Petraeus' RücktrittDiese Affäre war nicht geheim zu halten

Als General blieb er ohne Fehl und Tadel, als CIA-Chef wurde er am Ende zum Sicherheitsrisiko: David Petraeus wird ein Seitensprung zum Verhängnis. von 

General David Petraeus während einer Anhörung vor einem Ausschuss des US-Kongresses

General David Petraeus während einer Anhörung vor einem Ausschuss des US-Kongresses  |  © Jim Lo Scalzo/dpa

Als Chef der CIA kannte David Petraeus unzählige Geheimnisse, die Amerika sicherer gemacht haben. Doch dieses eine musste er lüften: Mit seinem Rücktritt hat der wohl angesehenste General der jüngeren US-Geschichte und spätere Geheimdienstler die einzig richtige Konsequenz aus einer außerehelichen Affäre gezogen.

"Nach über 37 Ehejahren habe ich ein extrem schlechtes Urteilsvermögen gezeigt, indem ich eine außereheliche Beziehung unterhielt", schrieb Petraeus an seine Mitarbeiter. "Ein solches Verhalten ist nicht zu rechtfertigen, weder als Ehemann noch als Leiter einer Organisation wie unserer." Petraeus wusste: An der Spitze der CIA konnte er den amourösen Fehltritt unmöglich für sich behalten. Potenziell erpressbar zu sein, wäre fatal gewesen – auch wenn er sicher nie sein Land in Gefahr gebracht hätte, um einen persönlichen Fehler vor der Öffentlichkeit zu verbergen.

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Wegen solcher Prinzipien war der frühere Vier-Sterne-General in den USA so beliebt wie kaum eine Führungspersönlichkeit sonst. Als Oberbefehlshaber in Irak und Afghanistan hatte Petraeus hohes Ansehen und den Status eines Kriegshelden erworben.

Erfinder der Surge-Strategie

Sein Ruhm begann in seiner Zeit als Kommandant der 101. Luftlandedivision im Irak, für dessen Befriedung er eine eigene militärische Strategie entwickelte. So sollten die eigenen Truppen zunächst massiv aufgestockt werden und dann eng mit einheimischen Sicherheitskräften kooperieren. Diese Strategie namens Surge ging auf, die Zahl der getöteten US-Soldaten im Irak ging zurück – und Petraeus setzte seine Karriere fort: Zum Vier-Sterne-General befördert übernahm er schließlich den Oberbefehl für die internationalen Truppen im Irak. 

Nach einem Zwischenstop in der Heimat – Petraeus wurde Befehlshaber des US-Zentralkommandos im Mittleren und Nahen Osten – wurde er im Juni 2010 Kommandeur der internationalen Afghanistan-Schutztruppe Isaf und folgte damit auf General Stanley McChrystal. Dieser hatte sich zuvor in einem Zeitungsinterview abfällig über die Obama-Regierung – unter anderem auch über den Präsidenten selbst – geäußert und musste zurücktreten.

Auch am Hindukusch versuchte Petraeus, per Surge-Strategie das Land zu stabilisieren. Doch die internationale Afghanistanpolitik setzte längst andere Prioritäten: Abzug statt Aufstockung. Nach nur zwölf Monaten kehrte der General dem Militär und den Kriegsschauplätzen den Rücken, um seinem Land an anderer Stelle zu dienen: am Hauptquartier der CIA in Langley, Virginia.

Petraeus wegen Angriffen auf US-Botschaften kritisiert

Während seiner kurzen Amtszeit als CIA-Chef , die mit dem Wechsel seines Vorgängers Leon Panetta an die Spitze des Verteidigungsministeriums im September 2011 begann, war es zunächst erwartbar still um ihn geworden. Vor zwei Monaten aber geriet er – neben Obama – ins Zentrum öffentlicher Kritik. Auslöser waren die Angriffe auf die US-Botschaften in Bengasi und Kairo , bei denen unter anderem der Botschafter in Libyen getötet wurde. Dass die Regierung lange zögerte, um von der ursprünglichen Version eines spontanen Aufstands abzurücken und von einem terroristischen Akt zu sprechen, fiel auf die CIA zurück. Auch wurde bekannt, dass Geheimdienstmitarbeiter den Großteil der Mitarbeiter an der Botschaft in Bengasi ausmachten.

Leserkommentare
  1. ich wundere mich nicht: Solche privaten "Fehltritte" können zu Erpressung führen. Und das wünscht man sich bei einem CIA Chef schon überhaupt gar nicht!

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    • AZ
    • 10. November 2012 16:09 Uhr

    Spätestens mit der Veröffentlichung der Affäre gibt es keinen Ansatz für Erpressung.

  2. Hatte ja auch vermutet, daß Obamas Versagen bezüglich der Informationspolitik zur Ermordung des Botschafters in Bengazi auf einen Zeitpunkt nach der Wahl hinausgeschoben wird, um seine Wiederwahl nicht zu gefährden. Daß man aber nun unbeliebte Aussagen völlig abwürgt und das Thema damit beenden möchte, nun, das überrascht mich in der Tat.

