KonfliktAfrikanische Staatschefs setzen Kongos Rebellen Ultimatum

Der Konflikt im Nordkongo zwischen Regierung und Rebellen spitzt sich zu. Die M-23-Milizen sollen die Stadt Goma verlassen, sonst drohen ihnen militärische Konsequenzen. von afp, dpa und reuters

Die Demokratische Republik Kongo wird in ihrem Kampf gegen Aufständische nun auch von andereen Ländern aus der Region unterstützt. Die kongolesischen Rebellen der M-23-Bewegung haben 48 Stunden Zeit, um die Provinzhauptstadt Goma zu verlassen. Ansonsten würden sich Soldaten einer Regionaltruppe ihnen in den Weg stellen. Das Ultimatum wurde von mehreren afrikanischen Staats- und Regierungschefs bei einem Krisengipfel in der ugandischen Hauptstadt Kampala festgesetzt.

Binnen zwei Tagen sollen sich die Rebellen mindestens 20 Kilometer nach Norden zurückziehen. Sie hatten Goma am Dienstag eingenommen. Die Stadt liegt an der Grenze zu Ruanda .

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Die Staatschefs und Regierungsvertreter forderten die Rebellen zudem auf, nicht länger den Sturz einer gewählten Regierung zu propagieren und die Kämpfe sofort einzustellen. Am Flughafen in Goma sollten neutrale afrikanische Soldaten, Truppen der Regierung sowie Kräfte der Rebellen unter gemeinsamem Kommando stationiert werden, forderten die Politiker weiter. Derzeit kontrollieren die Rebellen den Flughafen. Ihr Ziel sei, das ganze Land unter ihre Kontrolle bringen.

Ruandas Präsident nahm nicht am Krisengipfel teil

An dem Treffen nahmen der Präsident Ugandas , Yoweri Museveni, und seine Kollegen Mwai Kibaki aus Kenia und Jakaya Kikwete aus Tansania teil. Auch der Präsident der Demokratischen Republik Kongo , Joseph Kabila, und der politische Führer der Aufständischen, Jean-Marie Runiga, reisten zu den Beratungen. Ob es direkte Gespräche zwischen ihnen gab, war zunächst unklar. Die Regierung Kabilas lehnte direkte Verhandlungen mit der Rebellengruppe M 23 bisher ab.

Der ruandische Staatschef Paul Kagame ließ sich von seiner Außenministerin Louise Mushikiwabo vertreten. Einen Grund für Kagames Fernbleiben nannte sein Sprecher nicht. Zuvor hatten Vertreter Ugandas noch versichert, sowohl Kagame als auch Kabila würden teilnehmen, andernfalls wäre die Veranstaltung "bedeutungslos". Sowohl Ruanda als auch Uganda werden beschuldigt, die Rebellenmiliz M 23 zu unterstützen, was die Regierungen jedoch bestreiten.

Rebellen behaupten, Goma geräumt zu haben

Die Rebellen teilten mit, sie hätten Goma bereits geräumt. Nachdem die Stadt von ihnen "entmilitarisiert" worden sei, hätten nun Militär und Polizei die Aufgabe, die Bevölkerung zu schützen, sagte ein Sprecher der Miliz. In Goma ließ die Präsenz der Rebellen in den vergangenen Tagen laut einem AFP-Reporter merklich nach.

Die M-23-Rebellen hatten die ostkongolesische Grenzstadt Goma am Dienstag nach einer fünftägigen Offensive eingenommen und die Regierungstruppen vertrieben. Am Tag darauf eroberten sie auch die nahegelegene Stadt Sake. In der Folge flüchteten Zehntausende Menschen aus der Region in der Provinz Nord-Kivu. Die Aufständischen machen direkte Friedensgespräche mit dem kongolesischen Präsidenten Joseph Kabila zur Bedingung eines Rückzugs aus Goma.

Die Armee des Kongo verstärkte ihre Stellungen im Süden Gomas, um den Vormarsch der Rebellen zu stoppen. In der mehr als 1.500 Kilometer entfernten Hauptstadt Kinshasa verhängten die Behörden ein Demonstrationsverbot. Sie begründeten den Schritt damit, dass sich das Land praktisch im Kriegszustand befinde und so Ordnung gewahrt werden müsse.

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Leserkommentare
  1. Atemberaubend aufregend ist der Gedanke an die Schoenheit des afrikanischen Dschungels, in dem sich der Konflikt abspielt. Erschreckend die Grausamkeit, mit der die beteiligten Milizen, Regierungstrupopen und Soeldner gegen die Zivilbevoelkerung vorgehen. Verblueffend die Ohnmacht der UNO.

