Syrische GrenzeTürkische Regierungspartei will Patriot-Kommando

Der Drücker liegt bei uns, sagt die Erdoğan-Partei AKP und beansprucht die Führung des Nato-Raketeneinsatzes. Im Ernstfall solle der Generalstab entscheiden. von afp, dpa und reuters

Die Türkei beansprucht die Kommandogewalt über die Patriot-Raketenabwehrsysteme , welche die Nato an der türkischen Grenze zu Syrien stationieren will. "Der Drücker wird bei unserer Armee liegen", sagte der Sprecher der Regierungspartei AKP, Hüseyin Celik.

Im Ernstfall müsse binnen Sekunden darüber entscheiden werden, ob die Raketen abgefeuert würden, erklärte Celik. "Wenn Sie mich nun fragen, wer den Finger am Drücker hat: Er wird bei unserem Generalstab liegen", sagte Celik weiter.

Anzeige

Celik bekräftigte eine Aussage von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan , wonach die Türkei auch die genauen Stationierungsorte der Patriots bestimmen will. Erdoğan hatte gesagt, die Patriots würden dort aufgestellt, wo es die türkische Armee für richtig halte. Einem türkischen Pressebericht zufolge sollen die Abwehrsysteme in der südostanatolischen Grenzprovinz Sanliurfa aufgestellt werden.

Russland warnt vor Raketeneinsatz

Die Nato-Mission wird von Russland kritisch beurteilt. Der russische Vize-Außenminister Sergej Rjabkow warnte das westliche Verteidigungsbündnis vor dem Einsatz. Die Folge könne eine weitere Eskalation des Konflikts in der Region sein, sagte Rjabkow. "Das dortige Grenzgebiet wird immer unruhiger." Statt um eine militärische Initiative sollte sich die internationale Gemeinschaft lieber um eine politische Lösung bemühen. Auch die Bundeswehr soll sich an der Stationierung beteiligen.

Das Verhältnis zwischen Russland und der Nato ist seit einiger Zeit angespannt. Hauptgrund sind die Planungen der Nato für ein Raketenabwehrsystem in Europa , das vor allem vor Angriffen aus Ländern wie Iran schützen soll. Deutschland will für das Abwehrsystem in Europa auch Patriot-Raketen zur Verfügung stellen. Die Nato hat Russland zwar eine Einbindung in den Schutzschirm angeboten, die Gespräche darüber kommen aber seit Monaten nicht voran.

Die Türkei hatte die Nato am Mittwoch offiziell um Stationierung der Patriots gebeten. Ministerpräsident Erdoğan sagte, die Nato-Luftabwehrtruppen würden nicht in den syrischen Bürgerkrieg verwickelt werden. Die Nato-Kräfte sollten nur der Verteidigung der Türkei dienen, zitierte ihn die türkische Nachrichtenagentur Anadolu.

Kritiker des Einsatzes werfen der Nato vor, sie würde die Patriots dazu nutzen, eine Flugverbotszone in der syrischen Grenzregion zu errichten. Ein Sprecher des russischen Außenministeriums sagte dazu: "Die Militarisierung der türkisch-syrischen Grenze ist ein beunruhigendes Zeichen."

Russland rate der Türkei zu etwas anderem: Sie solle ihren Einfluss auf die syrische Opposition nutzen, "um schnellstmöglich den Beginn eines innersyrischen Dialogs zu erreichen", sagte Lukaschewitsch.

Leserkommentare
  1. Die Zeitung "Cumhuriyet" berichtete zudem, aus Deutschland würden vier Patriot-Staffeln und 160 Soldaten in der Türkei erwartet. Die Raketen sollen demnach per Schiff zum türkischen Hafen Iskenderun im östlichen Mittelmeer transportiert und von dort über Land nach Sanliurfa gebracht werden.

    In deutschen Medien spricht man ansonsten immer noch von zwei Staffeln. Dazu die US und die Niederländischen Einheiten.

    Das alles aus Angst vor dem Angriff eines Diktators der froh ist, wenn er die nächsten Wochen im eigenen Land überlebt. Angeblich versuchen ja die Rebellen die Hauptstadt einzunehmen. Wir werden hier veräppelt.

    33 Leserempfehlungen
  2. Man muss nicht Prophet sein wenn man erwartet, dass diese Einheiten angegriffen werden. Dann haben wir den Verteidigungsfall für die Nato und die Bundeswehr steht kurz vor dem Iran.

    Wie naiv muss man sein um eine solche Gefahr nicht zu sehen.
    Dabei wird es völlig unwesentlich sein, von wo der Angriff kam. Man kann auch provozieren, dass das Brot auf die Marmeladenseite fällt.

    30 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das Kriegsrecht spricht eine klare Sprache und läßt keinen Raum für großes Geschwurbel.

    Die Türkei ist hiernach bereits direkter Kriegsteilnehmer. Begründet aus ihrer direkten Unterstützung für die Islamisten, dies zum Großteil noch auf ihren Territorium. Viel klarer gehts nicht.

    Davon einmal abgesehen, daß Syrien nach dem Kriegsrecht somit rechtmäßig handelt greift es seine Gegner auch auf türkischen Territorium an, die sogannten "Angriffe" auf die Türkei weisen durch die Bank deutliche Anhalte an Gleiwitz auf.

    Die deutsche Regierung (nicht Deutschland, wichtig für Den Haag) ist hier in Begriff Truppenteile unter dem Kommando einer Kriegspartei abzugeben. Dies ist ganz klar und deutlich ein Kriegseintritt Deutschlands an der Seite der Türkei.

