Nun wird Palästina zwar nicht Vollmitglied, sondern nur "Beobachter" (wie etwa der Vatikan). Dafür brauchte man nur die einfache Mehrheit der Generalversammlung, und die war stets sicher. Eine Anerkennung zweiter Klasse also. Dennoch ist sie wichtig. Denn der Aufstieg der Hamas durch den jüngsten Krieg hat alles verändert. In New York , auf der größten Bühne der Weltpolitik, wurde der Kampf zwischen säkularen Nationalisten und Islamisten ausgetragen, zwischen Diplomatie und Gewalt, zwischen denen, die die Zweistaatenlösung wollen und denen, die von Israels Vernichtung träumen.

Präsident Abbas strebt nichts an, was die Deutschen nicht auch wollen: zwei Staaten, verhandelte Grenzen, schiedlich geteiltes Jerusalem , begrenztes Rückkehrrecht für eine symbolische Zahl von Flüchtlingen. Er hat immer gesagt, die Anerkennung durch die UN sei kein Ersatz für Verhandlungen mit Israel, sondern nur ein Versuch, neues Gewicht für diese Verhandlungen zu gewinnen.

Abbas brauchte dringend einen Erfolg gegenüber der Hamas. An den Extremisten führt kein Weg mehr vorbei, und alle wollen nun mit ihnen reden, Israel eingeschlossen, wenn auch vorerst im Geheimen. Und das, obwohl die Hamas das Existenzrecht des jüdischen Staates leugnet.

Abbas und seine gemäßigte Fatah-Partei erkennen Israel an, wollen verhandeln und verhindern terroristische Anschläge von ihrem Territorium aus. Dennoch mussten sie jahrelang ohnmächtig dem stetigen Wachstum der Siedlungen im Westjordanland zusehen und wurden von israelischen Regierungsvertretern auch noch höhnisch für "irrelevant" erklärt. Israel hatte gar gedroht, Abbas den Geldhahn zuzudrehen, die Osloer Verträge zu kündigen und die palästinensische Autonomiebehörde in Ramallah aufzulösen, wenn er seine UN-Initiative durchzieht. Die Drohgebärden sind seltener geworden. Zum Glück. Denn Israel kann sich einen Kollaps der Autonomiebehörde gar nicht leisten.

Der palästinensische Staat kommt auf die Tagesordnung

Die Lage bleibt fragil: Abbas steht trotz seines Erfolgs mit dem Rücken zur Wand. Überall in der Region sind die Muslimbrüder und ihre Ableger – wie Hamas – auf dem Vormarsch. Ihr "Widerstand" mit Raketen und Anschlägen ist militärisch sinnlos, doch erfüllt er ein Bedürfnis nach Würde, während Abbas und die PA zunehmend als Kollaborateure der israelischen Besatzung erscheinen. Abbas will mit der diplomatischen Aufwertung zeigen, dass Gewalt nicht der einzige Weg zum eigenen Staat ist. Er hofft, nach dem Votum ernster genommen zu werden.

Das setzt erstens voraus, dass die angedrohten drakonischen Sanktionen Israels unterbleiben. Die Bundesregierung muss ihren Kredit bei Israel einsetzen, um zu verhindern, dass Abbas' kleiner diplomatischer Erfolg von New York in einer riesigen Demütigung in Ramallah endet.

Zweitens gilt es jetzt, Abbas zu drängen, sein neues politisches Kapital in ernsthafte Verhandlungen zunächst mit der Hamas, und dann auch mit den Israelis zu investieren. Das Votum von New York verändert nichts an der Spaltung zwischen Westbank und Gaza , Fatah und Hamas. Es hindert die Siedlungen nicht am Wachsen, klärt nicht die Frage des Rückkehrrechts der Flüchtlinge, sichert keine Grenzen und hilft nicht, Jerusalem zur Hauptstadt beider Staaten zu machen.

Aber es setzt den palästinensischen Staat auf die Tagesordnung, und das ist gut für beide Seiten des Konflikts.