WestafrikaDer Feind in Mali ist noch nicht ausgemacht

Ein militärisches Eingreifen im gespaltenen Mali ist notwendig. Doch zuvor muss geklärt sein, welche der vielen Bewegungen wirklich bekämpft werden muss. von Gilles Yabi

Gao in Mali

In der Stadt Gao im islamistisch dominierten Norden Malis, September 2012  |  © REUTERS/Adama Diarra

3.300 Mann stark soll die internationale Streitkraft sein, die Mali bei der Bekämpfung islamistischer Rebellen im Norden des Landes unterstützt. Darauf einigte sich die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) Anfang November. Eine willkommene Maßnahme, nach den gemeinsamen Bemühungen regionaler und internationaler Partner. Doch ein militärisches Eingreifen allein wird die tiefe Krise des Landes nicht lösen.

Gilles Yabi

ist Projektleiter für Westafrika bei der International Crisis Group, www.crisisgroup.org.

Die Situation in Mali ist extrem angespannt. Im März stürzte ein Militärcoup die Regierung. Separatisten und Al-Kaida-verbundene Fundamentalisten übernahmen den Norden des Landes. Nun ist Mali geographisch, politisch, militärisch und religiös gespalten.

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Die Notwendigkeit eines internationalen Eingreifens mit klar definierten Vorgaben ist eindeutig. Der nächste Schritt wird Ende dieses Monats erwartet, wenn die Vereinten Nationen die Mission durch einen Sicherheitsratsbeschluss autorisieren. Dennoch, bis die Landstreitkräfte tatsächlich zum Einsatz kommen, wird noch einige Zeit vergehen. Auch die Neustrukturierung und Ausbildung der malischen Truppen durch eine separate Mission der Europäischen Union wird Zeit kosten.

In der Zwischenzeit ist das Einleiten eines politischen Prozesses dringend notwendig. Extremistische Bewegungen müssen von anderen bewaffneten und unbewaffneten Gruppen in Nordmali unterschieden werden. Die verschiedenen ethnischen Gemeinden müssen einen Konsens darüber herstellen, welche Gruppierungen in der Region terroristisch sind und Ziel der Bekämpfung durch die malischen und internationalen Truppen sein werden. Einige der Gruppen, die den Norden kontrollieren, haben die Grenzen bereits deutlich überschritten – sie sind terroristische Vereinigungen und an Verhandlungen nicht interessiert.

Auch die politische Krise im Süden nicht unterschätzen

Trotzdem sollte die Situation in Mali nicht allein aus Sicht der Terrorismusbekämpfung betrachtet werden. Algeriens jüngster Versuch, als Vermittler für einleitende Gespräche mit einer dieser Gruppen – Ansar Dine – tätig zu werden, sendet ein positives Signal. Doch diese Diskussionsrunden sollten nicht in einem Abkommen münden, das lediglich auf die Agenda einiger weniger opportunistischer Führer bewaffneter Gruppen zugeschnitten ist. Es muss die rechtmäßigen Forderungen der Bevölkerung im Norden ebenfalls mit einbeziehen. Ein Anlauf zur Einigung im Jahr 2006 scheiterte genau aus diesen Gründen. Die internationale Gemeinschaft darf den Fehler nicht wiederholen.

Auch die politische Krise im Süden und in der Hauptstadt Bamako darf nicht unterschätzt werden. Das wachsende Misstrauen gegenüber Mitgliedern der Übergangsregierung aufgrund von Korruption verhindert eine Lösung der Krise. Die Entscheidung der westafrikanischen Staatsführer auf der letzten ECOWAS-Konferenz, dass sowohl der vorläufige Präsident und Premierminister, als auch alle anderen Mitglieder der Übergangsregierung nicht zu den nächsten Wahlen antreten dürfen, wird diese enttäuschen. Dennoch müssen sie die Entscheidung respektieren und sich auf ihre Schlüsselverantwortung in den nächsten Monaten konzentrieren.

Zum Glück hat die internationale Gemeinschaft die Verstrickungen dieser Krise inzwischen erkannt. Sie sieht auch, dass ein militärischer Eingriff lediglich Teil einer globalen Lösungsstrategie sein kann. Übereinstimmung und Koordination sind heute weiter fortgeschritten als noch in den letzten Monaten. Die Ernennung von Vertretern der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union für Mali und die Sahelzone sollte helfen, die Einigkeit auf dem Weg weiter zu führen.

