Wir Amis / Nach der US-Wahl : Das war's mit der Tea Party
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In Deutschland findet ein ähnlicher Prozess statt

Heute wählen rund 70 Prozent aller Latinos die Demokraten . Ist auch logisch: Die Demokraten geben sich ja als Partei der Minderheiten aus. Das funktioniert, weil heute die Latinos noch eine echte Minderheiten-Minderheit sind. In vier Jahren wird das anders sein, und man darf zu recht fragen: Denkt eine Super-Minderheit überhaupt noch wie eine Minderheit?

Je mehr Latinos in die amerikanische Mittelklasse drängen, desto weniger werden sie die etwas herablassende Hilfe der Demokraten brauchen. Umso stärker werden sie ihren inneren katholischen Konservativismus wieder entdecken. Wollen wirtschaftlich aufstrebende Latinos mit starken Familienwerten wirklich eine Partei wählen, die für die Homo-Ehe und gegen ein Abtreibungsverbot ist?

In Deutschland findet ein ähnlicher Prozess statt. Heute noch begreifen sich viele Türken hierzulande nicht als eine starke politische Einheit, sondern als Fremdkörper. Deshalb springt die Politik so heuchlerisch mit ihnen um: Man muss aus moralischen Gründen immer wieder irgendwas von "Integration" erzählen, aber die eigentlichen Interessen der Einwanderer muss keiner beachten. Doch je mehr Türken sich einbürgern lassen, desto mehr entwickeln sie sich zur politischen Interessengruppe.

Ein türkischstämmiger CDU-Bundeskanzler!

Ich wäre zu gerne dabei, wenn hier in ein oder zwei Generationen der erste türkischstämmige CDU-Bundeskanzler einen Skandal entfacht, wenn er bei laufender Kamera einen rassistischen Witz über den schwarzen Fraktionsvorsitzenden der Opposition loslässt.

Eric T. Hansen

© [M] Ralf IlgenfritzEric T. Hansen ist Amerikaner, Buchautor (Planet Germany) und Satiriker, der sein halbes Leben in Deutschland lebte, heute in Berlin. Sein aktuelles Buch ist Die ängstliche Supermacht: Warum Deutschland endlich erwachsen werden muss. Auf ZEIT ONLINE erklärt er einmal in der Woche die Eigenheiten seiner Heimat – und der Deutschen.

Republikanische Politstars wie New-Mexico-Gouverneurin Susana Martinez, Florida-Senator Marco Rubio oder Tea-Party-Star Ted Cruz, die man in vier Jahren möglicherweise auf der Kandidatenliste der Grand Old Party sehen wird, zeigen deutlich: Republikaner und Latinos schließen sich nicht mehr grundsätzlich aus.

Wie holt man die Latinos ins Boot? Reicht es, wenn man die Einwanderungspolitik lockert? Reicht es, wenn man einen Latino-Kandidaten aufstellt? Muss man gleich Mexiko zum 51. Bundesstaat erklären? Oder müssen beide Parteien grundsätzlich umdenken?

Das sind die Herausforderungen, die in den nächsten Jahren nicht nur die Republikaner, sondern auch die Demokraten maßgeblich umkrempeln werden. Ich wäre nicht überrascht, wenn beide Parteien sich so stark verändern werden, dass sie aus heutiger Sicht nicht mehr erkennbar wären.

Und ich freue mich schon auf den nächsten spannenden Wahlkampf, natürlich zwischen zwei Latino-Kandidaten: Einerseits der Erzkatholik, der die guten alten Werte zurückbringen will, ein starkes, vom Rest der Welt abgeschottetes Amerika verspricht und gerne darauf hinweist, dass die ersten amerikanischen Cowboys Spanier waren, und andererseits der sexy Harvard-Absolvent, der eigenhändig die Mauer nach Mexiko niederreißen will und besser Salsa tanzen kann als Obama.
 

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Kommentare

81 Kommentare Seite 1 von 11 Kommentieren

Überschrift + Einleitung vs. Rest des Artikels

Im Artikel klingt an, dass sich die Republikaner etwas mehr für Einwanderer und vor allem für die Latinos öffnen müssten, die mit vielen Republikanern christliche Überzeugungen teilen. Inwiefern dies das Ende der Tea Party bedeuten soll, wird im Artikel nicht klar. Da scheint mir der Wunsch Vater des Gedanken zu sein.

"Unnachgiebig und verbohrt" -- eben typisch deutsch

Die Evangelikalen sind bekanntlich zum großen Teil deutscher Abstammung. Viele sprechen bis heute deutsch. Es ist schwer, ihnen 'gemeinsame christliche Werte' zuzusprechen, weil es sich um zahllose verschiedene
einst aus Europa vertriebene Sekten handelt, die von den
Wiedertäufern, Mennoniten, Amischen, Mährischen Brüdern, Hussiten, Doukhobors, Herrenhutern bis zu Quakern und Shakern britischer Abstammung rangieren. Gemeinsam haben sie ihren sturen Hass gegen alle Farbigen, gegen Ausländer, gegen Steuern und gegen den Staat als Institution. Viele leben noch wie im 18. Jahrhundert mit Pferd und Wagen und verweigern alle modernen Neuerungen. Die Legenden der Bibel gelten ihnen als Fakten.

