BürgerkriegSyriens Opposition bildet Anti-Assad-Block

Die Regimegegner haben sich bisher vor allem zerstritten gezeigt, nun wollen sie geschlossen gegen Assad stehen. Zum Oppositionsblock gehören auch radikale Islamisten. von afp, dpa und dapd

Abdel Basset Sayda, Chef des Syrischen Nationalrats, registriert sich für die Wahl der Gremiumsmitglieder.

Abdel Basset Sayda, Chef des Syrischen Nationalrats, registriert sich für die Wahl der Gremiumsmitglieder.  |  © STR/AFP/Getty Images

Syrische Regimegegner haben bei ihrem Treffen in Katars Hauptstadt Doha die Bildung eines vereinten Oppositionsblocks beschlossen. Wie es aus Teilnehmerkreisen hieß, wurden 40 Aktivisten in das neue Gremium gewählt, das künftig die gesamte syrische Opposition vertreten und nach dem erhofften Sturz von Präsident Baschar al-Assad eine Übergangsregierung bilden soll. Die Wahl der Führung wurde um einen Tag auf Freitag verschoben.

Während des Wahlprozesses hatte es nach Angaben von Teilnehmern immer wieder Ärger zwischen den Gruppen gegeben. Grund ist vor allem, dass der im Exil gegründete Syrische Nationalrat (SNC) seine Vormachtstellung nicht zugunsten von Aktivisten in Syrien aufgeben will. Unter der Vermittlung Katars sei die Abstimmung am frühen Morgen schließlich zu Ende gebracht worden.

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Die genaue Zusammensetzung des Oppositionsblocks war zunächst nicht bekannt. Zwei Frauen zogen den Angaben zufolge erst nach massiver Kritik an der Dominanz der Männer in das Gremium ein. Auch radikale Islamisten sollen Teil der neuen Vertretung sein. An der Konferenz nahmen demnach auch Mitglieder der Al-Nusra-Front teil, die dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahesteht.

Cameron schließt Waffenlieferungen nicht aus

Insbesondere die USA hatten die syrische Opposition wiederholt zur Einigkeit aufgefordert. US-Außenministerin Hillary Clinton rief Assads Gegner vergangene Woche auf, sich zu reorganisieren und hatte damit die Führungsrolle des Nationalrates infrage gestellt. Dem Gremium fehle die Nähe zu anderen Oppositionsgruppen und den Rebellen, die Assad stürzen wollen.

Obwohl Waffenlieferungen an die syrischen Rebellen von der EU  bisher nicht zugelassen sind, schließt Großbritanniens Premierminister David Cameron nach britischen Medienberichten eine Bewaffnung der Opposition nicht mehr aus. Der Premierminister möchte "bisher abgelehnte Maßnahmen" in Betracht ziehen, zitiert die Nachrichtenagentur PA einen Regierungsbeamten. London denke aber derzeit nicht an eine "direkte Belieferung", da die Rebellen von EU-Ländern momentan nur mit Ausrüstung unterstützt werden, wenn dies humanitären Zwecken dient. "Wir sehen das jetzt seit 20 Monaten", zitierte die Agentur den Beamten. "Es gibt ein Gefühl der Frustration, dass wir der Gewalt kein Ende setzen konnten."Cameron wolle auf "Dinge zurückkommen, die vor einem Jahr schon einmal auf dem Tisch waren, die wir aber damals noch nicht tun wollten."

Rotes Kreuz wird humanitärer Krise nicht mehr Herr

Die humanitäre Krise in Syrien hat sich nach Angaben des Roten Kreuzes derart verschärft, dass die Hilfsorganisation sie kaum noch bewältigen kann. Die Lage verschlimmere sich, obwohl der Hilfseinsatz immer mehr verstärkt werde, sagte der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Peter Maurer. Viele Teile des Landes könnten nicht mit Hilfsgütern versorgen könne. "Eine unbekannte Zahl von Menschen in Syrien bekommt nicht die Hilfe, die sie braucht", sagte Maurer.

Wegen des Bürgerkriegs sind nach Angaben der Vereinten Nationen etwa 360.000 Menschen in die Nachbarländer geflohen . Im Land selbst sind demnach rund 1,2 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die Kämpfe zwischen der Armee und bewaffneten Aufständischen waren vor knapp 20 Monaten ausgebrochen. Dabei wurden nach Schätzungen von Menschenrechtlern bislang etwa 30.000 Menschen getötet.

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Leserkommentare
  1. seine Vormachtstellung nicht zugunsten von Aktivisten in Syrien aufgeben will

    Wer genau sollen diese "Aktivisten" sein? Ist das ein Zufall, dass der Begriff mit dem Artikel "UN verdächtigen syrische Opposition der Kriegsverbrechen" verlinkt ist?

