Bürgerkrieg : Syrische Luftwaffe bombardiert Ziele an türkischer Grenze

Verteidigungsminister Yilmaz droht dem Assad-Regime: Sollten syrische Flugzeuge oder Hubschrauber den Luftraum verletzten, werde die Türkei die nötige Antwort geben.

Die syrische Luftwaffe hat den dritten Tag in Folge Ziele an der Grenze zur Türkei angegriffen. Die türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, es seien Hubschrauber und mindestens ein Kampfjet über dem syrischen Grenzort Ras al-Ain im Einsatz. Es habe mehrere schwere Explosionen gegeben.

Der türkische Verteidigungsminister İ smet Yilmaz warnte das Regime in Syrien vor einer Verletzung des Luftraums. "Auf syrische Flugzeuge oder Hubschrauber, die unseren Luftraum verletzen, werden wir die nötige Antwort geben". Regierungschef Recep Tayyip Erdoğan habe dafür Einsatzregeln erlassen, sagte Yilmaz.

Syrische Rebellen hatten Ras al-Ain in den vergangenen Tagen weitgehend unter ihre Kontrolle gebracht. Bei Luftangriffen auf den unmittelbar an der Grenze gelegenen Ort seien in den vergangenen beiden Tagen 31 Menschen getötet worden, meldete Anadolu. In der türkischen Grenzstadt Ceylanpinar wurden drei Menschen verletzt, darunter ein Soldat.

Rebellen erreichen Grenze zu Israel

Die syrischen Rebellen stoßen auch an die Grenze zu Israel weiter vor. Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak sagte bei einem Besuch der Golan-Höhen: "Fast alle Ortschaften, vom Fuße des Höhenzuges bis hin zur Spitze, sind schon in der Hand der syrischen Rebellen." Die Schlagkraft der syrischen Regierungstruppen lasse immer weiter nach, sagte Barak. Zuvor hatten syrische Aktivisten die Einnahme zweier Dörfer in der demilitarisierten Zone vermeldet.

In Syrien selbst geht die Armee nach wie vor mit aller Härte gegen die Rebellen vor. Kampfflugzeuge bombardierten in der Hauptstadt Damaskus zwei Stadtviertel, die von der Opposition kontrolliert werden. Eine Oppositionelle berichtete am Telefon, die Viertel Kabun und Dschobar seien bombardiert worden. Die Kampfflugzeuge hätten Raketen aus großer Höhe abgefeuert.

Syrische Regierung spricht von "Kriegserklärung"

Gleichzeitig hat die Führung in Damaskus den Zusammenschluss der syrischen Opposition als "Kriegserklärung" bezeichnet. Der stellvertretende syrische Außenminister Faisal Mekdad sagte der Nachrichtenagentur AF, die Opposition lehne jeden Dialog mit der Regierung unter Staatschef Baschar al-Assad ab. Damit handele es sich bei der am Wochenende verabschiedeten Erklärung um eine "Kriegserklärung".

Die zersplitterte syrische Opposition hatte sich am Wochenende in Doha , der Hauptstadt des Golfemirats Katar , zu einer nationalen Koalition gegen Assad zusammengeschlossen. Als erster westlicher Staat hatte Frankreich das neue syrische Oppositionsbündnis offiziell als Ansprechpartner akzeptiert . Die USA erkannten den Zusammenschluss als "legitime Vertretung" des syrischen Volkes an. Zuvor hatten die Arabische Liga und der Golfkooperationsrat das Bündnis als neue Vertretung Syriens akzeptiert.

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle hatte am Dienstag bei einem Besuch in Kairo erklärt: "Wir erwarten, dass die syrische Opposition sich nicht nur auf eine gemeinsame Plattform auf dem Papier verständigt." Er lud den neuen Chef der Koalition, Moas al-Chatib, zu einem Besuch in Berlin ein und sagte Unterstützung beim Bemühen zu, eine Plattform der Opposition und eine glaubwürdige Alternative zur Führung um Assad aufzubauen.
 

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Kommentare

23 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Sie sind dran, Herr Westerwelle! Teil 1

Ladurner schreibt am 13. November 2012 in der Zeit unter dem Titel "Wir sind dran"
"Haben Sie das Gefühl, dass die Regierungen dieser Welt alles im Griff haben, vom Euro ...bis zum Krieg im Nahen Osten?"

"Ja, aber wie sollen der sprichwörtlich kleine Mann und die kleine Frau, sagen wir, den Krieg in Syrien beenden?

Unmöglich, in der Tat.

Wenn alle Deutschen bereit wären, Not leidende Flüchtlinge aufzunehmen, wenn sie dies auch bekunden würden, würde kein Innenminister mit einer hartherzigen Flüchtlingspolitik in den Wahlkampf ziehen, weil er sich davon nichts erwarten könnte."

Ladurner hat in der Sache Recht, aber es ist der falsche Ansatz.

Richtiger wäre zu schreiben:

Wenn alle Deutschen bereit wären, die Ursachen der Not leidenden Flüchtlinge zu bekämpfen, wenn sie dieses auch bekunden würden, würde kein AUSSENMINISTER mit einer hartherzigen INTERVENTIONSPOLITIK in den Wahlkampf ziehen, weil er sich davon nichts erwarten könnte."

Es wird Zeit, dass auch die Zeit sich stark macht, durch deutliche Beiträge jeden Ansatz einer weiteren Aggression deutlich zu machen.

Die Strategie "Assad muss weg", "the day after" wird dann alle Probleme lösen, ist zu simpel, um nicht die Begriffe "unrealistisch", "zu kurz gedacht", zu benutzen.

