So sehen es auch die Amerikaner. Sie verstehen sich als Pazifische Macht mit politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Interessen in Asien. Keineswegs sind sie gewillt, einem aufstrebenden China die Hegemonie im westlichen Pazifik zu überlassen.

Den meisten Regierungen in der Region ist die Präsenz der Amerikaner auch hoch willkommen. "Frieden und Stabilität in Asien werden heute einzig und allein vom Machtgleichgewicht zwischen Amerika und China aufrechterhalten", hat Singapurs Gründungspremier Lee Kuan Yew kürzlich in einem Gespräch gesagt.

Der Aufstieg Chinas ist strategisch die größte Herausforderung der Vereinigten Staaten. Einer Studie der OECD zufolge wird Chinas Anteil an der weltweiten Wirtschaftsleistung von heute 17 Prozent auf 28 Prozent im Jahr 2060 steigen; Amerika wird dann – hinter Indien – mit 16 Prozent weltweit auf dem dritten Platz liegen. Kein Wunder, dass Obamas Sicherheitsberater Tom Donilon sagte: "Amerikas Erfolg im 21. Jahrhundert hängt am Erfolg Asiens."

Aber auch eine strategische Neuausrichtung erlaubt es nicht, vor den akuten Krisen der Weltpolitik zu flüchten. Obama möchte so gern die konfliktgeladene Welt des Mittleren Ostens hinter sich lassen. Er hat den Krieg im Irak beendet, er zieht die US-Truppen aus Afghanistan ab. Aber die Geister der Vergangenheit wird er nicht los. Nun brennt es in Gaza. Also schickte der Präsident kurzentschlossen seine Außenministerin nach Nahost, die mit ihm durch Asien reiste. Hillary Clinton soll helfen, das Feuer zu löschen.

Dort wird sie den einen oder anderen europäischen Kollegen treffen, der beim Gipfel in Phnom Penh nicht am Tisch saß. Der Aufbruch ins Pazifische Jahrhundert findet ohne Europa statt.