Nahost-KonfliktWaffenruhe zwischen Israel und Hamas hält an

Acht Tage lang waren Bomben gefallen. Nun halten sich Israel und die Hamas bis auf wenige Vorfälle an die Waffenruhe. Im Gazastreifen feierten Tausende die Feuerpause. von afp, dpa und reuters

Palästinenser feiern in Gaza-Stadt die vereinbarte Waffenruhe mit Israel.

Palästinenser feiern in Gaza-Stadt die vereinbarte Waffenruhe mit Israel.  |  © Mahmud Hams/AFP/Getty Images

Nach einwöchiger Konfrontation halten sich Israel und die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas an eine von Ägypten vermittelte Waffenruhe . Die Waffenruhe trat um 21.00 Uhr Ortszeit in Kraft und wurde in der Nacht weitgehend befolgt.

Die Feuerpause schien zunächst zu halten. Nach Angaben der israelischen Polizei wurden nach ihrem Inkrafttreten nochmals zwölf palästinensische Raketen auf Südisrael abgefeuert. Zu Schaden gekommen sei aber niemand, die meisten Geschosse seien auf Feldern im Süden gelandet. Eine Rakete wurde über der Stadt Aschkelon von dem Abwehrsystem Iron Dome abgefangen, berichtete die Zeitung Haaretz .

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In Gaza-Stadt feierten Tausende das Ende der achttägigen israelischen Bombardierungen . Von den Minaretten der Moscheen wurden Siegesbotschaften verkündet. Bewaffnete feuerten Freudenschüsse in den Nachthimmel. "Wir haben dem zionistischen Feind eine Lektion erteilt", sagte der Chef der Hamas-Regierung, Ismail Hanija . Zugleich äußerte er die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Blockade des Gazastreifens durch Israel.

Grenzübergänge öffnen

ÄgyptensAußenminister Mohammed Kamel Amr verkündete die Einigung bei einer Pressekonferenz mit US-Außenministerin Hillary Clinton in Kairo . Nach ägyptischen Angaben sieht die Vereinbarung zunächst einen Stopp aller Angriffe vor, gefolgt von Verhandlungen über einen dauerhaften Waffenstillstand. Rund 24 Stunden nach Beginn der Waffenruhe sollen demnach Gespräche über die Bedingungen für eine Öffnung der Grenzübergänge zum Gazastreifen beginnen. Ziel sei es, den Grenzverkehr für Waren und Menschen zu vereinfachen – das Gebiet steht seit Jahren unter israelischer Blockade. Überwacht wird das Abkommen von Ägypten.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kam in einem Telefonat mit US-Präsident Barack Obama überein, künftig gemeinsam gegen den Waffenschmuggel in das Palästinensergebiet vorzugehen, sagte Netanjahu nach Beginn der Feuerpause. "Israel kann nicht einfach zuschauen, wie sich seine Feinde mit Waffen des Terrors ausrüsten", von denen der größte Teil aus dem Iran stamme, sagte Netanjahu.

Aus Waffenruhe soll Waffenstillstand werden

Die Waffenruhe wurde von vielen Seiten begrüßt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, er hoffe, dass beide Seiten nun auch die letzten noch offenen Fragen für einen dauerhaften Waffenstillstand klären werden. "Wenn diese Waffenruhe hält, wäre das eine große Erleichterung für uns alle, aber vor allem für die Menschen in Israel und in Gaza ", sagte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) in Berlin . Alle Seiten stünden jetzt in der Verantwortung, damit aus einer Waffenruhe ein stabiler Waffenstillstand werde. "Wir werden tun, was wir können, um eine Stabilisierung der Situation zu unterstützen."

Westerwelle telefonierte am Abend mit seinem israelischen Amtskollegen Avigdor Lieberman . Dieser habe sich für den deutschen Einsatz zur Entschärfung der Situation bedankt und Westerwelle über die Lage nach der Vereinbarung der Waffenruhe informiert, teilte das Auswärtige Amt mit. Beide seien sich einig gewesen, dass aus der Waffenruhe nun ein nachhaltiger Waffenstillstand werden müsse.

Israel hatte vor einer Woche seine Militäroffensive gegen Ziele im Gazastreifen begonnen , um den Raketenbeschuss von palästinensischer Seite zu stoppen. Seit Beginn der Offensive sind in dem Landstrich mehr als 130 Menschen getötet worden . Auf israelischer Seite kamen fünf Menschen ums Leben. Im Gazastreifen waren nach Angaben der Gesundheitsbehörden mindestens 54 Zivilisten unter den Toten, rund 840 Menschen wurden verwundet, darunter 225 Kinder.

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Leserkommentare
    • zd
    • 22. November 2012 6:47 Uhr

    "Wir haben dem zionistischen Feind eine Lektion erteilt", sagte der Chef der Hamas-Regierung, Ismail Hanija."

    das erinnert mich an den schwarzen ritter aus monthy pythons "die ritter der kokosnuss", der nachdem ihm beide beine und arme abgeschnitten wurden, sich immer noch sigessicher gab.

    das traurige dabei ist, dass die extremisten, welche in gazastreifen regieren in kommenden jahren, wenn die lager wieder voll mit iranischen waffen sind, wieder auf israel schiessen werden.

    2 Leserempfehlungen
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    • Rend
    • 22. November 2012 7:01 Uhr

    mal diesen Moment nutzen, um etwas daraus zu machen. Nicht nur einen Waffenstillstand für den Augenblick, sondern etwas dauerhaftes aufbauen. Die Beziehung versuchen zu verbessern, versuchen einen Dialog zu führen.
    Man kann sich aber auch die kalte Schulter zeigen und einfach warten bis alles wieder ist wie vorher, und bis es wieder knallt.
    Ich finde mit dem Waffenstillstand ist gestern Abend eine Chance eröffnet worden, man sollte sie nutzen.

