Nach der Wiederwahl von US-Präsident Barack Obama haben die Republikaner im Repräsentantenhaus Gespräche über einen kurzfristigen Haushaltskompromiss angeboten. Er soll verhindern, dass die Wirtschaft erneut in die Rezession abgleitet. Nur wenige Stunden nach seiner Wiederwahl telefonierte Obama mit den Spitzen im Kongress, um drohende Ausgabenkürzungen nach dem Rasenmäherprinzip zu verhindern. Obama habe sein Bekenntnis zu einer überparteilichen Lösung bekräftigt, hieß es aus dem Weißen Haus. Das Haushaltsdefizit müsse in einer "ausgeglichenen Weise" reduziert werden. Steuern für die Mittelschicht und kleine Unternehmen müssten sinken.

Der republikanische Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, John Boehner, legte die Verhandlungsposition seiner Partei fest: Man sei zu Gesprächen bereit, um die zum Jahreswechsel drohenden tiefen Einschnitte vorerst zu verhindern. "Wir müssen gemeinsame Positionen finden", sagte er und meinte damit die Notwendigkeit einer Schuldenbegrenzung. Boehner stellte allerdings Bedingungen: Man dürfe nicht nur Steuern erhöhen, sondern müsse auch die Ausgaben kürzen. Die von den Demokraten geforderte höhere Besteuerung von Reichen lehnte Boehner ab. Allerdings zeigte er sich offen für eine Schließung von Steuerschlupflöchern.

Ein Kompromiss ist nötig, weil der US-Kongress auch nach der US-Wahl gespalten ist. Die Republikaner haben die Mehrheit im Repräsentantenhaus, Obamas Demokraten behielten die Oberhand im Senat. Das erschwert es, die drohenden automatischen Ausgabenkürzungen ( fiscal cliff ) zu verhindern. Beide Seiten müssen sich in den kommenden Wochen auf den seit Langem überfälligen Sparkompromiss einigen. Sonst treten wegen der hohen Staatsverschuldung 2013 automatisch Steuererhöhungen sowie Budgetkürzungen in Milliardenhöhe in Kraft – unter anderem für das Militär. All das könnte das Wirtschaftswachstum – unter anderem durch einen Verlust der Kaufkraft – schwächen.

Die Verhandlungen darüber dürften hart werden. Die Republikaner hatten immer wieder Gesetzesvorhaben der Demokraten zu Sparmaßnahmen und Steuerreformen blockiert, seit sie vor zwei Jahren die Mehrheit im Repräsentantenhaus gewannen.

Die US-Börsen hatten auf den Wahlsieg Obamas mit kräftigen Kursverlusten reagiert. Der Dow Jones schloss am Mittwochabend mit einem Minus von 2,36 Prozentpunkten und kam auf 12.932 Punkte (minus 312). Vor allem Unternehmen aus der Rüstungs-, Energie- und Gesundheitsbranche mussten Verluste hinnehmen. Sie hätten nach Einschätzung von Experten wohl von einem Wahlsieg des Republikaners Mitt Romney profitiert.