Romney und ObamaKandidaten jetten durchs Wahlkampffinale

Im Ringen um die Präsidentschaft haben sich Obama und Romney ein Rennen um die Swing States geliefert. Die Spannung steigt, Umfragen zeigen ein uneinheitliches Bild. von afp, dpa, reuters, dapd und

Wahllokal in Lancaster, Ohio

Wahllokal in Lancaster, Ohio  |  © Brendan Smialowski/AFP/Getty Images

Die Kandidaten im Rennen um das Weiße Haus haben am Montag einen eng getakteten Wahlkampftag hinter sich gebracht. Barack Obama und sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney tourten durch die Staaten, in denen der Wahlausgang noch offen ist, um sich in letzter Minute die entscheidenden Stimmen zu sichern.

Romney rief in Sanford ( Florida ) die Wähler dazu auf, ihm die Chance zu geben, "das Land in eine bessere Zukunft zu führen". Anschließend reiste der Exgouverneur von Massachusetts nach Virginia, Ohio und New Hampshire. Obama hatte Auftritte in Wisconsin , Ohio und Iowa auf dem Plan.

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Romney kündigte eine Verlängerung seines Wahlkampfs an: Er plant, am Dienstag nochmals in Ohio und Pennsylvania aufzutreten. Mit den beiden Veranstaltungen in Cleveland und Pittsburgh wolle Romney bis zur Schließung der Wahllokale um Stimmen werben, sagte ein Sprecher seines Wahlkampfteams. Ursprünglich wollte der Republikaner seine Abschlussveranstaltung am Montagabend in New Hampshire abhalten.

Obama wurde am Montag von US-Rocklegende Bruce Springsteen bei einem Auftritt in Madison (Wisconsin) begleitet. Der Sänger sagte vor 18.000 Zuschauern, die Wahlen seien eine Gelegenheit, die Lücke zwischen dem amerikanischen Traum und der Realität in den USA zu verringern. Er sei stolz darauf, an Obamas Seite zu stehen, und dankbar für die Gesundheitsreform und die Regulierung der Wall Street. Springsteen spielte unter anderem die Songs "No Surrender", "Promised Land" und "Land of Hope and Dreams". Obama bedankte sich bei ihm mit einer Umarmung auf der Bühne. Weitere gemeinsame Auftritte waren bei Kundgebungen in Ohio und Iowa geplant. 

In den Tag der Entscheidung geht Obama mit hauchdünnem Vorsprung . Nach 17 Monaten Wahlkampf-Marathon ist die Präsidentenwahl eine der spannendsten in der Geschichte der USA. Schätzungsweise drei Milliarden Dollar (knapp 2,35 Milliarden Euro) dürften die Kandidaten in die als Schicksalswahl beschworene Auseinandersetzung gesteckt haben.

Patt in Umfrage

Nach einem Bericht der New York Times sahen die Meinungsforscher zuletzt den Demokraten Obama mit durchschnittlich 1,3 Prozentpunkten vor Romney. Ausgewertet wurden dafür zwölf aktuelle nationale Umfragen.

Eine andere, am Montag veröffentlichte Umfrage ergab US-weit ein Patt von 49 zu 49 Prozent. Allerdings lag Obama in der Mehrzahl der wahlentscheidenden Bundesstaaten – den sogenannten Swing States – vorn, aber meistens nur ganz knapp.

Besonders wichtig ist Ohio : Hier lag Obama nach einer Auswertung des Portals National Polls in sieben von acht November-Umfragen vorn – schlecht für Romney, denn noch nie ist ein Republikaner Präsident geworden, der nicht Ohio gewonnen hat.

Romney unter Druck

In Florida, das ebenfalls als absolutes Muss für Romney gilt, hatte der Herausforderer dagegen mehrheitlich die Nase vorn. Doch die Unsicherheit bei den Voraussagen ist groß.

Alle Aufmerksamkeit konzentriert sich bei der Präsidentenwahl auf weniger als ein Dutzend Swing States. Romney steht dabei besonders unter Druck: Der 65-Jährige muss mehr dieser Staaten gewinnen als Obama, um ins Weiße Haus einziehen zu können.

Klage vor Bezirksgericht

Vor vielen Wahllokalen, in denen vor dem eigentlichen Wahltermin bereits abgestimmt werden durfte, bildeten sich Schlangen. In dicht bewohnten Gegenden wie Miami-Dade oder Palm Beach standen Wähler zum Teil sieben Stunden an. Die Demokratische Partei reichte daraufhin vor einem Bezirksgericht am Sonntag Klage ein, weil Wähler in der Gegend, in der traditionell mehr Obama-Wähler wohnen, de facto so an der Stimmabgabe gehindert worden seien.

Offiziell beginnt der Wahltag um fünf Uhr morgens Ortszeit (11 Uhr MEZ) mit der Öffnung der Wahllokale in Vermont. Bereits um Mitternacht stimmen traditionell die Bürger des Mini-Dorfes Dixville Notch in New Hampshire ab.

Den Wahltag am Dienstag wird der 51-jährige Obama nach Angaben des Weißen Hauses in seiner Heimatstadt Chicago verbringen. Romney wollte sich in seiner Wahlheimat Boston aufhalten und dort bereits am frühen Morgen wählen gehen. Obama hatte die Möglichkeit der Frühwahl genutzt und bereits im Oktober seine Stimme in Chicago abgegeben.

Knappe Mehrheit im Senat

Sorge bereiteten weiterhin die Auswirkungen des Wirbelsturms Sandy : In einigen Wahllokalen in New York könnte es auch am Dienstag noch keinen Strom geben. Dann soll dort in Zelten oder in Containern gewählt werden, die die Armee bereitstellen will.

Gewählt wird auch ein neuer Kongress. Zur Wahl stehen das gesamte Abgeordnetenhaus und rund ein Drittel der Senatoren. Es wird erwartet, dass die Republikaner ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus behaupten, aber Sitze verlieren. Im Senat dürften die Demokraten ihre Mehrheit knapp behalten.

Interaktive Wahlgrafik mit Umfragenhier

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Leserkommentare
  1. Dann kann ich mir unter den vielen Artikeln, die den Leser mit Kommentaren entmündigen, statt erst einmal dem Leser zu gestatten, die Ergebnisse selbst zur Kenntnis zu nehmen, die wenigen aussuchen, die mir schlicht und ergreifend die objektiven Ergebnisse mitteilen. Dann kann ich meine eigenen Schlußfolgerungen ziehen.

    die Funktion der reinen Unterrichtung vergessen die Medien viel zu oft.

  2. Der gewinnt, der die meisten Milliarden aktivieren kann.
    Was hat das noch mit Demokratie zu tun.
    Es kommt mir eher vor wie ein "Einkauf" bei ebay.

  3. Wer siegt ist eigentlich egal. An der Politik wird sich nicht wirklich etwas ändern.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, dapd, Reuters, AFP, tst
  • Schlagworte Barack Obama | Bruce Springsteen | Abgeordnetenhaus | Mitt Romney | Barack Obama | Präsidentenwahl
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