Gaza-KonfliktArabische Liga reist in den Gazastreifen

UN-Generalsekretär Ban setzt sich mit einem Besuch in der Konflikt-Region für eine Waffenruhe zwischen Israelis und Palästinensern ein. Auch die Arabische Liga reist an. von afp, dpa und reuters

In der Nähe der palästinensischen Stadt Ramallah klettert ein Mann mit einer Hamas-Flagge einen Mast hoch.

In der Nähe der palästinensischen Stadt Ramallah klettert ein Mann mit einer Hamas-Flagge einen Mast hoch.  |  © Mohamad Torokman / Reuters

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat Israel und die radikal-islamische Hamas zu einer umgehenden Waffenruhe aufgerufen. Die beiden Konfliktparteien sollten mit Ägypten als Vermittler zusammenarbeiten, sagte Ban nach Angaben eines Sprechers. Jede weitere Eskalation der Lage werde unausweichlich das Leiden der betroffenen Zivilisten erhöhen und müsse vermieden werden. Ban wird heute zu Gesprächen mit dem ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi in Kairo erwartet.

Hoffnungen auf eine baldige Waffenruhe hatten Vertreter der palästinensischen Seite am Sonntag gedämpft. Zwar hätten die Verhandlungen zwischen Hamas und Israel in Kairo Fortschritte gemacht, eine Feuerpause sei in den kommenden Tagen aber unwahrscheinlich, sagte der PLO-Politiker Nabil Schaath nach Angaben der palästinensischen Nachrichtenagentur Maan. Schaath war darüber von Hamas-Exilchef Chaled Maschaal unterrichtet worden. Israel wolle seine Bedingungen durchsetzen und ignoriere die Forderungen der Hamas und anderer Palästinenserfraktionen, sagte Schaath.

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Trotz internationaler Vermittlungsbemühungen haben Israel und Hamas den gegenseitigen Raketenbeschuss am Wochenende fortgesetzt. Bis Sonntagabend griff die israelische Armee nach eigenen Angaben 1.100 Ziele in dem von der Hamas beherrschten Palästinensergebiet an. Von dort seien fast 1.000 Raketen auf Israel abgefeuert worden. 540 seien eingeschlagen, 287 im Flug abgefangen worden. Palästinenser feuerten mehrfach Raketen auf die israelische Küstenmetropole Tel Aviv , zwei Geschosse wurden von der gerade erst installierten Raketenabwehr abgefangen. In den israelischen Städten Aschkelon, Beerscheva und Sderot wurden mehrere Gebäude direkt von Raketen getroffen. Ein Feuerwehrmann erlitt schwere Kopfverletzungen.

Seit Beginn der israelischen Militäroperation Säule der Verteidigung gegen den Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen sind 72 Palästinenser getötet worden. Nach Angaben des Hamas-Gesundheitsministeriums sind davon etwa die Hälfte Zivilisten. Auf der israelischen Seite kamen drei Menschen ums Leben. Allein am Sonntag wurden nach palästinensischen Angaben 26 Palästinenser, die meisten von ihnen Frauen oder Kinder, getötet. Damit starben am Sonntag die meisten Menschen seit Beginn der Militäroffensive.

Israel bereitet Reservisten auf Bodeneinsatz vor

Die andauernde Gewalt macht aus Israels Sicht eine Bodenoffensive in dem Palästinensergebiet wahrscheinlicher. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte am Sonntag: "Die Operation im Gazastreifen geht weiter, und wir sind dazu bereit, sie noch bedeutend auszuweiten." Tausende Reservisten werden nach Armeeangaben auf einen möglichen Bodeneinsatz vorbereitet. Netanjahu forderte vor einer Waffenruhe einen Stopp der Raketenangriffe. "Erstmal müssen die Raketenangriffe (auf Israel) aufhören, und dann können wir über den Rest reden", sagte er.

US-Präsident Barack Obama bekräftigte das Selbstverteidigungsrecht Israels. Kein Land würde es tolerieren, dass von außerhalb seiner Grenzen immer wieder Raketen auf sein Territorium abgefeuert würden, sagte er am Sonntag. Zuvor hatte ein hochrangiger US-Sicherheitsberater gesagt, die israelische Regierung habe die Entscheidung über eine Bodenoffensive selbst in der Hand.