Zum christlichen Fundamentalismus : Fels oder Sand?

Jesus hat in Matth. 7, 24 - 27 beispielhaft erklärt, worin sich ein gutes "Fundament" vom schlechten unterscheidet.
Darin verdeutlicht er, dass der Glaube an seine Worte in der Bergpredigt (K.5-7) vom entsprechenden TUN untermauert sein müsse, ansonsten hätten selbst "gläubigste" (Wort-) Christen nur auf "Sand" gebaut.

Bekennende Christen sind stets an ihren "Früchten" zu erkennen und zu messen - egal ob es sich um verbal-inspirierte "Fundis", historisch-kritische Bibelexegeten, oder handlungsorientierte Liberale handelt.

Solange sich die div. Richtungen nicht gegenseitig als "falschgläubig" beharken, um sich selbst als ausschließende (ideologische) Wahrheitspächter zu betrachten, könnte man in diesem Sinne dem christl. " Werte-Fundamentalismus" durchaus positive Seiten abgewinnen.

Ein gesegnetes Wochenende,
Gruß Lucy

Ob der Sieg wirklich so knapp war?

Durch das Wahlmänner-System auf Bundesstaatsebene scheint mir das Ergebnis beileibe nicht so knapp für Obama gewesen zu sein; prozentuale Anteile sind dabei nunmal nicht ausschlaggebend.
Nach den Berechnungen meiner amerikanischen Lieblingszeitung sieht das für die Republikaner das momentan erreichbare Wahlmännerpotential nämlich nicht so gut aus:
http://www.washingtonpost...

Jedenfalls ist es in jedem Fall für beide Seiten wichtig, sich an der gemäßigten Mitte der Wähler zu orientieren, die übrigens anscheinend bei weitem nicht mehr so schwulenkritisch sind, wie die Republikaner dachten. Solange also Homosexualität nicht offensiv gegen Familienwerte in Stellung gebracht wird, können vermutlich auch viele Latinos damit leben.
Wenn sich also die Demokraten vom politisch-korrekten Klamauk der linksliberalen Boheme fernhalten, werden die Republikaner es weiterhin schwer haben. Erst wenn die "GOP" lernt, sich aus dem Privatleben der Leute rauszuhalten und "small government" auch dort wirklich ernst zu nehmen, werden sie die gemäßigten Wähler nicht mehr vergraulen.

Prozentual war es auch in einzelnen Staaten knapp

Die Anzahl der Wahlmänner, die für Obama stimmen werden, ist natürlich alles andere als knapp, sogar die 300er-Grenze hat Obama übersprungen und kann das Ergebnis mit einem Gewinn in Florida noch steigern (dort scheint es ja noch nicht ganz klar zu sein?).

In den einzelnen gewonnenen Staaten war das Ergebnis jedoch knapp. Ohio natürlich mit 50%/48%, Virginia mit 51%/48% war auch kein Selbstläufer.

Bemerkenswert ist allerdings, dass Obama weder Florida noch Ohio noch Virginia benötigte, weil er in allen anderen Swing States mit Ausnahme North Carolina teilweise deutlich gewann. Wer außer Nate Silver hätte ein Szenario ohne alle drei großen Brocken FOV für wahrscheinlich gehalten?

Für möglich gehalten...

... hat das vor allem die demokratische Kampagne, Leute wie Axelrodt. Die haben mit den gleichen Zahlen gearbeitet und waren quasi per Du mit jedem Wähler, den sie brauchten, bevor Romney durch die Primaries war. Sie wußten quasi bis zu den Stadteilen hin genau, wo sie welche Werbung schalten mussten. Wer sich mit den Mechanismen dieser Kampagne beschäftigt, der muss schon ein ausgeprochener Technokrat sein, um da nicht auch Bedenken zu bekommen.

Die Wahlbeteiligung bei den Präsidentschaftswahlen in den USA

entspricht durchschnittlich etwa unserem Niveau auf kommunaler Ebene, nämlich um die 45-50 50%.
Die höchste Wahlbeteiligung seit 1972 dank des Obama-Hypes 2008 betrug 56,80% von 231.229 Wahlberechtigten US-Amerikanern.
2012 dürfte sie deutlich aus diversen Gründen (-50%) deutlich niedriger ausgefallen sein, was in einigen Wochen amtlich ist.
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Bei den deutschen Bundestagswahlen lag die Wahlbeteiligung (Quote) bis zur Wiedervereinigung meist deutlich über 80 Prozent, seit der Wende meist darunter, zuletzt 2009 - die niedrigste - mit 70,9%

Vergleicht man trotz des bundesdeutschen Abwärtstrends das Wählerverhalten mit dem der USA zeigt sich, wie wenig man Obamas Wahlerfolg tatsächlich als "Mehrheits-Sieg" in der Bevölkerung bezeichnen kann.
Nach deutschen Maßstäben, wären mehr als 50% NICHTwähler eine schwere Klatsche für unsere parlamentarische Demokratie.

