Nach einwöchiger Konfrontation halten sich Israel und die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas an eine von Ägypten vermittelte Waffenruhe . Die Waffenruhe trat um 21.00 Uhr Ortszeit in Kraft und wurde in der Nacht weitgehend befolgt.

Die Feuerpause schien zunächst zu halten. Nach Angaben der israelischen Polizei wurden nach ihrem Inkrafttreten nochmals zwölf palästinensische Raketen auf Südisrael abgefeuert. Zu Schaden gekommen sei aber niemand, die meisten Geschosse seien auf Feldern im Süden gelandet. Eine Rakete wurde über der Stadt Aschkelon von dem Abwehrsystem Iron Dome abgefangen, berichtete die Zeitung Haaretz .

In Gaza-Stadt feierten Tausende das Ende der achttägigen israelischen Bombardierungen . Von den Minaretten der Moscheen wurden Siegesbotschaften verkündet. Bewaffnete feuerten Freudenschüsse in den Nachthimmel. "Wir haben dem zionistischen Feind eine Lektion erteilt", sagte der Chef der Hamas-Regierung, Ismail Hanija . Zugleich äußerte er die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Blockade des Gazastreifens durch Israel.

Grenzübergänge öffnen

ÄgyptensAußenminister Mohammed Kamel Amr verkündete die Einigung bei einer Pressekonferenz mit US-Außenministerin Hillary Clinton in Kairo . Nach ägyptischen Angaben sieht die Vereinbarung zunächst einen Stopp aller Angriffe vor, gefolgt von Verhandlungen über einen dauerhaften Waffenstillstand. Rund 24 Stunden nach Beginn der Waffenruhe sollen demnach Gespräche über die Bedingungen für eine Öffnung der Grenzübergänge zum Gazastreifen beginnen. Ziel sei es, den Grenzverkehr für Waren und Menschen zu vereinfachen – das Gebiet steht seit Jahren unter israelischer Blockade. Überwacht wird das Abkommen von Ägypten.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kam in einem Telefonat mit US-Präsident Barack Obama überein, künftig gemeinsam gegen den Waffenschmuggel in das Palästinensergebiet vorzugehen, sagte Netanjahu nach Beginn der Feuerpause. "Israel kann nicht einfach zuschauen, wie sich seine Feinde mit Waffen des Terrors ausrüsten", von denen der größte Teil aus dem Iran stamme, sagte Netanjahu.

Aus Waffenruhe soll Waffenstillstand werden

Die Waffenruhe wurde von vielen Seiten begrüßt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, er hoffe, dass beide Seiten nun auch die letzten noch offenen Fragen für einen dauerhaften Waffenstillstand klären werden. "Wenn diese Waffenruhe hält, wäre das eine große Erleichterung für uns alle, aber vor allem für die Menschen in Israel und in Gaza ", sagte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) in Berlin . Alle Seiten stünden jetzt in der Verantwortung, damit aus einer Waffenruhe ein stabiler Waffenstillstand werde. "Wir werden tun, was wir können, um eine Stabilisierung der Situation zu unterstützen."

Westerwelle telefonierte am Abend mit seinem israelischen Amtskollegen Avigdor Lieberman . Dieser habe sich für den deutschen Einsatz zur Entschärfung der Situation bedankt und Westerwelle über die Lage nach der Vereinbarung der Waffenruhe informiert, teilte das Auswärtige Amt mit. Beide seien sich einig gewesen, dass aus der Waffenruhe nun ein nachhaltiger Waffenstillstand werden müsse.

Israel hatte vor einer Woche seine Militäroffensive gegen Ziele im Gazastreifen begonnen , um den Raketenbeschuss von palästinensischer Seite zu stoppen. Seit Beginn der Offensive sind in dem Landstrich mehr als 130 Menschen getötet worden . Auf israelischer Seite kamen fünf Menschen ums Leben. Im Gazastreifen waren nach Angaben der Gesundheitsbehörden mindestens 54 Zivilisten unter den Toten, rund 840 Menschen wurden verwundet, darunter 225 Kinder.