WestafrikaMindestens 48 Nigerianer während Westerwelle-Besuch erschossen

In einer Hochburg der radikal-islamistischen Sekte Boko Haram sind Berichten zufolge Dutzende Jugendliche getötet worden. Außenminister Westerwelle zeigt sich besorgt. von afp und dpa

Maiduguri nach einem Bombenattentat in einer Moschee (Archiv)

Maiduguri nach einem Bombenattentat in einer Moschee (Archiv)  |  © Olatunji Omirin/Reuters

In der nigerianischen Stadt Maiduguri haben Soldaten nach Informationen des britischen Senders BBC mindestens 48 Menschen getötet. Wie ein Krankenhausmitarbeiter mitteilte, handelte es sich bei den Todesopfern überwiegend um Jugendliche.

Ein Vertreter der Streitkräfte lehnte jede Stellungnahme ab. Allerdings berichteten BBC-Journalisten nach Gesprächen mit Anwohnern, die Jugendlichen seien während Hausdurchsuchungen von Soldaten umzingelt und später auf einem Feld erschossen worden. Die Leichen seien dann in der Nacht auf Freitag in eine Klinik gebracht worden.

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Ein Imam sagte der BBC, allein in seiner Straße seien elf Jugendliche getötet worden, darunter vier seiner Söhne. Die Stadt im Nordosten des Landes gilt als Hochburg von Boko Haram, die für zahlreiche Attentate in der Region verantwortlich ist.

Außenminister Guido Westerwelle äußerte sich besorgt über den anhaltenden Terror der Sekte. "Wir setzen darauf, dass Nigeria alles tut, die Sicherheit seiner Bürger vor terroristischer Gewalt zu schützen", sagte er anlässlich seines zweitägigen Besuchs in dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas. Bei Anschlägen von Boko Haram unter anderem auf christliche Kirchen und Polizeistationen im muslimisch geprägten Norden sind seit 2009 mehr als 1.400 Menschen getötet worden.

Boko Haram zu Friedensverhandlungen bereit

Die Sekte, deren Name in der örtlichen Hausa-Sprache so viel wie "westliche Bildung verboten" bedeutet, kämpft für einen islamistischen Gottesstaat in der Region. Am Donnerstag kündigte Boko Haram jedoch überraschend an, unter bestimmten Bedingungen zu Friedensverhandlungen bereit zu sein. Als Gegenleistung müssten die Behörden alle inhaftierten Mitglieder der Gruppe freilassen und dabei helfen, deren Familienangehörige wieder in die Gesellschaft zu integrieren, sagte Abu Mohammed Ibn Abdulasis, der zweithöchste Kommandant der Sekte. Derzeit werden rund 1.000 Kämpfer in verschiedenen Gefängnissen Nigerias festgehalten. Ihre Familien leben häufig als Vertriebene im eigenen Land.

"Die Regierung wird den Dialog mit der Gruppe führen, wann immer diese bereit ist", sagte der nigerianische Außenminister Ayodeji Ashiru nach einem Treffen mit Westerwelle in der nigerianischen Hauptstadt Abuja. Eine Reaktion von Präsident Goodluck Jonathan zu den Vorfällen in Maiduguri gab es zunächst nicht. Der Christ aus dem Süden Nigerias wirkt seit Langem hilflos beim Kampf gegen die Sekte.

Unterdessen gibt es auch Kritik an den Sicherheitskräften, denen die Menschenrechtsorganisation Amnesty International Folter, Exekutionen, Brandstiftung und willkürliche Inhaftierungen vorwirft. Das Militär und die Polizei Nigerias verschärften die "dramatische Situation zusätzlich", hieß es in einem Bericht . Sowohl der Staat als auch die Sekte wendeten immer wieder gesetzeswidrige Gewalt an – "mit verheerenden Folgen für die Rechte der Menschen zwischen den Fronten".

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    • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, sk
    • Schlagworte Guido Westerwelle | BBC | Boko Haram | Militär | Anschlag | Attentat
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