Rebell in Goma © James Akena/Reuters

Bukavu: Der Himmel passte am Dienstag zur Stimmung, grau und bleiern. In die Anspannung der vergangenen Tage mischt sich nun Müdigkeit. Die Rebellion ist für's erste nicht bis Bukavu gekommen , sie klebt in Goma fest, wo sich an diesem Tag ein perverses Blümchenspiel entwickelt hat: Ziehen die Rebellen ab? Ziehen Sie nicht ab? Ziehen sie ab? Ziehen sie nicht ab? Nun: Keiner weiß es und keiner wüsste es wohl genau zu sagen. "Die meisten Offiziere laufen jetzt in Zivilklamotten rum", berichtet am Telefon ein befreundeter Fotograf in Goma , der seit Tagen versucht, sich bei M23 zu "embedden". Bislang ohne Erfolg.

Unterdessen wurde (und wird vielleicht noch) in der ugandischen Hauptstadt Kampala verhandelt, wobei sich beide Seiten offiziell mit Maximalforderungen und "Wenn nicht, dann aber..."-Drohungen bewerfen. M23 verlangt unter anderem die Freilassung politischer Gefangener, die Auflösung der Wahlkommission (Mitveranstalter der umstrittenen Wiederwahl von Kongos Präsident Joseph Kabila im vergangenen Jahr) und ein Ende der Korruption, geriert sich also als politische Reformbewegung mit bewaffnetem Flügel, die sie wahrlich nicht ist.

Die kongolesische Militärleitung, offenbar unbelehrbar, verkündet dröhnend einen Angriff auf Goma, sollten die M23-Rebellen nicht innerhalb jenes Ultimatums aus der Stadt abziehen, das ihnen am Wochenende mehrere afrikanische Staatschefs in Kampala gestellt haben. Und das inzwischen verstrichen ist.

Angst vor Balkanisierung

Inoffiziell geht es womöglich um einen Deal, in dessen Rahmen die M23-Miliz Goma räumt und semi-offiziell die Verfügungsgewalt über Gebietsteile an der kongolesisch-ruandischen Grenze in Nord-Kivu bekommt. Dort befand sich schon zu Zeiten des CNDP, des Vorläufers von M23, eine Art Mini-Staat . Wer nach einer europäischen Entsprechung sucht, der stelle sich eine Art Nord-Kosovo/Mitrovica vor – nur sehr viel grüner und wärmer.

Ruandas Interessen an Zugriff auf Land und Rohstoffe blieben damit gewahrt, weil das Gebiet dann unter der Kontrolle verbündeter kongolesischer Tutsi wäre (wobei diese Allianz auch nicht aus Eisen ist, aber das ist eine andere Geschichte). Die Regierung Kabila wiederum könnte ihrerseits Goma für "befreit" erklären.

Der Haken an der Sache: Nichts an den ursächlichen Problemen würde geklärt, und die nächste Eskalation wäre wohl nur eine Frage der Zeit. Schlimmer noch: Eine solche "Lösung" würde die Anti- Tutsi -Stimmung im Kongo und die gern geschürte Angst vor einer Balkanisierung weiter anheizen. Eine weitere ethnische Aufladung des Konflikts ist das letzte, was diese Region braucht.

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