WahlkampfUS-Bürger loben Obamas Kriseneinsatz

Die Amerikaner sind laut einer Umfrage hochzufrieden mit dem Krisenmanagement des Präsidenten während des Wirbelsturms Sandy. Selbst Romney-Anhänger loben Obama. von dpa und reuters

US-Präsident Barack Obama bei Sturmopfern im Bundesstaat New Jersey

US-Präsident Barack Obama bei Sturmopfern im Bundesstaat New Jersey  |  © Kevin R. Wexler/AP/dapd

US-Präsident Barack Obama profitiert kurz vor der Wahl von dem Kriseneinsatz während des Wirbelsturms Sandy. Laut einer Umfrage der Washington Post mit dem TV-Sender ABC News waren acht von zehn Amerikanern hochzufrieden mit seiner Arbeit. Sogar zwei Drittel der potenziellen Wähler seines Herausforderers Mitt Romney lobten den Präsidenten.

"Die Aufmerksamkeit liegt ganz auf dem Präsidenten", sagte William Schneider von der Denkfabrik Third Way. "Es wird jetzt etwas schwerer für Romney zu sagen, dass dies eine verfehlte Präsidentschaft ist, denn der Präsident scheint die Krise gut bewältigt zu haben."

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Obama wollte am Donnerstag seinen Wahlkampf nach drei Tagen Sturmpause im umkämpften Staat Wisconsin fortsetzen. Tags zuvor war er mit dem republikanischen Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, durch die vom Sturm getroffenen Gebiete des Bundesstaates gereist. Auch Christie lobte Obama für seinen Kriseneinsatz und erregte damit Aufsehen, weil er ein Parteifreund und Unterstützer des Herausforderers Romney ist.

Nach dem Sturm leicht im Vorteil

Laut neuen Umfragen in den besonders umkämpften Bundesstaaten liegt Obama nach dem Sturm leicht im Vorteil. Im möglicherweise wahlentscheidenden Ohio hat er laut einer Erhebung des TV-Senders CBS und der New York Times sogar fünf Punkte Vorsprung vor Romney. Auch in den wichtigen Swing States Virginia und Florida liegt Obama vorn. Sein Vorsprung ist im Vergleich zur letzten CBS-Umfrage allerdings deutlich geschrumpft und bewegt sich nur noch im Rahmen der statistischen Fehlermöglichkeit.

Am Donnerstag setzte auch Romney seinen Wahlkampf fort und warb um Zustimmung im umkämpften und ebenfalls vom Sturm heimgesuchten Bundesstaat Virginia. Bereits am Vortag hatte er mit einem Auftritt im Swing State Florida versucht, nach dem Medienereignis Sandy das Interesse der Wähler wieder auf sich zu lenken.

Endspurt vor dem Wahltag am 6. November

Inzwischen liegt der Fokus der Demokraten darauf, ihre Anhänger dazu zu bringen, auch tatsächlich zur Wahl zu gehen. Entsprechend brachen von Obamas Wahlkampfbüro in Chicago viele Mitarbeiter auf, um in den umkämpften Staaten Wähler zu mobilisieren.

Der Wahlkampfmanager Jim Messina sagte, alle Online-Spenden gingen inzwischen direkt an die Basis statt in die Fernsehwerbung. "In den letzten Tagen ist das TV sehr viel weniger wichtig".

Der diesjährige Präsidentschaftswahlkampf ist wie erwartet mit knapp zwei Milliarden Dollar der teuerste der Geschichte. Einer Studie des Wesleyan Media Project zufolge wurden seit August im US-Fernsehen mehr als 915.000 Werbespots nur für die Präsidentenwahl gesendet. Sie richten sich der Werbesoftware-Firma Strata zufolge insbesondere an weiße Frauen im mittleren Alter und darüber.
 

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Leserkommentare
    • sioux
    • 01. November 2012 17:57 Uhr

    Das sind ja pro US-Bürger gerade mal etwas mehr als sechs Dollar. Angesichts des medialen und sonstigen Rummels um diese Wahl halte ich diesen Betrag für erstaunlich übersichtlich.

    • paul12
    • 01. November 2012 18:04 Uhr

    "Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen." (Römer 8, 28)

    Könnte man dazu sagen. Ob es nun zynisch ist oder nicht, weiß ich nicht! Es ist halt glaubenssache.
    Wenn "Sandy" den einen oder anderen unentschlossenen doch noch dazu führt, Obama zu wählen, das würd ich zynisch finden!

    Bleib Mensch

    MFG

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    äußerst verstörend, dass es in den USA außer den wenigen Superreichen auch nur einen Menschen gibt, der Romney wählt. Ihren Gott und seine angebliche Bibel können Sie ruhig in eine Schachtel tun. Es geht nicht darum, was in einem "Römerbrief" steht, sondern was für die amerikanische Gesellschaft gut ist und das sind sicher nicht die Dinge, die Multimillionär Romney für seine Multimillionärskollegen so plant.

  1. hier lesen Sie wie die gewichteten letzten Umfragen den Ausschlag für Obama geben. Jedoch sind seine Vorsprünge in den Swing-States jedoch statistisch im Rahmen normaler Abweichungen (Unsicherheiten).

    http://www.huffingtonpost...

    Unter den ersten zwei Statistiken zeigt der Verfasser auf die Geschichte vor den US-Wahlen seit 1952 und dass die Pollster meist ziemlich korrekt lagen. Aber lesen Sie selbst!

    Forward!

