Nahost-Konflikt : USA ringen Israel Waffenruhe mit Militärhilfe ab

Nach acht Tagen schweigen die Waffen in Nahost. Israel stand kurz vor einem Einmarsch in den Gazastreifen – doch dann sagten die USA dem Land mehr Geld für die Armee zu.
Die "Eiserne Kuppel" im Einsatz: Israels Raketenabwehrsystem Iron Dome in der südisraelischen Stadt Ashdod © Jack Guez/AFP/Getty Images

Die diplomatischen Bemühungen um eine Waffenruhe in Nahost waren erfolgreich: Seit dem späten Mittwochabend verzichten Hamas und die israelische Armee auf den Einsatz von Waffen. Der Erfolg verdankt sich neben den Bemühungen Ägyptens auch dem Einsatz von US-Außenministerin Hillary Clinton – und der Zusage ihrer Regierung, dem Partner in Jerusalem mehr Militärhilfe zukommen zu lassen.

Dabei geht es vor allem um das Raketenabwehrprogramm Iron Dome, das seit April 2011 im Einsatz ist und zu großen Teilen von den USA finanziert wurde. Diese Beihilfe soll nun fortgesetzt werden: Das Weiße Haus teilte dies selbst mit, nebst einem Lob des Präsidenten für den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu und dem Dank an den ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi für dessen Anstrengungen. Netanjahu hatte lange gezögert, einer Waffenruhe zuzustimmen. Als er sie jetzt öffentlich rechtfertigte, sagte er, er wisse, dass das israelische Volk mehr erwartet habe als die bisherigen Angriffe auf den Gazastreifen. Damit spielte er auf eine mögliche Bodenoffensive an, auf die sich Israel mit massiven Truppenbewegungen in den Süden vorbereitet hatte.

Während sich Obama Mursi in einem Telefonat erkenntlich zeigte, unterstrich er die enge Beziehung der USA zu Israel erneut mit dem Scheckbuch. Drei Milliarden Dollar überweist die US-Regierung pro Jahr gen Nahost, bereits im Frühjahr hatte die Obama-Regierung 70 Millionen Dollar zusätzlich bewilligt. Auch dieses Geld brauchte Israel für eine weitere Abschussrampe mit je 20 Abwehrraketen der "Eiserne Kuppel".

Derzeit besitzt Israel fünf Batterien der "Eisernen Kuppel" und hat sie vor allem im Süden des Landes in der Nähe zum Gazastreifen stationiert. Das System ist in der Lage, Raketen mit der Reichweite von bis zu 50 Meilen abzufangen – und spielte auch in den vergangenen Tagen eine entscheidende Rolle. Verteidigungsminister Ehud Barak nannte die Wirksamkeit von Iron Dome am vergangenen Sonntag als "beispiellos". Er fügte allerdings hinzu: "Wir brauchen aber 13 Batterien, um unser gesamtes Staatsgebiet vor Kurz- und Mittelstreckenraketen zu schützen."

Diesen Wunsch kann sich die Regierung in Jerusalem dank der Hilfe aus Washington nun wohl erfüllen. Rafael Advanced Defence Systems, die israelische Rüstungsschmiede, die das System innerhalb von drei Jahren entwickelt und gebaut hat, warnt allerdings vor neuen Problemen. "Die Leute betrachten Iron Dome wie einen Retter", zitiert der Guardian einen nicht namentlich genannten Firmenmitarbeiter . "Sie fühlen sich zu sicher. Anstatt Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, wenn sie die Sirenen hören, filmen sie die Raketen auf ihren Handys."

Im Großraum Tel Aviv jedenfalls, wo während der jüngsten Gefechte erstmals seit 20 Jahren wieder Raketenalarm herrschte , sorgte die Aufstellung der fünften Iron-Dome-Batterie am Wochenende für Aufsehen. Reporter berichteten, dass sich Menschen davor versammelten und Beifall spendeten. "Tel Aviv hat eine neue Attraktion", schreibt der Guardian .

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"Geld fürs Militär"

Das Geld fließt nicht in Panzer, sondern in den Raketenabwehrschirm. Das zusätzliche Geld wird in dem Fall also defensiv investiert.

Natürlich bleibt eine Unsicherheit: Ein besserer Raketenschirm kann die Bereitschaft, Kriege anzuzetteln, auch steigern (weil man weniger Verluste zu befürchten hat), er könnte sie aber auch senken, weil man ohne Einmarsch sein Ziel (Sicherheit vor Raketen) erreichen kann.

Besser kurzsichtig als tot

Waffen können aber auch das Leben von Menschen schützen, die sonst mit Raketen beschossen oder durch Bomben in Bussen und Diskos in Stücke gerissen werden.

Israel ist dabei jedes einzelne Menschenleben so viel wert wie das Leben aller. Eine für uns zweifelsohne unverständliche Vorstellung, die aber manche "unverhältnismäßigen" Reaktionen von Seiten Israels erklärt.

Falls Sie nicht einfach einen besseren Vorschlag haben - wie gegenseitige Liebe, Eintracht und Verständnis füreinander -, sondern einen besseren Vorschlag, der funktioniert und bei dem keine Menschen sterben müssen, immer her damit.