Gaza-KonfliktErdoğan bezeichnet Israel als terroristischen Staat

Der türkische Ministerpräsident solidarisiert sich mit den Palästinensern. Für Erdoğan ist Israel ein terroristischer Staat, der im Gazastreifen schweres Unrecht begeht. von afp, dpa, reuters und dapd

Türkeis Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan

Türkeis Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan  |  © Asmaa Waguih/Reuters

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan hat bezüglich Israel Abschied genommen von allen diplomatischen Gepflogenheiten. Unverhohlen sagt er, was er von dem Land hält, mit dem er bis vor wenigen Jahren noch in gutem Einvernehmen stand. Bei einem Treffen mit religiösen Führern in Istanbul sagte er, Israel sei wegen des Angriffs auf Gaza ein "terroristischer Staat". Dessen Umgang mit den Palästinensern bezeichnete Erdoğan als schweres Unrecht.

Die Welt verschließe die Augen vor Massakern an der Zivilbevölkerung: "Jene, die den Islam mit Terrorismus verbinden, verschließen die Augen vor den Massenmorden an Muslimen, wenden sich ab von den Massakern an Kindern in Gaza", sagte Erdoğan. Von den Vereinten Nationen forderte er eine "ernsthafte Aktion", um den israelischen Angriffen ein Ende zu bereiten.

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In der arabischen Welt wurde Erdoğan für seine Kritik gefeiert. Auch ist es nicht das erste Mal, dass sich die Türkei unter seiner Führung auf die Seite der Palästinenser schlägt. Erdoğan hat die Palästinenser-Politik der israelischen Regierung immer wieder kritisiert.

Israel und die Türkei waren lange auf einem guten Weg, freundschaftliche Beziehungen aufzubauen. Beide Staaten sind Demokratien in der Region, beide sind Verbündete Amerikas. Dann kam es zum Zerwürfnis. Bei der Erstürmung der Mavi Marmara am 31. Mai 2010 wurden neun türkische Aktivisten erschossen, die die israelische Gaza-Blockade durchbrechen wollten. Dies erzürnte die Türken so sehr, dass sie den israelischen Botschafter auswiesen und die militärische Zusammenarbeit beendeten. Israel hatte den Verlust von Menschenleben zwar bedauert, die von Ankara geforderte förmliche Entschuldigung aber abgelehnt.

In der vergangenen Woche hatte der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu die israelischen Angriffe auf den Gazastreifen als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" bezeichnet. Israel warf er vor, den Gazastreifen in ein Gefängnis verwandelt zu haben. Davutoğlu wird am Dienstag mit einer Delegation der Arabischen Liga im Gazastreifen erwartet, berichtet die Nachrichtenagentur Anadolu. Sie soll dabei helfen, einen Waffenstillstand zu vermitteln.

Israel plant Bodenoffensive

Seit Mittwoch bombardiert Israel den Gazastreifen und zieht in der Grenzregion weitere Truppen zusammen. Mehrmals hatte Israels Regierung bereits mit einer Bodenoffensive gedroht. Das israelische Sicherheitskabinett hatte am Freitagabend die Mobilisierung von bis zu 75.000 weiteren Reservisten gebilligt. 16.000 Reservisten seien bereits einberufen worden, sagte die Militärsprecherin Avital Leibovich.

Seit Beginn der Offensive Säule der Verteidigung wurden nach jüngsten palästinensischen Angaben mehr als einhundert Palästinenser getötet. Auf israelischer Seite starben drei Menschen.

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Leserkommentare
  1. Muslime nicht allen Ernstes mit den Palästinensern im Gaza-Streifen vergleichen, oder? Verhöhnender gehts kaum.

    • Otto2
    • 19. November 2012 21:20 Uhr

    Man kann natürlich Erdogan beschimpfen (vor Wut, vor Empörung, aus Verachtung usw.)
    Aber klar und unmissverständlich: Wer das als politisch denkender Mensch außerhalb privater Beziehungen tut - ist dumm.
    Von Bismarck ist ein kluger Satz überliefert oder ihm auch nur zugeschrieben:
    "Politik ist die Kunst des Möglichen."
    Wer diese Kunst nicht beherrscht, oder sie nicht annehmen will, wird mehr oder weniger bittere Niederlagen einstecken müssen.

    Antwort auf "Im spiegellosen Land"
    • special
    • 19. November 2012 21:21 Uhr

    sind nicht anders als Sie und ich. Ich kann Ihnen versichern, eingepfercht sein macht Menschen etwas aus.

    Antwort auf "[...]"
    • AtoY
    • 19. November 2012 21:24 Uhr
    68. Tja...

    er hat sowieso noch ein Hühnchen mit diesem Staat zu rupfen. Vor ein paar Jahren sind sie nämlich auf ein Boot rauf und haben da ohne Bedenken ein paar türkische Staatsbürger gekillt, teilweise per Kopfschüsse usw.

    Israel übertreibt einfach zu krass in der ganzen Gegend und wenn sie bald nicht aufhören, dann wird es noch sehr böse enden, zumal sie sowieso keine echte Freunde in der ganzen Gegend haben.
    Die einzigen die ständig, egal was für eine Schweinerei sie machen, hinter ihnen stehen ist eigentlich USA und teilweise Deutschland, aber unser Staat macht es im Grunde auch nur aus geschichtlicher Verpflichtung. Ich kann mir irgendwie beim besten Willen nicht vorstellen, dass diverse Leute, die da vor die Kameras treten tatsächlich hinter Israel stehen.

