Heute wählen rund 70 Prozent aller Latinos die Demokraten . Ist auch logisch: Die Demokraten geben sich ja als Partei der Minderheiten aus. Das funktioniert, weil heute die Latinos noch eine echte Minderheiten-Minderheit sind. In vier Jahren wird das anders sein, und man darf zu recht fragen: Denkt eine Super-Minderheit überhaupt noch wie eine Minderheit?

Je mehr Latinos in die amerikanische Mittelklasse drängen, desto weniger werden sie die etwas herablassende Hilfe der Demokraten brauchen. Umso stärker werden sie ihren inneren katholischen Konservativismus wieder entdecken. Wollen wirtschaftlich aufstrebende Latinos mit starken Familienwerten wirklich eine Partei wählen, die für die Homo-Ehe und gegen ein Abtreibungsverbot ist?

In Deutschland findet ein ähnlicher Prozess statt. Heute noch begreifen sich viele Türken hierzulande nicht als eine starke politische Einheit, sondern als Fremdkörper. Deshalb springt die Politik so heuchlerisch mit ihnen um: Man muss aus moralischen Gründen immer wieder irgendwas von "Integration" erzählen, aber die eigentlichen Interessen der Einwanderer muss keiner beachten. Doch je mehr Türken sich einbürgern lassen, desto mehr entwickeln sie sich zur politischen Interessengruppe.

Ein türkischstämmiger CDU-Bundeskanzler!

Ich wäre zu gerne dabei, wenn hier in ein oder zwei Generationen der erste türkischstämmige CDU-Bundeskanzler einen Skandal entfacht, wenn er bei laufender Kamera einen rassistischen Witz über den schwarzen Fraktionsvorsitzenden der Opposition loslässt.

Republikanische Politstars wie New-Mexico-Gouverneurin Susana Martinez, Florida-Senator Marco Rubio oder Tea-Party-Star Ted Cruz, die man in vier Jahren möglicherweise auf der Kandidatenliste der Grand Old Party sehen wird, zeigen deutlich: Republikaner und Latinos schließen sich nicht mehr grundsätzlich aus.

Wie holt man die Latinos ins Boot? Reicht es, wenn man die Einwanderungspolitik lockert? Reicht es, wenn man einen Latino-Kandidaten aufstellt? Muss man gleich Mexiko zum 51. Bundesstaat erklären? Oder müssen beide Parteien grundsätzlich umdenken?

Das sind die Herausforderungen, die in den nächsten Jahren nicht nur die Republikaner, sondern auch die Demokraten maßgeblich umkrempeln werden. Ich wäre nicht überrascht, wenn beide Parteien sich so stark verändern werden, dass sie aus heutiger Sicht nicht mehr erkennbar wären.

Und ich freue mich schon auf den nächsten spannenden Wahlkampf, natürlich zwischen zwei Latino-Kandidaten: Einerseits der Erzkatholik, der die guten alten Werte zurückbringen will, ein starkes, vom Rest der Welt abgeschottetes Amerika verspricht und gerne darauf hinweist, dass die ersten amerikanischen Cowboys Spanier waren, und andererseits der sexy Harvard-Absolvent, der eigenhändig die Mauer nach Mexiko niederreißen will und besser Salsa tanzen kann als Obama.