US-Präsident Barack Obama profitiert kurz vor der Wahl von dem Kriseneinsatz während des Wirbelsturms Sandy. Laut einer Umfrage der Washington Post mit dem TV-Sender ABC News waren acht von zehn Amerikanern hochzufrieden mit seiner Arbeit. Sogar zwei Drittel der potenziellen Wähler seines Herausforderers Mitt Romney lobten den Präsidenten.

"Die Aufmerksamkeit liegt ganz auf dem Präsidenten", sagte William Schneider von der Denkfabrik Third Way. "Es wird jetzt etwas schwerer für Romney zu sagen, dass dies eine verfehlte Präsidentschaft ist, denn der Präsident scheint die Krise gut bewältigt zu haben."

Obama wollte am Donnerstag seinen Wahlkampf nach drei Tagen Sturmpause im umkämpften Staat Wisconsin fortsetzen. Tags zuvor war er mit dem republikanischen Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, durch die vom Sturm getroffenen Gebiete des Bundesstaates gereist. Auch Christie lobte Obama für seinen Kriseneinsatz und erregte damit Aufsehen, weil er ein Parteifreund und Unterstützer des Herausforderers Romney ist.

Nach dem Sturm leicht im Vorteil

Laut neuen Umfragen in den besonders umkämpften Bundesstaaten liegt Obama nach dem Sturm leicht im Vorteil. Im möglicherweise wahlentscheidenden Ohio hat er laut einer Erhebung des TV-Senders CBS und der New York Times sogar fünf Punkte Vorsprung vor Romney. Auch in den wichtigen Swing States Virginia und Florida liegt Obama vorn. Sein Vorsprung ist im Vergleich zur letzten CBS-Umfrage allerdings deutlich geschrumpft und bewegt sich nur noch im Rahmen der statistischen Fehlermöglichkeit.

Am Donnerstag setzte auch Romney seinen Wahlkampf fort und warb um Zustimmung im umkämpften und ebenfalls vom Sturm heimgesuchten Bundesstaat Virginia. Bereits am Vortag hatte er mit einem Auftritt im Swing State Florida versucht, nach dem Medienereignis Sandy das Interesse der Wähler wieder auf sich zu lenken.

Endspurt vor dem Wahltag am 6. November

Inzwischen liegt der Fokus der Demokraten darauf, ihre Anhänger dazu zu bringen, auch tatsächlich zur Wahl zu gehen. Entsprechend brachen von Obamas Wahlkampfbüro in Chicago viele Mitarbeiter auf, um in den umkämpften Staaten Wähler zu mobilisieren.

Der Wahlkampfmanager Jim Messina sagte, alle Online-Spenden gingen inzwischen direkt an die Basis statt in die Fernsehwerbung. "In den letzten Tagen ist das TV sehr viel weniger wichtig".

Der diesjährige Präsidentschaftswahlkampf ist wie erwartet mit knapp zwei Milliarden Dollar der teuerste der Geschichte. Einer Studie des Wesleyan Media Project zufolge wurden seit August im US-Fernsehen mehr als 915.000 Werbespots nur für die Präsidentenwahl gesendet. Sie richten sich der Werbesoftware-Firma Strata zufolge insbesondere an weiße Frauen im mittleren Alter und darüber.