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu will als Zeichen der Solidarität am Dienstag mit einer Delegation der Arabischen Liga in den Gazastreifen reisen. Davutoglu hatte die israelischen Angriffe auf den Gazastreifen in der vergangenen Woche als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" bezeichnet. Israel warf er vor, den Gazastreifen in ein Gefängnis verwandelt zu haben.

Westerwelle reist nach Israel

Parallel gingen auch die internationalen Bemühungen um eine Waffenruhe weiter. Ein israelischer Unterhändler kam zu Gesprächen mit der Hamas nach Kairo. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) will in Kürze nach Israel reisen. Am Sonntag telefonierte er mit dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas . "Wir sind uns einig darüber, dass die Voraussetzungen für einen Waffenstillstand jetzt schnellstmöglich erarbeitet werden müssen", sagte Westerwelle in der ARD-Sendung Bericht aus Berlin .

Eine besondere Verantwortung sah Westerwelle auf Seiten der Palästinenser. "Das heißt aber vor allen Dingen, dass der Raketeneinschlag und der Raketenbeschuss, der ja von Gaza aus seit Monaten in Richtung Südisrael geht, eingestellt wird", sagte der Bundesaußenminister. Dies sei "die wichtigste Voraussetzung für alles Weitere".

Leserkommentare
    • zd
    • 19. November 2012 8:19 Uhr

    man wird israel zwingen, eigene verteidigung einzustellen. paar monate spaeter wird hamas wieder raketen auf israel schiessen und 2 mill israelis werden taeglich in die bunker rennen muessen. das wird aber niemanden interessieren, so lange israel nicht zurueckschlaegt.

    israel - ein tipp fuer dich. die weltgemeinschaft hat noch keine groessere konflikte geloest. alles was geloest wurde, wurde durch gewalt geloest. lass dich weder von un noch von europaer beeindrucken, schuetze deine buerger und entwaffne die hamas.

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    versucht Israel die Palästinenser zu entwaffnen und seine Bürger vor Terror zu schützen?

    Wie gut funktioniert das bisher?

    MEIN Tip an Israel wäre: Den Friedensprozess wieder aufnehmen. Mit ernsthafter Kompromissbereitschaft. Will heissen: Stop des Siedlungsbaus und Rückbau aller illegalen Siedlungen.

    Mit der derzeitigen Regierung allerdings illusorisch, aber die Bürger Israels haben ja demnächst die Wahl.

    Wenn sie sich weiterhin für den aggresiven Weg entscheiden, müssen sie auch bereit sein, den Preis dafür zu bezahlen...

    Natürlich wird das nicht über Nacht gehen, und genau so natürlich muss auch die palästinensische Seite ernsthaft den Terror beenden, also die Extremisten in den eigenen Reihen entmachten. Was sicher nicht einfacher wird als die Räumung der Siedlungen.

    Aber wenn jede Seite mal damit beginnt, die Kriegstreiber in den eigenen Reihen zu bekämpfen, dann macht das mehr Sinn als sich immer wieder von eben diesen aufeinader hetzen zu lassen!

    Also mit etwas Fantasie könnten die Israelis einen Rüstungsetat weitgehend für die wirtschaftliche Aufrüstung der gesamten Region ausgeben, palästinensische Gebiete gleichgestellt eingeschlossen. Das hat schon immer funktioniert. Straßen bauen, Krankenhäuser, Brunnen, Schulen, Handelsstrukturen... Das Prinzip der Partizipation kannten schon die Araber und die Römer u.v.a. in grauer Vorzeit. Die normale Bevölkerung würde ihre Radikalen zum Teufel schicken. Wie kann man nur so ungeschickt sein. Vielleicht ist der Konflikt ja gewollt? Warum? Keine Ahnung? Eine neue Partei in Israel könnte ja neue Wege gehen. Ich bin zwar kein Wirtschaftsgläubiger, aber sowas funktioniert.

    • scoty
    • 19. November 2012 8:47 Uhr

    angeblich haben die Hamas einen F 16 abgeschossen und die beiden lebenden Piloten als Geiseln genommen.
    ( es steht schon in 2 ausländischen Zeitungen )

    Erdogan hat vor einigen Tagen vor dem ägyptischen Parlament eine Rede gehalten und dafür stehenden Beifall bekommen.

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    • zd
    • 19. November 2012 9:06 Uhr

    lass mich ratten - russen und iraner berichteten darueber.

    man kann keine f16 mit ueblichen boden luft raketen abschiessen.