Der einzig gangbare Weg ist das, was bereits vereinbart wurde, einzuhalten, nämlich die UNSC- Resolution/ Friedensplan von Kofi Annan und die Genfer Erklärung. Brahimi baut darauf, keiner erwähnt ihn.

Sie sind dran, Herr Westerwelle. Teil 2

Musharbash | Böhm schreiben in der Zeit vom 10.11.:
"Syrien – das ist zuallererst der Aufstand gegen ein äußerst brutales diktatorisches Regime. Aber es ist inzwischen auch ein Lieblingskonflikt für Dschihadisten: Baschar al-Assad, von Islamisten als gottlos verabscheut, ist an sich schon ein logisches Ziel"

"Unter den »Märtyrern« finden sich nicht nur Syrer, sondern auch Libyer, Ägypter, Jordanier, Iraker, sogar Norweger: Niemand weiß genau, wie viele sogenannte foreign fighters in Syrien eingesickert sind, aber Experten gehen von mindestens 1000 aus. Dieser Treck nach Syrien verdeutlicht, dass sich bei Al-Kaida und Co. derzeit die Prioritäten verschieben: Der Krieg gegen den »fernen Feind«, also den Westen, der lange im Vordergrund ihres Trachtens stand, verliert an Attraktivität – denn der Kampf gegen den »nahen Feind«, die vermeintlich gottlosen Regime ihrer Heimatregion, ist erstmals seit Jahren wieder eine reale Option."

Was sagte unser Außenminister in Kairo?

"Ich wünsche mir, dass mit der Nationalen Koalition...eine glaubwürdige politische Alternative zum Regime von Baschar al-Assad entsteht."

Klartext: eine "glaubwürdige Alternative", Al Kaida eingeschlossen.

Wohin führt diese Strategie, sofern sie eine ist? Zu mehr Waffen, mehr Kämpfen, mehr Opfern.

Es wird Zeit, dass die Zeit auch über Friedensbemühungen berichtet.

Ist schon aufgefallen, dass täglich Bombenattentate erfolgen, darüber aber selten berichtet wird? Steht Al Kaida unter Presse-Schutz?

Der Dialog ist entscheidend

Zu Ihrer Frage. Al Kaida ist bei der friedlichen Lösung "unwichtig". Entscheidend ist die Bereitschaft zum Dialog auf beiden Seiten. Das Al Kaida- Problem löst sich dann von selbst.

Im Augenblick sind deren "Kämpfer" willkommen, aber keine der anderen Beteiligten wird ihnen viel Spielraum lassen.

Nebenbei angemerkt: die UN diekutiert die Möglichkeit einer Friedenstruppe , die derartige Gruppen unter Kontrolle bringen könnten.

Zur weiteren Information: Brahimi hatte bereits im Rahmen des Irak- Krieges eine Grundsatzstudie gemacht, in der er zu dem Ergebnis kam, dass Friedensmissionen ohne Stützung durch derartige Friedenstruppen wenig Aussicht auf Erfolg haben.

Dialog

Laut russischen Medien ist der geistliche Oppositionsvertreter ein Anhänger einer friedlichen politischen Lösung, andererseits lehnt die Opposition in ihren Abschlussdokument Dialog mit der Regierung ab.
Ich verstehe persönlich nicht wie das zusammenpast doch wenn nicht gerade die finanzierenden Staaten Druck auf die Opposition machen damit sie eine friedliche Konfliktlösung anstreben als Ausweg etwa mit einfrieren weiterer Bewaffnung, Geldern etc., dann braucht man sich nicht zu wundern wenn der Konflikt weiter eskaliert.
Ich denke es gibt dort keine gute und schlechte Seite mehr, da seid der Gewaltanwendung der Opposition selbst wenn diese so tut als das sie keine andere Wahl gehabt hätte eskalierte der Konflikt. Das Medien zum Teil die Bewaffneten zu beginn nicht erwähnten war zudem keine objektive Berichterstattung mehr.

Es ist zu spät

Der Westen hat bei der Unterstützung der syrischen Opposition Saudi-Arabien das Feld überlassen, dem Mutterland von Al-Queida. Die haben jetzt den Fuß in der Tür, den wer mit dem Rücken zur Wand steht, ist nicht wählerisch in Bezug auf Verbündete. Währenddessen schmeißt die Bundesregierung Parties für syrische Exilanten, als ob irgendjemand in Syrien nach Assad Gehör finden würde, der es nicht nötig hatte, eine Waffe in die Hand zu nehmen.

Ach ja?

"... Es ist zu spät
Der Westen hat bei der Unterstützung der syrischen Opposition Saudi-Arabien das Feld überlassen, dem Mutterland von Al-Queida. ..."

Was ist denn die Türkei? Disneyland-Orient oder was? Guten Morgen. Dass die Türken derart engagiert auf Seiten der Opposition stehen, hat unter anderem auch genau diesen Grund: das Feld vor der eigenen Haustür eben nicht irgendwelchen hanbalitischen Salafisten zu überlassen.

Die Türkei ist Orient, aber darum geht es nicht

Der Islamismus in der Türkei ist sicher nicht mit Saudi-Arabien zu vergleichen, aber eine Disney-Version ist er deshalb noch lange nicht. Das Engagement der Türkei ist lobenswert, aber militärisch eingreifen wird sie auch nicht, und ohne militärische Hilfe wird das ein langer blutiger Bürgerkrieg, weil die Rebellen zu stark zum Aufgeben und zu schwach zum Gewinnen sind.