USADie erste gute Idee von Occupy
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 Auch in Deutschland denkbar? 

Wirklich interessant wird Rolling Jubilee also erst, wenn wirklich große Spenden eingenommen werden. Das heißt, große Konzerne, Milliardäre, sogar Banken müssen sich beteiligen. Also haben die Occupy-Revoluzzer ("Wir sind die 99 Prozent!") damit begonnen, an die Türen der bösen oberen ein Prozent zu klopfen – und zwar diesmal ordentlich gekämmt und rasiert.

Das hört sich erstmal bizarr an, aber Bizarres hat uns Amerikaner noch nie weiter aufgehalten. Es scheint auch erstmal zu funktionieren. Selbst das Reichen-Magazin Forbes hat Rolling Jubilee letztens mit den Worten beschrieben: "Endlich eine Occupy-Idee, die wir unterstützen können."

Und warum auch nicht? US-Millionäre und Milliardäre geben jährlich fast 300 Milliarden Dollar für gute Zwecke aus: Wir nennen es philanthropy und es ist seit John D. Rockefeller für Reiche Pflicht. In Amerika leben ganze Universitäten und Kulturinstitutionen wie die Metropolitan Opera oder das MoMA von privatem Sponsoring.

Und Philanthropy wird natürlich von Moden beeinflusst. Seit einiger Zeit schreiben sich große Firmen beispielsweise gerne Umweltschutz auf ihre Fahnen. Es ist zwar Werbung, also eigentlich die reine Heuchelei, aber das Geld, das ausgegeben wird, ist real.

Sobald Sponsoring-Programme gegen Schulden, gegen Armut, gegen das Sterben der Mittelklasse schick werden, fließt das Geld der Milliardäre auch dorthin.

Die Privatwirtschaft übernimmt Aufgaben des Staates

Das schockierend Neue daran ist, dass die Reichen nicht wie bisher von Occupy an den Pranger gestellt werden, weil sie zu wenig für das Gemeinwohl tun, sondern, dass sie einfach bei ihrer Ehre gepackt werden. Und das schockierend Neue für die Tea Party und die Occupy-Bewegung ist, dass die Idee ihnen beiden gleichermaßen gefallen müsste. Ob die beiden das gerne hören?

Doch das wirklich schockierend Neue ist: Damit übernimmt und ergänzt die Privatwirtschaft eine Funktion des Staates, da, wo dieser nicht aufgepasst hat. Das ist nichts weniger als die Privatisierung des Sozialstaats.

Ist der gesponserte Sozialstaat auch in Deutschland möglich?

Auch in der deutschen Wirtschaft gibt es Sponsoring, aber die Idee, dass die Privatwirtschaft die Aufgaben des Staates übernimmt oder ergänzt, muss in Deutschland wie ein Sakrileg klingen. Hier herrscht zu viel Misstrauen gegenüber dem Kapital, man erwartet zu viel vom Staat. Es ist einfach Tradition, dass der Staat für die Armen sorgt, und man bricht hierzulande ungern mit Traditionen.

Oder auch nicht. Denn bekanntlich schwappt jede neue amerikanische Idee irgendwann nach Deutschland über. Wer weiß? Vielleicht dauert es gar nicht mehr lange, bis Mercedes, BASF und Haribo auf die Idee kommen, dicke Pakete von Schulden aus Griechenland billig abzukaufen und ins Meer zu kippen?


 

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Leserkommentare
  1. Wenn sich Schulden in Luft auflösen und man behalten darf was man sich ohne Geld gekauft hat, fördert das nur ökonomisches Fehlverhalten.

    Wer Geld leiht und es nicht zurückzahlen kann, muss zum Wohl des Systems bankrott gehen können ohne etwas davon behalten zu dürfen.

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    Vielleicht sollten sie sich, vor dem Absenden purer Polemik, erst mal mit den Hintergründen der amerikanischen Immobilienblase auseinandersetzen.

    Na ja, so ist das ja nicht: Behalten dürfen, was man sich gekauft hat und nicht bezahlt. Eher - im Extremfall - ein Haus gehabt, viel Geld für Modernisierung geborgt, Schulden nicht geschafft und nun sind Modernisierung _und_ Haus weg. Und Schulden bleiben.

    Ich finde die Idee klasse.
    Th.R.

    .
    "... Wer Geld leiht und es nicht zurückzahlen kann, muss zum Wohl des Systems bankrott gehen können ohne etwas davon behalten zu dürfen. ..."

    Die Banken liess man NICHT bankrott gehen, sondern erfand die Räuberpistole der "Systemrelevanz", päppelte die Institute mit STEUERGELDERN und lagerte die faulen Kredite in Bad Banks aus.

    Was Occupy kauft, ist nichts anderes als die bei den Bad Banks gelagerten, ehemals von käuflichen Rating-Hengsten zu "triple-A" zurechtgelogenen Assets zu deren heutigem Marktpreis.

