Wir Amis / USA : Die erste gute Idee von Occupy

Die Occupy-Bewegung glänzt endlich mit einer sinnvollen Tat: Sie kauft klammen Bürgern ihre Schulden ab – worauf die Tea Party neidisch sein sollte, meint Eric T. Hansen.
Aktivistin in Los Angeles © David McNew/Reuters

Hiermit nehme ich alles zurück, was ich je im Leben über die Occupy-Bewegung gesagt habe.

Und das war nicht wenig: Pubertär und halbgar habe ich sie genannt, ineffektiv, politisch wie wirtschaftlich naiv, im Vergleich zur Tea Party leider irrelevant, und vieles mehr.

All das bereue ich jetzt, denn seit einigen Wochen hat eine Handvoll Occupy-Anhänger ein Projekt ins Leben gerufen, das ich ernst nehmen kann. Lustigerweise ist es eine Idee, die sogar die Tea Party ernst nehmen kann. Ach was, es ist eine Idee, auf die die Tea Party neidisch sein sollte.

Ein Hauptgrundsatz der Tea Party ist ja: weniger Staat. Der Staat, glaubt die Tea Party (und tief im Herzen auch ein Großteil der Amerikaner), sei zu groß, korrupt und ineffizient, um solch komplizierte Dinge wie einen Sozialstaat kostengünstig und leistungsfähig zu verwalten. Wir trauen unseren Bundesbehörden ungefähr so viel praktisches Organisationstalent zu wie der durchschnittliche Deutsche einem EU-Bürokraten.

Soviel wie möglich, glauben wir, vom Schul- bis zum Rentensystem, gehöre in private Hand, und der Staat solle sich auf Dinge konzentrieren, die er kann: Straßen bauen und uns den Rest der Welt vom Leib halten.

Eric T. Hansen

© [M] Ralf IlgenfritzEric T. Hansen ist Amerikaner, Buchautor (Planet Germany) und Satiriker, der sein halbes Leben in Deutschland lebte, heute in Berlin. Sein aktuelles Buch ist Die ängstliche Supermacht: Warum Deutschland endlich erwachsen werden muss. Auf ZEIT ONLINE erklärt er einmal in der Woche die Eigenheiten seiner Heimat – und der Deutschen.

Nun haben eine Handvoll Occupy-Anhänger diesen Gedanken der Tea Party kurzentschlossen weggenommen und zu Ende gedacht – und die Rolling Jubilee ins Leben gerufen, die da ansetzt, wo der Staat versagt hat.

Denn Obama hatte zwar nach der Finanzkrise die Banken vor den Konsequenzen ihrer dummen Entscheidungen, aber die Kunden nicht vor ihren Banken gerettet. Das kam so:

Vor der Finanzkrise 2008/9 hatten eine Menge Hauseigentümer irreal hohe Schulden auf sich genommen – im guten Glauben, sie hätten alle Zeit der Welt, diese zu tilgen. Doch in der Krise stiegen plötzlich die Raten für die Kredite. Die Folge: Zahlreiche Amerikaner verloren ihre Häuser, behielten aber diverse Schulden, die sie nicht mehr zurückzahlen können.

Schulden wie weggezaubert

Also werden diese "schlechte Schulden", die für die Banken nur lästig sind, gebündelt und in Paketen billig weiterverscherbelt. Und zwar richtig billig: zu nur ein paar Prozent des ursprünglichen Wertes. So können Inkassounternehmen die "schlechten" Schuldscheine kaufen und ihr Bestes tun, pro ursprünglich geschuldetem Dollar wenigstens noch 50 Cent bei den Schuldnern herauszuholen. Und viel Glück damit.

Hier kommt Rolling Jubilee ins Spiel: Man kauft die verbilligten Schulden ebenfalls für ein paar Cents, doch statt sie dann mit Gewinn einzutreiben, informieren sie die Schuldner einfach, dass ihre Schulden sich in Luft aufgelöst hätten , und ein schönes Leben noch. Das sind Zaubertricks, wie sie bisher nur fiese Banker drauf hatten.

