Patriot-Debatte: Syrien helfen? Lieber nicht
In Deutschland debattiert man plötzlich aufgeregt über den Bürgerkrieg in Syrien. Der Grund: Man könnte aufgefordert werden zu helfen. Markus Horeld kommentiert.
Während in Deutschland mit der üblichen Verve Israels Angriffe auf Gaza gegeißelt werden, mordet Baschar al-Assad nebenan ungestört weiter. Der wahre Krieg tobt in Syrien, Tausende sind dort seit Beginn der Kämpfe gestorben, Hunderttausende sind auf der Flucht. Hierzulande kümmerte das kaum einen mehr. Bis gestern. Seitdem wird auch in Deutschland wieder aufgeregt über Syrien debattiert.
Wobei: Eine Debatte kann man das kaum nennen. Es gleicht eher dem Versuch, wichtig zu tun, ohne sich die Finger schmutzig zu machen. Deutschland arbeitet einmal mehr daran, sich auf internationalem Terrain lächerlich zu machen.
Die Türkei will Patriot-Abwehrraketen an der Grenze zu Syrien installieren. Dafür braucht das Nato-Land Unterstützung von anderen Bündnis-Mitgliedern. Denn über die modernste Patriot-Variante namens "PAC-3" verfügen nur die USA, die Niederlande und Deutschland.
Das Ziel der Türkei: eine Schutzzone
Patriots von diesem Typ können feindliche Raketen, aber auch Flugzeuge vom Himmel holen. Das macht sie zu Waffen, mit denen relativ leicht der Luftraum über einem Gebiet kontrolliert werden kann, zum Beispiel an der türkischen Grenze. Das Gebiet, um das es den Türken aber eigentlich geht, ragt nach Syrien hinein. Schon lange argumentieren sie für eine solche Schutzzone. Sie böte Flüchtlingen, aber auch Aktivisten der Opposition einen sicheren Ort auf syrischem Boden. Dort könnte das neue Syrien ohne Angst vor dem Krieg geplant, besprochen und gelebt werden.
Natürlich wäre eine Schutzzone eine Einmischung ins Kriegsgeschehen. Aber mit großem Nutzen und ohne allzu dramatische Folgen. Der ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat John MacCain hat es in einem Interview mit ZEIT ONLINE ganz richtig ausgedrückt: "Sobald wir einen (syrischen; Anm. d. Red.) Jet erwischt haben, fliegt kein zweiter mehr. Das wäre also keine dramatische Eskalation."
Eine Schutzzone wäre ein Gebot der Menschlichkeit in diesem endlosen, tödlichen Konflikt. Doch diesem Gebot wird sich Deutschland wohl verweigern.
Außen- und Verteidigungspolitiker von CDU bis Grüne haben das Wochenende damit verbracht, einen möglichen Einsatz von Bundeswehr-Patriots in der Türkei von vornherein ad absurdum zu führen. Die SPD will die Notwendigkeit eines deutschen Beitrages erst gar nicht erkennen. Die Grünen fordern ein UN-Mandat, wohl wissend, dass es dies nicht geben wird. Aus der CDU heißt es, die deutschen Abwehrraketen dürften nur zur Landesverteidigung eingesetzt werden, keinesfalls dürfe es ein "Hineinwirken in den syrischen Luftraum" geben.
Zuschauer Deutschland
Die westliche Staatengemeinschaft hatte sich nach Ruanda und Bosnien-Herzegowina immer wieder geschworen, solchen tödlichen Bürgerkriegen und Massakern nicht mehr tatenlos zuzusehen. Gerade Deutschland aber huldigt diesem Zuschauen mit stoischer Ausdauer.
Was also wird die deutsche Politik tun? Mit ziemlicher Sicherheit wird man Patriots in die Türkei schicken. Der Bundestag wird dazu ein Mandat beschließen, das den Einsatz ausschließlich auf türkisches Territorium begrenzt.
Dann werden sich Deutschlands Außenpolitiker wichtig machen und aller Welt erklären, dass man einen Beitrag leiste. In Wahrheit aber wird dieser Beitrag die Lage eher verkomplizieren: Amerikanische (und womöglich niederländische) Patriot-Raketen dürften dann nach Syrien fliegen, deutsche nicht. Wie anfangs in Afghanistan würde der Bundeswehr-Beitrag mehr Koordinationsaufwand als konkreten Nutzen bringen. Dass der Rest der Nato ob solcher deutschen Befindlichkeiten die Hände über dem Kopf zusammenschlagen wird, ist noch das geringste Problem. Viel schlimmer ist, dass Deutschland zeigt, dass es den Syrern in Wahrheit nicht helfen will.