    Auf lange Sicht muss Israel einiges ändern bzw. endlich damit anfangen, weil selbst in USA mittlerweile ein Protest gegenüber diesem Staat wächst und ich habe da so meine Zweifel, dass sie für solch einen Krieg überhaupt irgendwie die Kohle haben. Das wäre dann wohl die dritte Front und das Land kann es sicher nicht vertragen, wo sie doch unter der Last der anderen Kriege solch massive finanzielle Verluste einfahren, außerdem werden die Russen und Chinesen sicher auch was dagegen haben und wenn China den Amis den Geldhahn zudreht, dann sind schneller pleite als sie gucken können.

  2. ...wie mein Statement langweilt mich die ewige Leier des "Schuld ist der Kolonialismus"- der Kolonialismus ist ein Aspekt, aber bestimmt nicht der einzige, vor allem nicht in dieser Region und auch nicht der entscheidende. Studieren Sie eingehend die Geschichte der Region, dann werden Sie feststellen, dass man sich dort zumeist selbst im Wege steht. Und zum Abschluss die Frage: der Westen "saugt Afghanistan aus"? Da muss man unwillkürlich lachen- informieren Sie sich, bevor Sie hier islamistische Plattitüden in den Raum werfen.

  3. 70. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Danke, die Redaktion/ls

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Bashu
    • 19. November 2012 22:48 Uhr

    das ist eigentlich ein anderes Thema, aber Türken und Araber formen innerhalb Deutschlands auch eine Parallelgesellschaft, eigene Straßen, eigene Shops, und selbst hier Aufgewachsene beherrschen teilweise die Deutsch nicht korrekt.

    Manchmal hört man, dass Beziehungen zwischen Türken/Arabern und Deutschen von der Familie unterbunden werden, manchmal mit Gewalt - gehört habe ich das aber immer nur von türkischer/arabischer Seite.

    Also wer ist eigentlich intolerant?

    Zum Koran-Verteilen: Gehen Sie bitte auch mal in ein arabisches Land, verteilen Sie auf der Straße kostenlos Bibeln an Muslime und berichten Sie uns dann von Ihren Erfahrungen. Vielleicht stellen Sie dann fest, dass wir doch nicht so intolerant sind.

    • biggerB
    • 19. November 2012 21:27 Uhr

    "Erdoğan bezeichnet Israel als terroristischen Staat"

    Patriot- Systeme ausgerechnet an jene, die offizieller deutscher Staatsräson widersprechen?

    http://www.zeit.de/2012/1...

    Vorauseilender Gehorsam halt und seine peinlichen Folgen!

    Oder, anders formuliert-
    Staatsbürgerkunde für "nassforsche", sogenannte
    "Verteidigungs"minister"!

    MfG
    biggerB

  4. erkennt man an seinen Kommentaren. Die Funktion einer Armee beinhaltet lediglich die Landesverteidigung und besteht nicht darin, nach Belieben Präsidenten und Premierminister ein- bzw. abzusetzen. Wenn sie dies, wie im Falle der Türkei nicht tut, tanzt ihr die PKK auf der Nase rum. Weniger Politik, dafür mehr Landesverteidigung wäre besser für das Land. Was heißt immer diese: Die Türkei war der beste Freund Israels? Soll das heißen, wenn der beste Freund (mit Atomwaffen bestückt) ein kleines Kind (Gazastreifen mit selbstgebastelten Raketen mit ungenauigkeit) verprügelt, soll die Türkei zum besten Freund halten statt die Wahrheit zu sagen? Was hat das alles noch mit Gerechtigkeit zu tun. Dann sind wir bei Darwin: Der Stärkere tötet den Schwachen, gräbt ihm das Jordanwasser ab, sperrt ihn in ein Freiluft-Lager, gewährt ihm keinen Zugang zu Krankenhäusern und Bildung. Lässt Bewohner, die das Gebiet verlassen, nie wieder einreisen usw. Die Liste ließe sich beliebig weiterführen. Nun, sind sie dran die Demokratie Israel schönzureden.

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    • MeÖz
    • 19. November 2012 23:56 Uhr

    Das hat was mit ihrer Historie zu tun. Während die Bundesrepublik ohne militärischen Einfluss gegründet wurde, basiert die Türkei auf militärischen Siegen errungen im Unabhängigkeitskriegt Atatürks. Dies führte dazu das die Armee in der Türkei immer einen besonderen Platz hat im Staat. Ja, die Armee wurde gar zum Nachlassverwalter Atatürks und stand lange über allen Gesetzen, Regierungen und Parteien. Die türkische Armee ist im Gegensatz zur Bundeswehr sehr beliebt in der Bevölkerung. Sie werden trotz Erdogan als Götter in Uniform gesehen. Für Deutsche befremdlich - Für vor allem rechtsgesinnte und konservative Türken eine Selbstverständlichkeit. Die Türkei braucht eine einflusssreiche Armee, sonst exsitiert sie nicht mehr wie sie Atatürk konzipierte. Der Laizismus kann nur von der Armee aufrechterhalten werden. Für Außenstehende sehr befremdlich - für viele Türken normal.

    BTT: Ich würde es kein Freiluftgefängniss nennen. Die Palästinenser dürfen Güter zur Versorgung einführen. Es gibt eine spezielle Liste was verboten ist. Medizinisches Gerät und Schreibzeug sind erlaubt und können über Ashkelon eingeführt werden. Auch ist die Ausfuhr von Palästinensern, welche mediznische Versorgung benötigen erlaubt.

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, dapd, Reuters, AFP, sk
  • Schlagworte Israel | Gefängnis | Islam | Nachrichtenagentur | Terrorismus | Verbrechen
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