    Ist es in Wirklichkeit nicht so, dass die radikalsten Elemente der Opposition jetzt bevorzugt behandelt werden? Weil man endlich den militärischen Sieg erringen will?

    Als Unterstützung gibt es dann eine Flugsverbotszone an der UN vorbei. Umgesetzt mit NATO Patriot Systemem von der Türkei aus?

    Turkey Considers Deploying Missiles Near Syria

    Moderne Stinger Flugabwehrgeschütze haben die "Aktivisten" ja schon. Aus US-Produktion.

  2. ... ohne Schlägerei, wie vor einigen Monaten in Kairo.

    via ZEIT ONLINE plus App

  3. zwischen SPD und NPD um die Minderheitsregierung der Bayern zu stürzen. Von Dauer kann soetwas nicht sein.

  4. wenn es an die Verteilung des Kuchens geht.

    Sehen wir ja auch an Libyen, wo sich der Westen/Norden eingemischt hat. Das Land war im Bürgerkrieg und ist es immer noch. Es wurde nur ein Warlord von vielen ermordet.

  5. ich wage mal zu prophezeihen, dass National Coordinating Committee, Syrian Democratic Platform und die Kurden da nicht mitmachen...

    • SonDing
    • 08. November 2012 12:15 Uhr

    "Die Kämpfe zwischen der Armee und bewaffneten Aufständischen waren vor knapp 20 Monaten ausgebrochen."

    Hat man sich in den Redaktionen, was die Gewalt und die Bewaffnung der Aufständigen betrifft, denn endlich mit den Realitäten beschäftigt? Propagierten die hiessigen Mainstraemmedien nicht die ganze Zeit die Mär, von "anfangs friedlichen Protesten"?

    Rechnen wir doch mal 20 Monate rückwärts:

    Da landen wir bei März 2011 - dem Beginn der Proteste

    Wie jetzt? Also doch keine ausschliesslich friedlichen Demos?

    Das würde ja bedeuten, dass Assad in dieser Frage im Recht ist und tatsächlich gegen Terroristen und Mörder vorgeht und alle die sich auf Seiten der Rebellen einmischen, gegen Völkerrecht verstossen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begehen.

    Die Versuche die Sache jetzt noch mit einer weiterern Umbildung der Pseudo-Oppsition zu retten, sehen recht hilflos aus und der Westen entlarvt sich immer mehr, als Unterstützer von Terror und Gewalt.

  6. Wenn der Schulterschluss der syrischen Opposition auch radikale Islamisten umfasst, ist die Gefahr gross, dass diese die Revolution schliesslich kapern und am Ende wiederum ein repressiver Staat entsteht. Den Kampf der syrischen Opposition unter diesen Umständen mit Waffen zu unterstützen ist bestenfalls fahrlässig - auch, weil die bisherigen Revolutionen im arabischen Raum wohl eher unbefriedigend verlaufen sind. Zudem wissen wir wenig über die syrische Opposition, welcher jüngst Massenerschiessungen vorgeworfen wurden. Dergleichen fand ja auch in Lybien statt, im übrigen mit Luftunterstützung durch Frankreich und England.

  7. ...für Waffenlieferungen ohne Umwege, damit ein Lichtblick für die Masse der Bevölkerung in Syrien.
    Es wurde auch höchste Zeit, denn Russland hat immer Waffen mitten ins Krisengebiet geliefert, unter dem fadenscheinigen Vorwand, alte Verträge mit dem Assad-Regime erfüllen zu müssen.
    Es kann daher nichts schaden, wenn die Unterstützung der befreiten und noch zu befreienden Syrer auch Mittel beinhaltet, dem Terror aus der Luft endlich und dauerhaft Einhalt zu gebieten.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • towely
    • 08. November 2012 13:12 Uhr

    indem man einfach noch mehr Waffen hineinpumpt.
    Bei einer Vielzahl von Mitforisten zweifle ich echt am Vorhandensein eines gesunden Menschenverstandes.

    • rommmel
    • 08. November 2012 13:41 Uhr

    .......".für Waffenlieferungen ohne Umwege"

    muß man denn hier solche kriegshetze dulden, liebe redaktion?

    Nach einem halben Jahr immer noch nicht freiwillig zum "Befrieden" gemeldet ? Wie war das mal: "In zwei Wochen ist Assad Geschichte!"? Aber schaun'mer mal, was noch für "gefühltes Halbwissen" erscheint.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, dapd, AFP, nf
  • Schlagworte Bürgerkrieg | David Cameron | Opposition | Europäische Union | Rotes Kreuz | Agentur
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