Bis jetzt hat Rolling Jubilee knapp eine halbe Million Dollar durch Online-Spenden eingenommen und kann damit den 16-fachen Wert an "schlechten" Schulden aller Art kaufen. Hut ab!

Allerdings ist das nicht so viel, wie es sich anhört: Die gesamten Privatschulden der Amerikaner werden auf $11 Billionen geschätzt. Und das ist kein Übersetzungsfehler .

 Auch in Deutschland denkbar? 

Wirklich interessant wird Rolling Jubilee also erst, wenn wirklich große Spenden eingenommen werden. Das heißt, große Konzerne, Milliardäre, sogar Banken müssen sich beteiligen. Also haben die Occupy-Revoluzzer ("Wir sind die 99 Prozent!") damit begonnen, an die Türen der bösen oberen ein Prozent zu klopfen – und zwar diesmal ordentlich gekämmt und rasiert.

Das hört sich erstmal bizarr an, aber Bizarres hat uns Amerikaner noch nie weiter aufgehalten. Es scheint auch erstmal zu funktionieren. Selbst das Reichen-Magazin Forbes hat Rolling Jubilee letztens mit den Worten beschrieben: "Endlich eine Occupy-Idee, die wir unterstützen können."

Und warum auch nicht? US-Millionäre und Milliardäre geben jährlich fast 300 Milliarden Dollar für gute Zwecke aus: Wir nennen es philanthropy und es ist seit John D. Rockefeller für Reiche Pflicht. In Amerika leben ganze Universitäten und Kulturinstitutionen wie die Metropolitan Opera oder das MoMA von privatem Sponsoring.

Und Philanthropy wird natürlich von Moden beeinflusst. Seit einiger Zeit schreiben sich große Firmen beispielsweise gerne Umweltschutz auf ihre Fahnen. Es ist zwar Werbung, also eigentlich die reine Heuchelei, aber das Geld, das ausgegeben wird, ist real.

Sobald Sponsoring-Programme gegen Schulden, gegen Armut, gegen das Sterben der Mittelklasse schick werden, fließt das Geld der Milliardäre auch dorthin.

Die Privatwirtschaft übernimmt Aufgaben des Staates

Das schockierend Neue daran ist, dass die Reichen nicht wie bisher von Occupy an den Pranger gestellt werden, weil sie zu wenig für das Gemeinwohl tun, sondern, dass sie einfach bei ihrer Ehre gepackt werden. Und das schockierend Neue für die Tea Party und die Occupy-Bewegung ist, dass die Idee ihnen beiden gleichermaßen gefallen müsste. Ob die beiden das gerne hören?

Doch das wirklich schockierend Neue ist: Damit übernimmt und ergänzt die Privatwirtschaft eine Funktion des Staates, da, wo dieser nicht aufgepasst hat. Das ist nichts weniger als die Privatisierung des Sozialstaats.

Ist der gesponserte Sozialstaat auch in Deutschland möglich?

Auch in der deutschen Wirtschaft gibt es Sponsoring, aber die Idee, dass die Privatwirtschaft die Aufgaben des Staates übernimmt oder ergänzt, muss in Deutschland wie ein Sakrileg klingen. Hier herrscht zu viel Misstrauen gegenüber dem Kapital, man erwartet zu viel vom Staat. Es ist einfach Tradition, dass der Staat für die Armen sorgt, und man bricht hierzulande ungern mit Traditionen.

Oder auch nicht. Denn bekanntlich schwappt jede neue amerikanische Idee irgendwann nach Deutschland über. Wer weiß? Vielleicht dauert es gar nicht mehr lange, bis Mercedes, BASF und Haribo auf die Idee kommen, dicke Pakete von Schulden aus Griechenland billig abzukaufen und ins Meer zu kippen?


 

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Kommentare

87 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

Das Projekt ist genial!

Bis jetzt hat Rolling Jubilee knapp eine halbe Million Dollar durch Online-Spenden eingenommen und kann damit den 16-fachen Wert an "schlechten" Schulden aller Art kaufen. Hut ab!