Es gibt wohl kein Kriegsgebiet auf der Welt, welches so undurchsichtig ist, wie das syrische. Die mannigfachen Interessengruppen mit ihren unterschiedlichen Absichten und verdeckten Verbindungen machen es jedem Beobachter schwer, zwischen Täter und Opfer, Nutznießer und Geschädigtem zu unterscheiden.
Und nun soll die Bundeswehr sich erst mal als Flakhelfer am Rande dieses Wespennestes positionieren. So wie in Afghanistan, wo man anfangs als THW in Uniform auftauchte um Brunnen zu bohren. Die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Truppe am Boden in die Auseinandersetzungen mit einbezogen wird, ist groß. Dann werden weitere Hilfstruppen geschickt (Bundestagsautomat stimmt immer zu)und die Deutschen und vielleicht noch andere NATO-Verbündete stecken mitten in einem asymmetrischen Krieg. Die Schlagzeilen „Deutsche schießen auf kurdische Kinder“ oder „Deutsche zerbomben ein kurdisches Dorf“ ist dann nur noch eine Frage der Zeit. Und dann haben wir nicht nur in Syrien ein Problem, sondern auch in Deutschland.
eine neue Sau durchs Dorf zu treiben. Ablenkung von der EURO Misere tut not!
Wo bitteschön ist denn der Bündnisfall ?
Wer greift die Türkei an?
War es nicht ein türkisches Kampflugzeug das syrischen Luftraum verletzt hat und abgeschossen wurde?
Erdogan hat ein Problem mit dernKurden in der Grenzregion!
Wir sollten uns nicht ohne Not in diesen Konflikt hineinziehen lassen! Assad hat ganz andere Sorgen als eine Aggression gegen die Türkei.
Damit kein falsche Eindruck entsteht, das ist nicht PRO Assad. Aber wir sollten uns nicht vor den Karren der Türkischen Innenpolitik oder amerikanischer Militätspiele spannen lassen! Schon gar nicht um innenpolitisch ein billiges Ablenkungsmanöver zu inszenieren
"10. Wer unsere Berichterstattung in Zweifel zieht, ist ein Verräter"
Noch schlimmer: Ist inhuman.
Wie hirnverbrannt muss man sein, wenn man Erdogan deutsche Flakhelfer schickt? Wer garantiert, dass der asymmetrische Krieg auf Syrien beschränkt bleibt? Auch wenn er auf Syrien beschränkt bliebe, könnte sich schon daraus für die Deutschen eine unheilvolle Kettenreaktion ergeben. Siehe dazu Kommentar „105. Dem Autor folgen? Bitte nicht!“ http://www.zeit.de/politi...
Sie sind - natürlich - auf der Seite der Rebellen. Selbstverständlich - weil Rebellen sind ja immer die Guten.
Sofern man es noch ausmachen kann, gibt es einen durchaus großen Teil des syrischen Volkes, welches offensichtlich eher regierungstreu ist. Sonst wäre der Bürgerkrieg schon längst beendet.
Entfernt. Kein konstruktiver Kommentar. Danke, die Redaktion/ds
Entfernt. Kein konstruktiver Beitrag. Danke, die Redaktion/ds
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im Sinne von Herrn Horeld einen Ort zu schaffen, an dem Flüchtlinge sicher sind.
In der Praxis schafft man dadurch jedoch unweigerlich auch einen Rückzugsraum für Oppositionelle/Aufständische/Terroristen, oder wie man sie sonst nennen mag. Deutschland macht nicht unbedingt etwas falsch, wenn es sich eingesteht, dass es die genaue Zusammensetzung der "Opposition" und ihre unterschiedlichen Vorhaben nicht kennt und Bedenken hat, die Falschen zu fördern. Der nahe Osten ist momentan so unübersichtlich wie nie und die westliche Außenpolitik hat in den letzten Jahrzehnten sehr oft Öl ins Feuer gegossen, wenn sie einfach den Feind des Feindes zum Freund erhoben und gefördert hat.
die deutsche Außenpolitik nach dem Motto - Ihr Bösen, das tut man nicht - aber lasst uns bitte daraus, bestens vertreten durch die teilweise peinlichen Äußerungen von Guido sollte mal ein Ende haben, einfach mal klare Stellung beziehen würde unserem internationalem Ansehen sicherlich helfen.
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