    • eras
    • 19. November 2012 9:16 Uhr

    "angeblich haben die Hamas einen F 16 abgeschossen und die beiden lebenden Piloten als Geiseln genommen."

    Ja, und die Knesset haben sie auch schon zerstört. Ausserdem wurden mehrere Helikopter abgeschossen und Tel Aviv hat schon seit Tagen keinen Strom mehr, nachdem die Herrschaften ein Kraftwerk zerstört haben. Und sowieso ist das hier die wirklich echte "Mutter aller Schlachten"!

    Mal ernsthaft: Die Meldungen der Kassam-Brigaden haben mehr was von Comedy. Der ehemalige irakische "Informationsminister" Muhammad as-Sahhaf (auch bekannt als Comical Ali) wäre so stolz auf seine Brüder...

    "( es steht schon in 2 ausländischen Zeitungen )"

    Lassen Sie mich raten: Die Quellen sind iranischen, palästinensischen oder russischen Ursprungs?

    Die F-16 ist je schon ein etwas älteres Modell. Dass die Entwicklung der Bodenluftraketen damit sicherlich Schritt gehalten hat ist logisch. Daher ist es gut möglich, dass bereits einige F-16 abgeschossen wurden. Die Anfälligkeit der F-16 konnte man ja im zweiten Golfkrieg (1991) sehen.

    • zd
    • 19. November 2012 10:25 Uhr

    kam schon vor 3 tagen. die israelische verteidigungsarmee hat darauf bereits vor zwei tagen mit einem video reagiert.

    https://www.youtube.com/watch?v=nl0lMjI1d5c

    • zd
    • 19. November 2012 9:06 Uhr

    lass mich ratten - russen und iraner berichteten darueber.

    man kann keine f16 mit ueblichen boden luft raketen abschiessen.

    Antwort auf " F 16 abgeschossen ?"
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    Sicher kann man eine F-16 abschießen, alles ab .50 cal schaft das, wenn sie die richtige Muni haben.
    Auch russ. MANPADS sind besser geworden.

    Auch eine F-16 der IDF/AF ist nicht unverwundbar.

    • eras
    • 19. November 2012 9:16 Uhr

    "angeblich haben die Hamas einen F 16 abgeschossen und die beiden lebenden Piloten als Geiseln genommen."

    Ja, und die Knesset haben sie auch schon zerstört. Ausserdem wurden mehrere Helikopter abgeschossen und Tel Aviv hat schon seit Tagen keinen Strom mehr, nachdem die Herrschaften ein Kraftwerk zerstört haben. Und sowieso ist das hier die wirklich echte "Mutter aller Schlachten"!

    Mal ernsthaft: Die Meldungen der Kassam-Brigaden haben mehr was von Comedy. Der ehemalige irakische "Informationsminister" Muhammad as-Sahhaf (auch bekannt als Comical Ali) wäre so stolz auf seine Brüder...

    "( es steht schon in 2 ausländischen Zeitungen )"

    Lassen Sie mich raten: Die Quellen sind iranischen, palästinensischen oder russischen Ursprungs?

    Antwort auf " F 16 abgeschossen ?"
  1. Die F-16 ist je schon ein etwas älteres Modell. Dass die Entwicklung der Bodenluftraketen damit sicherlich Schritt gehalten hat ist logisch. Daher ist es gut möglich, dass bereits einige F-16 abgeschossen wurden. Die Anfälligkeit der F-16 konnte man ja im zweiten Golfkrieg (1991) sehen.

    Antwort auf " F 16 abgeschossen ?"
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    • zd
    • 19. November 2012 9:32 Uhr

    die einzige gemeinsammkeit zwischen heutigen f16 und deren aus dem golfkrieg, dass sie aus der ferne gleich aussehen.

  2. 8. Genau

    etwa sowie 2000 aus Libanon und 2005 aus Gaza? Was genau war noch mal die Reaktion auf diese Abzüge Israels? Genau: Terror, Terror und noch mehr Terror.

    Antwort auf "Es gibt eine Lösung"
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    • Lacocca
    • 19. November 2012 9:26 Uhr

    "Verrückt ist, wer immer wieder das gleiche tut und ein anderes Ergebnis erwartet."

    Wieso glauben Einzelpersonen immer wieder, dass sie klüger sind als ganze Regierungen (oder Fussballtrainerstabe)?

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