Der Skandal um den zurückgetretenen CIA-Chef David Petraeus hat möglicherweise ein politisches Nachspiel und bringt insbesondere die Bundespolizei FBI in Erklärungsnot. Abgeordnete in Washington und politische Beobachter verwundert vor allem der Zeitpunkt des Rücktritts just nach der Präsidentenwahl.

Nach einem Bericht der New York Times sollen die Ermittler und das Justizministerium nämlich bereits seit dem Spätsommer von der Affäre des pensionierten Vier-Sterne-Generals gewusst haben. Allerdings, so auch die Washington Post , erfuhr die Regierung von Petraeus ' Affäre erst in der Wahlnacht.

Demnach informierte das Justizministerium den nationalen Geheimdienstdirektor James Clapper, noch während Obama die Ergebnisse der Präsidentenwahl verfolgte. Clapper, der die Arbeit aller 16 US-Spionageabteilungen koordiniert, habe dann mit Petraeus gesprochen und ihm einen Rücktritt nahegelegt. Das Weiße Haus sei dann am Mittwoch unterrichtet worden . Vertreter der Geheimdienst-Ausschüsse des Kongresses hätten vorab nichts erfahren.

"Es war, als wäre der Blitz eingeschlagen"

Darüber herrscht nun große Empörung. "Wir erhielten keine Vorwarnung. Es war, als wäre der Blitz eingeschlagen", sagte die demokratische Senatorin Dianne Feinstein, die dem Geheimdienstausschuss des Senats vorsteht. Ihr zufolge sollten mehr Einzelheiten über die FBI-Ermittlungen zur Verfügung gestellt werden, in deren Zuge die außereheliche Beziehung zwischen dem Ex-CIA-Chef und seiner Biografin Paula Broadwell aufgedeckt worden war.

Der Vorsitzende des Ausschusses für Innere Sicherheit des Repräsentantenhauses, der Republikaner Peter King, sieht die Schuld dagegen beim Weißen Haus und vermutet eine Vertuschungsaktion der amerikanischen Machtzentrale. "Es scheint, die Untersuchung hat bereits mehrere Monate angedauert", sagte er der Washington Post . "Nun heißt es, das FBI hätte bis zum Wahltag nicht realisiert, dass Petraeus involviert war."

Der pensionierte Vier-Sterne-General war Ende vergangener Woche von seinem Posten als Direktor der CIA wegen der Affäre zu Broadwell zurückgetreten. In einem Abschiedsschreiben an seine Mitarbeiter sprach der seit 37 Jahren verheiratete Familienvater von einem "extrem schlechten Urteilsvermögen".

Drohungen an Nebenbuhlerin?

Sowohl die New York Times als auch die Washington Post berichten über weitere Einzelheiten des Falls, der sich mehr und mehr als Eifersuchtsdrama entpuppt. So soll Broadwell einer "Petraeus nahe stehenden" Frau aus Florida belästigende E-Mails mit Drohungen geschrieben haben. Offenbar sah Broadwell die als Jill Kelley identifizierte Frau als mögliche Rivalin an. Laut New York Times hätten beide Frauen um die Gunst des mittlerweile 60-jährigen Petraeus gebuhlt.

Kelley soll Mitarbeiterin im Außenministerium sein und als Kontaktperson zwischen dem Außenministerium und einer Kommandoeinrichtung der US-Streitkräfte fungieren. Die 37-Jährige jedenfalls wandte sich ans FBI, das bei seinen Ermittlungen schließlich auf zahlreiche kompromittierende E-Mails zwischen Broadwell und Petraeus stieß.