Leserartikel

Nahost-KonfliktAlltag trotz Sirenengeheuls

In Tel Aviv ist die Lage weniger dramatisch, als die Medien sie darstellen, berichtet Leserin Franziska Rebmann. Die meisten Menschen gingen dem alltäglichen Leben nach. von Franziska Rebmann

"Lebst du noch?" Seit Tagen bekomme ich solche Nachrichten. Ja, ich lebe noch.

Ich bin gerade 20 geworden und arbeite seit vier Monaten als Volontärin bei der Organisation Shekel in Petah Tikva, einer Stadt mit 180.000 Einwohnern nahe Tel Aviv. Meine besorgten Freunde in Deutschland können sich kaum vorstellen, dass das Leben hier seinen gewohnten Lauf nimmt: Wecker um 6.30 Uhr, Arbeitsbeginn um 7.25 Uhr, kochen, putzen, einkaufen, Bekannte treffen.

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Sicher sind die Menschen hier stärker für das Heulen der Sirenen sensibilisiert als sonst. Die Warteschlange in der Bank ist aber so lang wie immer, die Verkäuferin an der Kasse nimmt sich alle Zeit der Welt, und die Kinder spielen, lachen und toben vor dem Haus.

Die Sorgen meiner Freunde entstehen vor allem durch die Berichterstattung der Medien. Auf den Nachrichtenseiten ist der Nahostkonflikt ein Topthema. Ein Bild ist grausamer als das andere. "Arsenal des Terrors" oder "Der Gaza-Krieg" lauten die Überschriften. Auf YouTube sind immer erschreckendere Videos unter der Suchanfrage "Nahost" zu sehen.

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Die Medien vermitteln das Bild eines Landes, das – von Rauchwolken umhüllt – wegen des Luftalarms nicht mehr zur Ruhe kommt, und dessen Bewohner ihren Alltag im Bunker verbringen. Dabei erfährt ein Großteil der israelischen Bevölkerung von all dem Tumult auch nur aus dem Fernsehen oder der Zeitung.

Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern kostet unzählige Menschen das Leben und verursacht großes Leid. Er bringt den tiefsitzenden Hass auf beiden Seiten zum Ausdruck. Das sollte nicht unterschätzt oder relativiert werden. Dennoch sollte die Aufmerksamkeit der Medien hin und wieder auf die restliche Bevölkerung gerichtet sein, auf den normalen Alltag. In diesem Alltag zeigt sich nämlich, was der Großteil der Menschen hier will: Frieden und Normalität.

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Leserkommentare
  1. Einen Frieden zu einer anderen Partei kann man nur bekommen, indem zu einem gütlichen Ausgleich mit dieser kommt.

    Betrachten die Grundbedürfnisse und Rechte der Palästinenser:

    Ein großer Teil der Palästinenser lebt in Flüchtlingslagern und ist auf Unterstützung durch die Uno angewiesen. Diese Flüchtlinge haben andererseits nach den einschlägigen UN-Resolutionen ein Rückkehr-Recht nach Israel und die Rückgabe ihrer Besitzungen. Diese Flüchtlinge müssten irgendwie einen Ausgleich bekommen und die Möglichkeit haben, sich eine Existenz aufbauen zu können. (An genau diesen Aspekten sind die bisherigen Friedensverhandlungen immer gescheitert.)

    Betrachten wir die Seite der Israelis:

    Rund 1/3 der Israelis lebt auf Boden, der den Palästinensern gehört. Diese müssten entweder diese Besitzungen räumen, oder im Falle einer Ausgleichszahlung an die Palästinenser ggf. entsprechend beteiligt werden. (Ein gutes Konfliktpotential innerhalb der Israelis: Wer zahlt? Alle oder nur die Profiteure?) Zusätzlich profitiert die israelische Seite auch finanziell vom Status-Quo: Sondervergünstigungen beim Handel mit der EU. Zahlungen im Milliarden-Bereich aus den USA. (Um nur einen Teil anzureißen.) Hinzu kommt, das Palästinenser sich als billige, und ziemlich rechtlose Arbeitskräfte in Israel verdingen müssen.

    Ein richtiger Friede wird für die Israelis richtig teuer. Ich glaube nicht, dass die Mehrheit der Israelis bereit ist diesen Preis zu zahlen.

    Aber Sie können sich ja mal umhören.

  2. als die Medien es darstellen, selbst im Krieg.

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  • Quelle Leserartikel
  • Schlagworte Bevölkerung | Medien | Alltag | Bank | Berichterstattung | Bunker
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