US-Präsident Obama und General Petraeus im Juni 2010 im Rosengarten des Weißen Hauses © Mandel Ngan/AFP/Getty Images

Es ist fast immer so: Dem Freudentanz über die gewonnene Wahl folgt auf dem Fuß der Katzenjammer. Dies ergeht dem neuen alten US-Präsidenten nicht anders, der Jubel des Obama-Lagers über den Wahlsieg währte nur eine Nacht. Die gewaltige Haushaltskrise drängt auf eine Lösung – und am Freitag dann flatterte dem Präsidenten das Rücktrittsgesuch von David Petraeus ins Weiße Haus. Der Vier-Sterne-General und gegenwärtige CIA-Direktor gestand eine außereheliche Affäre ein und zog die Konsequenzen.

Dieser Schritt ist nur auf den ersten Blick überraschend. So ist ein Seitensprung von Politikern in Amerika zwar immer noch oft ein Grund der öffentlichen Ächtung. Aber ganz so prüde wie einst ist es nicht mehr, das Land wird insgesamt offener und säkularer. Viele überstehen heute einen solchen Skandal. Doch für einen Geheimdienstchef wie Petraeus ist der Seitensprung überdies eine heikle Sicherheitsangelegenheit. Wer war die Dame? War der Boss der Auslandsspionage womöglich erpressbar?

Schwieriger zu lösen aber ist das andere Problem: Der Streit um Haushalt und Staatsdefizit, dem Obama auch seine erste Ansprache nach dem Wahlsieg widmete. Bis Ende des Jahres müssen seine Demokraten darüber irgendeine Einigung mit den Republikanern erreicht haben. Denn schaffen sie das nicht, tritt automatisch ein bereits vor einiger Zeit beschlossenes Notprogramm in Kraft. Die Folgen: automatische Steuererhöhungen und rabiate Haushaltskürzungen – in Höhe von mindestens 700 Milliarden Dollar.

Auf ein vernünftiges gemeinsames Sanierungspaket konnten sich beide Seiten aber schon damals nicht einigen. Stattdessen meinte man, mit diesem Notprogramm beide Seiten so schrecken können, dass sie sich geradezu gezwungen sähen, sich bis zum 31. Dezember auf einen Kompromiss einzulassen.

Man glaubte, die Republikaner würde es besonders schmerzen, dass mit diesem Notprogramm ab 1. Januar sofort die einst von George W. Bush beschlossenen Steuererleichterungen entfallen würden – und zwar für alle, inklusive der Mittelklasse und der Reichen. Auch würden die Konservativen die radikalen Streichungen im Verteidigungsetat wurmen.

Die Demokraten, meinte man, könnten sich zu einem Konsens gezwungen sehen, um die drohenden Steuererhöhungen für die Mittelklasse zu verhindern. Und ebenso den Kahlschlag in den Sozialprogrammen und in der staatlichen Krankenversicherung für Rentner und Arme.

Alle verheißen derzeit, man werde schon irgendwie zusammenkommen. Einige sagen sogar, man sei sich näher als bekannt. Doch dieses Versprechen könnte sich zunächst einmal nur auf das Naheliegende beschränken: das automatische Eintreten des Notprogramms zu verhindern, um so mehr Luft für einen Kompromiss im Grundsätzlichen zu erhalten.Doch worin besteht das Grundsätzliche? Im Grunde darin, Staatsausgaben zurückzudrehen und zugleich dem Staat ein sicheres Einkommen zu sichern. Aber wie das geschehen soll, darüber herrscht Streit.