Barack ObamaNicht Netanjahus erste Wahl

Es ist kein Geheimnis: Benjamin Netanjahu hätte lieber Mitt Romney als neuen US-Präsidenten gesehen. Was bedeutet dies für das amerikanisch-israelische Verhältnis? von 

Netanjahu und Obama

Netanjahu und Obama  |  © Kevin Lamarque/Reuters

Wird sich Barack Obama an Benjamin Netanjahu rächen? Am Tag nach der Wahl in den USA fragt man sich das in Israel ernsthaft. Nicht nur hat der israelische Premier dem alten und neuen Präsidenten oft genug das Leben schwer gemacht – Stichwort: Siedlungsbau – nein, er machte auch nie einen Hehl daraus, dass er lieber Romney als Obama im Weißen Haus gesehen hätte .

Obama, so lautet nun manche Spekulation in Israel, könnte es "Bibi" Netanjahu einfach gleichtun und seine Präferenzen im anstehenden israelischen Wahlkampf deutlich machen. Israel entscheidet am 22. Januar über seine nächste Regierung , und dabei wird auch die Haltung der Vereinigten Staaten eine wichtige Rolle spielen. "Die Israelis haben gerne selbstbewusste Regierungschefs", prophezeite Amir Oren in Haaretz , "aber nicht unbedingt so hitzköpfige, die sie sich auf eine direkte Konfrontation mit den Weißen Haus einlassen“. Anders formuliert: Würde Obama seine Sympathien für Netanjahus Rivalen kundtun – und es gibt nicht wenige in Israel, die sich das geradezu wünschen –, könnte das durchaus die Wähler beeinflussen.

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Die Frage nach Obamas möglicher Rache stand auch im Raum, als sich am Mittwochmorgen der amerikanische Botschafter in Israel, Daniel Shapiro, zu einer Gesprächsrunde im Tel Aviver Institute for National Security Studies einfand. Shapiro, ganz Diplomat, lobte indes die "großartige Kontinuität" der bilateralen Beziehungen. Die starke Verbundenheit zwischen beiden Ländern existiere unabhängig von allen Wahlergebnissen. Außerdem sei Obama "ein sehr strategischer Denker, der sich nicht von Emotionen" beeinflussen lasse. Jeder, der Obama kenne, wisse: "Das ist nicht seine Art, zu denken und zu regieren." Zu seinen Prioritäten gehöre eine enge gemeinsame Sicherheitskooperation ebenso wie das Ziel, Israel zu helfen, Frieden mit seinen Nachbarn zu finden.

Engagiert sich Obama mehr im Nahen Osten?

Zudem sei Obamas Linie in der Iran-Politik klar: Der Iran dürfe sich nicht zu einer Atommacht entwickeln. Die militärische Option sei nicht die bevorzugte Handlungsoption, was sich ja aber auch letztlich mit der israelischen Position decken würde. Soweit, so bekannt: In der Einschätzung der Gefahr, die von einer iranischen Atombombe ausgeht, gibt es kaum Unterschiede zwischen beiden Ländern. In der Frage, wie und wann zu reagieren ist, sehr wohl.

Im anstehenden Wahlkampf in Israel wird aber nicht nur entscheidend sein, wie sich Obama im Atomstreit mit dem Iran verhält, sondern auch, wie er mit den Folgen der arabischen Umbrüche umgeht. In Israels Nachbarland Syrien tobt ein Bürgerkrieg, im Nachbarland Ägypten ist noch nicht wirklich klar, wohin die Entwicklung führt.

Eher unwahrscheinlich ist indes, dass sich Obama sehr viel stärker im Nahost-Friedensprozess (beziehungsweise was davon übrig ist) engagieren wird als bisher schon. Nach so vielen  gescheiterten Versuchen in der Vergangenheit wird er kaum wie Bill Clinton seine zweite Amtsperiode dazu aufwenden, ein Abkommen zwischen Israelis und Palästinensern zu erreichen. Für den US-Botschafter Shapiro besteht indes kein Zweifel: Direkte Verhandlungen zwischen den beiden Konfliktparteien seien "eine Priorität". Sollten allerdings die Palästinenser Ende des Monates vor der UN-Generalversammlung einen permanenten Beobachterstatus zu erlangen suchen, würde das die Sache nur erschweren. "Deshalb versuchen wir, sie davon abzuhalten,“ sagte Shapiro. 

