Der UN-Sondergesandte Lakhdar Brahimi hat die internationale Gemeinschaft zu einem größeren Engagement in Syrien aufgerufen und eindringlich vor dem Scheitern der politischen Vermittlungsbemühungen gewarnt.

Vor allem fehle es an Geld für die humanitäre Hilfe in Syrien, sagte Brahimi vor der UN-Vollversammlung in New York . Der internationale Nothilfeplan sei bislang nur zur Hälfte finanziert, der regionale sogar nur zu einem Drittel. Die Lage im Land werde immer schlimmer: "Die Kämpfe haben sich auf fast alle Teile Syriens ausgeweitet und verstärkt." Wenn nicht bald ein politischer Prozess in Gang gesetzt werde, werde Syrien zu einem "gescheiterten Staat".

Bereits am Donnerstag hatte Brahimi den UN-Sicherheitsrat zu einer neuen Beobachtermission in Syrien gedrängt . "Das Wichtigste ist jetzt ein Waffenstillstand, der wirklich hält. Aber er hält nur, wenn er sehr, sehr streng überwacht wird. Und das bedarf einer starken Beobachtermission", sagte der Algerier. "Die Situation ist schlecht und sie wird immer schlechter", sagte er über die Lage in Syrien. "Die Parteien sind nicht zu einer internen Lösung bereit, deshalb ist der Platz dafür jetzt der Sicherheitsrat ."

Nach Informationen der syrischen Opposition hat Brahimi einen Plan für den Machtwechsel in Syrien vorgelegt. Dieser sieht eine Entmachtung Assads vor, der Verteidigungsminister solle dann sofort die Kontrolle über die Streitkräfte übernehmen und Vizepräsident Faruk al-Scharaa zum Interimspräsidenten ernannt werden.

Bis zu 700.000 Flüchtlinge

Die neuesten Zahlen der Vereinten Nation zeichnen ein dramatisches Bild der Lage in Syrien. Bis zu 40.000 Menschen seien bereits ums Leben gekommen, bis Anfang 2013 würden 700.000 Flüchtlinge erwartet, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon vor der Vollversammlung . Der Konflikt habe "neue entsetzliche Gipfel von Brutalität und Gewalt" angenommen. Ban kündigte an, sich in Kürze selbst in Flüchtlingslagern in der Türkei und Jordanien ein Bild der Lage machen zu wollen.

Allein in der von Rebellen dominierten Stadt Homs haben den UN zufolge fast 250.000 Menschen Zuflucht vor den Kämpfen gesucht. Tausende von ihnen lebten in Notunterkünften ohne Heizung, die Stadt könne sie oftmals nicht einmal mit dem Nötigsten versorgen, sagte eine Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR). In der Stadt gebe es kaum noch Medikamente, Decken und Kleidung.

Die Kämpfe in Syrien dauern bereits mehr als 20 Monate an und gehen mit unverminderter Härte weiter. Rebellen und Armee lieferten sich am Freitag rund um den Flughafen der Hauptstadt Damaskus heftige Gefechte. Die oppositionellen Kämpfer rückten nach eigenen Angaben bis auf wenige Kilometer an den Flughafen heran und brachten dabei auch Luftabwehrwaffen der Regierungstruppen in ihre Gewalt.