Vorschlag:

Rolling Jubilee macht so weiter bis sagen wir...500 Millionen.

Dann meldet das Unternehmen Insolvenz an.

Verlust: 0

Die Leute die gespendet haben, haben damit erreicht dass eine Menge Amerikaner um eine halbe Milliarde entschuldet wurden. Und haben dafür nur 1/16 von einer halben Milliarde spenden müssen.

Haften müssen die Gläubiger..ausnahmsweise mal.

Selber schuld, wenn man Schulden zu diesen Konditionen weiterverkauft.

Das Projekt ist genial!

Nicht richtig verstanden

Sie haben das falsch verstanden, die Banken verkaufen ihre Forderungen zu einem reduzierten Preis, bspw. 1 $ Forderung fuer 10 cent.Rolling Jubilee bezahlt die 10 cent und kann eine Bankforderung von 1 $ vernichten. Der Bank geht es nicht besser oder schlechter. Ansonsten kaufen halt Schuldeneintreiber der etwas haerteren Sorte die Forderungen und versuchen vielleicht 30-40 cent rauszuholen. In DE kann man das uebrigens auch machen, scheinbar uneinbringbare Schulden billig kaufen und versuchen irgendwas rauszuholen aus dem Schuldner.

Klasse Geschäftsidee - allerdings keine neue.

Ein geniales Projekt - fürwahr! Die Frage ist nur: Für wen?

Mr. Hansen, Sie sollten in Ihrem Enthusiasmus vielleicht doch nicht allzuweit gehen. Wir wissen doch, was geschehen wird....

Ab einer bestimmten Größenordnung benötigt man ein Unternehmen, das die gekauften/übernommenen Darlehen professionell verwaltet und das über ettliche Spezialisten in Sachen Grundpfandrechte, Verwaltung und Instandhaltung der Immobilien usw. verfügt. Denn die Darlehen, über die wir reden, kommen zu fast 100 Prozent aus dem Immobilienbereich - und Liegenschaften haben die "unangenehme" Eigenschaft, sich eben nicht "Pfft" in Luft aufzulösen.

Dann wird die Bewegung, je nach Geldeingang, vermutlich über über viele tausende Immobilien verfügen, also ein Immobilieimperium aufbauen. Und was machen die damit? Schenken die es den ehemaligen Käufern zurück? Wohl kaum, denn alleine die Grundstücke werden zig Millionen wert sein.

Abgesehen davon, kostet auch die Bewirtschaftung "ruhender" Immobilien Geld. Und deshalb sehe ich es kommen, daß aus dieser eigentlich sehr soliden Idee eine Geldmaschine wird, mit der Occupy dann schon längst nichts mehr zu tun haben wird.

@56 das Projekt richtet

sich doch gerade nicht darauf, Erträge mit den Immobilien selbst zu erwirtschaften. sondern Personen zu helfen, denen Zwangsvollstreckung o.ä. droht weil die Zinsen für die Schulden nicht mehr tragbar sind...
da braucht man ja keine professionelle Verwaltung/Spezialisten/ Mittel zur Erhaltung leerstehender Häuser etc

es ist ja gerade das Konzept die Häuser an ihre überschuldeten Bewohner verschenken.

Das ist eigentlich nur billige Werbung in eigener Sache für Occ.

und @spassmagnet

Begreifen Sie das nicht: Diese Schulden waren durch Immobilien besichert. Und diese Sicherheit hängt dem Titel an. Wer den kauft, bekommt natürlich die dazu gehörige Sicherheit, ob er will oder nicht. Warum sollte jemand einen vollkommen wertlosen Titel erwerben?

