BürgerkriegAssad will "in Syrien leben und sterben"

Einen Gang ins Exil hat Syriens Präsident ausgeschlossen, stattdessen droht er dem Westen erneut vor einer Intervention. Gleichzeitig resigniert das Rote Kreuz in Syrien. von AFP, dpa , Reuters und

Baschar al-Assad lehnt einen Gang ins Exil ab. "Ich bin keine Marionette (...) Ich bin Syrer und ich muss in Syrien leben und sterben", sagte der syrische Staatschef dem arabischsprachigen russischen Fernsehsender Rusija al-Jaum. Damit reagiert Assad auf einen Vorschlag des britischen Premiers David Cameron . Dieser hatte sich am Dienstag dafür ausgesprochen, Assad eine sichere Ausreise aus Syrien zu ermöglichen. Zugleich forderte Cameron, Assad müsse sich vor der internationalen Justiz verantworten.

Assad selbst gab sich nach wie vor siegessicher und warnte den Westen erneut vor einer militärischen Intervention in Syrien. "Ich bin härter als Gaddafi", sagte er unter Anspielung auf den erfolgreichen Sturz des früheren libyschen Diktators durch Rebellen mithilfe des Westens. Eine ausländische Intervention hätte "globale Folgen" und würde die regionale Stabilität erschüttern. "Der Preis einer ausländischen Intervention in Syrien, wenn sie stattfände, wäre höher, als es sich die Welt leisten kann", sagte Assad. Die ganze Welt vom Atlantik bis zum Pazifik wäre betroffen.

Anzeige

Die syrische Opposition hatte mehrfach ausländische Unterstützung für den seit fast 20 Monaten andauernden Aufstand gegen Assads Regierungstruppen gefordert. Bislang sind nach Angaben von Menschenrechtsgruppen dabei bislang mehr als 37.000 Menschen ums Leben gekommen. Einige arabische und westliche Länder sollen die Rebellen allerdings indirekt durch Waffenlieferungen unterstützen.

Um den Kampf gegen Assad zu intensivieren und für die Zeit nach einem Sturz zu planen, treffen sich die syrischen Oppositionsgruppen derzeit in Katar . Sie wollen dort eine Dachorganisation der Assad-Gegner im In- und Ausland bilden. Vor allem dem aus dem Ausland geführten Syrischen Nationalrat wird vorgehalten, nicht effektiv zu arbeiten, keinen Bezug zu Kämpfern und Aktivisten in Syrien zu haben und unter dem Einfluss der Muslimbrüder zu stehen.

Rotes Kreuz resigniert

Die Kämpfe in Syrien dauern nach wie vor an, es gibt immer wieder Meldungen über Gefechte und Luftangriffe der syrischen Armee – vor allem in der Region Damaskus . Mehrere Raketen seien am Vormittag in den Vierteln Nahar Aischa und Midan eingeschlagen, dabei sei eine Frau getötet worden, meldeten Aktivisten der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London . Kämpfe gab es auch in Aleppo , wie Bewohner berichteten. In der Provinz Homs wurden nach Angaben von Aktivisten zwei Zivilisten durch Beschuss getötet.

Das Internationale Rote Kreuz sieht sich der Lage in Syrien nicht mehr gewachsen: Obwohl die Hilfsorganisation ihre Tätigkeit ausgeweitet habe, könne sie nichts gegen die Verschlechterung der Situation tun, sagte der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, Peter Maurer. Die Hilfe für notleidende Menschen sei in vielen Landesteilen nahezu unmöglich. Insgesamt habe sich die Situation der Bevölkerung "dramatisch" verschlechtert. Viele Menschen seien von medizinischer Hilfe und Lebensmittellieferungen völlig abgeschnitten.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. würden sich erst garnicht entwickeln wenn nicht von aussen Unterstützung für leider beide Seiten gegeben würde.

    Und wem in der zivilisierten Welt will man da mangelnde Hilfe unterstellen wenn die bereits zu sehenden Ergebnisse der Staaten im nahen Osten nach Beendigung mehr die Steinzeit reflektieren und Menschenrechte noch stärker ausblenden als vorher?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    in Ruanda '94?

    • Gomulka
    • 08. November 2012 18:34 Uhr

    Ich hoffe, daß Präsident Assad, die Armee, und der große Teil der syrischen Bevölkerung der "Invasion" von seiten der NATO/USA und den "demokratischen Golfmonarchien" widerstehen.

    Da man sich mit dem Sturz des "Regimes" ordentlich verkalkuliert hat, wird jetzt trotzig der Krieg immer weiter angefacht - ohne Rücksicht auf Verluste UND es scheint dem "Westen" auch mittlerweile völlig egal zu sein, wen man "ausrüstet".

    Ein Armutszeugnis für den sogenannten "demokratischen Westen"!

  2. » droht er dem Westen erneut vor einer Intervention «

    Sprache kann ja so verräterisch sein.
    Der Westen droht, nicht Assad.
    Er warnt, dass er sich wehren wird.
    Außerdem geht es nicht um ihn, sondern um die Zukunft der Aleviten.
    Wer immer noch an einen Kampf von Demokratie gegen Diktatur glaubt, dem ist nicht zu helfen.
    In Syrien findet ein ethnischer Bürgerkrieg statt, bei dem es keine Guten und Bösen gibt.
    Die USA nutzen das, um den Iran so weiter zu isolieren und dann dort die nächste Revolution zu inserieren.
    Früher haben sie so etwas mit Militärputschen gemacht, heute mit 'Rebellen'.
    Ich bin kein Freund Assads, aber ich mag auch keine billige Kriegspropaganda.
    Die Situation in Syrien ist furchtbar, aber das große Sterben wird erst nach der Niederlage Assads beginnen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • NDM
    • 08. November 2012 23:29 Uhr

    "Der Westen droht, nicht Assad."

