BürgerkriegUN verdächtigen syrische Opposition der Kriegsverbrechen

Im Internet kursiert ein Video, das die Erschießung syrischer Soldaten zeigen soll. Die UN bestätigen: Sehr wahrscheinlich ist darauf ein Kriegsverbrechen zu sehen. von afp

Eine vom Bürgerkrieg in Syrien zerstörte Stadt

Eine vom Bürgerkrieg in Syrien zerstörte Stadt  |  © Philip Desmazes/AFP/GettyImages

Die Vereinten Nationen verdächtigen die syrische Opposition der Kriegsverbrechen. Im Internet kursiert ein Video, das die Hinrichtung gefangener syrischer Soldaten durch Rebellen in der Region Sarakeb zeigen soll.

Das UN-Menschenrechtskommissariat hat eine Untersuchung angekündigt. Bei der gezeigten Tat handele es sich "sehr wahrscheinlich" um ein Kriegsverbrechen, sagte der Sprecher Rupert Colville. Anhand des Inhalts sei es jedoch "schwer zu überprüfen, wer beteiligt ist".

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Das am Donnerstag von Aktivisten veröffentlichte Video zeigt mutmaßliche Rebellen, die eine Gruppe von etwa zehn verletzten Soldaten beschimpfen und auf sie einschlagen, bevor sie die Gefangenen töten.

Menschenrechtsverletzungen sollen geahndet werden

Colville warnte beide Konfliktparteien: Wenn sich das Video als echt erweise, könne es in einem Prozess als Beweis dienen. Niemand in Syrien sollte darauf setzen, dass Menschenrechtsverletzungen nicht geahndet würden.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International bezeichnete die Bilder als schockierend und stuft den Inhalt des Videos ebenfalls als "potenzielles Kriegsverbrechen" ein.

Der oppositionelle Syrische Nationalrat (SNC) rief die Rebellen auf, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Die Freie Syrische Armee und andere Verbände müssten jeden verfolgen, der die Menschenrechte verletze, sagte das SNC-Mitglied Radif Mustafa.

Die Tat ereignete sich laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte bei der Einnahme von Armeestellungen in der Region Sarakeb. Laut der in London ansässigen Organisation zog sich die Armee dort "von ihrem letzten Stützpunkt" zurück, nachdem die Aufständischen am Donnerstag bereits drei Stützpunkte erobert hatten. Diese Angaben konnten jedoch nicht von unabhängiger Stelle bestätigt werden.

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Leserkommentare
  1. Das klingt ja geradezu so, als sei das bisher vollkommen abwegig gewesen, als stehe der Vorwurf erstmalig im Raum.
    Nene, was sollen die Oppositionellen in London denn auch anderes sagen, als sich zu den Menschenrechten zu bekennen.
    Hier werden von beiden Seiten Kriegsverbrechen begangen, das ist so klar wie Kloßbrühe!
    Die Frage ist nur, ob die Opferzahlen genauso in die Höhe gesprungen wären, wenn sich der Westen doch einmal rausgehalten hätte aus Angelegenheiten die ihn nichts angehen.
    Jaja Nächstenliebe und so, wie siehts denn aus mit Nächstenliebe in Mali? Im Sudan? Im Kongo?
    Da kann man nochmal ne Null dranhängen an die Opferzahlen und keinen juckt es auch nur die Bohne...
    Warum eigentlich?
    Zynismus Ende

  2. aber wie?
    Wie lange sollen wir zuschauen wie der Hass sich potenziert?
    Es zeigt unsere Ohnmacht, dagegen anzugehen.
    Die sog. Mächte wollen immer noch irgendeinen Vorteil, eine Vormachtstellung
    und sehen nicht, dass es bald ihnen selbst an den Kragen geht.
    Wir sind nicht getrennt von diesem Geschehen.

    • TddK
    • 02. November 2012 18:33 Uhr

    Das ist nicht das erste und auch nicht das letzte Video.
    Es gibt zich solcher Videos z.B. auf liveleak, wo die "Freiheitskämpfer" nicht nur Soldaten hinrichtet, sonder auch Zivillisten. Da werden Zivillisten aus dem Fenster gestoßen, oder vom Dach oder einfach gedemütigt und dann hingerichtet. Die Opposition hat sogar Webseiten mit tötungslisten eingerichtet, wo bestimmte Regime Freunde mit Bild, Anschrift und weiteren Beschreibung aufgelistet werden, diese Menschen sollen getötet werden.