Ein Weiteres: In den USA sind die Darlehensbedingungen etwas anders als bei uns. Wer dort ein Haus kauft und diesen Kauf über eine Bank finanziert, kann dem Grunde nach ausziehen, der Bank den Schlüssel und damit die Sicherheit zurückgeben - und das wars' im Großen und Ganzen. Ist er zahlungsunfähig und kann die Raten nicht mehr bedienen, wird er vor die Türe gesetzt, gibt die Schlüssel ab - und gut ist. Kein Durchklagen der Bank bis zur Eidesstattlichen Versicherung, keine Zwangsversteigerung nach der die Restschulden die ehemaligen Besitzer ein Leben lang einengen können. Für uns sind das "paradiesische" Verhältnisse...

Und glauben Sie wirklich, die Banken hätten nach diesen Verlusten - die allerdings großzügig vom Staat begleitet wurden, etwas so wertvolles "zu verschenken"? Grund und Boden sind als Einziges nicht vermehrbar und werden natürlich entsprechend gewichtet. Warum glauben Sie wohl, haben unsere Großbanken noch für viele Milliarden diese Darlehens-Pakete in den Büchern? Die wissen, was die mit der Zeit wieder am Wert gewinnen.

Occupy macht mit Ausnahmegeschäften gute Werbung in eigener Sache - mehr aber auch nicht.

Warum wirft man dem Bettler was in die Mütze

oder spendet für Brot für die Welt?
Weil man es will - vielleicht um das Gefühl zu haben etwas Gutes getan zu haben.
Das hier ist auch eine Spende an Bedürftige, deshalb kauft man einen praktisch wertlosen Titel und vernichtet ihn - es ist eben kein Investment.
Und mit dem "Zerreissen" des Schuldscheines erlischt natürlich auch der Anspruch auf die Sicherheit.

Was die Banken angeht. Wenn die einen Kredit mit 90% verlust verkaufen, dann gehen die gewiss nicht davon aus, dass die Sicheheit den Wert deckt.

Menschen die zu viel Geld geliehen haben sollen belohnt werden?

Wenn sich Schulden in Luft auflösen und man behalten darf was man sich ohne Geld gekauft hat, fördert das nur ökonomisches Fehlverhalten.

Wer Geld leiht und es nicht zurückzahlen kann, muss zum Wohl des Systems bankrott gehen können ohne etwas davon behalten zu dürfen.

Sie haben da was nicht ganz verstanden!

.
"... Wer Geld leiht und es nicht zurückzahlen kann, muss zum Wohl des Systems bankrott gehen können ohne etwas davon behalten zu dürfen. ..."

Die Banken liess man NICHT bankrott gehen, sondern erfand die Räuberpistole der "Systemrelevanz", päppelte die Institute mit STEUERGELDERN und lagerte die faulen Kredite in Bad Banks aus.

Was Occupy kauft, ist nichts anderes als die bei den Bad Banks gelagerten, ehemals von käuflichen Rating-Hengsten zu "triple-A" zurechtgelogenen Assets zu deren heutigem Marktpreis.

Da wird niemand "belohnt".

Würde Occupy nicht kaufen, lagerten und schimmelten diese "toxischen" assets nur eben weiterhin in den Bad Banks vor sich hin.

Die einzigen mit bestenfalls einigermassen Interesse an derartigen Risiko-Investitionen wären vielleicht "vulture-funds".

http://en.wikipedia.org/w...

Diese ruinieren aber lieber Länder mit durchweg käuflicher Jurisprudenz, weil sie mit Recht befürchten, ihr Geschäftsmodell, breit durchgezogen wider Amerikanische Privatschuldner, könnte in Nordamerika vermutlich keinen Schutz des Supreme Court finden.

Der Erfolg kann der Untergang werden

Leider hat diese Idee das potential ihr eigener Untergang zu sein.

Wenn diese Idee populär werden sollte (was sie verdient hat) werden notwendigerweise die Banken anfangenkönnen die Preise der Papiere zu erhöhen. Wenn die Preise zu sehr steigen, wird die effektivität der Methode nachlassen, und es kann sich eine "Hype-vorbei" Stimmung breit machen. Das würde dann zu einem einbruch der Spenden führen der sich warscheinlich nicht erholt wenn die Preise wieder fallen...

