Gazastreifen : Ägypten bemüht sich um Waffenstillstand

Weitere zehn Menschen wurden im Gazastreifen getötet. Währenddessen trafen sich Unterhändler zu Friedensverhandlungen in Kairo, bisher ergebnislos.

Der gegenseitige Raketenbeschuss zwischen den Hamasbrigaden und der israelischen Armee hielt auch am Sonntag an – wenngleich mit geringerer Intensität.

Mindestens zehn Menschen kamen bei einem Angriff der israelischen Luftwaffe auf ein Wohngebäude in Gaza-Stadt ums Leben. Nach israelischen Militärangaben galt der Angriff einem Mitglied der radikalislamischen Gruppe Islamischer Dschihad, der für Raketenangriffe auf Israel verantwortlich sein soll. Unter den Toten des Angriffs war jedoch auch eine Familie mit vier Kindern, teilte ein Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde mit. Die Zahl der getöteten Palästinenser stieg damit bis zum frühen Abend auf 64, darunter 14 Kinder und Jugendliche. Auf israelischer Seite kamen seit Mittwoch drei Menschen ums Leben.

Vorausgegangen war eine relativ ruhige Nacht. Von Samstag zu Sonntag flogen zehn Stunden lang keine Raketen von Gaza in Richtung Israel. Tagsüber setzte das Feuer mit rund 35 Geschossen wieder ein, zwei davon in Richtung Tel Aviv , die von Israels Raketenabwehr Iron Dome abgefangen wurden. Im Gegenzug hat Israels Armee nach eigenen Angaben inzwischen nahezu Tausend Ziele bombardiert, darunter den Amtssitz von Premierminister Ismail Hanijeh, das Hauptquartier der Polizei in Gaza-Stadt sowie zwei lokale Medienzentren, die der Hamas nahe stehen. Mehrere Journalisten wurden verletzt, einer verlor sein Bein.

Unterdessen gingen die Bemühungen um einen Waffenstillstand weiter. In Kairo traf eine Delegation von Hamas und Islamischer Dschihad ein, aber auch ein Unterhändler aus Tel Aviv, der am Mittag mit einer kleinen Maschine in der ägyptischen Hauptstadt landete.

Ban und Westerwelle wollen anreisen

Am Samstag hatten die Außenminister der Arabischen Liga in Kairo bei einer Dringlichkeitssitzung die Vermittlungstätigkeit von Präsident Mohammed Mursi vorbehaltlos unterstützt. Eine Delegation des Staatenbundes soll am Dienstag in die Enklave reisen. Auch der Generalsekretär der Vereinten Nationen , Ban Ki-Moon, hat sich für kommende Woche in Israel und dem Gazastreifen angesagt.Außenminister Guido Westerwelle hat ebenfalls eine baldige Reise in die Region angekündigt.

Palästinenser und Israelis fordern feste Garantien

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan traf bereits am Wochenende in Kairo mit Mursi zusammen und erklärte, Israel werde "früher oder später" für seine Massaker in Gaza international zur Verantwortung gezogen werden. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz kündigte Mursi an, es gebe Anzeichen für einen Waffenstillstand, wenn auch "keine Garantien".

Die Verhandlungen stockten zuletzt, weil die Palästinenser feste Garantien von dritter Seite fordern, unter anderem von den Vereinigten Staaten, dass Israel die getroffene Vereinbarung auch wirklich einhält. Sie verlangen für das Abkommen ein Ende der seit 2007 herrschenden Blockade des Gazastreifens durch Israel sowie ein Ende der gezielten Tötungen durch Drohnen.

Israel dagegen will vertraglich zugesagt bekommen, dass das Raketenfeuer aus Gaza "ein für allemal" beendet wird. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu beteuerte am Samstag, dass er die Angriffe im Gazastreifen erst beenden werde, wenn zugleich die Raketenattacken auf Israel eingestellt werden. Dies habe er in Telefongesprächen mit US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel klar gemacht, berichtete die Zeitung Haaretz .

Verlagsangebot

DIE ZEIT wird 70 ...

... und ihre Journalisten erzählen von den Geschichten ihres Lebens. Von Geheimnissen und Irrtümern unserer Zeitung. Und von den besten Lesern der Welt. Eine Festausgabe.

Mehr erfahren

Kommentare

88 Kommentare Seite 1 von 8 Kommentieren

Die Medienvertreter dort

stehen nicht unbedingt der Hamas nahe.

Es sind Leute der BBC, Murdochmedien (tatsächlich:)),
deutsche, italiensche Medien, freie Journalisten
und auch arabische, die grundsätzlich den
Palästinensern nahe stehen, aber nicht unbedingt
Hamasfans sind (z.B. die aus Qatar).

Die IDF sagte hinterher (Audio bei Mondoweiss),
dass man sehr wohl wußte, dass dort Pressevertreter
waren, deshalb auch nur ein bestimmtes "Stockwerk"
bombadiert hätte.
Es wäre um die Sendeeinrichtungen gegangen.

Ja, Presse braucht nun mal Sendeeinrichtungen.

Danach ergingen im Laufe des heutigen Tages
mehrere Warnungen an Pressevertreter, dass
ihre Büros bombadiert würden.
(Mondoweiss, Harry Fear)

Gewalt ist kein Weg

Eigentlich sollte sich diese Erkenntnis endlich durchsetzen: Gewalt wird den Konflikt nicht beenden.

Und Israel wird erst dann "angreifbar" oder "verwundbar", wenn die Palästinenser ihren Kampf gewaltlos machen. Ob dieser Kampf überhaupt berechtigt ist, vermag ich nicht zu sagen - aber auch das Aufrechnen der von beiden Seiten begangenen Ungerechtigkeiten hat keinerlei Sinn mehr.

Die Menschen brauchen - wie auch von Hamad bin Jassem al-Thani formuliert - Krankenhäuser, Schulen und Arbeit. Und keine "Regierung", die lieber Waffen kauft und diese dann ziellos auf den Gegner abfeuert.

Sie brauchen eine friedliche Zukunft.

Keine absurde Forderung

>>Ministerpräsident Benjamin Netanjahu beteuerte am Samstag, dass er die Angriffe im Gazastreifen erst beenden werde, wenn zugleich die Raketenattacken auf Israel eingestellt werden.<<

Ich schätze die Politik von Netanjahu nicht sonderlich. Aber die Forderung, dass die angriffe auf die eigene Zivilbevölkerung aufhören muss ist ja nicht so weit hergeholt.
Letzten Endes wundert es mich auch, warum Ägypten und Isreal es gemeinsam nicht schaffen den Nachschub für die Raketen zu unterbinden.