Syrer passieren die Grenze zur Türkei. © Achilleas Zavallis/AFP/GettyImages

Allein in der Nacht zum Freitag sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR 11.000 Syrer in die Nachbarstaaten Türkei , Jordanien und Libanon geflohen. Auf Videobildern der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu war zu sehen, wie die Menschen auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg den Stacheldraht-Grenzzaun überwanden.

9.000 der Flüchtlinge suchten dabei laut UNHCR-Sprecher Adrian Edwards Schutz in der Türkei, insbesondere in den Grenzprovinzen Mardin, Sanliurfa und Hatay. 70 seien verwundet, zwei hätten die Flucht nicht überlebt, sagte Edwards.

Sein für die gesamte Region zuständiger UN-Kollege Panos Moutzis berichtete in Genf , es seien je 1.000 Menschen nach Jordanien und in den Libanon geflohen. 11.000 Flüchtlinge innerhalb von 24 Stunden sei seit Langem die höchste Zahl von Schutzsuchenden, üblicherweise nehme man 2.000 bis 3.000 Flüchtlinge täglich auf .

Insgesamt haben die UN bislang 408.000 Syrer als Flüchtlinge registriert. 120.000 von ihnen haben in der Türkei Zuflucht gesucht.

Die Mehrzahl der Syrer flüchtet nach türkischen Regierungsangaben vor den Kämpfen in der nordöstlichen al-Hasaka-Provinz, die von den Rebellen kontrolliert wird und aus der Stadt Harem, in der Provinz Idlib. Dort finden seit Monaten schwerste Gefechte zwischen den Truppen des Regimes von Präsident Baschar al-Assad und der Freien Syrischen Armee statt. Die auch am Freitag mit unverminderter Härte fortgesetzte Bürgerkrieg hat nach Angaben von Aktivisten bereits über 36.000 Opfer gefordert, Zehntausende sollen verschleppt worden sein.

Anadolu berichtete auch wieder von hochrangigen Überläufern der syrischen Armee. So sollen zwei Generäle und elf Oberste mitsamt ihren Familien dem Regime den Rücken gekehrt haben.

Assad sieht sich weiter im Recht

Der syrische Staatschef Baschar al-Assad hat unterdessen ein weiteres Mal bestritten, dass seine Regierung im Kampf gegen Aufständische Kriegsverbrechen begangen habe. Die syrische Armee bekämpfe "den Terrorismus" und schütze das syrische Volk, sagte Assad in einem Interview im russischen Fernsehsender Russia Today. Dass seine Truppen bereits 20 Monate in den Gefechten durchgehalten hätten, beweise, dass die Bevölkerung die Armee unterstütze. Im Gegenzug beschuldigte er die Rebellen, für Kriegsverbrechen verantwortlich zu sein.

Der ehemalige UN-Sondergesandte Kofi Annan warnte vor einer Ausweitung des Konflikts auf andere Länder der Region. Die Auseinandersetzungen hätten eine religiös beeinflusste Wende genommen, die sie über Syriens Grenzen hinaus wirken lassen könnten, sagte Annan in einem Interview des schwedischen Senders Sveriges Radio. " Libyen ist implodiert. Syrien – so wie wir es sehen – implodiert nicht, sondern wird eher explodieren, und zwar explodieren über seine Grenzen hinaus."