  3. Wenn sich das Video als echt erweise, könne es in einem Prozess als Beweis dienen.

    Ungefähr so, wie die Lynchmörder Gaddhafis deren Gesichter wir in feinstem HD bewundern konnten?

    Es gibt dutzende dokumentierte Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Libyen. Gab es Anklagen? Gab es Untersuchungen? Wir fordern ja nicht mal die Auslieferung von Saif-al-Islam (Gaddhafis Sohn) nach Den-Haag.

    Ich bin mir sicher die syrische Regierung hat alle feigen Attentate und Bombenanschläge dokumentiert. Mal sehen, ob diese Dokumente bei einem Fall von Assad noch aufzufinden sind.

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    Das man bei Gaddafi ein Auge zudrückt ist nur menschlich nach den Hasstyraneinen gesetzlose üben bereits ihre selbstjustiz an den ehemaligen Tätern.

    In Syrien sollte man solche Fälle gerade was Soldaten und Zivilisten betrifft streng verfolgen da diese meist auf Befehl handten und nur wenig dazu können das Assad hier auf Weltebene am Rad dreht statt zu erkennen das ein Rücktritt so früher oder später kommen muss. Russland als Partner hat dies auch nicht verstanden und denkt das durch Schonung einer Seite alles wieder in Ordnung kommt ohne dabei einen Gedanken an den Gefangenen die auf der Rebellenseite kämpften zu verschwenden denen ebenso ein gerechter Prozess zusteht und eine gerechte gleichbehandlung mit der regulären Armee. Eine lösung in dem Konflikt wird es erst geben wenn Russland anerkennt das Assad nicht ewig zu halten ist und eine Gleichberechtigte Regierung bestehend aus beiden Seiten eingesetzt werden muss. Assad sollte wiedergewählt werden können aber seine Amtszeit sollte beschränkt sein gerade im Blick auf die Minderheiten damit schlicht Racheakte egal welcher Seite unterbunden werden und am Ende die Opposition doch zu ihren Recht kommt.

    Sie sind also wirklich der Ansicht, dass Recht teilbar ist, oder relativierbar?
    Wenn das so gehandhabt werden soll, können wir das Recht abschaffen. Dann nimmt es jeder selbst in die Hand. Ob Sie dann heute noch leben würden, dürfte sehr unwahrscheinlich sein.
    Nicht umsonst hat hierzulande der Staat das Gewaltenmonopol.
    Die Situation in Syrien zu beurteilen, dürfte von hier aus schwierig sein. Es ist nun einmal so, dass auch Exilanten aus Syrien nicht unbedingt eine verlässliche Quelle sind, es auch gar nicht sein können.

  4. Es wird auch langsam Zeit für eine objektivere Berichterstattung: http://de.qantara.de/Syri...

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    • NDM
    • 02. November 2012 20:06 Uhr

    Da ist die Strategie Assads und dessen Verbündeter ja aufgegangen.

    "So verweisen Russland, Irak und der Iran auf die dschihadistischen Kräfte, um ihre Position zu rechtfertigen. Aber diese Positionen gehen in eine Zeit zurück, in der es diese Dschihadisten in Syrien noch gar nicht gab."

    So lange den Dschijadismus öffentlich an die Wand malen, bis er irgendwann tatsächlich kommt und aktiv wird. Self fulfilling prophecy.

  5. warum werden die Aufständige (dann) noch mit Waffen beliefert und unterstüzt?Das soll endlich aufhören.

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    http://www.zeit.de/2012/3...

    "Monatelang haben sich Assad-Gegner geheim in Berlin getroffen – mit Wissen und Willen der Bundesregierung"

    Es ist schon komisch, dass die Vermutung (dass die Aufständischen absolut keine Heiligen sind) so lange auf sich warten liess.

    • P229
    • 02. November 2012 19:59 Uhr

    "UN verdächtigen syrische Opposition der Kriegsverbrechen"

    Ich dachte immer, die Menschenrechtsgruppen- und Kommitees wären doch gerade bei der Opposition zu finden.
    Bricht da etwa ein Weltbild zusammen?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, sk
  • Schlagworte Bürgerkrieg | Opposition | Kriegsverbrechen | Internet | Menschenrechtsverletzung | Prozess
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