Petraeus-Affäre : Ermittlungen gegen Afghanistan-Kommandeur Allen
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Woher hat Broadwell ihre Informationen über Libyen?

Spekulationen darüber, was Broadwell wusste und von wem sie diese Informationen hatte, wurden durch ein YouTube-Video neu angeheizt. Die Aufnahme zeigt Broadwell bei einer Rede Ende Oktober in Denver . Darin behauptet sie, dass die Terroristen bei ihrem Angriff auf das US-Konsulat in der libyschen Stadt Bengasi am 11. September mehrere auf dem Gelände festgehaltene Milizionäre hatten befreien wollen. Die Gefangenen waren ihr zufolge in einem CIA-Gebäude auf dem Konsulatsgelände untergebracht. Petraeus hätte bereits 24 Stunden nach der Attacke davon erfahren.

Was wusste Ex-Geliebte über Libyen?

Nach einem Bericht der Washington Post weist die CIA Broadwells Darstellung entschieden zurück. Die Zeitung meldete zugleich, dass ihre Äußerungen früheren Angaben des Senders Fox News entsprächen, der sich damals auf eine einzige Quelle berufen hatte. Es sei möglich, dass Broadwell die Darstellung des Senders aufgegriffen habe, um sich wichtig zu machen, oder sie auch einfach nur für einen gesicherten Fakt gehalten habe. Es sei aber auch nicht auszuschließen, dass sie geheime Informationen verriet, die sie von einer CIA-Quelle erhalten hat.

Die Auseinandersetzungen in Bengasi, bei denen der US-Botschafter Chris Stevens und drei seiner Mitarbeiter getötet worden waren, spielten im Präsidenten-Wahlkampf wiederholt eine Rolle . Die CIA hatte dem Weißen Haus wiederholt mitgeteilt, der Angriff sei aus einer spontanen Protestaktion gegen ein islamfeindliches Video erwachsen. Es handelte sich aber um einen geplanten Terrorangriff.

Spekulationen um Rücktritt

Petraeus sollte diese Woche dazu vom Geheimdienstausschuss des Senats befragt werden. Sein Rücktritt wurde deshalb auch mit möglichen CIA-Fehleinschätzungen vor und nach dem Terroranschlag in Verbindung gebracht. Es wurde vermutet, dass Präsident Obama den Geheimdienstchef dazu gedrängt haben soll. Die Affäre sei nur vorgeschoben worden.

Die Beziehung von Petraeus zu Broadwell begann laut Medienberichten im November 2011 – zwei Monate nach seinem Dienstantritt als CIA-Boss – und soll von Petraeus vor vier Monaten beendet worden sein. Zu dem Zeitpunkt soll er von den Droh-Mails seiner Freundin an Jill Kelley erfahren haben und darüber laut Washington Post "entsetzt" gewesen sein. Broadwell hat in Kelley offenbar eine Nebenbuhlerin gesehen.

Wie es in der New York Times heißt, vernahm das FBI Broadwell erstmals in der Woche vom 21. Oktober. Dabei habe die 40-Jährige die Affäre zugegeben und auch freiwillig ihren Computer herausgerückt. Das FBI habe darin mehrere geheime Dokumente gefunden. Der CIA-Chef selbst sei dann erstmals Ende Oktober befragt worden. Er habe ebenfalls die Affäre eingestanden, aber wie Broadwell kategorisch verneint, dass die geheimen Dokumente auf dem Rechner seiner Geliebten von ihm stammten. Zu diesem Zeitpunkt sei das FBI zu dem Schluss gekommen, dass Petraeus offensichtlich kein Verbrechen begangen habe und keine strafrechtlichen Folgen zu erwarten seien.

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Kommentare

50 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

Was geht's die Deutschen an?

Ein Land, in dem Schröder Kanzler war (in seiner 4. Ehe) und mit ihm Fischer Außenminister (4 Ehen, damals in der 5. Beziehung, unverheiratet), sollte hier nicht die moralische Empörung markieren, wenn ein Amerikaner Ehebruch begangen hat. Dass sich so viel damit befasst wird, finde ich bedenklich. Können Deutsche nur bei Amerika die Moralkeule schwingen, wie auch schon im Wahlkampf? Und selbst sind wir natürlich so viel besser, siehe alle möglichen CDU-Ministerpräsidenten, oder Seehofer.

"Unangemessene" Kontakte verhindern

Ein ganz maßgeblicher (militärischer) Feind der USA scheint inzwischen ja die eigene bigotte Moralvorstellung zu werden, der nun ein ausgewiesener Spitzenmilitär nach dem anderen wegen "unangemessener" Kontakte zum anderen Geschlecht zum Opfer fällt.

Da sich die realitätsfernen amerikanischen Moralvorstellungen wohl nicht ändern werden und so immer wieder höchstes Personal erpressbar und damit unhaltbar wird, könnte sich doch ein Lösungsweg aus der Geschichte anderer (ehemaliger) Großmächte empfehlen:
"Im 14. Jahrhundert bedachte man den chinesischen Eunuch Zheng He mit höchsten Ehren, indem er Admiral der Flotte wurde..."
"...im byzantinischen Reich hatten Eunuchen teilweise hohe Posten wie ... als Truppenbefehlshaber inne, so auch Narses, ein General des oströmischen Kaisers Justinian I.."

Eine solche "Lösung" würde auch zu einigen anderen US-eigentümlichen Dingen (z.B. Kreationismus) als "zeitgemäß" im 21. Jahrhundert passen...

Nicht nur Amerika bleibt der Realität fern

Als Amerikaner, habe ich eine direkte Kenntis von den realitätsfernen amerikanischen Moralvorstellungen von den Sie schreiben. Das Land ist aber nicht so leicht anzuordnen wie Sie vielleicht wünschten. Obwohl absurde Vorstellungen wie Kreationismus in manchen gebieten weit verbreitet sind, haben wir auch eine Fähigkeit unsere ethische Brennpunkte, ob Rassismus oder Homoehe, offen diskutieren zu können. Es ist vielleicht für die Deutsche lächerlich, dass amerikanischen Schulkinder 'the pledge of allegiance' in der Schule rezitieren. Für viele (aufgeklärte) Amerikaner wäre es ebenfalls unvorstellbar einen kirchlich unterstützten Religionsunterricht in offentlichen Schulen zu haben.
Deutschland ist in vielen Hinsichten aufgeklärter als mein Land-hat aber ein problem die richtig schwerigen eigenen Themen (z.B. nicht-so-kriechenden Xenophobie und Rechtsextrimismus) ins gesicht zu schauen.