"Das darf nicht wahr sein", flucht Maria, "ich glaub's einfach nicht!" Auf dem großen Bildschirm im Westin Hotel in Manhattan läuft die Meldung, vor der sich alle gefürchtet haben: Obama hat Ohio gewonnen. Knapp, aber eben doch gewonnen.

Danach dauert es nur Minuten, bis Fox News das Handtuch wirft. Präsident Barack Obama bleibt Präsident , verkündet der rechte Sender, der bei der Wahlfete der jungen Republikaner in New York läuft.

Anfangs, bei den frühen Erfolgsmeldungen für Mitt Romney , hatten noch alle gejubelt. Arizona, North Dakota, Nebraska, Wyoming, Texas ...  Staat um Staat ging an den Herausforderer, bloß waren das alles Staaten, die die Republikaner ohnehin sicher hatten. Der erste kleine Schock kam, als Pennsylvania demokratisch wurde, und zwar mit deutlichem Abstand.

Dann New Jersey, New Mexico und die Swing States Wisconsin und Iowa. Schließlich Ohio, das Romney flächendeckend mit Fernsehwerbung hatte überfluten lassen. Auch in Florida liegt Obama knapp vorne.

Und nicht nur Romney verlor, auch die Favoriten der Evangelikalen und der Tea Party: Richard Mourdock, Scott Brown, zum Beispiel. Hingegen haben sich die Hoffnungsträger – Chris Christie, Marco Rubio – zurückgehalten. Christie war Romneys erste Wahl als Vize gewesen; nicht nur hatte er abgesagt, er war Tage vor der Wahl mit Obama im Hurrikangebiet vor den TV-Kameras herumgewandert.

"Alle Republikaner von New York sind in diesem Raum"

Die New Yorker Republikaner sind ein kleines Trüpplein; Chairman ist Edward Cox, ein Anwalt, der mit Richard Nixons Tochter verheiratet ist. Ihr einziger Star, Rudy Giuliani, lässt sich nicht blicken, sein Nachfolger Michael Bloomberg ging schon zu Bush-Zeiten von der Fahne.

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"Praktisch alle Republikaner von New York sind in diesem Raum", meint David Shimkin, der in der Bronx aufgewachsen ist und in Brooklyn lebt. "Wenn hier ein Flugzeug reinfliegen würde, wäre die Partei ausgelöscht."

Der Anwalt ist, wie er bemerkt, das "schwarze Schaf" der Familie. Sein Vater, ein russischer Jude, ist Demokrat, auch seine hispanische Mutter. Wieso ist er aus der Art geschlagen? "Als Kind wurde mir erzählt, die Demokraten kümmern sich um die Armen und die Republikaner sind reich, aber dann war ich in der Bronx auf dem College und an der Columbia University, und habe gemerkt, das sind alles Demokraten aus reichen Familien, die auf mich herabsehen."

David findet es unverständlich, dass die meisten Hispanics Demokraten sind. "Das sind natürliche Republikaner, weil sie konservativ und religiös sind." Allerdings, die Republikaner dürften denen nicht dauernd mit Deportation drohen. "Ich habe zwei Cousins aus Südamerika, die haben zwar keine Papiere, aber die arbeiten."

Ungeheurer demografischer Wandel

Ähnliches sagt auch Richard Ivory, ein schlanker, junger Afro-Amerikaner, der das Blog HipHopRepublican.com betreibt. "Die Republikaner müssen sich urbanen Minderheiten öffnen, Schwarzen, Hispanics – ich habe Freunde aus Indien , die sind Republikaner, aber die Partei ignoriert die." Dabei stehe dem Land ein ungeheurer demografischer Wandel bevor, darauf müsste die Grand Old Party sich einstellen. Auch umgekehrt sei es für Afro-Amerikaner gut, wenn sie nicht auf nur eine Partei setzten.