M23-Rebellen mit einem Fahrzeug der kongolesischen Grenzpolizei © James Akena/Reuters

Im Osten Kongos haben die Rebellen der Bewegung M23 die Stadt Goma in der ProvinzNord-Kivueingenommen. Nicht weit davon entfernt erlebt die ZEIT-Redakteurin Andrea Böhm den Konflikt und seine Auswirkungen. Lesen Sie ihre Eindrücke aus der Stadt Bukavu (ProvinzSüd-Kivu):

Bukavu, am frühen Mittwochmorgen kurz vor sechs. Friedlich und angenehm kühl. Ein paar Stunden später ist es mit der Ruhe vorbei. Studenten demonstrieren gegen die Regierung Kabila, zünden Parteibüros an, liefern sich schwere Straßenschlachten mit der Polizei, die mit scharfer Munition schießt. Zu solchen Wutausbrüchen über den Fall von Goma , die Niederlage der eigenen Armee und das vermeintliche Versagen der UN-Mission war es zuvor schon in Kisangani gekommen.

Die Städte Goma und Bukavu am Kivu-See

Die M23-Rebellen haben inzwischen die Stadt Sake in Nord-Kivu eingenommen und bewegen sich Richtung Süden. Es wird spekuliert, dass sie auf den Flughafen von Bukavu marschieren (der allerdings anders als in Goma weit außerhalb der Stadt liegt), um dort eines der Logistikzentren der kongolesischen Streitkräfte zu blockieren.

Am Vormittag ein Gespräch mit einem kanadischen Polizeiausbilder, der am Tag zuvor aus Goma in Sicherheit gebracht worden war. Sein Einsatz ist fast vorbei. Acht Monate Grundausbildung für kongolesische Polizeianwärter, "viele ehemalige Rebellen": Verhalten bei Demonstrationen, Formationen bilden, Einsatz von Schild, Schlagstock, Pfefferspray. Den Einsatz von Schusswaffen beherrschten die Schüler schon, der Grundsatz, sie nur im äußersten Notfall einzusetzen, sagt der Kanadier, "war nur schwer zu vermitteln." So einige seien mitsamt Ausrüstung zur M23 übergelaufen. "Letztlich haben die von unserem Training profitiert."

Er fliegt nach jetzt in den Urlaub nach Vietnam .

Wie lange dauert es, bis ein Land vom Kriegsgebiet zum Ferienziel wird? Dreißig, vierzig Jahre? Im Kongo wahrscheinlich länger.

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