Nach der US-WahlDas war's mit der Tea Party

War Romney zu lasch? Oder waren die Republikaner zu radikal? Wie auch immer: In vier Jahren wird die Partei nicht mehr wiederzuerkennen sein. von 

Unterstützer der Tea-Party-Ikone Michele Bachmann (Archivbild)

Unterstützer der Tea-Party-Ikone Michele Bachmann (Archivbild)  |  © Jason Andrew/Getty Images

Die Absage an Mitt Romney und Paul Ryan war auch eine Absage an den gesamten radikalen Flügel der Republikaner. Ab jetzt wird die Partei ihre Einstellungen zu Rassismus, Frauen- und Ausländerfeindlichkeit und Gottesgläubigkeit grundsätzlich überdenken müssen. Die Republikaner brauchen eine neue Richtung.

Die große Frage, die sich die Partei nach dieser Niederlage stellt, ist: Haben wir verloren, weil Mitt Romney zu radikal war? Oder weil er nicht radikal genug war? Rein prozentual gerechnet bekamen die Republikaner fast die Hälfte aller Stimmen . Ihre Politik wurde also nicht grundsätzlich abgelehnt, nur von einer Handvoll Wählern. War man aus Sicht dieser Wähler zu weit gegangen, oder nicht weit genug?

Anzeige

Die Tea Party ist für die Republikaner Segen und Fluch zugleich. Einerseits handelt es sich um eine sehr engagierte Wählerbasis, die dem amerikanischen Konservatismus neues Leben eingehaucht hat. Andererseits ist es eine verhältnismäßig kleine Gruppe Radikaler, die der Partei wie ein Klotz am Bein hängt.

Mehr oder weniger Tea Party?

Das sah man bei Romney: Der ursprünglich moderate Kandidat musste während der Vorwahlen extreme Meinungen von sich geben, um den radikalen Flügel, der die primaries bestimmte, von sich zu überzeugen. Hatte er die Vorwahlen einmal hinter sich, musste er die unentschlossenen Wähler, die zwischen den Republikanern und den Demokraten sitzen, überzeugen: Dafür kehrte er zu seinem alten moderaten Selbst zurück. Die Strategie ging auf: Er hat fast gewonnen. Aber eben nur fast.

In den nächsten Monaten wird man in der Partei also eine Sache heftig diskutieren: Brauchen wir weniger Tea Party. Oder mehr?

Egal, wie man entscheidet, die Grand Old Party von 2016 wird anders aussehen als die von heute. Vermutlich sogar drastisch. Denn es gibt eine weitere Frage, die nicht nur die Republikaner beantworten müssen, sondern auch die Demokraten: Wie ticken die Latinos eigentlich?

Anti-Einwanderungspolitik hat in Amerika eine lange Tradition. Allerdings verspricht sie nur vorübergehend Erfolg. Solange die Zahl der Migranten klein ist, und sie sich im neuen Land als Gäste begreifen, kann man sie getrost piesacken. Aber Migrantengemeinden wachsen, und schlimmer noch, sie entwickeln ein Selbstbewusstsein. Ab dann bestimmen sie die Politik mit, und die Hetzreden gegen sie werden immer kleinlauter.

Bis zur nächsten Wahlperiode wird die Latino-Bevölkerung in Amerika so weit angewachsen sein, dass keine Partei einen Präsidenten ohne ihre Stimmen stellen kann. Doch welche Partei wird bis 2016 die "Partei der Latinos" sein?

Leserkommentare
  1. Wie alle Lebewesen auf diesem Herrlichen Planeten, mit dieser warmen Sonne.

    :-) ....Eric T. Hansen

    Das ist wirklich Beruhigend.

  2. "Die Tea Party ist in Wahrheit eine tiefgreifende Bewegung zur Reformierung der Republikanischen Partei." Mag sein, und ich würde weder konservative noch republikanische Einstellungen per se verteufeln. In der Realität müssen sich die Republikaner aber an ihren Galionsfiguren messen lassen. Und diesen Figuren in einer aufgeklärten Welt noch mehr Macht und Einfluss zu geben, sehen die Amerikaner wohl kritisch.

    • otnorot
    • 08. November 2012 22:17 Uhr

    Man kann in etwa die Denkweisen der deutschen CDU/CSU-Konservativen mit der Denkweise der US-Konservativen vergleichen. Die stärker konservative CSU hat dabei einen Hang nach einer ähnlichen Exclusivität wie in den Staaten die Boston Tea-Party Fanatiker: Beide versuchen dem Volk zu suggerieren: "Wir sind die einzig Frommen und Wahrhaftigen im Land und vertreten christliche Werte und Normen!. Fremde Einwanderer brauchen und wollen wir nicht, weil die mit ihren Kulturen und Religionen nicht zu uns gehören.
    Alles in Alle: eine im 21. Jahrhundert total antiqierte Denkweise!
    Die Konervativen in den USA haben eine erste Quittung bekommen - den christlich-demokratischen Konservativen Deutschlands steht bald ähnliches bevor!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    .
    "... Fremde Einwanderer brauchen und wollen wir nicht, weil die mit ihren Kulturen und Religionen nicht zu uns gehören.
    Alles in Allem: eine im 21. Jahrhundert total antiqierte Denkweise!
    Die Konervativen in den USA haben eine erste Quittung bekommen - den christlich-demokratischen Konservativen Deutschlands steht bald ähnliches bevor! ..."

    Es könnte aber auch passieren, dass 'God's Own Party' weiter radikalisiert.

    Das grossse Problem mit den fundamentalistischen Evangeliban in Amerika sind die unvorstellbaren Haufen Geldes, über welche diese Menschenverächter verfügen und mit dem die sich geradezu alles kaufen können was sie wollen (Man erinnere sich an den legalitären Putsch gegen Al Gore, billig* gekooft mit dem Geld von Big-Oil).

