GomaKongolesische Armee bereit zum Angriff auf M-23-Rebellen

Mit dem Ablauf des Abzugsultimatums steigt der Druck auf die Milizen im Ostkongo. Die Regierungstruppen bereiten sich nach Armeeangaben auf den Gegenschlag vor. von afp, dpa, reuters und dapd

Kongolesische Soldaten in Minova, westlich von Goma

Kongolesische Soldaten in Minova, westlich von Goma  |  © Goran Tomasevic/Reuters

Die Regierung der Demokratischen Republik Kongo stellt sich darauf ein, mit militärischen Maßnahmen gegen die M-23-Rebellen im Osten des Landes vorzugehen. Für den Fall, dass die Milizen sich nicht aus der von ihnen besetzten Stadt Goma zurückziehen, sei die kongolesische Armee zum Gegenangriff bereit, kündigte der Militärchef der Regierungstruppen an. Wenn die Rebellen das Ultimatum "nicht respektieren, werden wir unsere Arbeit machen und die Autorität des Staates wiederherstellen", sagte General François Olenga.

Die Bevölkerung lehne die "Aggression" der Rebellen ab, das gebe dem Militär die nötige Moral für einen Gegenangriff. Der Friedens- und Sicherheitsrat der Afrikanischen Union ( AU ) kam am Montag zusammen, um über den Ablauf des Ultimatums und die nächsten möglichen Schritte zu beraten. "Die Situation im Ostkongo ist sehr ernst", sagte der AU-Direktor für Frieden und Sicherheit, Wane El-Ghassim.

Anzeige

Mehrere afrikanische Staats- und Regierungschefs hatten den M-23-Rebellen am Samstag eine Frist von 48 Stunden gesetzt , um sich aus Goma zurückzuziehen. Andernfalls würden sich ihnen Soldaten einer Regionaltruppe in den Weg stellen. Das Ultimatum war am Dienstagmorgen abgelaufen. In den Straßen von Goma waren auch in der Nacht zum Dienstag noch Lastwagen mit Kämpfern zu sehen. Zuvor sollen die Rebellen zudem angekündigt haben, Goma zu ihrem Hauptquartier machen zu wollen. Nach Informationen der BBC soll es in der Region zu neuen Kämpfen gekommen sein.

Angebliches Einlenken der Rebellen

Dagegen hieß es aus Uganda , der Chef der Milizgruppe, Sultani Makenga, habe zugestimmt, seine Soldaten aus Goma und der in der Nähe liegenden Stadt Sake abzuziehen. Makenga habe zugesichert, dass die Milizen die besetzten Städte verlassen und nicht weiter Richtung Süden vordringen, sagte der ugandische Militärchef, Aronda Nyakayirima. Der Rückzug solle gegen Mittag beginnen. Makenga habe keine Bedingungen gesetzt.

Ein Sprecher der Rebellen sagte dazu, er habe noch keine Informationen über einen Rückzug erhalten, ein Abzug sei jedoch jederzeit möglich. Lambert Mende, der Sprecher der kongolesischen Regierung, bestätigte, dass er von der Zustimmung des Rebellenführers gehört habe, äußerte aber zugleich Zweifel am Zeitplan. "Wir sind an leere Versprechungen gewöhnt, deshalb warten wir erstmal ab", sagte Mende.

Die M 23, die aus desertierten kongolesischen Soldaten besteht, hatte die Millionenstadt Goma am vergangenen Dienstag nach einer fünftägigen Offensive eingenommen. Am Tag darauf eroberten sie Sake. In der Folge flüchteten Zehntausende Menschen aus der Region. Die Miliz hat seit April große Teile des Ostkongos eingenommen. Sie wird nach Erkenntnissen eines UN-Berichts von Ruanda und Uganda unterstützt.

UN-Sicherheitsrat ruft Sondersitzung ein

Im Zuge der Besetzung durch die Rebellen hat sich die humanitäre Lage in Goma nach Angaben der Hilfsorganisation World Vision stark verschlechtert. In der Stadt gibt es demnach kaum Strom und sauberes Trinkwasser. Der Flughafen sei geschlossen, so dass keine Hilfsflüge möglich seien. Um Goma hätten sich zahlreiche neue Flüchtlingslager gebildet, teilte die Organisation mit. "Die Verhältnisse in den Lagern sind fürchterlich. Die Menschen leben in Behausungen, die sie sich aus Ästen, Stöcken und Gras zusammengeflickt haben und keinen Schutz vor den täglichen tropischen Regenfällen bieten", sagte ein Mitarbeiter. Ihre wenigen Besitztümer würden den Flüchtlingen oft noch von den vorbeiziehenden Kämpfern genommen.

Der UN-Sicherheitsrat befasst sich in einer Sondersitzung mit der Krise im Kongo, die Mitglieder wurden am Dienstagabend zu einer Dringlichkeitssitzung einberufen. Die Vereinten Nationen sind mit der Friedensmission Monusco im Ostkongo, um Zivilisten zu schützen. Einige Mitglieder des Sicherheitsrats fordern nun ein neues Mandat, damit die UN-Soldaten auch die kongolesischen Regierungstruppen im Kampf gegen die Rebellen unterstützen können. Diskutiert wird auch der Einsatz von unbewaffneten Drohnen , die das Gebiet überwachen sollen.

Zur Startseite
 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, dapd, AFP, dpa, nf
    • Schlagworte BBC | UN-Sicherheitsrat | Vereinte Nationen | Drohne | Flüchtlingslager | Region
    Service