Anders gesagt: Obama muss sich seinen Status "Präsident aller Amerikaner" zu sein in den kommenden 4 Jahren schwer erarbeiten.
Da seine kluge Michelle und einstige Chefin ihm als seine offizielle engste Beraterin und Vertraute mit Rat und Tat zur Seite steht, kann man auf ein erfolgreiches Gelingen seiner Amtszeit hoffen.

Ich bin davon überzeugt, dass die höhere Frauenquote zu seinen Gunsten auf das Konto des Einflusses und Vorbild der "First Lady" zurückzuführen ist.
Frauen wollen sich heutzutage mit "starken" Frauenpersönlichkeiten identifizieren und weniger mit "Gattinnen an seiner Seite".

ein absehbares Resultat...

Nate Silver mag der Herr des Algorithmus sein, aber Obamas erstes 2tes Mal war zu jedem beliebigen Zeitpunkt im Jahr 2012 absehbar.
Größter Fehler war meiner Meinung nach, dass sich die republikanischen Kandidaten für das Präsidentenamt in einer Dreckschlacht gegenseitig beschmutzt und unglaubwürdig/lächerlich gemacht haben.
Übrig blieb der Kandidat mit dem sich keiner assoziieren kann, einer der bis zum 16.10.2012 keine Meinung hatte.
Mitt Romney - eine formlose Knetmasse für die Republikaner.

Der Vergleich der Wahlbeteiligungen ist nicht ganz zutreffend

Zitat Nr.4: Lucy Meineke: “Die Wahlbeteiligung bei den Präsidentschaftswahlen in den USA“ entspricht durchschnittlich etwa unserem Niveau auf kommunaler Ebene, nämlich um die 45-50 50%. … Bei den deutschen Bundestagswahlen lag die Wahlbeteiligung (Quote) bis zur Wiedervereinigung meist deutlich über 80 Prozent, seit der Wende meist darunter, zuletzt 2009 - die niedrigste - mit 70,9% .- Nach deutschen Maßstäben, wären mehr als 50% NICHTwähler eine schwere Klatsche für unsere parlamentarische Demokratie“

Die Wahlbeteiligungen in Deutschland und den USA lassen sich nicht so einfach vergleichen. In Deutschland erhält jeder Wähler vor jeder Wahl eine Wahlbenachrichtigung zugestellt. In den USA müssen sich die Wähler vor einer Wahl registrieren lassen. Das erfordert ein stärkeres aktives Verhaltens des Wählers.

Berichten vor der Wahl zufolge, soll es zudem – vor allem in den südlichen Staaten – nicht selten zu Behinderungen missliebiger Wählergruppen wie der afroamerikanischen schon bei der Registrierung gekommen sein. Außerdem haben einige – in der Regel „republikanische“ Staaten die Registrierungsbedingungen so geändert, das gerade für sozial schwächeren Bevölkerungsschichten neue Hürden bei der Registrierung entstanden sind.

Insofern ist es nur logisch, dass die Wahlbeteiligung in USA niedriger ist als in Deutschland. Man sollte daher mit dem Urtei „schwere Klatsche für unsere parlamentarische Demokratie“ vorsichtiger sein.

USA - Kein Vorbild für moderne Demokratiegesellschaften

Gut, dass Sie die Unterschiede mit der Zulassung zur Wahl nochmal erklärt haben.
Ich bin vereinfachend von der reinen Anzahl der tatsächlichen Stimmabgaben ausgegangen, um bewusst zu machen, wie marginal im Endeffekt die tatsächliche Zustimmung für den jeweiligen Kandidaten ausschaut. ( etwa 25-30% der Gesamtbevölkerung im Wahlalter über 18 J.)
Etwa 7 -10% Prozent der Bevölkerung im Wahlalter sind gar nicht wahlberechtigt (wozu u.a.auch die Straffälligen sogar NACH Haftverbüßung gehören - bei uns undenkbar)
http://www.zeit.de/politi...

Die USA haben nach meinem Dafürhalten die schlechteste von allen "westlichen" Demokratie-Formen.
Oder hat jemand darunter dgl. noch mehr zu bieten?

Und nach diesem lausigen Vorbild wird auch noch -europäisch geschichtsvergessen- von der Zielvorstellung des zu schaffenden Konstrukts "Vereinigte Staaten von Europa" gefaselt.
Europa auf "US-amerikanisch" ? >>> Nein danke, so nicht!