Die Nato hat den Anspruch der Türkei auf die Kommandogewalt beim geplanten Patriot-Einsatz an der Grenze zu Syrien zurückgewiesen. Die Befehlsverantwortung werde beim Oberkommandierenden des Bündnisses, James Stavridis, liegen, sagte eine Nato-Sprecherin. Dieser werde die Verantwortung dann an die Kommandierenden der Nato vor Ort übertragen.

Die Türkei hatte am Donnerstag Ansprüche auf die Kommandogewalt über die Raketenabwehrsysteme vom Typ Patriot erhoben. Die Luftabwehrsysteme sollen an der türkisch-syrischen Grenze stationiert werden, um einen möglichen Raketenbeschuss aus dem Bürgerkriegsland zu verhindern. Die türkische Regierung hatte am Mittwoch die Stationierung offiziell bei der Nato beantragt .

Sie reagiert damit auf den syrischen Granatenbeschuss von türkischen Grenzorten in den vergangenen Monaten. Die Bundesregierung erklärte sich bereit, Patriot-Raketen des modernsten Typs PAC-3 zur Verfügung zu stellen. Entscheiden muss aber der Bundestag.

Mehrheit der Deutschen gegen Einsatz

Innerhalb der Nato verfügen nur Deutschland, die USA und die Niederlande über den neuesten Typ der Patriot-Luftabwehrraketen. Verteidigungsminister Thomas de Maizière ( CDU ) sagte, er wolle bis spätestens Anfang Dezember eine Entscheidung des Bundestags über die Anfrage herbeiführen. Neben der schwarz-gelben Koalition signalisierte die SPD bereits ihre Zustimmung .

Die Mehrheit der Deutschen lehnt eine Entsendung von Bundeswehrsoldaten und Patriot-Raketen an die türkisch-syrische Grenze allerdings ab. 59 Prozent der Bürger sprechen sich gegen den Einsatz aus, ergab eine Umfrage von Infratest dimap für den ARD-Deutschlandtrend. Nur 36 Prozent sprachen sich für Stationierung aus.

Syrien spricht von Provokation

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan trat Befürchtungen entgegen, Nato-Luftabwehrtruppen könnten in den syrischen Bürgerkrieg verwickelt werden. Die Nato-Kräfte sollten nur der Verteidigung der Türkei dienen.

Das syrische Regime nannte die Pläne zur Stationierung der Luftabwehrraketen eine Provokation. " Syrien verurteilt die jüngsten provokativen Schritte der türkischen Regierung", zitierte das Staatsfernsehen einen Mitarbeiter des Außenministeriums.