Die USA stehen voraussichtlich vor einer der knappsten Präsidentschaftswahlen ihrer jüngeren Geschichte . Symptomatisch: Die Wahl hat gleich in den ersten Minuten nach Öffnung der Wahllokale mit einem Patt begonnen. Zehn Wahlberechtigte im Dorf Dixville Notch im Bundesstaat New Hampshire haben ihre Stimmen bereits abgegeben. Bei der Abstimmung erhielten Amtsinhaber Barack Obama und sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney jeweils fünf Stimmen.

Auch in den letzten landesweiten Umfragen lagen beide Kontrahenten gleichauf. Zwar hatte Obama immer einen hauchdünnen Vorsprung, dieser lag jedoch innerhalb der statistischen Fehlerquote. Eine aktuelle Erhebung des Pew-Instituts sowie eine gemeinsame Umfrage der Washington Post und des TV-Senders ABC sehen Obama drei Prozentpunkte in Führung; die Erhebung von Reuters/Ipsos sieht gar nur einen Unterschied von zwei Prozentpunkten.

Die Amerikaner richten sich auf eine lange Wahlnacht ein. Es galt als möglich, dass das Ergebnis erst nach Tagen feststeht. Auch die Wahlkampflager von Demokraten und Republikaner bereiten sich auf einen möglichen langwierigen Streit um Abstimmungsergebnisse vor und heuerten bereits zahlreiche Anwälte an. 

Und auch die Kandidaten selbst versuchen bis zum Schluss, ihre Anhänger zu mobilisieren . Romney geht mit seinem Wahlkampf sogar in die Verlängerung und kündigte zusätzliche Termine noch während der Abstimmung an. Ursprünglich hatte der Obama-Herausforderer seine Abschlussveranstaltung für Montagabend in New Hampshire vorgesehen, nun will er nach seiner eigenen Stimmabgabe am Morgen in seinem Heimatort Belmont im Bundesstaat Massachusetts noch in den Bundesstaaten Ohio und Pennsylvania auftreten. Den Wahlabend schließlich verbringt Romney in Boston in Massachusetts, wo das Hauptquartier seiner Kampagne ist.

Obama wiederum, der seine Stimme bereits vorzeitig abgegeben hatte, wartet auf die Ergebnisse in seiner Heimatstadt Chicago . Zuvor absolvierte er seine Abschlusskundgebung in Des Moines in Iowa . Dabei rief er seine Anhänger dazu auf, bis zur letzten Minute für einen Sieg zu kämpfen. Sie sollten auch sicherstellen, dass Freunde und Verwandte zur Wahl gehen. "Es kommt jetzt auf jeden von uns als Bürger an", sagte er. Und in einem Radiointerview äußerte der Präsident die Sorge, dass viele seiner Unterstützer der Wahl fernbleiben könnten. "Wir haben genügend Wähler, um zu gewinnen, es ist nur die Frage, ob sie auch kommen."

Offiziell beginnt der Wahltag um fünf Uhr morgens Ortszeit (elf Uhr MEZ) mit der Öffnung der Wahllokale im Bundesstaat Vermont. In besagtem Dorf Dixville Notch öffnen die Wahllokale seit 1948 bereits um Mitternacht. Die Bürger von Hawaii und Alaska sind die Schlusslichter. In Alaska sind die Wahllokale bis sechs Uhr MEZ am Mittwoch geöffnet.