US-KolumneFanatisch fortschrittliches Amerika
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Den Konservativen das Gefühl geben, sie behielten noch die Kontrolle

In Deutschland ist das Kiffen längst erlaubt ... oder doch nicht? Entgegen weit verbreiteten Gerüchten gibt es hier kein "Recht auf Rausch". Allerdings darf laut Verfassungsgericht die Strafe für den Eigengebrauch geringer Mengen von Cannabis nicht sonderlich hoch ausfallen. Für die Justizbehörden lohnt es sich deshalb kaum, Kiffer zu verfolgen. Das Kiffen bleibt also illegal, wird aber geduldet.

Erstaunlich viel läuft in Deutschland so. Die Methode, neue und umstrittene Gesetze durch die Hintertür einzuführen, scheint mir hierzulande symptomatisch zu sein. Es ist fast so, als sei "illegal, aber straffrei" die deutsche Vorstellung von "Freiheit". Aus gutem Grund: Der Frontalangriff auf bestehende Traditionen bleibt ja oft eher wirkungslos, das ist dann auch manchmal peinlich. Aber so hintenrum ins Auge klappt es dann doch. Fast so, als müsse man den Konservativen das Gefühl geben, sie behielten noch die Kontrolle, auch wenn das faktisch nicht mehr so ist.

Bei uns Amis dagegen gibt es immer nur den Frontalangriff: Cannabis in kleinen Mengen zu "dulden", reicht nicht. Es muss per Gesetzgebung legalisiert werden. Das ist mutig und stark, hat aber zur Folge, dass die Konservativen gedemütigt werden. Und das verdirbt denen auf Dauer die Laune. Die ganze "fortschrittliche" Gesetzgebung der siebziger Jahre (wir nennen es "liberal", weil es "alles erlaubt"), angefangen mit den Abtreibungsgesetzen, war und ist für die Konservativen ein Schlag ins Gesicht. Deshalb versuchen sie spätestens seit den achtziger Jahre, die Uhr zurückzudrehen. Ihr Kampf ist kein Kampf für die Erhaltung konservativer Werte, sondern für deren Wiedereinführung.

Soll der Frosch sich ruhig wehren

Halten wir fest: Amerika ist im Grunde ein bis zum Fanatismus fortschrittliches Land. Nur, wenn wir tatsächlich mal einen Sprung nach vorn machen, kriegen es die Konservativen mit der Angst zu tun. Sie versuchen jedes Mal, uns wieder zurückzureißen. Doch zu spät: Der Sprung ist getan.

Der große Unterschied zwischen Deutschland und den USA ist der aus der Frosch-Parabel: Die Deutschen wollen neue, zeitgemäße Gesetze, führen sie aber langsam, nach und nach, ein. Zuerst kommt die Duldung von Marihuana oder die eingetragene Partnerschaft. Dann wartet man ein oder zwei Generationen geduldig, dann erst kommt die Legalisierung oder die eigentliche Homo-Ehe. In der Zwischenzeit hält man sich bedeckt, damit der Frosch nicht merkt, dass das Wasser immer heißer wird.

In Amerika schmeißen wir das verdammte Ding einfach ins kochende Wasser und halten den Deckel drauf, egal wie energisch der Frosch von innen dagegen haut.

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Leserkommentare
    • annocom
    • 13. November 2012 14:09 Uhr

    Die haben eine seltsame Sicht auf ihr Land und ein paar spezielle Themen ausgegraben. Ein paar tolerante Staaten machen noch kein fortschrittliches Land, in Deutschland werden Abtreibungsärtze nicht wie in Ihrem Land belagert und ermordet. Etische Fragen nach dem Beginn des Lebens über den Haufen zu werfen und durch die Frage zu ersetzen, wer bereit ist es für Geld zu machen finde ich ebenfalls nicht fortschittlich. Aber vielleicht sind Sie ja mit Ihren Ansichten was forschrittlich ist ebenfalls fortschrittlicher als wir...

  1. 2. Der...

    ...arme Frosch!

    mit solidarischem Gruß,
    besorgter_mitbuerger

  2. Die Einstiegsdroge ist immer noch das erlaubte Nikotin und nicht das verbotene Cannabis.

    Über die Droge Zucker werde ich jetzt erst einmal nicht schreiben.

    Eine Leserempfehlung
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    • Suryo
    • 13. November 2012 14:15 Uhr

    ...ganz zu schweigen von der Todesdroge Nummer 1...Alkohol.

    weil schon im Kindesalter eingenommen: Ritalin.

  3. Interessant, die genannten Themen mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

    Eine Leserempfehlung
    • Suryo
    • 13. November 2012 14:15 Uhr

    ...ganz zu schweigen von der Todesdroge Nummer 1...Alkohol.

    Antwort auf "Einstiegsdroge"
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    Selbstverständlich gibt es auch bei THC eine letale Dosis:
    http://de.wikipedia.org/w... (rechte Seitenleiste, ganz unten)

  4. "Ein paar tolerante Staaten machen noch kein fortschrittliches Land, in Deutschland werden Abtreibungsärtze nicht wie in Ihrem Land belagert und ermordet."

    Stimmt, genauso wenig machen ein paar durchgeknallte erzkonservative Spinner in ein paar konservativen Staaten noch kein konservatives Land.

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    bezieht sich auf Kommentar 1. Wohl den falschen knopf gedrückt

  5. bezieht sich auf Kommentar 1. Wohl den falschen knopf gedrückt

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  • Serie Wir Amis
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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Barack Obama | USA | Abtreibung | Cannabis | Droge | Embryo
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