Wahlbeteiligung : Minderheiten bescheren Obama den Sieg

Erste Analysen zeigen, bei welchen Wählergruppen Obama überzeugen und wo Romney punkten konnte. Die Wahlbeteiligung fiel deutlich niedriger aus als vor vier Jahren.
Wahlkabine in den USA © Matt Rourke/AP Photo/dapd

In den USA zeichnet sich eine deutlich niedrigere Wahlbeteiligung als noch vor vier Jahren ab. Damals profitierte Präsident Barack Obama bei seinem Einzug ins Weiße Haus auch von einer Rekordwahlbeteiligung: 131 Millionen Menschen gaben ihre Stimme ab. In diesem Jahr könnte die Wahlbeteiligung unter die knapp 123 Millionen abgegebenen Stimmen von 2004 fallen, sagt Curtis Gans, der Direktor des Zentrums für Wahlstudien an der American University.

Genaue Zahlen werden erst in einigen Wochen vorliegen, da zahlreiche Wähler ihre Stimme per Brief und E-Mail oder vorab in speziellen Wahllokalen abgegeben hatten. Diese Wahlzettel müssen noch ausgezählt werden. Dennoch zeichnet sich für Gans schon ab: "Dies ist eine der ganz wenigen Wahlen, bei der die Wahlbeteiligung in allen Staaten des Landes sank".

Wahlberechtigt waren nach Angaben der Website statisticbrain.com in diesem Jahr 206 Millionen US-Bürger , 146 Millionen hatten sich als Wähler registrieren lassen. Doch Wirbelsturm Sandy, fehlerhafte Wahlautomaten und lange Schlangen vor vielen Wahllokalen hatten Menschen daran gehindert, ihre Stimme abzugeben.

Anhand von ersten Wählerbefragungen lässt sich ablesen, in welchen Wählergruppen Obama punkten und in welchen Romney überzeugen konnte. Deutlich sichtbar ist nach Darstellung der New York Times der Unterschied zwischen den ethnischen Gruppen : Romney erhielt von den weißen Wählern 59 Prozent der Stimmen. Schwarze wählten zu 93 Prozent Obama, unter den Latinos waren es 71, unter den Asiaten 73 Prozent.

Auch bei den Frauen hat Obama einen Vorsprung auf Romney: 55 Prozent von ihnen stimmten für den Demokraten. Romney erhielt 52 Prozent der männlichen Stimmen.

In den jungen Altersgruppen von 18 bis 29 sowie 30 bis 44 ist Obama ebenfalls Sieger mit 60 beziehungsweise 52 Prozent. Der Republikaner Romney punktete bei den Älteren: 51 Prozent der Stimmen bekam er von den Wählern zwischen 45 und 64 Jahren, bei den über 65-Jährigen waren es 56 Prozent.

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Kommentare

33 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

"Protestanten" waren keine einheitliche Wählergruppe

Warum die ZEIT nichts über die "deutliche Mehrheit" der pro Romney-Stimmen von Seiten der "Protestanten" sagt (57%, Obama 42%)
liegt sicher daran, dass die Wahlanalysten (Quelle: CNN) die Glaubenszugehörigkeit nur grob in katholisch/protestantisch - unterteilt haben - und die Mormonen wahrscheinlich als "Protestanten" eingestuft wurden.

"Mitt Romney ist in der fünften Generation Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage („Mormonen“), deren frühe Führungsperson sowie Gründungsmitglied des Kollegiums der Zwölf Apostel sein Ururgroßvater Parley P. Pratt war." "Mormonen leben überwiegend in den Vereinigten Staaten mit Schwerpunkten in Utah und den angrenzenden Gebieten in Arizona, Wyoming und Idaho sowie in Missouri und Kansas"(wikipedia)

Die Mormonen-Kirche hat in den USA mehr als 7 Millionen getaufte Mitglieder - und es ist nicht anzunehmen, dass die und ihre Anhänger ihren Bischof (!) Romney etwa gestern bei der Wahlbeteiligung im Stich gelassen hätten...

Die Latinos sind überwiegend katholisch Missionierte.

Empfehlung

Informieren Sie sich dahin gehend noch mal genauer.
Betrachtet man die Dinge, die Obama in den letzten 4 Jahren getan hat, hat er einen sehr schwierigen Job gemacht, aber einen doch ganz ansehnlichen, wie ich finde. Er hat die Führung in der denkbar schwierigsten Situation übernommen. Teure Kriege, Wirtschaftskrise etc. pp. Er hat die Kriege beendet, den wirtschaftlich freien Fall gestoppt, GM vor der Pleite bewahrt (und somit vermutlich viele Jobs gerettet) und ein Gesundheitspaket verabschiedet, wodurch viele der von Ihnen angesprochenen Armen überhaupt erst in der Lage sind, medizinische Versorgung wahrzunehmen. Romney wollte dies übrigens, nach eigenen Worten, am Amtsantrittstag sofort wieder abschaffen.
Was man ihm evtl. vorwerfen kann, ist, dass er nicht die Ziele, die er sich selber gesetzt hat, alle erreicht hat, was jedoch bei genauerer Betrachtung schon immer ziemlich unwahrscheinlich erschien. Mal abgesehen davon, dass er auch regelmäßig im Kongress behindert wird (durch die Republikaner im Represäntantenhaus, die seine Reformversuche verhindern) und somit das Land im Zweifelsfall bestimmter Entscheidungen einfach still steht, obwohl er seinen Job bzw. seine Vorschläge gemacht hat (ob sie richtig sind, darüber lässt sich - wie immer - streiten).
Bezogen auf die Armen in den USA ist Obama mit Sicherheit der bessere Präsident gegenüber Romney. (Ganz nebenbei, außenpolitisch, also u.a. für uns, auch, siehe die unzähligen außenpolitischen Romney-Patzer)

Minderheiten bescheren Obama die Mehrheit -- paradox, nicht?

Es waren die US-Bürger mit den niedrigeren Einkommen, die Obama wählten.
http://elections.nytimes....

Seinen Gegenkandidaten haben sie als einen Anwalt der Reichen wahrgenommen.
http://www.fr-online.de/p...

Das wird aber ungern so gesagt. Da unter den Geringverdienern die ethnischen Minderheiten (wie auch die Frauen) stärker repräsentiert sind, bieten sie sich dafür an, Obamas Wählerbasis rhetorisch zu verschleiern, indem man sie in ein Sammelsurium von "Minderheiten" zerlegt.