    • Rend
    • 22. November 2012 7:01 Uhr

    mal diesen Moment nutzen, um etwas daraus zu machen. Nicht nur einen Waffenstillstand für den Augenblick, sondern etwas dauerhaftes aufbauen. Die Beziehung versuchen zu verbessern, versuchen einen Dialog zu führen.
    Man kann sich aber auch die kalte Schulter zeigen und einfach warten bis alles wieder ist wie vorher, und bis es wieder knallt.
    Ich finde mit dem Waffenstillstand ist gestern Abend eine Chance eröffnet worden, man sollte sie nutzen.

    3 Leserempfehlungen
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    ihren Wünschen schließe ich mich an.

    Es wird HÖCHSTE ZEIT, dass mit dem jahrzehntelangen

    ping-pong, ... ping-pong ..., ping-pong ...

    ENDLICH Schluss ist und zur Abwechslung Mal Friedenstauben mit Olivenzweigen fliegen!

    • molgun
    • 22. November 2012 7:13 Uhr

    Hunderte von todbringenden Raketen verunsichern seit Jahren das Leben von mehr als eine Million
    Israelis. Israel muss seine Bürger schützen. Abschussrampen und Einrichtungen der Terroristen werden mit Vorsicht beschossen, um unvermeidbare Kollateralschäden zu minimieren. Wenn der israelischen Armee, in der Erfüllung ihrer Pflicht, Fehler passieren, wird eine Untersuchung eingeleitet und eine Entschuldigung ausgesprochen.
    Die Hamas feuern absichtlich ihre Raketen auf Städte und Dörfer und ermorden Zivilisten blindlings. Ihren Erfolg messen sie an der Anzahl ermordeten Menschen, egal ob Israelis, Araber, Alte, Junge, Frauen oder Kinder. Je mehr Opfer sie verursachen desto grösser ihre Freude. Ein Anschlag auf einen Bus mit vielen Opfer wird symptomatisch mit Tänze auf der Strasse gefeiert.
    Merkt jemand den Unterschied? Israel muss seit 64 Jahren damit leben!

    4 Leserempfehlungen
  1. "Nun halten sich Israel und die Hamas bis auf wenige Vorfälle an die Waffenruhe."

    "nochmals zwölf palästinensische Raketen auf Südisrael abgefeuert"

    Und wie haben die Israelis den Waffenstillstand verletzt? Oder passierten die "wenige Vorfälle" nur auf einer Seite?

    Eine Leserempfehlung
  2. ihren Wünschen schließe ich mich an.

    Es wird HÖCHSTE ZEIT, dass mit dem jahrzehntelangen

    ping-pong, ... ping-pong ..., ping-pong ...

    ENDLICH Schluss ist und zur Abwechslung Mal Friedenstauben mit Olivenzweigen fliegen!

  3. "radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas"

    was genau macht die Hamas zu einer "radikalislamischen" Organisation?

    "Israel kann nicht einfach zuschauen, wie sich seine Feinde mit Waffen des Terrors ausrüsten",

    und israelische Waafen sind die des Friedens oder wie?

    Letztlich wird nochmal ganz nebenbei erwähnt wär denn tatsächlich die Mehrzahl an Opfer zu verbuchen hat - währen auf Seiten Isarels fünf Menschen ums Leben kamen - sind auf der anderen Seite 130 Menschen ums Leben gekommen, darunter Frauen Kinder - ZIVILISTEN!

    und jetzt die Frage wer fördert und betreibt hier den Terror?
    Was genau versucht man hier zu verdrehen?

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    wer*
    Waffen*
    während*

    ....

  4. wer*
    Waffen*
    während*

    ....

    Antwort auf "verwunderlich"
  5. Tja, man sucht verzweifelt valide Infos zu "Konflikten":

    Israel wertet den Kampf gegen Hamas u.a. als fortdauernden "internationalen bewaffneten Konflikt" (lt. Israeli Supreme Court 2005), was humanitär-völkerrechtlich herkömmlichem Krieg zwischen Staaten entspricht - während etwa die USA gegen al-Qaida als paramilitärischer Organisation in einem "nichtinternationalen bewaffneten Konflikt" weltweit(?) kämpfen. Die Verbündeten der USA beteiligten sich aufgrund des NATO-Bündnisfalls am "transnationalen bewaffneten Konflikt". All diese Konflikte können jedoch nicht - nach humanitärem Völkerrecht - als "weltweite bewaffnete Konflikte" eingeordnet werden, da die Konfliktpartei nicht weltweit quasi-militärische Strukturen aufweist. Bei al-Qaida als losem Netzwerk ist zudem unklar, ob deren Organisationsgrad - nach humanitärem Völkerrecht - eine Klassifizierung als "nichtinternationale Konfliktpartei" überhaupt zulässt.

    Falls obiges rechtlich zutrifft (www.taz.de/1/archiv/archi..., www.swp-berlin.org/filead...), ist dies maßgeblich für "targeted killing" und für die Bezeichnung des Gegners als Kämpfer, Aufständischer oder Terrorist.

    Im Fall Hamas kann man angesichts eines "internationalen bewaffneten Konflikts" kaum von "Terror" sprechen, sondern müsste - ebenso bei Israel - jeden Einzelfall auf Kriegsverbrechen gegen Zivilisten prüfen, und - ähnlich den Taliban - wäre Hamas als Guerillabewegung zu klassifizieren.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters, nf
  • Schlagworte Israel | Guido Westerwelle | Benjamin Netanjahu | Hamas | Barack Obama | FDP
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