Abbas bringt Debatte in Gang

Vielleicht gibt es dennoch Bewegung. Der palästinensische Präsident könnte dazu einen Anstoß gegeben haben. Denn in einem Interview gab Mahmud Abbas , der mit seiner Familie einst aus Safed geflüchtet war, zu Protokoll, dass er nicht vorhabe, dorthin je wieder zurückzuziehen , allenfalls als Tourist würde er sich die heutige israelische Stadt anschauen wollen. Dass er wenig später auf Arabisch seine Aussage schon wieder relativierte, (es hätte sich nur um eine ganz persönliche Stellungnahme gehandelt und keinesfalls um einen Verzicht des Rückkehrrechts) ändert daran nicht viel. "Abbas Erklärung ist wichtig", sagte auch Sallai Meridor, der von 2006 bis 2009 unter Ehud Olmert in Washington Israels Botschafter war. Die große Frage sei nur, ob es die aktuelle Lage in der arabischen Welt Präsident Obama erlaube, in einen israelisch-palästinensischen Friedensprozess zu investieren.

Abschließend plädierte der Leiter des Instituts for National Security Studies, Amos Yadlin, für ein erneutes "Vertrauensverhältnis" zwischen den Regierungschefs der beiden Länder – gemeint waren Israel und die Vereinigten Staaten. Was sowohl als Seitenhieb auf Netanjahu wie auch eine Aufforderung an ihn aufgefasst werden kann. Oder an seine oder seinen Nachfolger. Viele Entscheidungen müssten in nächster Zeit getroffen werden, sagte Yadlin, der einer der Piloten war, die 1981 die Angriffe auf den irakischen Reaktor Osirak geflogen hatten. Dann rief er Obama dazu auf, doch endlich einmal Israel zu besuchen, wenn auch hier die neue Regierung feststehe  – ein Land, um das der US-Präsident während aller seiner Reisen bisher einen großen Bogen gemacht hat.

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Leserkommentare
  1. Kein Präventivschlag gegen den Iran. Das ist auf den Frieden in der Welt irgendwie die wichtigste Konsequenz des Wahlergebnisses.

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    Schoen wie selten kann man an Ihrem Kommentar erkennen, was so absurd ist in diesem Land hier:

    In Syrien werden bereits ueber 30.000 Tote beklagt, aber ein Angriff auf die Iranischen Atomanlagen, das ist die grosse Furcht der Heuchler und der "Frieden auf der Welt" sei gesichert. Na da koennen die Familien der Ermordeten Syrer ja froh sein, dass die Schutzmacht von Assad weiterhin unbehelligt bleibt und dieser sein Morden fortsetzen kann.
    Super Frieden!! Alles ganz toll.

  2. 5 Leserempfehlungen
  3. Es ist wahrhaftig nicht so, daß Obama auf Bibi angewiesen wäre. Es ist genau umgekehrt.

    Bibi ist ein unberechenbarer Radikaler mit einer Schachtel Streichhölzer in der Hand, der es einfach nicht verknusern kann, daß der amerikanische Präsident seine Unverschämtheiten souverän ignoriert.

    Ich sage es seit den 90ern: Bibi ist der völlig falsche Mann für Israel.

    30 Leserempfehlungen
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    .. Bibi ist der völlig falsche Mann für Israel.<<

    das haben sich wohl auch die palästinensischen radikalen gesagt, die netanyahu letztlich seine wahlerfolge bescherten.
    für den stimmte man nämlich vor allem wegen des palästinenser-terrors: 1996 in reaktion auf eine welle von selbstmordanschlägen auf zivilisten und 2009 unter dem eindruck des raketenterrors aus gaza.
    die hamas räumte seinerzeit ja öffentl. ein, mit ihrem blutigen terror die wahl des hardliners anschieben und so den konflikt in richtung endkampf mit den verhassten 'zionisten' zuspitzen zu wollen.
    eine 'zuspitzung' hat sie den gazanern dann ja auch eingebrockt.

    Schon das Bild spricht Bände. Neben einem frischen Obama sieht Netanjahu sieht aus wie Mr. Burns...

