Rebellen-OffensiveZehntausende flüchten vor Kämpfen im Ostkongo

Die Bewegung M23 hat die kongolesische Provinzhauptstadt Goma erreicht. Nun wollen die Rebellen mit der Regierung verhandeln, diese lehnt Gespräche aber ab. von afp, dpa und dapd

Eine Binnenvertriebene trägt ihre Sachen in ein UN-Lager in der Nähe der kongolesischen Stadt Goma.

Eine Binnenvertriebene trägt ihre Sachen in ein UN-Lager in der Nähe der kongolesischen Stadt Goma.  |  © Phil Moore/AFP/Getty Images

Die Gewalt im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo eskaliert. Die Kämpfe zwischen der Bewegung des 23. März (M23) und den Regierungstruppen haben nun die strategisch wichtige Provinzhauptstadt Goma erreicht, berichteten Hilfsorganisationen. Tausende Menschen sind auf der Flucht, zahlreiche Kinder wurden in dem Chaos von ihren Eltern getrennt. Mehr als 70.000 Flüchtlinge mussten nach Angaben der Organisation World Vision wegen der Kampfhandlungen in andere Lager verlegt werden. Noch gebe es aber keine großen Engpässe bei der Versorgung der Menschen mit Nahrung, Wasser und Medikamenten. Dennoch verschlechtere sich die Lage für die Zivilisten und Flüchtlinge dramatisch.

Zeugen berichteten von Gefechten in Vorstadtvierteln von Goma. Einwohner seien in Panik Richtung Süden oder in Richtung ruandische Grenze geflohen. Ein Hotel sei von einer Granate getroffen worden. Mehrere Menschen wurden laut Krankenhausmitarbeitern verletzt.

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Die Kämpfe zwischen der M23 gegen Regierungstruppen und UN-Friedenstruppen waren am Donnerstag ausgebrochen und hatten bis zum Wochenende an Stärke zugenommen. Nun fordern die Rebellen laut Medienberichten einen Waffenstillstand und Gespräche mit der Regierung. An den Verhandlungen sollen neben der Regierung und der M23 auch Oppositionsgruppen im Land und im Ausland sowie verschiedene zivile Organisationen beteiligt werden. Die M23 verlangte von der Regierung, binnen 24 Stunden öffentlich die Aufnahme von "direkten politischen Verhandlungen" zu erklären. Die Regierung lehnte Verhandlungen mit den Rebellen ab.

Die Gruppe M23 entstand, nachdem Offiziere der kongolesischen Streitkräfte im Frühling desertiert waren. Angeblich werden sie von dem abtrünnigen kongolesischen General Bosco Ntaganda angeführt. Der 39-Jährige wird vom Internationalen Strafgerichtshof wegen Kriegsverbrechen gesucht.

UN-Sicherheitsrat warnt vor humanitärer Krise

Die UN und die kongolesische Regierung werfen Ruanda vor, die M23 zu unterstützen. Hintergrund ist der Konflikt zwischen Hutu und Tutsi, der 1994 mit einem Massaker mit bis zu einer Million getöteten Tutsi endete. Die M23 ist von den Tutsis geprägt – ebenso wie die Regierung Ruandas. Der UN-Sicherheitsrat forderte bereits am Wochenende ein sofortiges Ende der Kämpfe und warnte vor einer humanitären Krise. Seit November 1999 versuchen die UN den Landstrich zu befrieden. Die Friedenstruppe, die im Mai 2010 von Monuc in Monusco umbenannt wurde, ist mit mehr als 20.000 Blauhelmsoldaten nicht nur die bei weitem größte UN-Mission, sondern mit einem Etat von mehr als einer Milliarde Dollar auch die teuerste.

Ruanda hat den Streitkräften der Demokratischen Republik Kongo vorgeworfen, bei einem Angriff absichtlich das ruandische Territorium getroffen zu haben. Die Streitkräfte des Nachbarlandes hätten Ruanda "vorsätzlich bombardiert", sagte ein Sprecher der ruandischen Armee. Ein Panzer und Mörsergranaten seien bei dem Angriff eingesetzt worden. Der Bereich um den Flughafen von Gisenyi an der Grenze sei getroffen worden. Gisenyi liegt der kongolesischen Stadt Goma gegenüber.

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    • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, dapd, nf
    • Schlagworte UN-Sicherheitsrat | Flüchtling | Friedenstruppe | Kriegsverbrechen | Ruanda | Streitkräfte
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