will understand not to mess with us."

    Also was martialische Drohungen betrifft, so zeigen sich die "friedliebenden" Palästinenserorganisationen auch nicht gerade kreativ, sie wiederholen schlichtweg dieselben Parolen wie 2008/2009:

    "Hamas stated it will carry out a revenge plan on Israel by sending in suicide bombers and declaring a state of open war. The commander’s assassination has "opened the gates of hell," the Ezzedine al-Qassam Brigades, the armed wing of Hamas, were quoted by AFP as saying."

    http://rt.com/news/hamas-...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, nf
  • Schlagworte Angela Merkel | Mohammed Mursi | Avigdor Lieberman | Hamas | Israel | gazastreifen
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