Die UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos hat der syrischen Armee vorgeworfen, Flüchtlinge mit Granatenfeuer am Verlassen des Landes zu hindern. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters sagte Amos im jordanischen Flüchtlingslager Saatari, sie habe in der Nacht die nahe gelegene Grenze zu Syrien besichtigt. Gesehen habe sie dabei "eindeutig Granatbeschuss auf der syrischen Seite der Grenze als Versuch, die Menschen an der Überquerung zu hindern".

Amos forderte eine Vereinbarung unter allen Konfliktparteien des syrischen Bürgerkriegs, keine Flüchtlinge anzugreifen. Die Lage werde jeden Tag schlimmer. Im Lager Saatari leben 30.000 Menschen, die Hälfte von ihnen Kinder. Ein Teil der Zelte wird inzwischen durch 2.000 stabilere Bauten ersetzt.

Einige der Flüchtlinge berichteten Amos von einem Mangel an Decken vor dem Wintereinbruch und dass sie zu wenig zu Essen bekämen. Man könne den Menschen die Wut und Angst ansehen, viele seien traumatisiert. Die UN-Koordinatorin forderte die Staatengemeinschaft auf, so schnell wie möglich eine Lösung des Konflikts zu finden.

Etwa eine halbe Million Syrer sind vor dem Bürgerkrieg in ihrem Land in die Nachbarstaaten Türkei , Libanon , Jordanien und Irak geflüchtet.

UN rügt Menschenrechtsverletzungen

Unterdessen verurteilte ein UN-Ausschuss die Menschenrechtsverletzungen in Syrien sowie Iran und Nordkorea . Der Ausschuss mahnte mit breiter Mehrheit die "schweren und systematischen" Verletzungen der Menschenrechte durch die syrischen Sicherheitskräfte und die regierungstreuen Schabiha-Milizen an. Die Resolution wurde am Dienstag mit 132 Ja-Stimmen, zwölf Nein-Stimmen und 35 Enthaltungen verabschiedet. Sie ist allerdings nicht bindend. Eine ähnliche Resolution vergangenen Jahres war von 122 Staaten unterstützt worden.

Der von 20 europäischen und arabischen Staaten und den USA eingebrachte Text fordert die syrische Regierung auf, alle Verletzungen der Menschenrechte und sämtliche Angriffe auf Zivilisten zu beenden. Er ruft alle Konfliktparteien auf, jede Form der Gewalt aufzugeben. Zudem fordert die Resolution Damaskus auf, einer UN-Untersuchungskommission freien Zugang zu gewähren. Im Dezember soll die Resolution der UN-Vollversammlung zur Abstimmung vorgelegt werden, wo ebenfalls mit einer breiten Mehrheit gerechnet wird.

Syrischer Diplomat überreicht Botschaft an Venezuela

In der venezolanischen Hauptstadt Caracas hatte gestern (Ortszeit) ein ranghoher syrischer Diplomat eine persönliche Botschaft von Präsident Baschar al-Assad an dessen venezolanischen Kollegen Hugo Chávez überbracht. Über den Inhalt machte der syrische Vize-Außenminister Faisal al-Mokdad keine Angaben. Er erklärte lediglich, es gehe um das Verhältnis der beiden Staatschefs untereinander. Chávez hat Assad stets gegen die internationale Kritik verteidigt und den USA und deren Verbündeten vorgeworfen, Unruhen in Syrien zu schüren, um die Regierung des Landes zu stürzen.