Die bessere Lösung wäre, wenn der Staat die Banken verpflichten würde anstelle des Verkaufs der Papiere den Schuldnern einen Rabatt anzubieten. Sozusagen sicherzustellen, dass der Buchwert den Realwert nicht unterschreiten darf.

Als Reaktion darauf würde ich erwarten, dass die Banken weniger Kredite an Risikofälle vergeben - was in einigen Fällen ja durchaus hilfreich sein kann. Leider kann ich mir auch Fälle vorstellen, wo dies Leuten die auf der Kippe stehen den Boden unter den Füssen wegzieht.

Man bedenke: In den USA ist die Hypothek an das haus geknüpft. Wenn der Schuldner auszieht und den Schlüssel der Bank gibt ist er auch die Hypothek los. Das ist bei uns etwas anders....

Finde ich nicht

Ich finde der Verleiher des Geldes sollte dafuer gerade stehen muessen, denn der war gierig, und Gier ist eine Todsuende. Und der Verleiher hatte es in der Hand, das Geschaeft zu vermeiden, warum soll der Schuldner der Boese sein? Der Glaeubiger hat im Normalfall auch viel mehr Expertise. Und auch deshalb gehoert Frau Merkel an den Pranger, denn die schaebische Hausfrau verleiht auch nicht gedankenlos Geld. Und damit dies nicht wieder geschieht, sollte der Glaeubiger leiden. Moral bringt uns nicht weiter.

@10 das kann man so zurück geben

wenn ich immer wieder Kredite auf mein Haus aufnehme, weil ich der Meinung bin, der Wert steigt immer weiter nach oben & mit dem Gewinn pushe ich meinen Konsum - dann wäre ein kompletter Schuldenerlass ein Blankoschein für private Spekualtion, denn man hat dann sowohl die Immobilie als auch den in der Vergangenheit auf Pump finanzierten Konsum safe.
wenn diese Idee erstmal richtig en voque wird, muss dieses Prinzip doch an wieder seine Grenzen stoßen ?

aber atm als kleiner Ansatz für die ärgsten Probleme der kleinen Leute scheint mir das trotzdem eine sinnvolle & humane Lösung zu sein... denn nur weil viele Leute unvernünftig? waren, sollte wohl keiner unter der Brücke landen - so gesehen eine ideale Symbiose aus amerikanischem & europäischem Ansatz :)

Die Gier!

Also ich verrate Ihnen mal etwas:
Schuld an der ganzen Immobilienblase sind nicht die Banken gewesen. Die haben nur die gegebenen Mittel genutzt um sich zu bereichern und vielleicht den Crash verursacht. Die wirklich Gierigen waren die ganz normalen Bürger von nebenan.
Die Normalverdiener, die ihr Haus zu 100% finanzieren wollten, sich dann das zweite Auto dazu kaufen in der SPEKULATION!, dass das Haus später mehr wert wird.

Gierig sind die Normalverdiener, die die Geiz ist geil Mentalität leben. Sich im Forum über Hungerlöhne aufregen, aber ohne Zucken zum Billigfriseur gehen oder bei der Kellnerin eine frische Latte bestellen, die 6 € verdient.

Ja die Banken haben es übertrieben, aber die Gier ist in der breiten Masse der Menschheit verankert. Die Banken konnten Geschäfte in diesem Ausmaß nur mit der Bevölkerung machen und die wollten immer mehr und mehr haben, ohne die Konsequenzen sehen zu wollen und die Politik hat es ihnen ermöglicht.

Gier ist nicht nur eine Todsünde, sondern ein Urtrieb vieler Menschen und da ist es nur zynisch und egoistisch alle Schuld auf die Banken. Die in der Wall Street haben das ausgenutzt, zu verantworten haben es die Bürger der USA.

Immer mehr Rendite, mehr Zinsen, mehr Gewinn. Das wollten alle. 6% bei ner isländischen Bank fürs Tagesgeld, 100% Finanzierung, 1% Tilgung, etc... DAS ist Gier!
Die Banken stehen zu Recht am Pranger, aber müssten eigentlich in Gesellschaft von Millionen sein!

