BürgerkriegUN beklagen Granatenfeuer auf syrische Flüchtlinge

Die UN-Nothilfekoordinatorin bezeugt Angriffe der Assad-Armee auf Flüchtlinge. Eine wachsende Mehrheit der Staaten verurteilt die Menschenrechtsverletzungen des Regimes. von reuters

Syrische Flüchtlinge überwinden die Grenze zur Türkei in Richtung der Stadt Sanliurfa.

Syrische Flüchtlinge überwinden die Grenze zur Türkei in Richtung der Stadt Sanliurfa.  |  © Bulent Kilic/AFP/Getty Images

Die UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos hat der syrischen Armee vorgeworfen, Flüchtlinge mit Granatenfeuer am Verlassen des Landes zu hindern. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters sagte Amos im jordanischen Flüchtlingslager Saatari, sie habe in der Nacht die nahe gelegene Grenze zu Syrien besichtigt. Gesehen habe sie dabei "eindeutig Granatbeschuss auf der syrischen Seite der Grenze als Versuch, die Menschen an der Überquerung zu hindern".

Amos forderte eine Vereinbarung unter allen Konfliktparteien des syrischen Bürgerkriegs, keine Flüchtlinge anzugreifen. Die Lage werde jeden Tag schlimmer. Im Lager Saatari leben 30.000 Menschen, die Hälfte von ihnen Kinder. Ein Teil der Zelte wird inzwischen durch 2.000 stabilere Bauten ersetzt.

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Einige der Flüchtlinge berichteten Amos von einem Mangel an Decken vor dem Wintereinbruch und dass sie zu wenig zu Essen bekämen. Man könne den Menschen die Wut und Angst ansehen, viele seien traumatisiert. Die UN-Koordinatorin forderte die Staatengemeinschaft auf, so schnell wie möglich eine Lösung des Konflikts zu finden.

Etwa eine halbe Million Syrer sind vor dem Bürgerkrieg in ihrem Land in die Nachbarstaaten Türkei , Libanon , Jordanien und Irak geflüchtet.

UN rügt Menschenrechtsverletzungen

Unterdessen verurteilte ein UN-Ausschuss die Menschenrechtsverletzungen in Syrien sowie Iran und Nordkorea . Der Ausschuss mahnte mit breiter Mehrheit die "schweren und systematischen" Verletzungen der Menschenrechte durch die syrischen Sicherheitskräfte und die regierungstreuen Schabiha-Milizen an. Die Resolution wurde am Dienstag mit 132 Ja-Stimmen, zwölf Nein-Stimmen und 35 Enthaltungen verabschiedet. Sie ist allerdings nicht bindend. Eine ähnliche Resolution vergangenen Jahres war von 122 Staaten unterstützt worden.

Der von 20 europäischen und arabischen Staaten und den USA eingebrachte Text fordert die syrische Regierung auf, alle Verletzungen der Menschenrechte und sämtliche Angriffe auf Zivilisten zu beenden. Er ruft alle Konfliktparteien auf, jede Form der Gewalt aufzugeben. Zudem fordert die Resolution Damaskus auf, einer UN-Untersuchungskommission freien Zugang zu gewähren. Im Dezember soll die Resolution der UN-Vollversammlung zur Abstimmung vorgelegt werden, wo ebenfalls mit einer breiten Mehrheit gerechnet wird.

Syrischer Diplomat überreicht Botschaft an Venezuela

In der venezolanischen Hauptstadt Caracas hatte gestern (Ortszeit) ein ranghoher syrischer Diplomat eine persönliche Botschaft von Präsident Baschar al-Assad an dessen venezolanischen Kollegen Hugo Chávez überbracht. Über den Inhalt machte der syrische Vize-Außenminister Faisal al-Mokdad keine Angaben. Er erklärte lediglich, es gehe um das Verhältnis der beiden Staatschefs untereinander. Chávez hat Assad stets gegen die internationale Kritik verteidigt und den USA und deren Verbündeten vorgeworfen, Unruhen in Syrien zu schüren, um die Regierung des Landes zu stürzen.
 

