Die Affäre um die außereheliche Beziehung des früheren CIA-Chefs David Petraeus zu seiner 40-jährigen Biografin Paula Broadwell zieht immer größere Kreise. Inzwischen ermittelt nicht mehr nur das FBI , sondern auch das Pentagon: Die Untersuchung des US-Verteidigungsministeriums richtet sich gegen Petraeus ' Nachfolger als Kommandant der internationalen Isaf-Schutztruppe in Afghanistan , General John R. Allen.

Allen soll wie Petraeus in "unangemessenen" E-Mail-Kontakt mit einer Frau gestanden haben. Bei dieser handelt es sich um Jill Kelley, die angebliche Nebenbuhlerin von Petraeus' Ex-Geliebter Broadwell und Adressatin von Droh-Mails durch Broadwell. Kelley war es auch, die das FBI alarmierte und damit die Affäre zwischen Petraeus und Broadwell aktenkundig werden ließ.

US-Militärkreisen zufolge überprüft das Pentagon E-Mails von Allen und Kelley mit einem Umfang zwischen 20.000 und 30.000 Seiten aus den Jahren 2010 bis 2012. Worin genau der "unangemessene" Inhalt der Nachrichten besteht, ist nicht bekannt. Dabei könnte es sich entweder um Intimitäten handeln oder um die Weitergabe geheimer Informationen.

Nach Angaben von Verteidigungsminister Leon Panetta habe das FBI den Fall am Sonntag an das Pentagon übergeben. Er habe dann am Montag Ermittlungen gegen Allen angeordnet. Laut Panetta werde die für 2013 geplante Beförderung Allens zum Oberkommandierenden der US-Streitkräfte in Europa und der Nato-Truppen in Europa vorerst verschoben. Bis der Fall aufgeklärt sei, bleibe dieser auf seinem Posten in Afghanistan.

Der Vier-Sterne-General selbst bestreitet jegliches Fehlverhalten. Auch von Kelley gibt es dazu keine Stellungnahme. Die 37-Jährige arbeitet als ehrenamtliche soziale Vertrauensperson für den Luftwaffenstützpunkt MacDill in Florida, auf dem auch das US-Zentralkommando und das Kommando der US-Spezialkräfte ihren Sitz haben. Sie steht nicht in Diensten der Regierung.

Hausdurchsuchung bei Broadwell

Zugleich treibt das FBI seine Ermittlungen gegen die frühere Petraeus-Geliebte weiter voran. Die Ermittler wollen herausfinden, inwieweit die Affäre des pensionierten Vier-Sterne-Generals mit der Autorin ein Sicherheitsrisiko darstellt und Broadwell etwa von geheimen CIA-Erkenntnissen wusste. Medienberichten zufolge haben Beamte der Bundespolizei am Montagabend das Haus der Familie Broadwell in Charlotte im Bundesstaat North Carolina durchsucht. Nach Angaben des Charlotte Observer waren die FBI-Ermittler mehrere Stunden lang auf beiden Etagen, machten Fotos und trugen Dokumente weg.

Woher hat Broadwell ihre Informationen über Libyen?

Spekulationen darüber, was Broadwell wusste und von wem sie diese Informationen hatte, wurden durch ein YouTube-Video neu angeheizt. Die Aufnahme zeigt Broadwell bei einer Rede Ende Oktober in Denver . Darin behauptet sie, dass die Terroristen bei ihrem Angriff auf das US-Konsulat in der libyschen Stadt Bengasi am 11. September mehrere auf dem Gelände festgehaltene Milizionäre hatten befreien wollen. Die Gefangenen waren ihr zufolge in einem CIA-Gebäude auf dem Konsulatsgelände untergebracht. Petraeus hätte bereits 24 Stunden nach der Attacke davon erfahren.

Was wusste Ex-Geliebte über Libyen?

Nach einem Bericht der Washington Post weist die CIA Broadwells Darstellung entschieden zurück. Die Zeitung meldete zugleich, dass ihre Äußerungen früheren Angaben des Senders Fox News entsprächen, der sich damals auf eine einzige Quelle berufen hatte. Es sei möglich, dass Broadwell die Darstellung des Senders aufgegriffen habe, um sich wichtig zu machen, oder sie auch einfach nur für einen gesicherten Fakt gehalten habe. Es sei aber auch nicht auszuschließen, dass sie geheime Informationen verriet, die sie von einer CIA-Quelle erhalten hat.

Die Auseinandersetzungen in Bengasi, bei denen der US-Botschafter Chris Stevens und drei seiner Mitarbeiter getötet worden waren, spielten im Präsidenten-Wahlkampf wiederholt eine Rolle . Die CIA hatte dem Weißen Haus wiederholt mitgeteilt, der Angriff sei aus einer spontanen Protestaktion gegen ein islamfeindliches Video erwachsen. Es handelte sich aber um einen geplanten Terrorangriff.

Spekulationen um Rücktritt

Petraeus sollte diese Woche dazu vom Geheimdienstausschuss des Senats befragt werden. Sein Rücktritt wurde deshalb auch mit möglichen CIA-Fehleinschätzungen vor und nach dem Terroranschlag in Verbindung gebracht. Es wurde vermutet, dass Präsident Obama den Geheimdienstchef dazu gedrängt haben soll. Die Affäre sei nur vorgeschoben worden.

Die Beziehung von Petraeus zu Broadwell begann laut Medienberichten im November 2011 – zwei Monate nach seinem Dienstantritt als CIA-Boss – und soll von Petraeus vor vier Monaten beendet worden sein. Zu dem Zeitpunkt soll er von den Droh-Mails seiner Freundin an Jill Kelley erfahren haben und darüber laut Washington Post "entsetzt" gewesen sein. Broadwell hat in Kelley offenbar eine Nebenbuhlerin gesehen.

Wie es in der New York Times heißt, vernahm das FBI Broadwell erstmals in der Woche vom 21. Oktober. Dabei habe die 40-Jährige die Affäre zugegeben und auch freiwillig ihren Computer herausgerückt. Das FBI habe darin mehrere geheime Dokumente gefunden. Der CIA-Chef selbst sei dann erstmals Ende Oktober befragt worden. Er habe ebenfalls die Affäre eingestanden, aber wie Broadwell kategorisch verneint, dass die geheimen Dokumente auf dem Rechner seiner Geliebten von ihm stammten. Zu diesem Zeitpunkt sei das FBI zu dem Schluss gekommen, dass Petraeus offensichtlich kein Verbrechen begangen habe und keine strafrechtlichen Folgen zu erwarten seien.