Ohje...

"Wenn diese Idee populär werden sollte (was sie verdient hat) werden notwendigerweise die Banken anfangen können die Preise der Papiere zu erhöhen."

Ulkige Vorstellung, dass Marktpreise einseitig und willkürlich - out of the blue - erhöht werden. Noch ulkiger, dass es dafür eine Redaktionsempfehlung gibt. Die ZEIT ist toll und nötig, aber ökonomisch betrachtet sind einzelne (zur Ehrenrettung: vermutlich fachfremde) Redakteure höchstens auf Flohmarkt-Level ansprechbar. Sorry!

Aufklärungsbedarf

Im Artikel steht:
"Doch in der Krise stiegen plötzlich die Raten für die Kredite. Die Folge: Zahlreiche Amerikaner verloren ihre Häuser, behielten aber diverse Schulden, die sie nicht mehr zurückzahlen können."

Hier im - von der Redaktion empfohlenen - Kommentar steht:
"Man bedenke: In den USA ist die Hypothek an das haus geknüpft. Wenn der Schuldner auszieht und den Schlüssel der Bank gibt ist er auch die Hypothek los."

Was stimmt denn nun? Ist die Hypothek mit dem Haus weg oder nicht?

Ich dachte bisher, sie es nicht. Und Privatinsolvenz kennen die Amerikaner nicht. Genau dadurch entsteht ja die hohe Schuldenlast. Ähnliches Problem bspw. in Portugal.

Traurig!

"aber die Idee, dass die Privatwirtschaft die Aufgaben des Staates übernimmt oder ergänzt, muss in Deutschland wie ein Sakrileg klingen"

Eigentlich ist es traurig. Denn es macht diese Menschen vom Wohlwollen der Reichen abhängig. Und den Rechtsanspruch auf Hilfe ist etwas, was ich in Deutschland sehr schätze. Denn leider kann es jeden treffen. Sei es Unfall, schwere Krankheit, Krankheit von Angehörigen oder eine Naturereignis.

Klar muss es hier Grenzen geben - so das einige wenige nicht die Mehrheit ausnutzen können - aber das auch in der Versicherungswirtschaft gültige Prinzip große (seltene) Unglücksfälle auf den Rücken vieler zu verteilen ist schon ein sehr gutes Modell.

Und das Firmen Aufgaben des Staates übernehmen, weil dieser zu schwach oder dazu nicht bereit ist hatten wir in Deutschland schon. So z.B. das Wohlfahrtssystem der Firma Krupp - nur ist das schon eine Weile her.

„Sie kauft klammen Bürgern ihre Schulden ab“

Etwas ganz ähnliches wollen die EU Staaten mit Griechenland machen. Sie wollen den privaten Gläubigern Griechenlands Schulden abkaufen. Aber im Gegensatz zu Occupy sollen diese Schulden nicht erlassen werden, sondern sollen Griechenland unter Nennwert wieder verkauft werden, so dass sich Griechenland ein Teil seiner eigenen Schulden erlassen kann. Nur ist der Kauf von eigenen Schulden unter Nennwert vermutlich illegal.
Und zum Zweiten werden dadurch Schuldausstände bei privaten Gläubigern zu Schuldausständen bei öffentlichen Gläubigern. Da die öffentlichen Gläubiger das Geld für den Schuldenrückkauf bereitstellen.

Schuldenhandel

.
Warum sollte der Kauf von "Schulden" zu deren "Marktwert" grundsätzlich illegal sein?

Eher ist das Gegenteil der Fall.

Der Handel mit Schuldtiteln, wenn diese "notleidend" werden, sollte in einem Idealen Markt doch ganz im Gegenteil sogar wünschenswert sein, damit nicht Staaten einspringen müssen sondern sich die Schuldner und die Gläubiger im idealen, nicht staatlich gestörten Markt ALLEINE zu einigen hätten.