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Leserkommentare
    • SonDing
    • 28. November 2012 7:22 Uhr

    pflegen in der Regel auch zu flüchten, wenn Sie ihren Terror unter der Zivilbevölkerung verbreitet haben. Und oft ist es ein Nachbarland, dass diese dann auch noch trainiert und mit Waffen aufrüstet. Gerne berichten dann auch diese Personen von Menschenrechtsverletzungen der Gegenseite. Und völlig unverständlich, dass diese Berichte von sogenannten Menschenrechtlern meist auch noch ungeprüft und undifferenziert übernommen und verbreitet werden.

    Ich habe mir gestern die Zeit genommen und bin auf
    http://www.hrw.org/ den Berichten und Videos, bezüglich des angeblichen Streubombeneinsatzes der syrischen Streitkräfte nachgegangen. Was man da an "Beweisen" vorlegt, ist so was von vage und manipulierbar (wir hatte das ja schon öfter, insbesondere vor bevorstehenden UN-Sitzungen) , dass man sich fragen muss, welche Aufgabe diese Organisationen eigentlich erfüllen.

    Kein Wunder, dass sich da Syrien mit Assad austauscht, da Venezuela, ähnliche Destabilisierungsversuche erfolgreich überstanden hat.

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    • SonDing
    • 28. November 2012 8:11 Uhr

    oder Assad im Austausch mit Cahvez, so sollte es natürlich richtig heissen.

    Dazu noch eine ziemlich aufschlussreiche Dokumentation der Ereignisse von 2002, als man versucht hat die demokratisch gewählte Regierung in Venezuela zu stürzen:

    Hugo Chávez - Ein Staatsstreich von innen (Doku Venezuela)
    https://www.youtube.com/w...

    Entfernt. Bitte beachten Sie das konkrete Artikelthema und belegen Ihre Aussagen mit seriösen Quellen. Danke, die Redaktion/ls

  1. Die Frage ist doch, welches Interesse ein Staat (meinetwegen auch "Regime") daran haben sollte, wehrlose flüchtende Menschen anzugreifen? Keine Regierung, auch keine Diktatur handelt irrational. Und dass Assad die Inkarnation des Bösen ist, ist bestenfalls eine Erklärung für Kinder.

    Nachvollziehbarer wäre folgender Ablauf: Das syrische Militär hat Rebellen beschossen, die sich auf dem Rückzug befunden, vielleicht gerade mal wieder einen ihrer gut gemeinten Terroranschläge im Namen der Demokratie und Menschenrechte verübt und sich – zufällig oder absichtlich – unter Flüchtlinge gemischt haben, damit sie sich hinterher medienwirksam über das teuflische Regime beschweren können, das einfach so Unschuldige angreift.

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    "Die Frage ist doch, welches Interesse ein Staat (meinetwegen auch "Regime") daran haben sollte, wehrlose flüchtende Menschen anzugreifen? Keine Regierung, auch keine Diktatur handelt irrational."

    Welche Funktion hatte denn die Mauer und der Todesstreifen? oder ist das schon wieder zu lange her?

    Wenn Valerie Amos nun beschreibt sie hätte gesehen wie grenznahe Orte beschossen werden und sie daraus schlussfolgert, dass dies dazu dienen würde Menschen am Flüchten zu hindern, dann ist das glaubhaft.

    Der Süden Syriens ist kein "klassisches" Rückzugsgebiet für Kämpfer, da es zum einen schwach besiedelt und kaum Vegetation zum Schutz bietet und zum anderen das Hauptsiedlungsgebiet der Drusen ist die dies nicht stützen.

    Das Jordanische Königshaus zählt nicht zu den ausgesprochenen unterstürzen des syrischen Umsturzes und so kann die "flüchtende Kämpfer" Theorie ausgeschlossen werden.

    Es wäre nicht das erste mal, dass das Syrische Militär versucht Menschen an der Flucht zu hindern.

    nicht so ganz richtig mitgekriegt.

    Mauer und Todesstreifen wurden eingerichtet, weil der DDR die Menschen wegliefen.
    Weil im Westen ein besseres Leben winkte.

    Man sollte sich kundig machen, sonst blamiert man sich leicht mit solchen Vergleichen.

  2. der ZEIT, dass über das Kommentar-Echo, welches doch sehr zuverlässig ausgelöst wird, einem viele Grundsatz-kritische Zeitgenossen (no pun intended !) wirklich menschlich sehr viel näher gebracht werden.