  4. Unter Republikanern wurden in den letzten 20 Jahren aktiv Kriege geführten. Nun will ich den US-Demokraten keine grundsätzliche Friedfertigkeit unterstellen, aber die Unterschiede scheinen mir doch sehr gravierend.
    Angesichts dessen wird mir klar, warum die europäische Bevölkerung Obama bevorzugt und die israelische Regierung Romney.

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    • Socke9
    • 07. November 2012 22:40 Uhr

    nicht vergessen wer den Vietnamkrieg, die wohl erste gewaltige Fehlentscheidung in der Außenpolitik, zu verschulden hat.

  5. >Nicht Netanjahus erste Wahl
    Es ist kein Geheimnis: Benjamin Netanjahu hätte lieber Mitt Romney als neuen US-Präsidenten gesehen.

    Klar, weil die Republikaner viel eher mit Netanjahu zusammen den Knopf gedrückt hätten. Obama schaltet vorher das Hirn ein und (nicht nur) deswegen ist der Ausgang der Wahl ein glücklicher.

    Ich habe keinen Bock auf einen brennenden nahen Osten, nur weil die paranoiden Israelis durchdrehen.

    9 Leserempfehlungen
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    Die wollen das ganze gar nicht. Aus dem Shitstorm 'Israel loves Iran' ist mittlerweile eine spendenfinanzierte Plakataktion geworden. Die Plakate hängen an israelischen Bushaltestellen oder auf Bussen etc.

    Der durchschnittliche Israeli (und der durchschnittliche Iraner) will gar keinen Krieg. Viele Israelis sehnen sich nur noch nach Frieden, aber Netanjahu und eine radikale Minderheit zündeln weiter über den Kopf des Volkes hinweg.

    Es ist heute noch ein Jammer! Israel war mit Rabin auf der Zielgeraden in Richtung Frieden. Netanjahu hat alles zunichte gemacht.

  6. Die wollen das ganze gar nicht. Aus dem Shitstorm 'Israel loves Iran' ist mittlerweile eine spendenfinanzierte Plakataktion geworden. Die Plakate hängen an israelischen Bushaltestellen oder auf Bussen etc.

    Der durchschnittliche Israeli (und der durchschnittliche Iraner) will gar keinen Krieg. Viele Israelis sehnen sich nur noch nach Frieden, aber Netanjahu und eine radikale Minderheit zündeln weiter über den Kopf des Volkes hinweg.

    Es ist heute noch ein Jammer! Israel war mit Rabin auf der Zielgeraden in Richtung Frieden. Netanjahu hat alles zunichte gemacht.

    19 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Gott sei Dank."
    • biggerB
    • 07. November 2012 19:54 Uhr

    "Die starke Verbundenheit zwischen beiden Ländern existiere unabhängig von allen Wahlergebnissen. Außerdem sei Obama "ein sehr strategischer Denker, der sich nicht von Emotionen" beeinflussen lasse.

    allerdings NUR, solange Kameras und Mikrofone zugelassen sind.

    Schätze allerdings schon, daß Obama diesem KRIEGSTREIBER Netanjahu hinter "verschlossenen Türen" endlich mal eine verdiente und lehrhafte "Maulschelle" verpasst!

    Kann ja wohl nicht angehen, daß über Jahre hinweg,
    "der Schwanz mit dem Hund wedelt"!!!

    MfG
    biggerB

    3 Leserempfehlungen
  7. ist Obama?

    2 Leserempfehlungen
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    Europa im Israel-/Palästina-Konflikt?

    • Heinz_K
    • 10. November 2012 20:28 Uhr

    Wer ist Obama .Das können wir erst nach seiner zweiten Amtszeit ein - bißchen - besser beantworten !
    Warum wir Ihn trotzdem lieben ? Es gibt nichts besseres ! Gegen manche Republikaner ist ja selbst Ahmedinadjad ein Liberaler !
    Wird nur noch Zeit ,das auch in Israel wieder ein neuer Rabin gewählt wird .
    Die beste Waffe der Demokraten ist immer noch die freie Meinung und die freien Medien !
    Der menschenfeindliche Vietnamkrieg und auch der menschenfeindliche Kommunismus sind nicht zuletzt auch durch die öffentliche Meinung beendet worden!
    Und auch im Iran gibt es Internet !!!

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Barack Obama | Benjamin Netanjahu | Wahl | Mahmud Abbas | Bill Clinton | Ehud Olmert
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