Naher Osten : Israel startet Militäroperation im Gazastreifen

Die gezielte Tötung eines Hamas-Führers weckt die Sorgen um einen neuen Krieg im Gazastreifen. Die israelische Armee schließt selbst eine Bodenoffensive nicht länger aus.
Rauch steigt im Norden des Gazastreifens auf. © Amir Cohen/Reuters

Der tödliche Luftangriff auf einen Hamas-Anführer markiert für Israel den Auftakt einer neuen Offensive gegen Extremisten im Gazastreifen. Die Tötung Ahmed al-Dschabaris sei der "Beginn einer größeren Operation", sagte die Sprecherin der israelischen Streitkräfte, Avital Leibovich. Der Generalstabschef habe wegen der anhaltenden Raketenangriffe aus dem Gazastreifen Einsätze gegen Terrorziele genehmigt.

Dschabari war in seinem Auto unterwegs, als eine Rakete ihn und seine Begleiter tötete. Israels Inlandsgeheimdienst rechtfertigte den gezielten Angriff mit "jahrzehntelangen terroristischen Aktivitäten". Das Militär teilte mit, mit der Operation sollte die Kommandokette der Hamas-Führung gestört werden.

Verteidigungsminister Ehud Barak sagte, Israel wolle keinen Krieg. Dennoch könne sein Land die Provokationen der Hamas aus den vergangenen vier Tagen nicht einfach so hinnehmen. Eine entschlossene Antwort sei nötig. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte schon am Dienstag mit einer härteren Gangart gedroht. "Wer glaubt, dass er die Routine der Einwohner des israelischen Südens zerstören kann und dafür keinen hohen Preis bezahlen muss, der irrt sich."

Armee erwägt Bodenoffensive

Vize-Ministerpräsident Silvan Schalom sagte nach Angaben des israelischen Rundfunks, notfalls müsse man die Armee zu einer neuen Bodenoffensive in den Gazastreifen schicken. Bei dem letzten Einsatz dieser Art waren zur Jahreswende 2008/2009 etwa 1.400 Palästinenser getötet und Tausende weitere verletzt worden. Auf der israelischen Seite starben 13 Menschen.

Die nun gestartete israelische Operation Säule der Verteidigung dürfte sich noch Tage hinziehen, sagte ein Militärsprecher. Nach Angaben der israelischen Armee bombardierte die Luftwaffe neben Waffendepots der Hamas und anderer militanter Gruppen im Gazastreifen auch mutmaßliche Lagerstätten von weiterreichenden Raketen. Dabei soll es sich um aus dem Iran stammende Fajr-5-Raketen handeln. Sie können bis zu 75 Kilometer weit fliegen und damit auch den Großraum Tel Aviv erreichen. Bisher wurde Israel mit Raketen mit einer Reichweite von bis etwa 30 Kilometern angegriffen.

Die Militärorganisation der Hamas erklärte als Reaktion auf die Angriffe Israels, mit der Tötung von Dschabari habe der jüdische Staat das "Tor zur Hölle" aufgestoßen. Die Organisation kündigte massive Rache an.

Waffenruhe nicht eingehalten

Ausgelöst wurden die Auseinandersetzungen durch den Beschuss einer israelischen Patrouille durch radikale Islamisten am Wochenende. Noch am Dienstag hatten beide Seiten über den Mittler Ägypten die Bereitschaft zu einer Feuerpause signalisiert. Ministerpräsident Netanjahu hatte allerdings gewarnt, wer denke, er könne Israelis gefährden, ohne dafür einen sehr hohen Preis zu zahlen, mache einen Fehler.

Israel drohte darüber hinaus zwei Wochen vor dem Antrag der Palästinenser auf Anerkennung ihrer Staatlichkeit durch die Vereinten Nationen mit weitreichenden Schritten. Israel könnte in diesem Fall die jüdischen Siedlungen im Westjordanland annektieren und die Friedensverträge mit den Palästinensern aufkündigen, sagte Umweltminister Gilad Erdan von der regierenden Likud-Partei dem israelischen Rundfunk.

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Kommentare

216 Kommentare Seite 1 von 18 Kommentieren

@ vvmetro u.a.

"Ich vermag bei Israel allerdings keinen Friedenswillen erkennen."

ich finde diese Aussage nicht richtig. Wer so etwas veräußern zu mag, war anscheinend noch nie in Israel bzw. kennt keine Israelis.
Warum können Menschen sich nicht konkreter ausdrücken?
Z.Bsp. etwa "Ich vermag bei Israels Politikern ... kein Friedenswillen erkennen."

Zu diesem Anliegen liegt mir auch sehr am Herzen -welche Alternativen zum Wählen gibt es für Israelis?
Was wissen wir hier schon, über Probleme innerhalb des Landes?
Und wie bitte soll Israel sich mit über 20 arabischen Staaten umher von denen sie "nicht anerkannt" werden schützen?