    *billig im Vergleich dazu, was es ihnen unter'm Strich eingebracht hat.

  3. so dachte man hier vielleicht auch nach dem abscheiden von
    helmut der große dass die cdu u. csu am ende sind:
    keine persönlichkeiten weit un breit, keine kluge köpfe und
    erneuerbare ideen. doch es kamm und kommt immer anders.
    der wahlgang ist so irrational und unfernünftig in seine dynamik dass es immer ein wunder ist wenn wirklich der bessere durchkommt. denn menschen wählen mit alles andere als mit dem kopf !

    • devise
    • 08. November 2012 22:45 Uhr
    37. Oops,

    Herr Hansen. "{...],die versucht haben, die Deutschen und Irren zu vertreiben."???

    • WolfHai
    • 08. November 2012 23:02 Uhr

    "...aber wie sind Sie [der Autor] bloß auf die Idee gekommen, dass eine katholisch geprägte Gruppe zwangsläufigerweise konservativ sei?"

    Ja, hier beißen sich die Definitionen von "konservativ". In Deutschland steht das Verhältnis zum Markt und zum Individualismus im Vordergrund - und da ist die katholische Soziallehre natürlich "links". In den USA steht aber Kampf um "Werte" eine Rolle, es geht um den "culture war". Und da ist konservativ wer gegen Abtreibung, gegen vorehelichen Sex, gegen die homosexuelle Ehe, gegen laissez-faire bei Drogen, für starke Religiosität u.ä. ist (http://en.wikipedia.org/wiki/Culture_war). Der Katholizismus ist bei dieser Definition tendenziell konsvervativ; da hat Autor Hansen Recht. Ich kenne jedenfalls keinen katholischen Bischof, der nicht gegen die Abtreibung ist. Und Homosexualität wird da auch nicht gern gesehen.

  4. Ich mag Sie, weil Sie so schön satirisch-anschaulich die amerikanischen und deutschen Befindlichkeiten auf den Punkt zu bringen verstehen.
    Dennoch verwirrt mich Ihr Bekenntnis zur Tea-Party doch etwas, wegen der Begründung:
    "Ich mag sie, weil sie so extrem sind, aber vor allem, weil sie effektiv sind..."

    Verkürzt gesagt (aus dem Internet) "gilt "Effektivität" als Beurteilungskriterium, mit dem sich beschreiben lässt, ob eine Maßnahme geeignet ist, ein vorgegebenes Ziel in einer bestimmten Art und Weise zu erreichen."

    Politische Vorliebe für Extreme und Effekte bloß um ihrer selbst willen - ohne genauere Zielbeschreibung - (was ist schon "konservativ" "Konservatismus") zu hegen, wirkt inhaltlich ziemlich anspruchslos.
    Ist es das was "wir Deutsche" an den "Amis" in ihrer Mentalität als oberflächlich, weil zu unkritisch finden?

    Oder ist Ihre Begeisterung pro Teaparty allein wegen dieser simplen Qualitätsbeschreibung nur satirisch gemeint?

    Dennoch bleibt die Frage offen:
    Welchen "Konservatismus" vertritt diese "konservative" Wertebewegung, den sie vermutlich so als verehrungswürdig anpreisen?
    Denn auch uneingeschränkte Fortschrittsgläubigkeit kann z.B.religiöse- und damit "wert"konservative Züge tragen.

    Will sagen:
    "Konservativ" kann alles sein, wenn man es nur dazu erklärt

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • WolfHai
    • 08. November 2012 23:16 Uhr

    Einen gewissen Respekt davor, dass Leute wirklich etwas zu Stande kriegen, darf man m.E. haben. In Deutschland bewundern wir natürlich vielfach den edlen Verlierer und leiden dann stellvertretend, aber eben edel, ganz schrecklich. Das ist enorm romantisch, aber nicht unbedingt von Vorteil für das Gute in der Welt. Und wirklich glücklich macht das auch nicht.

    • diona
    • 08. November 2012 23:14 Uhr

    Leider kann ich der Aussage, dass die Tea-Party-Bewegung den konservativen Kern Amerika´s vertritt, nicht zustimmen.
    Die Grundüberzeugungen der Tea-Party (=Kapitalismus ohne Berücksichtigung sozialer Sicherung und Werte) stammen von Ayn Rand (=Alissa Sinowjewna Rozenbaum), die ihre in Russland erworbenen Philosophien in Amerika publizierte. Alan Greenspan und Paul Ryan huldigen ebenfalls den Ansichten der Ayn Rand. Beschäftigt sich Ayn Rand mit konservativen Thesen bzw. Themen? Nein, wie denn auch, als russische Einwanderin fehlten ihr vollkommen die historischen und bildungspolitischen Kontexte. Trotzdem werden ihre Gedanken in höchsten amerikanischen Kreis-chen gefeiert. Warum? -Weil ein Kreis, der besonders vermögend, einflussreich und bestens vernetzt ist, pseudo-konservativ mutiert ist, und nun unter dem Deck-Mäntelchen Konservatismus Amerika lähmt.
    Dabei hat Amerika tatsächlich eine positive Geschichte des Amerikanischen Traums gelebt, in dem großartige Persönlichkeiten Bedeutendes erreicht und aufgezeigt haben. All das wird mit Füßen getreten, wenn die Ansichten einer Ayn Rand denen eines John Rawls vorgezogen und ikonistisch verehrt werden. Amerika bzw. speziell die Republikaner haben dann nichts aus der eigenen Bildung gelernt. Sie geben sie hin für ein 'Linsengericht' und haben somit ihre Niederlage verdient.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    meine Anfrage in 42 sehr interessant und plausibel beantwortet.
    Danke!

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service