    Die Dissidenten-Hatz des historischen westdeutschen 'Friedenslagers' aus der Zeit des Kalten Krieges hat sich zu beachtlichen Urständen wieder aufgeschwungen. Ob die Zeit (no pun intended) schon reif ist, sich diesem Phänomen einmal in einer kritischen Betrachtung vorsichtig zu nähern ?

    6 Leserempfehlungen
    • road90
    • 28. November 2012 8:02 Uhr

    ... die "guten" Menschen beschießen und die UN dagegen protestiert. Aber:

    "Gesehen habe sie (UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos) dabei "eindeutig Granatbeschuss auf der syrischen Seite der Grenze als Versuch, die Menschen an der Überquerung zu hindern"."

    Hat sie vielleicht auch ein Photo geschossen? Auf dem Bild sieht man 3 junge, kräftige Männer, die mit akrobatischen Fähigkeiten eine irrsinnige Grenzanlage(!) überwinden. Die Spuren des "eindeutigen Granatenbeschusses" sieht man allerdings nicht.

    4 Leserempfehlungen
    • SonDing
    • 28. November 2012 8:11 Uhr

    oder Assad im Austausch mit Cahvez, so sollte es natürlich richtig heissen.

    Dazu noch eine ziemlich aufschlussreiche Dokumentation der Ereignisse von 2002, als man versucht hat die demokratisch gewählte Regierung in Venezuela zu stürzen:

    Hugo Chávez - Ein Staatsstreich von innen (Doku Venezuela)
    https://www.youtube.com/w...

    Eine Leserempfehlung
  3. was hier für himmelschreiender Undinn verbreitet wird. Kein Regime hat interesse daran auf Flüchtlinge zu schießen? Versuchen sie ss mal mit JEDE Diktatur schießt auf Flüchtlinge. Sogar in der ach so harmlosen DDR wurde eine dreistellige Zahl an Menschen beim Fluchtversuch getötet.

    Dann wird sich beschwert, dass die dokumentation ueber streubombeneinsatz (der von neutralen organisationen bestaetigt wurde) natuerlich viel zu lückenhaft dokumentiert ist. Gäbe es eine lückenlose Doku würden die entsprechenden Personen natürlich dazu übergehen alles als gefaelscht da zu perfekt zu bezeichnen.

    All die tolle Skepsis verschwindet dagegen sofort, wenn es eine hamasseite zu verlinken gilt auf der behuptet wird Istael würde Schulen gezielt mit Bomben bewerfen aus denen Juden springen um die Kinder zu fressen...

    2 Leserempfehlungen
  4. "Die Frage ist doch, welches Interesse ein Staat (meinetwegen auch "Regime") daran haben sollte, wehrlose flüchtende Menschen anzugreifen? Keine Regierung, auch keine Diktatur handelt irrational."

    Welche Funktion hatte denn die Mauer und der Todesstreifen? oder ist das schon wieder zu lange her?

    Wenn Valerie Amos nun beschreibt sie hätte gesehen wie grenznahe Orte beschossen werden und sie daraus schlussfolgert, dass dies dazu dienen würde Menschen am Flüchten zu hindern, dann ist das glaubhaft.

    Der Süden Syriens ist kein "klassisches" Rückzugsgebiet für Kämpfer, da es zum einen schwach besiedelt und kaum Vegetation zum Schutz bietet und zum anderen das Hauptsiedlungsgebiet der Drusen ist die dies nicht stützen.

    Das Jordanische Königshaus zählt nicht zu den ausgesprochenen unterstürzen des syrischen Umsturzes und so kann die "flüchtende Kämpfer" Theorie ausgeschlossen werden.

    Es wäre nicht das erste mal, dass das Syrische Militär versucht Menschen an der Flucht zu hindern.

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  5. andere Medien, sogar die ach so konservative Welt sind mittlerweile von der einseitigen Berichterstattung abgerückt.

    Warum berichten Sie nicht mal von beiden Seiten, sind die Rebellen alle friedliche Demonstranten? Insbesondere bei euren Headlines frage ich mich, wessen Botschaft ihr predigt.

    Schade!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, sc
  • Schlagworte Bürgerkrieg | UN | Botschaft | Diplomat | Flüchtling | Flüchtlingslager
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