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    • ztc77
    • 02. November 2012 7:26 Uhr

    Seit Wochen ist jedenfalls eine Diskrepanz zwischen der Wahlkampfberichterstattung deutscher Medien und HuffingtonPost zu beobachten, diese sieht seit Wochen ein Defizit von rund 60 bis 80 Wahlmännerstimmen pro Romney. Grund dafür kann sein, dass eine Falschinformation im Stil von "Kopf-an-Kopf-Rennen" in den Lesern dauerhafte Spannung nebst Bindungsbedürfnis erzeugen soll.

    Die politischen Größen unter den Republikanern fangen indessen an, sich über die Erfolgschancen ihres Kandidaten Romney kritische Gedanken zu machen und lassen inzwischen Statements pro Obama verlauten, siehe Christie und Bloomberg... Auch hier könnte der Grund darin bestehen, dass man einen Sieg Obamas in 2012 nicht mehr in Frage stellt und sich darauf konzentriert, einen glaubwürdigeren Kandidaten für die Wahl in 4 Jahren aufzubauen.

    Hat Ihnen diese Information weitergeholfen? Ja/Nein?

    Ansonsten meinen Dank an Ataraxis, gute Recherche!

  2. Romney's kleinliches Verharren im Abseits wird ihm Wähler kosten. Er hätte den Wahlkampf verlassen und eine überparteiliche Haltung zeigen sollen. Angesichts einer Katastrophe hätte er Parteikämpfe auf ein paar Tage beiseite lassen und Hand anlegen sollen. Das war einfach schäbig, so etwas hätte Obama nie getan.

    • Hainuo
    • 01. November 2012 20:09 Uhr

    ...dann würde er jetzt mit dem oft kritisierten Privatvermögen den Opfern zur Hilfe eilen und eine beachtliche Summe spenden. Arm wird er nicht werden, aber wenn er diesen Schritt gehen würde, hätte er viele Wählerstimmen sicher. Aber ist er clever?

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    immerhin 5000 Dollar ausgeben lassen, um seine Sachspendenaktion nicht allzu kläglich dastehen zu lassen.
    Klug ist er bestimmt nicht - noch nicht mal allzu clever. Ich wundere mich wirklich manchmal, auf welcher Basis die Amerikaner ihren Präsidenten wählen.

  3. Theorie: Sandy
    Praxis: Katrina (August 2005)
    z.B. Großraum New Orleans: Drei Jahre später lebten von den ursprünglichen 450.000 Bewohnern noch 120.000 Bewohner über die USA verteilt, und die Mieten stiegen um bis zu 50 Prozent. Fast jeder zweite dieser Evakuierten lebte noch in Notunterkünften oder erhielt noch bis März 2009 Mietgutscheine. Die Stadt hatte sich entschieden, die Besiedlungsdichte in den sozial schwachen Wohngebieten drastisch zu senken, zu diesem Zweck die Wohnanlagen nicht zu sanieren und vor allem in Innenstadtlage abzureißen, um diese für gemischtere Mieterschichten neu zu bebauen. Von den fünf öffentlichen Schulen blieben noch 2008 vier Schulen geschlossen und erst die Hälfte der Krankenhäuser ist wieder in Funktion. (Quelle: Wikipedia)

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    • sioux
    • 01. November 2012 21:13 Uhr

    Es ist verständlich, dass die Verantwortlichen in New Orleans alles Mögliche tun, um eine neue Katastophe diesen Ausmaßes für die Zukunft auszuschließen. Ich verstehe wirklich nicht, was Sie uns sagen wollen? Dass die Mieten steigen, weil neu und sicherer gebaut wurde?
    Selbstverständlich wird es enorme Härten für die jetzt Betroffenen geben, zumal man gerne übermorgen die Verhältnisse vom vergangenen Sonntag wieder hätte. Aber in dieser Hinsicht sind uns die Amerikaner nun wirklich voraus. Da werden die Ärmel aufgekrempelt und es geht kollektiv-sozialistisch an den Wiederaufbau. Und das ganz ohne Lafontaine und Porsche-fahrende Gewerkschafter, um noch mal ein wenig Diskussionsgrundstoff anzuhängen;)

    • sioux
    • 01. November 2012 21:13 Uhr

    Es ist verständlich, dass die Verantwortlichen in New Orleans alles Mögliche tun, um eine neue Katastophe diesen Ausmaßes für die Zukunft auszuschließen. Ich verstehe wirklich nicht, was Sie uns sagen wollen? Dass die Mieten steigen, weil neu und sicherer gebaut wurde?
    Selbstverständlich wird es enorme Härten für die jetzt Betroffenen geben, zumal man gerne übermorgen die Verhältnisse vom vergangenen Sonntag wieder hätte. Aber in dieser Hinsicht sind uns die Amerikaner nun wirklich voraus. Da werden die Ärmel aufgekrempelt und es geht kollektiv-sozialistisch an den Wiederaufbau. Und das ganz ohne Lafontaine und Porsche-fahrende Gewerkschafter, um noch mal ein wenig Diskussionsgrundstoff anzuhängen;)

    Antwort auf "Krisenbewältigung"
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    Preisverteilung auf Vorschuß ist unrealistisch. Wie wir erfahren durften. Dazu war das Beispiel gedacht.
    Ich wünsche allen Betroffenen ganz schnelle und wirksame Hilfe. Allerdings fürchte ich, daß es einem großen Teil - und das werden wieder die Schwachen sein - so ergehen wird, wie den von Katrina betroffenen Schwachen. Und die Medien werden in vorauseilendem Gehorsam (oder ist es "embedded Journalism") irgendwann aufhören, von den Verlierern der Naturkatastrophe zu berichten.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, dpa, zz
  • Schlagworte Barack Obama | Wahlkampf | CBS | Mitt Romney | Präsidentenwahl | Präsidentschaft
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