MoskauRussische Ultranationalisten protestieren gegen Putin

Tausende Menschen haben in Moskau den Rücktritt von Staatschef Putin gefordert. Er schütze ethnische Slawen nicht. Einige Nationalisten prügelten sich mit Antifaschisten. von afp

Russische Ultranationalisten ziehen mit schwarz-gelben Zarenfahnen durch Moskau.

Russische Ultranationalisten ziehen mit schwarz-gelben Zarenfahnen durch Moskau.  |  © Kirill Kudryavtsev/AFP/Getty Images

Erstmals seit Jahren sind beim "Russischen Marsch" Tausende Ultranationalisten durch das Moskauer Stadtzentrum gezogen . Die schwarz gekleideten Teilnehmer des Protests trugen Protestbanner und schwarz-gelbe Flaggen des vorrevolutionären Russlands durch die Straßen der Hauptstadt. "Wir haben Hitler geschlagen, wir werden auch Putin schlagen", war auf einem Banner zu lesen.

Die Demonstranten werfen Staatschef Wladimir Putin vor, Rechte ethnischer Slawen nicht zu schützen. "Er hat Angst vor uns, er fühlt, dass seine Zeit zu Ende geht, weil die Zukunft uns gehört", sagte Alexander Below, einer der Organisatoren der Kundgebung. "Wir werden die Besatzer aus dem Kreml werfen", sagte er.

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Mit Trommeln zogen die Nationalisten am Moskwa-Fluss entlang. Immer wieder brannten Teilnehmer des Marsches Leuchtfeuer ab. Bürgerrechtler und Migrantenverbände kritisierten, die Aktion am Feiertag der Nationalen Einheit verstärke die ethnischen Probleme in dem Vielvölkerstaat. Zudem warnten sie vor einer Hetzjagd auf Gastarbeiter aus dem Kaukasus oder Zentralasien . Nach Ende der Kundgebung prügelten sich Dutzende Ultranationalisten in einer Metrostation mit Antifaschisten.

Festnahmen von Rechtsextremen mit Hakenkreuzen

Die Organisatoren sprachen von rund 20.000 Demonstranten, die gegen Kremlchef Wladimir Putin protestierten. Nach Angaben der Polizei waren es etwa 6.000 Menschen. Darunter waren auch ultraorthodoxe Gläubige, die Ikonen und Kreuze trugen. Etwa 2.000 Sicherheitskräfte waren im Einsatz . Die Polizei nahm rund 25 Rechtsextreme fest, die Hakenkreuze auf ihren Mänteln trugen.

Putin legte gemeinsam mit dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kirill vor der Basiliuskathedrale auf dem Roten Platz Blumen nieder. Der Kreml hatte den Tag der Nationalen Einheit 2005 eingeführt, als Ersatz für den gestrichenen Feiertag zu Ehren der kommunistischen Revolution. In diesem Jahr soll besonders an den Sieg über Polen 1612 und den Triumph über Napoleon 1812 erinnert werden.

Hartes Vorgehen gegen Regierungskritiker

Auch in Dutzenden anderen Städten zwischen der Ostsee-Exklave Kaliningrad (Königsberg) und dem Pazifikhafen Wladiwostok marschierten Hunderte Nationalisten auf. In Jekaterinburg am Ural seien 200 Teilnehmer festgesetzt worden, teilten die Organisatoren mit. Dort hatten die Behörden den Marsch nicht genehmigt.

Putin, der im Mai für eine dritte Amtszeit in den Kreml zurückkehrte , sieht sich immer wieder Massenprotesten von Gegnern ausgesetzt. In den vergangenen Monaten wurde die Gesetzgebung über oppositionelle Aktivitäten und zur Arbeit von Menschenrechtsorganisationen in Russland verschärft . Die Sicherheitsbehörden gehen hart gegen Regierungskritiker vor. Erst am vergangenen Wochenende wurden mehrere Oppositionelle festgenommen.