    Da wird niemand "belohnt".

    Würde Occupy nicht kaufen, lagerten und schimmelten diese "toxischen" assets nur eben weiterhin in den Bad Banks vor sich hin.

    Die einzigen mit bestenfalls einigermassen Interesse an derartigen Risiko-Investitionen wären vielleicht "vulture-funds".

    http://en.wikipedia.org/w...

    Diese ruinieren aber lieber Länder mit durchweg käuflicher Jurisprudenz, weil sie mit Recht befürchten, ihr Geschäftsmodell, breit durchgezogen wider Amerikanische Privatschuldner, könnte in Nordamerika vermutlich keinen Schutz des Supreme Court finden.

    • pabich
    • 27. November 2012 12:38 Uhr

    Leider hat diese Idee das potential ihr eigener Untergang zu sein.

    Wenn diese Idee populär werden sollte (was sie verdient hat) werden notwendigerweise die Banken anfangenkönnen die Preise der Papiere zu erhöhen. Wenn die Preise zu sehr steigen, wird die effektivität der Methode nachlassen, und es kann sich eine "Hype-vorbei" Stimmung breit machen. Das würde dann zu einem einbruch der Spenden führen der sich warscheinlich nicht erholt wenn die Preise wieder fallen...

    Die bessere Lösung wäre, wenn der Staat die Banken verpflichten würde anstelle des Verkaufs der Papiere den Schuldnern einen Rabatt anzubieten. Sozusagen sicherzustellen, dass der Buchwert den Realwert nicht unterschreiten darf.

    Als Reaktion darauf würde ich erwarten, dass die Banken weniger Kredite an Risikofälle vergeben - was in einigen Fällen ja durchaus hilfreich sein kann. Leider kann ich mir auch Fälle vorstellen, wo dies Leuten die auf der Kippe stehen den Boden unter den Füssen wegzieht.

    Man bedenke: In den USA ist die Hypothek an das haus geknüpft. Wenn der Schuldner auszieht und den Schlüssel der Bank gibt ist er auch die Hypothek los. Das ist bei uns etwas anders....

    Ich finde der Verleiher des Geldes sollte dafuer gerade stehen muessen, denn der war gierig, und Gier ist eine Todsuende. Und der Verleiher hatte es in der Hand, das Geschaeft zu vermeiden, warum soll der Schuldner der Boese sein? Der Glaeubiger hat im Normalfall auch viel mehr Expertise. Und auch deshalb gehoert Frau Merkel an den Pranger, denn die schaebische Hausfrau verleiht auch nicht gedankenlos Geld. Und damit dies nicht wieder geschieht, sollte der Glaeubiger leiden. Moral bringt uns nicht weiter.

  2. "aber die Idee, dass die Privatwirtschaft die Aufgaben des Staates übernimmt oder ergänzt, muss in Deutschland wie ein Sakrileg klingen"

    Eigentlich ist es traurig. Denn es macht diese Menschen vom Wohlwollen der Reichen abhängig. Und den Rechtsanspruch auf Hilfe ist etwas, was ich in Deutschland sehr schätze. Denn leider kann es jeden treffen. Sei es Unfall, schwere Krankheit, Krankheit von Angehörigen oder eine Naturereignis.

    Klar muss es hier Grenzen geben - so das einige wenige nicht die Mehrheit ausnutzen können - aber das auch in der Versicherungswirtschaft gültige Prinzip große (seltene) Unglücksfälle auf den Rücken vieler zu verteilen ist schon ein sehr gutes Modell.

    Und das Firmen Aufgaben des Staates übernehmen, weil dieser zu schwach oder dazu nicht bereit ist hatten wir in Deutschland schon. So z.B. das Wohlfahrtssystem der Firma Krupp - nur ist das schon eine Weile her.

  3. Etwas ganz ähnliches wollen die EU Staaten mit Griechenland machen. Sie wollen den privaten Gläubigern Griechenlands Schulden abkaufen. Aber im Gegensatz zu Occupy sollen diese Schulden nicht erlassen werden, sondern sollen Griechenland unter Nennwert wieder verkauft werden, so dass sich Griechenland ein Teil seiner eigenen Schulden erlassen kann. Nur ist der Kauf von eigenen Schulden unter Nennwert vermutlich illegal.
    Und zum Zweiten werden dadurch Schuldausstände bei privaten Gläubigern zu Schuldausständen bei öffentlichen Gläubigern. Da die öffentlichen Gläubiger das Geld für den Schuldenrückkauf bereitstellen.

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    .
    Warum sollte der Kauf von "Schulden" zu deren "Marktwert" grundsätzlich illegal sein?

    Eher ist das Gegenteil der Fall.

