Syrische Regimegegner haben bei ihrem Treffen in Katars Hauptstadt Doha die Bildung eines vereinten Oppositionsblocks beschlossen. Wie es aus Teilnehmerkreisen hieß, wurden 40 Aktivisten in das neue Gremium gewählt, das künftig die gesamte syrische Opposition vertreten und nach dem erhofften Sturz von Präsident Baschar al-Assad eine Übergangsregierung bilden soll. Die Wahl der Führung wurde um einen Tag auf Freitag verschoben.

Während des Wahlprozesses hatte es nach Angaben von Teilnehmern immer wieder Ärger zwischen den Gruppen gegeben. Grund ist vor allem, dass der im Exil gegründete Syrische Nationalrat (SNC) seine Vormachtstellung nicht zugunsten von Aktivisten in Syrien aufgeben will. Unter der Vermittlung Katars sei die Abstimmung am frühen Morgen schließlich zu Ende gebracht worden.

Die genaue Zusammensetzung des Oppositionsblocks war zunächst nicht bekannt. Zwei Frauen zogen den Angaben zufolge erst nach massiver Kritik an der Dominanz der Männer in das Gremium ein. Auch radikale Islamisten sollen Teil der neuen Vertretung sein. An der Konferenz nahmen demnach auch Mitglieder der Al-Nusra-Front teil, die dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahesteht.

Cameron schließt Waffenlieferungen nicht aus

Insbesondere die USA hatten die syrische Opposition wiederholt zur Einigkeit aufgefordert. US-Außenministerin Hillary Clinton rief Assads Gegner vergangene Woche auf, sich zu reorganisieren und hatte damit die Führungsrolle des Nationalrates infrage gestellt. Dem Gremium fehle die Nähe zu anderen Oppositionsgruppen und den Rebellen, die Assad stürzen wollen.

Obwohl Waffenlieferungen an die syrischen Rebellen von der EU  bisher nicht zugelassen sind, schließt Großbritanniens Premierminister David Cameron nach britischen Medienberichten eine Bewaffnung der Opposition nicht mehr aus. Der Premierminister möchte "bisher abgelehnte Maßnahmen" in Betracht ziehen, zitiert die Nachrichtenagentur PA einen Regierungsbeamten. London denke aber derzeit nicht an eine "direkte Belieferung", da die Rebellen von EU-Ländern momentan nur mit Ausrüstung unterstützt werden, wenn dies humanitären Zwecken dient. "Wir sehen das jetzt seit 20 Monaten", zitierte die Agentur den Beamten. "Es gibt ein Gefühl der Frustration, dass wir der Gewalt kein Ende setzen konnten."Cameron wolle auf "Dinge zurückkommen, die vor einem Jahr schon einmal auf dem Tisch waren, die wir aber damals noch nicht tun wollten."

Rotes Kreuz wird humanitärer Krise nicht mehr Herr

Die humanitäre Krise in Syrien hat sich nach Angaben des Roten Kreuzes derart verschärft, dass die Hilfsorganisation sie kaum noch bewältigen kann. Die Lage verschlimmere sich, obwohl der Hilfseinsatz immer mehr verstärkt werde, sagte der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Peter Maurer. Viele Teile des Landes könnten nicht mit Hilfsgütern versorgen könne. "Eine unbekannte Zahl von Menschen in Syrien bekommt nicht die Hilfe, die sie braucht", sagte Maurer.

Wegen des Bürgerkriegs sind nach Angaben der Vereinten Nationen etwa 360.000 Menschen in die Nachbarländer geflohen . Im Land selbst sind demnach rund 1,2 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die Kämpfe zwischen der Armee und bewaffneten Aufständischen waren vor knapp 20 Monaten ausgebrochen. Dabei wurden nach Schätzungen von Menschenrechtlern bislang etwa 30.000 Menschen getötet.