    Davon abgesehen, daß dies schon weitab von jeglicher rechtlichen Grenzwertigkeit ist, kommt der strategische und polititsche Aspekt hinzu.

    Deutsche Truppen unterstützen einen Gröfaz wie Erdogan und islamistische Truppen welche innerhalb Europas auf der ein oder anderen Liste zu finden sind direkt.

    Deutschland beteiligt sich aktiv an der weiteren Destabilisierung der Region und in Folge Europas und Deutschlands selber. Dies wird vermutlich einige Herren in der Hochfinanz und auf den ganz richtigen Teppichen in Arabien freuen. Für die Masse der Menschen in der Region und Europas dürften die Ergebnisse weniger toll ausfallen.

    Es ist eine Schande sondergleichen, daß deutsche Soldaten am Ende gegen Deutschland eingesetzt sind.

    • vino87
    • 22. November 2012 15:46 Uhr

    ..., dass da irgendetwas anderes im Busche ist. Ohne Endzeitstimmung verbreiten zu wollen, ist diese Verflechtung der Mächte in dieser Region zu dem aktuellen Zeitpunkt sehr besorgniserregend. Die Einmischung von Russland in Form dieser Warnung ist nur ein Grund dafür, dass Deutschland sich da raushalten sollte. Nato hin oder her.

    24 Leserempfehlungen
  3. Da die Sachlage aber so ist wie Sie schreiben sollte man tunlichst vermeiden sich in unbekannte Pläne Anderer einbinden zu lassen.

    Logisch wären die Schlussfolgerungen:

    1. Die Bundesregierung ahnt nicht von die fremden Plänen. Dann sollte die Stationierung aufgrund der Sachlage abgelehnt werden; oder

    2. Die Bundesregierung kennt die Pläne und stimmt diesen zu, verrät diese aber nicht der Öffentlichkeit. Dann wird die Bevölkerung hier und das Parlament betrogen.

    21 Leserempfehlungen
    Antwort auf
  4. Syrien hat heute der UN eine Liste mit 143 Datensätzen vorgelegt mit genauen Infos zu festgenommen und getöteten ausländischen Kämpfern. Diese Kämpfer aus 19 Nationen sind in erster Linie Islamisten und sind nur ein kleiner aber ausreichend dokumentierter Teil der in Syrien tätigen Milizen.

    Zuvor hatte schon Russland der UN eine solche Liste mit über 100 Namen vorgelegt.

    Die meisten der Ausländer in syrien tragen keine Personalien mit sich und können somit nur schwer identifiziert werden.

    http://rt.com/news/syria-...

    19 Leserempfehlungen
    • kitoi
    • 22. November 2012 15:41 Uhr

    Die Türkei war eine der ersten, die die syrischen Terroristen mit Waffen und Logistik ausstatteten. Diese durften vom türkischen Territorium aus gegen die syrische Armee operieren. Das über Syrien abgeschossene türkische Flugzeug evtl. auch schon vergessen?

    Gekürzt. Der Kommentar auf den Sie sich beziehen, wurde bereits entfernt. Die Redaktion/mak

    18 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[...]"
  5. 13. naja,

    Granaten können diese Systeme nicht abwehren. Natürlich könnte man mit Kanonen auf Spatzen schießen. Sie schreiben:

    Kein Deutscher würde mehrmaligen, beabsichtigten oder unbeabsichtigten Beschuss deutschen Staatsgebietes aus einem Nachbarland akzeptieren.

    Nee, würden wir natürlich nicht. Wir würden schon ein paar Einheiten des BGS an die Grenze schicken. Aber selbst wenn das an der Grenze, sagen wir mal zu Belgien geschehen würde, würde ich bezweifeln dass wir die Nato um Hilfe bitten.

    Damit will ich sagen, da stinkt etwas. Es geht da nicht wirklich um die Abwehr von Raketenangriffen der syrischen Regierung. Worum es wirklich geht, kann ich aber auch nicht sagen.

    15 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Verteidigung"
  6. Der Konflikt mit Syrien wird seit einiger Zeit von der türkischen Regierung angeheizt. Es begann damit, dass die syrischen "Oppositionellen" mit Waffen beliefert wurden und die türkische Regierung diesen "Oppositionellen" Rückzugsmöglichkeiten auf türkischem Terretorium gegeben haben.
    http://www.focus.de/polit...
    Dann wurde in den Medien verkündet, dass die syrische Armee einen türkischen Kampfjet abgeschossen haben soll. Es war noch nichts klar und die Ursache war noch nicht geklärt, da hat die türkische Regierung die syrische Regierung dafür verantwortlich gemacht.
    http://www.n-tv.de/politi...
    Jetzt bittet man um Patriot Raketen um sich vor syrischen Granaten zu schützen.
    Der Granatenbeschuss von türkischem Terretorium wurde mit Nato-Munition durchgeführt. Munition, die der syrischen Regierung gar nicht zur Verfügung steht.
    Den einzigen Personen denen so eine Munition zur Verfügung steht, ist die syrische Opposition.
    http://www.shortnews.de/i...
    Wir werden in einen Konflikt gezogen, der sehr schnell eskalieren kann und aus dem die falschen Kräfte Vorteile ziehen können. Wir sollten uns aus diesem Konflikt raushalten.

    13 Leserempfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP, zz
  • Schlagworte Nato | Nachrichtenagentur | Russland | Türkei | Iran | Syrien
Service