    Der Handel mit Schuldtiteln, wenn diese "notleidend" werden, sollte in einem Idealen Markt doch ganz im Gegenteil sogar wünschenswert sein, damit nicht Staaten einspringen müssen sondern sich die Schuldner und die Gläubiger im idealen, nicht staatlich gestörten Markt ALLEINE zu einigen hätten.

    Problematisch ist daran nur, dass Griechenland nicht von der EZB die Mittel zu EZB-Konditionen leihen kann WIE DIE BANKEN DAS JA AUCH KÖNNEN, sondern dass Griechenland ohne Not unwirklich hohe Zinsen an BANKEN zahlen müsste, um an das Geld zu gelangen, seine eigenen Schulden zu deren derzeitigem Marktwert zurückzukaufen.

    Es bleibt immer ein Nullsummenspiel.

    Die Bankenkrise hat zu einer Staatsschuldenkrise geführt, weil die Banken zu "systemrelevant" zurechtgelogen worden waren anstatt sie aufschnappen zu lassen wie es der ideale Markt verlangt hätte.

    Jetzt muss man auch den zweiten Schritt gehen und den Staaten ebenso systemrelevant ermöglichen, die künstlich geblähten Schulden wieder zu zerstören.

    Am Ende sind viele unrechtmässig zusammengestohlene "Vermögen" aus der Systemrelevanzlüge weg, und die Staatsschulden sind wieder in realistischen Grössenordnungen angelangt.

    Anders als durch Deckung der Staatsschuld mit eben jenen Vermögen, die aus den unrechtmässig entstandenen Staatsschulden stammen wird das System nicht wieder flott werden.

    Wenn der Schuldner selbst als Käufer auftritt, müssten dann nicht die Schulden wieder mit dem Nennwert beziffert werden?

    Wenn dem nicht so wäre, könnte man sich einen Kredit leihen und im gleichen Zug kundtun, dass man niemals die Absicht hat die Schulden zurückzuzahlen. Und statt dessen dem Gläubiger ein Angebot machen wieviel der Schulden man denn bereit wäre zurückzuzahlen.

    Was den Schuldenrückkauf der EU Staaten und Griechenland betrifft, ist die absolute Priorität der europäischen Staaten, privaten Gläubigern eine Ausfallgarantie für Verluste zu geben. Mit der Argumentation dass die Märkte wieder Vertrauen fassen müssen. Nur geht das auf das Gemeinwohl der geldgebenden Länder und auch Griechenlands. Das entspricht einem Kniefall der europäischen Politik vor den ominösen Märkten. Die Politik wird zu Lakai der Märkte die im vorauseilendem Gehorsam Empfehlungen ausspricht die unfehlbar sind. Das ist der Anfang eines Finanzabsolutismus dem die Politik Gehorsam zu leisten hat. Die Politik wird steuerbar durch wenige Menschen die über genügend flüssiges Kapital verfügen und sich zu Bedingung machen können. Nur das diese Geldgeber nie demokratisch gewählt wurden.

  4. bevor ich aber in deutschland jemanden was spende, spende ich menschen die wirklich was brauchen. das ist in deutschland halt nicht der fall.

  5. Diese Idee aus Amerika kann Deutschen nicht gefallen, gleich ob sie politisch links, rechts oder irgendwie grün-scheinalternativ angesiedelt sind. Denn das einigende geistige Band des deutschen Volkes ist seine tiefe Liebe zum Staat. Natürlich nicht zum realexistierenden, denn der kümmert sich um die jeweilige Klientel viel zu wenig. Immer sind es zu wenig Sozialausgaben und dann noch für die Falschen an falschen Stellen, die Renten sind viel zu niedrig, die Familien darben bei nur 190 Milliarden Ausgaben für die Familienförderung, und unsere Beamten und Angestellten vegetieren so recht und schlecht über den Tag. Aber die Idee des allumsorgenden Staates für Alle, die ist gut, sie müsste eben nur richtig verwirklicht werden, denkt die schwäbische Hausfrau genauso, wie der linksliberale Hochschulprofessor aus Berlin-Mitte.
    Mit so viel Liebe ist viel Staat zu machen, die Amis mit ihrer Staatsfeindlichkeit können uns den Buckel runter rutschen!

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    • Bommel
    • 27. November 2012 12:31 Uhr

    wünschen sich ja viele Deutsche die Gesellschaft als Solidargemeinschaft und den Staat als ihren Verwalter?

    Der Staat hat die Pflicht uns sämtliche Wünsche zu erfüllen.Eigenverantwortung ist die reinste Zumutung.

  6. wer zu solchen Konditionen Schuldverschreibungen weitergibt, hat diese schon abgeschrieben.

    Trotzdem gut, wenn möglichst viele dieser Pakete aufgekauft werden könnten.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte USA | BASF | Bank | Dollar | Finanzkrise | Forbes
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