    Richtig. Assad macht Nägel mit Köpfen, und liquidiert einfach alle, die nicht in sein Weltbild passen. Vielleicht sollte "der Westen" nun gleichziehen... Dann wäre es aber nicht mehr der Westen, sondern nur noch ein Club von Revolverhelden a la Assad.

  3. »Bislang sind nach Angaben von Menschenrechtsgruppen dabei bislang mehr als 37.000 Menschen ums Leben gekommen.«

    Welche Menschenrechtsgruppen?
    Wieder die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die , ein in London ansässiger Snack-Shop-Betreiber namens R. Abdu r-Rahman, der nach eigenen Angaben weder über eine journalistische oder juristische Ausbildung noch über einen höheren Schulabschluss verfügt, mit einer weiteren Person betreibt?
    Das es auch andere Schätzungen gibt, wird mittlerweile überhaupt nicht mehr erwähnt.

    SZ 27.09.2012 :
    Insgesamt sollen demnach in dem Konflikt mehr als 30.000 Menschen ums Leben gekommen sein, darunter mehr als 21.000 Zivilisten. Andere Schätzungen, wie die der UN, liegen deutlich niedriger. Eine unabhängige Bestätigung gibt es nicht.
    (Interessant, das auch hier die Zahlen der UN nicht genannt werden!)

    Seriöse Berichtserstattung heißt nicht, irgendwelche Quellen ohne nähere Angaben zu zitieren und dann mit dem Prädikat 'unbestätigt' zu versehen.
    Warum nicht gleich »ich habe gehört, dass ...« schreiben?
    Bei der UN heißt es: „at least 20,000 people killed“ (6 November 2012)
    Das sind immerhin 46% weniger (zu wenig?)

    Können, wollen oder dürfen die Medien nicht anders berichten?

  4. dann sollte ihm mal sein Verbündete Russland sagen wie der Hase läuft! Putin hat aber zu so einer Aktion nicht den mum, sein land hat er zwar weitergebracht außenpolitisch versagt aber Russland im Syrienkonflikt.

  5. "Assad verspricht russischem TV-Sender in Syrien zu sterben"
    http://german.ruvr.ru/201...

    Dieses Heldenhafte getuhe ist man nach 30000Toten auch einmal leid er soll mal in die Flüchtlingslager schaun oder in die Lazarette die er täglich füllt und sich seinen Standpunkt dann nocheinmal durch den Kopf gehen lassen.
    Assad ist das Problem im Bürgerkrieg und Russland fördert diesen Bürgerkrieg indem es den Syrischen Diktator an der Macht hällt. Assad ist wohl eher eine Russische Marionette also steht Russland in der Verantwortung diesen ungerechten Bürgerkrieg diplomatisch zu beenden.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • newceri
    • 09. November 2012 10:01 Uhr

    Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche und differenzierte Kommentare. Danke, die Redaktion/ls

    • otyak
    • 08. November 2012 20:59 Uhr

    Zitat: "Der syrische Machthaber meldete sich in einem Interview mit dem englischsprachigen Fernsehsender Russia Today zu Wort: "Ich bin Syrer" und "keine Marionette" des Westens. "Ich muss in Syrien leben und sterben", betonte er." http://www.spiegel.de/pol...

    Bei Spiegel ist der Fernsehsender englischsprachig und selbt im Video wird als Quelle Russia Today angegeben. Wie die Zeit auf arabischsprachige Fernsehsender Rusija al-Jaum kommt, ist mir irgendwie schleierhaft. Außerdem sprach Al Assad auf Englisch, daher kann man deshalb nicht von einem arabischsprachigen Sender sprechen. Der RT ist also nicht arabischsprachig.

    Warum die Zeit auch die Aussage des Präsidenten Al Assad so verkürzt, dass diese keinen Sinn mehr ergibt, ist umso erstaunlicher. Der Präsident sagt, er sei keine Marionette des Westens. Was ist denn an dieser Aussage so schlimm, dass die Zeit diese Aussage unbedingt kürzen musste.

    Können wir nicht einfach berichten, ohne die Tatsachen zu verfälschen?

    Wollen wir blind einer Meinung folgen und den Aussagen von einigen "Oppositionellen" Glauben schenken?

    Der Artikel erweckt den Eindruck, als ob die sog. "Rebellen" bis jetz nicht mit Waffen versorgt wurden und man im Westen hinsichtlich der Waffenlieferung noch am Überlegen sei.

    Wie die „Rebellen“ mit Waffen, Geld und Personal versorgt werden, kann man ganz gut an der türkisch-syrischen Grenze verfolgen.

    • otyak
    • 08. November 2012 20:59 Uhr

    Durch Verschweigen von bestimmten Tatsachen werden diese nicht verschwinden. Irgendwann werden wir in einer Dokumentation sehen, was man so alles in Syrien gemacht hat.
    Vor dem Irakkrieg sprachen die Medien von Massenvernichtungswaffen, heute sprechen sie von einem Volksaufstand usw.

    Tagtäglich muss ich feststellen, dass man von der Geschichte nicht lernt und noch schlimmer; man macht Fehler, um sie erneut zu begehen. Und demokratisch sind wir auf jeden Fall.
    Gute Nacht

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, Reuters, dpa, tis
  • Schlagworte Bürgerkrieg | Syrien | David Cameron | Rotes Kreuz | Exil | Hilfsorganisation
Service