GomaKongos Armee zerstört sich selbst
Seite 2/2:

Der verhängnisvolle Deal von 2008 weckt Begehrlichkeiten

Es wird integriert ohne zu disziplinieren. Wer Amok läuft oder plündert, geht meist straflos aus . Wer ausschert, meutert oder seine alte Rebellenmütze wieder auspackt, wird mit Aussicht auf einen höheren Posten zurück gelockt. Die wenigen halbwegs integren Offiziere werden zunehmend demotiviert. " Carrots without sticks " nennt Eriksson Baaz diese Strategie. "Zucker ohne Peitsche".

Genauso lief es im Fall der M23. Ihr Vorläufer, der "Nationalkongress zur Verteidigung des Volkes" (CNDP) unter Laurent Nkunda stand 2008 vor Goma. Damals verhinderte ein Deal zwischen ruandischen und kongolesischen Regierungsspitzen den Angriff auf die Stadt: Nkunda wurde aus dem Verkehr gezogen , die überwiegend aus Tutsi bestehenden CNDP-Trupps ließen sich unter Führung des gesuchten Kriegsverbrechers Bosco Ntaganda in die kongolesischen Streitkräfte integrieren. Alle politischen Konfliktursachen – die anhaltende Xenophobie gegen die kongolesische Tutsi-Minderheit, fehlende Sicherheitsgarantien – blieben ausgespart. Ntaganda, vom Internationalen Strafgerichtshof mit Haftbefehl gesucht, erhielt den Rang eines Generals.

So etwas schafft Begehrlichkeiten. Nicht nur in Nord-Kivu, auch in Süd-Kivu und in der Provinz Orientale tauchen neue bewaffnete Gruppen auf, die nach dem Prinzip verfahren: Wer lange genug die Bevölkerung terrorisiert, kriegt irgendwann einen Offiziersposten in der Armee. Und wer mit den Befehlsstrukturen oder Profitmargen innerhalb des Militärs unzufrieden ist, der meutert eben wieder. Vor allem darum ging es General Bosco Ntaganda und seiner M23. Der 39-Jährige, der vom Internationalen Strafgerichtshof wegen Kriegsverbrechen gesucht wird, fürchtet um die parallele Befehlsstruktur, die er und seine Gefolgsleute innerhalb der Streitkräfte aufgebaut hatten.

Nun ist es kaum vorstellbar, dass Kinshasa den Rebellen die Rückkehr in die Generalität anbieten wird. Ist dies der Anfang vom Ende für Kongos Präsidenten Joseph Kabila ? Möglich. Wird Ruanda die M23 an die Leine nehmen? Sieht momentan nicht so aus. In diesen Stunden können das aber nur vage Vermutungen sein.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • puter
    • 21. November 2012 19:40 Uhr

    Die kongolesische Armee ist eine völlig undisziplinierte, schlecht ausgebildete Truppe mit einer unfähigen, zu großen Teilen korrupten Führung.
    Ihre Soldaten haben einen miserablen Bildungsstand, so gut wie keine Kampfmoral, sind in der Mehrheit ein gruseliger Haufen von Strauchdieben, der zu schlimmen Greueltaten fähig und in keiner Weise mit europäischen Streitkräften zu vergleichen ist.
    Dieser marode Haufen ist weder willens noch fähig, die äußere und innere Sicherheit des Kongo sicherzustellen.
    Die Eingliederung der Rebellen, die am desolaten Zustand des Landes genauso Schuld tragen wie die unfähige Kabila-Regierung, wird die Lage nur noch verschlimmern, leider:

    Eine Leserempfehlung
  1. ... Blog-Seite der Parkranger des Virunga-Nationalparks hat ein paar Fotos aus Goma gepostet:

    http://gorillacd.org/blog/

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die Bildunterschrift ist falsch.
    Das ist keine Munition, das sind nur leer Hülsen.

    4" - 5" Granatendürten das sein.
    Warscheinlich aus einem BMP.

  2. Die Bildunterschrift ist falsch.
    Das ist keine Munition, das sind nur leer Hülsen.

    4" - 5" Granatendürten das sein.
    Warscheinlich aus einem BMP.

    Antwort auf "Die ..."
    • Plupps
    • 24. November 2012 23:57 Uhr

    Formal scheint der Artikel etwas sehr überverkauft, Frau Böhm gibt hier doch im Wesentlichen die Thesen der beiden Forscherin wieder? Also so eine Art "Review mit aktuellem Teaser" - beim besten Willen konnte ich nicht den Standpunkt der Autorin erkennen, an dem die Thesen gebrochen wurden.

    Auch schien es mir, als würde nirgends eigene Erkenntnisse der Autor im Krisengebiet durchscheinen. Bitte nicht so bescheiden: Wo Expertise da ist, sollte man sie auch erkennen lassen!
    Sollet aber im Wesentlichen das Abstract der Untersuchung übersetzt worden sein, nun ja, dann sollte man doch etwas bescheidener auftreten - es ist ja keine Schande, wenn eine Online-Redaktion niemand hat, der sich in der Ecke auskennt

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Es wird integriert ohne zu disziplinieren. ... Und wer mit den Befehlsstrukturen oder Profitmargen innerhalb des Militärs unzufrieden ist, der meutert eben wieder. Vor allem darum ging es General Bosco Ntaganda und seiner M23."
    Das klingt so als wären die Rebellen eine Piratenhorde. Ganz im Gegenteil ist es sogar so das die Vorgängerorganisation der M23 unter Nkunda wesentlich disziplinierter und erfolgreicher war als die Regierungsarmee. Wenn sie nur weiter hätten profitieren wollen wie kleine Gauner, hätten sie stillgehalten und weiter kassiert. Da sie aber als Teil des Systems Einsicht darin hatten wie marode und schwächlich es wirklich ist, ist es durchaus nachvollziehbar dass Ntaganda und seine Vertrauten die Möglichkeit beim Schopfe gepackt haben, durch ihre bereits vorhandene überlegene Organisation und Disziplin in der Hierarchie des Kongos aufzusteigen und als Präsident und seine Clique den maximalen Profit einzustreichen.

  3. "Es wird integriert ohne zu disziplinieren. ... Und wer mit den Befehlsstrukturen oder Profitmargen innerhalb des Militärs unzufrieden ist, der meutert eben wieder. Vor allem darum ging es General Bosco Ntaganda und seiner M23."
    Das klingt so als wären die Rebellen eine Piratenhorde. Ganz im Gegenteil ist es sogar so das die Vorgängerorganisation der M23 unter Nkunda wesentlich disziplinierter und erfolgreicher war als die Regierungsarmee. Wenn sie nur weiter hätten profitieren wollen wie kleine Gauner, hätten sie stillgehalten und weiter kassiert. Da sie aber als Teil des Systems Einsicht darin hatten wie marode und schwächlich es wirklich ist, ist es durchaus nachvollziehbar dass Ntaganda und seine Vertrauten die Möglichkeit beim Schopfe gepackt haben, durch ihre bereits vorhandene überlegene Organisation und Disziplin in der Hierarchie des Kongos aufzusteigen und als Präsident und seine Clique den maximalen Profit einzustreichen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service