Israel hat nicht in der Vergangenheit und auch heute nicht "gegen Menschen" gekämpft, sondern für Überlebende.
Israels größter Wille ist Friede.
Verteidigung ist wohl mehr eine Ausflucht. Eine Verzweiflung. Ein Überlebenskampf.

ja.. Israel Glück wünschen und vor allem aber, wünsche ich ein glückliches Zusammenleben. Nicht nur zwischen Palestine-Israel...

"Israels größter Wille ist Friede."

Nur leider kommt es einem so vor, als ob dieser Friede nur möglich wird, wenn die Palistinänser alles akzeptieren, was so mancher Politiker an Bedingungen stellt, ohne selbst Zugeständnisse zu machen.
Warum droht man z.B. "mit weitreichenden Schritten" "vor dem Antrag der Palästinenser auf Anerkennung ihrer Staatlichkeit durch die Vereinten Nationen"?

.....

Ja, und jetzt?

Sie sind also der Ansicht, daß Ihre Meinung "richtiger" sei, oder moralisch unbedenklicher als meine Antwort?

Weil..?

Tauscht man die Positionen ist es sogar nach Meinung der Redaktion "unsachlich" - obwohl es inhaltlich absolut identisch ist. Ein wenig heuchlerisch in meinen Augen, aber das soll Sie nicht betreffen.

Vielmehr treibt mich der Gedanke um, nach dem sich die Mehrheit empört, wenn man Israel kritisiert oder sogar auf die Idee kommt Israels Existenzrecht anzuzweifeln. Vielleicht können Sie mir darauf eine Antwort geben.

Der Artikel berichtet nicht ganz korrekt.

Am Anfang stand die Ermordung eines geistig behinderten,unbewaffneten Palästinensers,der
sich der Grenze zu Israel zu sehr genähert
hatte.

Erst daraufhin wurde ein israelischer Militärjeep
angegriffen und Soldaten verletzt.

Mondoweiss berichtet, dass lt. Aussagen der
israelischen Führung die Ermordung des Hamasführers
bereits seit längerer Zeit geplant war.

Vorsatz?

Ein vorsätzliches Tötungsdelikt wird im Allgemeinen und nach unserer Rechtsauffassung als "Mord" bezeichnet. Das Morden können momentan beide Seiten in diesem Konflikt ziemlich gut, und als Außenstehende sollten wir uns nicht den Blick mit Euphemismen vernebeln.

Eigentlich führen die sich auf wie kleine Kinder, nur dass dabei Menschen draufgehen und die Bevölkerung auf beiden Seiten leidet. Meiner Ansicht nach gehören die Hardliner dort in den sprichwörtlichen Sack, denn ich glaube dass der überwiegende Teil der in Israel lebenden Araber und Juden den Kindergarten nicht wollen.

Naive Vorstellung

Es gibt kein offizielles Dokument, das die Grenzziehung eines Staates definiert.
Deutschland hat neun Nachbarstaaten, das bedeutet, es gibt 9 Grenzverträge, weil jede Grenze immer nur die zum jeweiligen Nachbarn ist. So konnten die Ostverträge die Grenzu zu Polen neu definieren, ohne dass das Auswirkungen auf die Grenzverträge zwischen Deutschland und den anderen Nachbarn gehabt hätte.

Mord und Totschlag

"Ein vorsätzliches Tötungsdelikt wird im Allgemeinen und nach unserer Rechtsauffassung als "Mord" bezeichnet."

Nein, ein vorsätzliches Tötungsdelikt wird im Allgemeinen und insbesondere nach unserer Rechtsauffassung als "Totschlag" bezeichnet. Ein Totschlag ist nur dann als Mord zu bezeichnen, wenn noch andere besondere Merkmale hinzutreten. Hier erspart ein Blick ins Gesetz viel Geschwätz (von meiner Seite aus). Ich gebe Ihnen allerdings recht, dass man umgangssprachlich viel eher von "Mord" anstatt eines "Totschlags" spricht. Klingt aber auch viel effektvoller und der andere ist dann gleich doppelt so böse.

Bezug

Mein Wunsch nach belegenden Quellen bezog sich nicht auf die israelische Grenze. Dazu eindeutige Aussagen zu finden ist natürlich unmöglich.
Ich hätte nur gerne Berichte zu der angesprochenen "Ermordung des geistig behinderten Palästinensers".
Das hört sich nämlich schonwieder nach einem Zwischenfall an der zu Propagandazwecken missbraucht wird ...
Wenn es sich zugetragen hätte wie beschrieben hätte das wohl größere Wellen geschlagen.

Dazu würden mich Quelle wie gesagt sehr interessieren damit ich mir ein eigenes Bild dazu machen kann.