Problematisch ist daran nur, dass Griechenland nicht von der EZB die Mittel zu EZB-Konditionen leihen kann WIE DIE BANKEN DAS JA AUCH KÖNNEN, sondern dass Griechenland ohne Not unwirklich hohe Zinsen an BANKEN zahlen müsste, um an das Geld zu gelangen, seine eigenen Schulden zu deren derzeitigem Marktwert zurückzukaufen.

Es bleibt immer ein Nullsummenspiel.

Die Bankenkrise hat zu einer Staatsschuldenkrise geführt, weil die Banken zu "systemrelevant" zurechtgelogen worden waren anstatt sie aufschnappen zu lassen wie es der ideale Markt verlangt hätte.

Jetzt muss man auch den zweiten Schritt gehen und den Staaten ebenso systemrelevant ermöglichen, die künstlich geblähten Schulden wieder zu zerstören.

Am Ende sind viele unrechtmässig zusammengestohlene "Vermögen" aus der Systemrelevanzlüge weg, und die Staatsschulden sind wieder in realistischen Grössenordnungen angelangt.

Anders als durch Deckung der Staatsschuld mit eben jenen Vermögen, die aus den unrechtmässig entstandenen Staatsschulden stammen wird das System nicht wieder flott werden.

@Theobalt.Tiger

Wenn der Schuldner selbst als Käufer auftritt, müssten dann nicht die Schulden wieder mit dem Nennwert beziffert werden?

Wenn dem nicht so wäre, könnte man sich einen Kredit leihen und im gleichen Zug kundtun, dass man niemals die Absicht hat die Schulden zurückzuzahlen. Und statt dessen dem Gläubiger ein Angebot machen wieviel der Schulden man denn bereit wäre zurückzuzahlen.

Was den Schuldenrückkauf der EU Staaten und Griechenland betrifft, ist die absolute Priorität der europäischen Staaten, privaten Gläubigern eine Ausfallgarantie für Verluste zu geben. Mit der Argumentation dass die Märkte wieder Vertrauen fassen müssen. Nur geht das auf das Gemeinwohl der geldgebenden Länder und auch Griechenlands. Das entspricht einem Kniefall der europäischen Politik vor den ominösen Märkten. Die Politik wird zu Lakai der Märkte die im vorauseilendem Gehorsam Empfehlungen ausspricht die unfehlbar sind. Das ist der Anfang eines Finanzabsolutismus dem die Politik Gehorsam zu leisten hat. Die Politik wird steuerbar durch wenige Menschen die über genügend flüssiges Kapital verfügen und sich zu Bedingung machen können. Nur das diese Geldgeber nie demokratisch gewählt wurden.

Sehr richtig bemerkt:

.
"... privaten Gläubigern eine Ausfallgarantie für Verluste zu geben.
Mit der Argumentation dass die Märkte wieder Vertrauen fassen müssen.
{...}
Das entspricht einem Kniefall der europäischen Politik vor den ominösen Märkten.
Die Politik wird zu Lakai der Märkte, die im vorauseilendem Gehorsam Empfehlungen ausspricht die unfehlbar sind.
..."

Genau darum geht's

"Unfehlbar" bedeutet in dem Fall aber eben nichts anderes als "die Macht haben, Geld aus den Staaten heraus zu erpressen", was dann so manche politisch völlig danebenliegende Weicheier angstzitternd von "marktgerechter Demokratie" salbadern lässt, anstatt politische Richtlinien zugunsten der Allermeisten der Marktteilnehmer zu schaffen, an die sich der "Markt" im Sinne auch der wenigen Gewinnler gefälligst zu halten hat, weil er anderenfalls eben kein Markt mehr ist sondern ein nur schwach verbrämter Finanzfasch***us.

"... Das ist der Anfang eines Finanzabsolutismus dem die Politik Gehorsam zu leisten hat ..."

Nein.

Nicht der Anfang.

Wir stecken schon sehr viel weiter drin als Sie glauben:

http://www.youtube.com/wa...

Und ob man nun von "Finanzabsolutismus" spricht wie @subpower oder von Finanzfasch***us wie Theobalt.Tiger dürfte bestenfalls einen graduellen Unterschied darstellen.