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Leserkommentare
  1. Hakenkreuze und Zarenfahne?
    Für mich klingt das alles ein wenig wiedersprüchlich, beide Parteien setzten sich gegen Kommunisten ein, da endets aber auch.

    "Wir haben Hitler geschlagen, wir werden auch Putin schlagen"

    Und ich frage nochmal, sie trugen Hakenkreuze?
    Es müsste doch in Russland bekannt sein dass das Hakenkreuz und die symbolischen Ableger das Zeichen der Nazis waren.

    Doch das alles verwundert mich ein wenig, denn bis jetzt hatte Putin die Ultranationalisten geduldet, und andersrum, wie kommt nun der Sinneswandel?

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    • TddK
    • 04. November 2012 18:18 Uhr

    Hartes Vorgehen gegen Regierungskritiker

    Dann gehört auch die NPD zu den Regierungskritiker, wobei die NPD gegenüber den Russischen Ultranationalisten, wie ein Kinderverein aussieht.

    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Artikelthema. Danke, die Redaktion/jz

    • Skjelm
    • 04. November 2012 21:33 Uhr

    ...und sicher ist das den auch bekannt. Doch ich wette mal das sie es nicht nehmen nur weil die Swastika auch von den Nationalsozialisten genommen wurde, sondern weil es universall ist.

    Im Bezug auf die Romanov Flagge schon eher, frage mich auch inwiefern die russischen Ultranationalsiten sich mit den Zarenreich sehen? Denn eher scheinen sie ja wie Nationalsozialisten und die NSDAP im dritten Reich hatten mit der Mornachie genauso wenig am Hut.Es gibt ja noch den Panslawismus, die Flagge ist anders aber von Idee der Homogenität eher identtisch.

    bei dieser Aktion? Auf Zeit online wird er im Zusammenhang mit der Nationalistendemo heute gar nicht erwähnt, Spiegel und noch mehr Focus online gehen etwas weiter bei der Beschreibung seiner Rolle, auch wenn er der Demo heute letztendlich nicht gefolgt ist.

    • xpeten
    • 04. November 2012 18:12 Uhr

    müssen die mindestens "ultra" sein...

    • TddK
    • 04. November 2012 18:18 Uhr

    Hartes Vorgehen gegen Regierungskritiker

    Dann gehört auch die NPD zu den Regierungskritiker, wobei die NPD gegenüber den Russischen Ultranationalisten, wie ein Kinderverein aussieht.

    Antwort auf "Verwunderung"
  2. 4. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Artikelthema. Danke, die Redaktion/jz

    Antwort auf "Verwunderung"
  3. Hartes Vorgehen gegen Regierungskritiker

    Solidarisiert man sich jetzt schon mit Nazis, wenns gegen Putin geht?

  4. ... würde es die Überschrift "Hartes Vorgehen gegen Nazis". Selbst das hört sich noch negativ an für Putin, obwohl sich wohl keiner mit den Rechtsradikalen solidarisiert. Der ganze Artikel schafft es, obwohl man wenig mit den Rechten anfangen kann, trotzdem Putin als den ganz Bösen dastehen zu lassen, das muss man erstmal schaffen.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/jz

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    • Gomulka
    • 04. November 2012 20:35 Uhr

    Die gebotenen "journalistischen Verrenkungen" finde ich klasse ;-)

    • Handryk
    • 04. November 2012 19:15 Uhr

    Was ist eigentlich so schlimm dabei, wenn Ultranationalisten sich mit Faschisten prügeln?

  5. ...heißt es nicht nur, >Massenproteste gegen Putin<, sondern es werden die Gruppen bennannt, die da protestieren. Das ist doch schon mal ein Fortschritt in der Berichterstattung, die sonst nur den bösen Putin in die Ecke stellt.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, nf
  • Schlagworte Wladimir Putin | Feiertag | Flagge | Gastarbeiter | Kreml | Polizei
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