    Gespalten ist auch Afrika bei der Unterstuetzung der Kriegsgegner. Die von China unterstuetzen Staaten Zimbabwe, Sudan und Angola stehen fest an der Seite der kongolesischen Regierung. Die von manchen westlichen Staaten gestuetzte Regierung Ruandas scheint die M23 zu unterstuetzten.

    Und manche, wie die UNO und vor allem die Zivilisten der Region, stehen als Leidtragende zwischen den Fronten.

    Ein Stellvertreterkrieg um den Zugang zu Rohstoffen und seltenen Erzen, insbesondere coltan, giesst Oel ins Feuer lokaler Streitereien zwischen verfeindeten Ethnien.

    Coltan sieht uebrigens wunderschoen aus:
    http://upload.wikimedia.o...

    Kaum zu glauben, dass wegen so etwas Schoenem so viele Kriege gefuehrt werden. Ich frage mich, wer dieses mit viel Blut befleckte Metall aus Nord-Kivu eigentlich kauft.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...Indirekt jeder der ein elektronisches Gerät mit Mikrochips besitzt, (Bsp. Mobiltelefon; Laptop) - also vermutlich auch Sie?

    Aus dem Erz Coltan wird das Metall Tantal gewonnen, das aufgrund seiner hohen Korrosionsbeständigkeit in Kondensatoren verbaut wird.

  2. ...aber eine Knarre habe alle da unten!

    Eine Leserempfehlung
  3. dort unten, kosten vllt umgerechnet 30$. Dank der ganzen Kriege und kalten Kriege, die ihr ende bereits hatten. Wohin mit den Waffen? Der Transport zurück ist viel teuerer als der verkauf an waffenhändler. So geraten ausrangierte Waffen aus den Irakkriegen und aus den ehemals sowietischen Lagern nach Afrika. Wundern sie sich nicht.

    • tb
    • 25. November 2012 2:20 Uhr

    In Uganda wird eine Schmierenkomödie gegeben.
    Geprobt wird die Aufteilung des Kongos.
    Herr Kagame ist sich zu Schade, persönlich an dieser Aufführung teilzunehmen.
    Die Hauptrolle als angeblicher Vermittler überläßt er seinem Verbündeten,dem ugandischen Präsidenten.
    Theatralisch wird mit dem Einsatz von Truppen gedroht, die den vermittelnden Staaten vermutlich einen Anteil an der kongolesischen Beute sichern sollen.
    Die Statisten der sogenannten kongolesischen Armee verlassen die Bühne Richtung Westen.
    Der Präsident von Kinshasa hält die Fluchtwege zum Flughafen frei.

    In der Ehrenloge China, wie immer auf der Seite der stärkeren Bataillone.

  4. die das Gewirr dieser Region anschaulich verdeutlichen:

    Das Mosaik der bewaffneten Gruppierungen (August 2012)
    http://gorillacd.org/2012...

    Rohstofflager und Einflussgebiete (von 2010)
    http://www.grida.no/graph...

    Dabei sind die Öl-Lagerstätten, die der WWF in seinen Statements der letzten Monate erwähnt, noch nicht berücksichtigt:
    "Die kongolesische Regierung hat fünf Ölsuchgebiete im Kongo ausgeschrieben. Die Gebiete drei, vier und fünf decken 85 Prozent des Virunga Nationalparks ab. Am 27. Dezember 2011 hat der französische Ölkonzern Total den Zuschlag für die Ölsuche im so genannten Block drei bekommen. ... Die kongolesische Regierung hat der UNESCO im August mitgeteilt, dass sie dem britischen Ölkonzern SOCO ebenfalls erlaubt hat, mit Erkundungen im Virunga-Nationalpark zu beginnen. Das Unternehmen sucht im Schutzgebiet am Lake Edward nach Öl."

  5. "Die kongolesische Regierung hat fünf Ölsuchgebiete im Kongo ausgeschrieben. ..." in Post 5:
    http://www.wwf.de/themen-...

  6. ...Indirekt jeder der ein elektronisches Gerät mit Mikrochips besitzt, (Bsp. Mobiltelefon; Laptop) - also vermutlich auch Sie?

    Aus dem Erz Coltan wird das Metall Tantal gewonnen, das aufgrund seiner hohen Korrosionsbeständigkeit in Kondensatoren verbaut wird.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters, nf
  • Schlagworte Joseph Kabila | Paul Kagame | Flughafen | Hauptstadt | Mwai Kibaki | Präsident
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