Eins ist klar: Es gibt keine schnelle Lösung für die Krise. Die Gefahr einer Eskalation in der Region ist gewaltig, sollten ECOWAS, die Afrikanische Union, die EU und entscheidende Mitglieder des UN-Sicherheitsrates die falschen Entscheidungen treffen.

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Leserkommentare
    • xpol
    • 23. November 2012 22:05 Uhr

    ... bekämpft werden muss, ist unklar - uns fehlt der Feind.

    Es fällt schwer, das zu bedauern, ist aber so auch nicht richtig:

    Es gibt politische Interessen in der Region, die eine Machtübernahme der Islamisten nach Kräften Fördern und Gegenmassnahmen hintertreiben - der Feind wäre also bekannt.

    Ich denke, der Westen sollte sich militärisch heraushalten [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Bemerkungen. Danke. Die Redaktion/sh

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • travel
    • 23. November 2012 22:31 Uhr

    "Dreck(s)arbeit" in einem der ärmsten Länder der Welt?
    Mehr Kriegs- als Hungertote?
    Ich würde mich schämen hätte ich so etwas hingeschrieben wie Sie.
    Bitte entschuldigen Sie - aber Sie schreiben leider kaum verständlich.

    Ganz meine Meinung. Viel zu holen gibts da nicht, das kann nur ins Auge gehen. Kein Wunder, dass die Amerikaner nun Westerwelle dort für sein Libyen-Nein büssen lassen, die würden keine zehn Pferde dort hinbringen. Und der Guido steht stolz an vorderster Stelle, wenn man sich betroffen zeigen muss.
    Dann mal viel Spass im Sande der Sahara.

    • scoty
    • 23. November 2012 22:08 Uhr

    Entfernt. Bitte beachten Sie das Thema des Artikels. Danke. Die Redaktion/sh

    • travel
    • 23. November 2012 22:31 Uhr

    "Dreck(s)arbeit" in einem der ärmsten Länder der Welt?
    Mehr Kriegs- als Hungertote?
    Ich würde mich schämen hätte ich so etwas hingeschrieben wie Sie.
    Bitte entschuldigen Sie - aber Sie schreiben leider kaum verständlich.

    Antwort auf "Wer da ..."
  1. Warum erkennen wir die neue Regierung in Azawad nicht einfach als legitime Vertretung des malischen Volkes an?

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachlichen Zynismus. Danke. Die Redaktion/sh

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    die Vertreter der Tuareg im Norden Malis, die ursprünglich die Autonomie für ihr Gebiet gefordert hatten, längst nichts mehr zu sagen haben dort: AQMI, Al Qaida im Islamischen Maghreb, hat dort die Macht übernommen, lassen pakistanische und ägyptische Ausbilder und Heilsbringer kommen, um den Menschen im Norden Malis zu erklären, wie sie zu leben haben.

    Das haben die Tuareg sich so bestimmt nicht gedacht. Aber die anderen hatten schon vorher reichlich Geld (Schmuggel aller Art und Geiselnahmen sind ein lukratives Geschäft), und jetzt können sich sogar Steuern zahlen lassen...

  2. Ganz meine Meinung. Viel zu holen gibts da nicht, das kann nur ins Auge gehen. Kein Wunder, dass die Amerikaner nun Westerwelle dort für sein Libyen-Nein büssen lassen, die würden keine zehn Pferde dort hinbringen. Und der Guido steht stolz an vorderster Stelle, wenn man sich betroffen zeigen muss.
    Dann mal viel Spass im Sande der Sahara.

    Antwort auf "Wer da ..."
    • travel
    • 23. November 2012 22:53 Uhr

    kann auch schreiben:

    Zum Beispiel so:
    ..."Ganz meine Meinung. Viel zu holen gibts da nicht, das kann nur ins Auge gehen. "
    ________________________________________

    Ja, das liest man gerne.
    Wirklich...

    • travel
    • 23. November 2012 22:55 Uhr
    15. erratum

    Neokolonismus bitte richtig Neokolonalismus lesen.

    • travel
    • 23. November 2012 22:56 Uhr

    Neokolonialismus

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    Das hat ja gedauert!

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Europäische Union | UN-Sicherheitsrat | Vereinte Nationen | Afrikanische Union | Ansar Dine | Ecowas
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