Der neue Zusammenschluss syrischer Oppositionsgruppen hat einen gemäßigten islamischen Geistlichen zu seinem Führer bestimmt. Der 52-jährige Scheich Ahmed Muas al-Chatib ist bei einem Treffen in Katar zum Präsidenten der "nationalen Koalition" aus Gegnern von Syriens Präsident Baschar al-Assad gewählt worden.

Der aus Damaskus stammende al-Chatib hatte Syrien vor drei Monaten verlassen, nachdem er mehrfach von den Sicherheitskräften Assads festgenommen worden war. Zum Vize-Präsidenten wurden der Dissident Riad Seif sowie die Oppositionelle Suhair al-Atassi gewählt.

Die zerstrittenen Oppositionsgruppen aus Syrien und dem Exil hatten sich in Katars Hauptstadt Doha auf die Bildung einer "nationalen Koalition der Kräfte der syrischen Revolution und Opposition" verständigt. Die neue Gruppe solle den Namen Syrische Nationalkoalition für Opposition und Revolutionäre Kräfte tragen, sagte Ali Sadr el Din Bajanuni, ehemaliges Führungsmitglied der syrischen Muslimbruderschaft.

Der Einigung waren tagelange Verhandlungen unter der Schirmherrschaft der Arabischen Liga und Katars vorausgegangen. Dabei blockierte zunächst die derzeit größte oppositionelle Vereinigung, der Syrische Nationalrat (SNC) , einen Konsens, weil die Mitglieder des SNC einen Bedeutungsverlust befürchteten .

SNC soll als führende Oppositionsvertretung abgelöst werden

Bisher sahen die internationalen Unterstützer der Aufständischen in Syrien den SNC als führende Vertretung der Opposition an. US-Außenministerin Hillary Clinton hatte den Nationalrat zuletzt jedoch auch öffentlich kritisiert und eine Oppositionsführung gefordert, der auch Inlandssyrer angehören müssten. Bei den Verhandlungen in Doha setzten nach Teilnehmerangaben Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und die USA den Nationalrat massiv unter Druck, einer Einigung zuzustimmen.

Die US-Regierung begrüßte das neue Bündnis als einen Meilenstein auf dem Weg zum "Ende von Assads blutiger Herrschaft und zum Beginn einer friedlichen, gerechten und demokratischen Zukunft" für alle Menschen in Syrien. "Wir werden mit der Nationalen Koalition zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass unsere humanitäre und nicht-tödliche Unterstützung den Bedürfnissen der syrischen Menschen dient", sagte der stellvertretende Sprecher des US-Außenministeriums, Mark Toner. Zugleich dankte er der Regierung des Golfemirats Katar für deren Unterstützung.

In Syrien selbst gingen die Kämpfe auch am Sonntag weiter. Dabei eroberte die Armee nach Angaben von Regierungsgegnern Teilstücke der strategisch wichtigen Autobahn zwischen Damaskus und Aleppo zurück. Die "Schlüsselstadt" Maaret al-Numan hätten die Assad-Soldaten aber noch nicht eingenommen, berichteten Aktivisten der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Bei zwei Autobombenanschlägen im Süden Syriens wurden den Berichten zufolge am Samstag mindestens 20 Soldaten getötet. Die amtliche Nachrichtenagentur Sanaa bestätigte zwei Autobombenexplosionen sowie Opfer und schwere Schäden in Daraa.

Seit Beginn des Konflikts zwischen Aufständischen und Regierungstruppen Mitte März 2011 wurden in Syrien nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten mehr als 37.000 Menschen getötet.