Rauchwolke über der Stadt Dara nach einem Angriff der syrischen Luftwaffe auf Rebellen ©REUTERS/Handout

Syriens wichtigste Oppositionsgruppen haben sich in Doha getroffen. Sie beraten über zwei zentrale Fragen: Wie soll man gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad kämpfen? Und wie kann man der internationalen Gemeinschaft einen gemeinsamen Ansprechpartner bieten? Der Westen und auch arabische Länder fordern, dass die völlig zerstrittenen Gruppen endlich eine vereinte Opposition bilden.

Streit gibt es vor allem um einen von den USA gestützten Plan, der den Einfluss des Syrischen Nationalrats (SNC) als wichtigste Oppositionsgruppe verringern würde: In einer 50-köpfigen Nationalversammlung soll der Nationalrat nur noch 15 Sitze erhalten, um Platz für Angehörige der Revolutionskomitees sowie junge Aktivisten zu machen. Denn diese bildeten das Rückgrat des Aufstandes gegen Assad "und leben nicht schon seit 30 oder 40 Jahren im Exil", sagte US-Außenministerin Hillary Clinton . Dass die USA und Großbritannien auf Distanz zum SNC gehen, liegt auch daran, dass sich der Rat bisher nicht öffentlich von den militanten Islamisten distanziert hat. Zudem gilt der SNC als ineffektiv.

Gruppierungen, die außerhalb des Nationalrates stehen, wollen dagegen die Nationalversammlung bilden, die später eine Übergangsregierung benennen könnte. Als möglicher Chef einer Übergangsregierung nach einem Sturz von Assad wird der Oppositionspolitiker Riad Seif gehandelt; er gehört dem Syrischen Nationalrat an.

Der Nationalrat befürchtet, an Einfluss zu verlieren, und ist nur zu einem Kompromiss bereit: SNC-Chef Abdelbasset Sieda sagte, der Rat müsse in dem neuen Gremium mindestens 40 Prozent der Mandate erhalten, also fünf Sitze mehr als im Plan vorgesehen.

Westerwelle hofft auf "inklusive Plattform"

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte über das Treffen in Doha: "Nur eine geeinte Opposition ist eine glaubwürdige Alternative zum Assad-Regime." In einer vom Auswärtigen Amt verbreiteten Erklärung forderte er eine "inklusive Plattform aller Syrer", die den Weg in einen politischen Prozess hin zu einem geeinten, demokratischen, neuen Syrien aufzeige.

Die Hauptstadt Damaskus wurde am Sonntag von einem Bombenanschlag erschüttert. Der 50-Kilogramm-Sprengsatz detonierte in der Nähe eines schwer bewachten Gebäudekomplexes der Armee. Mehrere Menschen wurden nach Angaben des Staatsfernsehens verletzt. Assad-Gegner behaupteten, für den Anschlag sei wahrscheinlich die Ahfad-al-Rasul-Brigade verantwortlich, eine islamistische Gruppe, die in den vergangenen zwei Monaten wiederholt das Militär und die Geheimdienste ins Visier nahm. Videos in staatlichen Medien zeigten zerstörte Fenster und beschädigte Autos.

Rebellen erobern ein Ölfeld

Nach schweren Gefechten mit Regierungstruppen nahe der Grenze zum Irak eroberten syrische Aufständische nach Angaben von Aktivisten ein Ölfeld. Die Opposition meldete außerdem, dass Kampfflugzeuge die Region von Al-Ghuta im Umland von Damaskus unter Beschuss genommen haben. Im Norden des Landes habe es erneut heftige Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen gegeben.

In Israel waren die Streitkräfte in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden, nachdem drei syrische Panzer auf den Golan-Höhen in die demilitarisierte Zone zwischen beiden Ländern eingedrungen waren.