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    das es noch menschen gibt mit intelligenz...gesundes menschenverstand und offenen augen...wirklich..die meistern menschen glauben nur das was der medien oder regierungen uns vorliegt...

    weiter so.....

    warum zum teufel soll eine CIA gehen mussen weil er eine affaire hat wenn eine president der das selber macht bleiben kann?

    das hier hat NICHTS mit ein frau zu tun und alles mit Bengasi und der mord an der botschafter dort...

  3. "Ein solches Verhalten ist nicht zu rechtfertigen, weder als Ehemann noch als der Leiter einer Organisation wie unserer."

    Passt doch.Sowohl Ehebruch als auch Geheimdienstaktivitäten basieren auf schmutzigen Geheimnissen und Lügen.

    Im Übrigen gehört ein großes Fragezeichen hinter diese offizielle Geschichte, denn seit wann spielen Schlapphüte und Politik mit offenen Karten ?

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    "seit wann spielen Schlapphüte und Politik mit offenen Karten ?"

    Das tun sie, sobald sie für sich selbst daraus den größtmöglichen Vorteil ziehen. Der Mann wäre ruiniert, wenn es nach weiterer Verheimlichung ans Licht gekommen wäre.

    Jetzt darf er sich aber als patriotischer Mann, mit weißer Weste - merkwürdig, dass niemand die offensichtlichen Blutflecken zu sehen scheint - präsentieren und bleibt öffentlichkeitstauglich.

    Ich vestehe was sie meinen. Auch ich wage mal zweifel anzumelden das die "SURGE" Strategie wirklich so gut funktioniert hat wie man nun überal liest.

    Im Irak sind zur gleichen Zeit grosse Mauern duch stäädte gezogen wurden die den Effect hatten das nachdem die Etische Säuberung des Stadtvirtels abgeschlossen war den Problemmachern die Ziele ausgingen. Zwar terben nun weniger US-Soldaten, aber die Problem sind nicht beseitige wurden und die Mörder noch nicht mal ansatzweise ermittlt wurden.

    SO werden wir mit der Unabhänigkeit und den Abreisen der Mauern die nun einige Stadtvirtel in quasi Gefändnisse verwandelt haben, ebend auch einen Anstig der Gewalt sehen da siech die Eten nun gesäubert haben, und man ihnen duch das gemeinsame Einsperren ein bindendes Element gegeben hat.

    Auch sollte man wohl grad beim Irak und Afganisten nicht von Siegen reden. Da die Armeen die geschlagen wurden veraltet waren und de ausbau sich eher zu einer FLucht eintwikelt hat. Also eher 2 Niederlagen.

  4. 4. [...]

    Entfernt. Bitte beachten Sie das konkrete Artikelthema. Danke, die Redaktion/ls

    • TDU
    • 10. November 2012 12:56 Uhr

    Bei aller Freiheit, die man sich in der Ehe lassen sollte. Ein Verhältnis über eine längere Zeit ist mehr als ein Seitensprung.

    Darüber wird man merkwüdigerweise im Unklaren gelassen. Deswegen werden andere Gründe auch eine Rolle spielen oder zumindest mit im Spiel sein. Vielelicht war er während Bengasi beim Techteln, statt sich um die Angelegenheit zu kümmern. Siehe den deutschen Politiker der während einer Angelgenheit in Afghanistan mit seiner Freundin den Pool gepflegt hat.

  5. Ich finde das ist vor allem ein persoenliches Drama. Wie muss sich die Frau vom Petraeus fuehlen? Und dann erst der gehoernte Ehemann von der Mrs. Broadwell. Die haben ja zwei kleine Kinder hoert man. Wie soll das denn jetzt weiter gehn? Ganz schlimm alles.

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    • uwilein
    • 10. November 2012 18:06 Uhr

    wichtig ist nur, dass dieser General bestimmten Ämtern enthoben wird und das ist geschehen.

    • Svenako
    • 10. November 2012 13:01 Uhr

    Hier geht es ja nicht um einen Moralverstoss i.S. des 6. (bzw. 7. - je nach religiöser Zugehörigkeit) Gebotes sondern um einen gleich doppelten Lapsus, der für eine derartige Position disqualifiziert.
    1. Wird der "Täter" erpressbar - wie jeder halbwegs fleißige Kinobesucher oder Leser von Spionageromanen weiß, und
    2. Wer als Geheimdienstchef entsprechende Korrespondenz auch noch via Email (anscheinend auch noch von einem Dienstcomputer aus) führt und nicht löscht, wobei auch das keine 100 %ige Rückversicherung wäre, dem ist wirklich nicht zu helfen.

    • gerimm
    • 10. November 2012 13:06 Uhr

    Der Artikel endet leider gerade da, wo es spannend wird. Wird für den Rücktritt nicht eher ausschlaggebend sein, dass das FBI die Computer des CIA-Chefs wegen einer "kriminellen Angelegenheit" untersucht?

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte David Petraeus | CIA | FBI | Bundespolizei | Irak | Isaf
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